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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-09-11 · Heft 37 (11.9.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 37 (11.9.1896)
Date
1896-09-11
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang, «r. 37. DpP Berlin. 11. September 1896. Weilage zur „Allgemeinen Peilung öes IuöenLHurns". Korrespondenten und Nachrichten. Deutsch! an-. L2 Berlin, 10. September. Dem Bericht der Stellvertreter des geschäftsführenden Vorsitzenden über die Thätigkeit des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes in der Zeit von 1892 bis 1896, der ursprünglich als Vorlage für den siebenten Gemeindetag am 21. Juni 1896 bestimmt mar, dort aber nicht zur Verlesung kam, sondern erst in den neuesten „Mittheilungen" abgedruckt wurde, entnehmen wir die folgenden interessanten Daten: Das Ausschußkollegium zählt z. Z. 15 Berliner und 12 auswärtige Mitglieder, dem Kollegium der Delegirten gehören 99 Männer an, von ihnen haben 7 ihren Wohnsitz in Berlin. Den letzteren Herren ist ein bestimmter Wirkungskreis zugewiesen: sie unterstützen im Rechnungswesen, sie vermitteln das Verhältniß zur Victoria oder sind sachverständige Mitglieder und Berather der Gemeinde - Unterstützungs - Kommission und der Lehrabtheilung. Die auswärtigen Delegirten übernehmen die Vertretung des Bundes in Kollegien und Versammlungen, insbesondere auf Lehrertagen, geben über Personen und lokale Einrichtungen Auskünfte, die sich wegen der genauen Kenntniß der örtlichen Verhältnisse unentbehrlich erweisen, sie haben auch die beste Gelegenheit, für die Ausbreitung des Bundes unter den Gemeinden und Privatpersonen und Beschaffung größerer Mittel für spezielle Zwecke Sorge zu tragen. Zum Delegirten wurde neu ernannt Herr Rabbiner Dr. Samuel in Essen. Dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde gehören außer drei Gemeindeverbänden : dem Ostpreußischen, dem Oberschlesischen und dem Westfälischen, zur Zeit 584 Gemeinden an. Diese vertheilen sich auf die preußischen Provinzen und auf die Gebiete des Deutschen Reiches wie folgt: Ostpreußen 6 (hierbei sind die Mitglieder des Ostpreußischen Gemeindebundes nicht mitgezählt), Westpreußen 21, Berlin 1, Provinz Brandenburg 20, Pommern Ä, Posen 48, Schlesien (die Mitglieder des Oppelner Verbandes nicht mitgezahlt) 28, Provinz Sachsen 12, Schleswig - Holstein 3, Hannover 39, Westfalen (ungerechnet die Gemeinden des Westfälischen Verbandes) 57, Hessen - Nassau 86, Rheinprovinz 78, Hohenzollern 3. Jnsgesammt in Preußen 423, Königreich Baiern 35, Königreich Sachsen 7, Königreich Württemberg 7, Großherzogthum Baden 14, Großherzogthum Hessen 39, Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin 3, Großherzogthum SachsemWeimar-Eisenach 6, Großherzogthum Mecklenburg-Strelitz 1, Großherzogthum Oldenburg 9, Herzogthum Braunschweig 6, Herzogthum Sachsen - Meiningen 7, Herzogthum Koburg - Gotha 2, Herzogthum Anhalt 5, Herzogthum Schwarzburg - Sondershausen 2, Fürstenthum Waldeck 3, Fürstenthum Reuß, jüngere Linie 1, Fürstenthum Schaumburg-Lippe 3, Fürstenthum Lippe 5, die Hansastädte Hamburg, Bremen, Lübeck 3, Unter - Elsaß 3. Es ist erfreulich, daß nunmehr auch die elsässischen Gemeinden mit dem D. I. G.-B. und seinen Bestrebungen sich befreunden. Das Gesammtvermögen des Bundes und seiner Stiftungen weist ein erfreuliches Wachsthum auf. Während es am 27. März 1892, dem Datum' des jüngsten Gemeindetages, 169 611,05 Mark betragen hatte, war es am 1. April 1893 auf 188 601,29 Mark, 1. April 1894 auf 217463,70 Mark, 1: April 1895 auf 238 663,16 Mark, 1. April 1896 auf 265 466,05 Mark gestiegen. Es ist also um rund 100000 Mark gewachsen. — Der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" hat in diesen Tagen verschiedene Zuschriften in Ausführung des Beschlusses des siebenten Gemeindetages vom 21. Juni d. I., die Gründung von Bezirks- Gemeinde-Berbänden betreffend, an die Vorstände der jüdischen Gemeinden in Landes-, Provinzial- und Regierungs-Hauptstädten, an Rabbiner und Rabbinatsgemeinden, sowie an Ausschußmitglieder und Delegirte des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes verschickt, damit dieselben das Zustandekommen dieser wichtigen Organisation, über die wir bereits ausführlich berichtet haben, in wirksamer Weise unterstützen. L2 Berlin, 6. September. Dr. Isidor Zabludowski, der langjährige Assistent Professor von Bergmanns und Leiter der Massage- Kuren in der königlichen chirurgischen Universitätsklinik, ist zum Professor ernannt worden. Derselbe ist 1851 zu Bialystock in Rußland geboren. Er.machte dort seine Studien. Um 1880 kam er als Patient zu Dr. Mezger in Amsterdam. Hier lernte er die Massage genau kennen. Ihrem Studium und ihrer Ausübung widmete er sich fortan. 1882 . veröffentlichte Zabludowski in russischer Sprache die Schrift „Die Massage gesunder Menschen". Um diese Zeit kam er nach Berlin. Er trat als Praktikant in die experimentelle Abtheilung der physiologischen Universitätsanstalt ein, um unter Hermann Kronecker über die physiologischen Grundlagen der Massage zu arbeiten. Daran schloß Zabludowski umfangreiche praktische Untersuchungen an Kranken über die Massagewirkung an. Es standen ihm dafür besonders die Kassenkranken der chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegelstraße zu Gebote. Zabludowski hat wesentlich dazu beigetragen, die Ausübung der Massage in. Deutschland einzubürgern. 1885 erwarb Zabludowski, der russischer Stabsarzt a. D. (st, die ärztliche Approbation für das Deutsche Reich. §£> Berlin, 9. September. Unsere Museen haben in der Abtheilung der vorderasiatischen Alterthümer wieder ein sehr werthvolles Geschenk von Herrn James Simon erhalten, dessen Familie die Sammlung außer vielem Anderen auch schon die Thontafeln von Tel - el - Amarna verdankt. Das neue Geschenk besteht in etwa 500 Thontafeln aus der zweiten Dynastie von Ur (drittes Jahrtausend v. Ehr.), die mit Verwaltungsschriftstücken aus den Tempeln von Layasch, dem heutigen Tello, bedeckt sind und ein anschauliches Bild von dem gewaltigen Umfange dieser Anlagen, von dem geschäftlichen Leben und der Verwaltung der Landgüter geben. stz Königsberg i. Pr., 7. September. Professor Dr. Hermann Minkowski von der.hiesigen Universität ist auf die Züricher ordentliche Professur der Mathematik berufen worden. Dieser junge Gelehrte wurde 1864 zu Alexoten bei Kowno geboren. Er erhielt seine Erziehung in Königsberg. Mit selbständigen mathematischen Arbeiten trat Minkowski ungemein früh, erst neunzehnjährig, 1863 hervor. Nach Beendigung seiner Universitätsstudien habilitirte sich Minkowski bei der Universität Bonn als Privatdozent. Später wurde er dort zum außerordentlichen Professor befördert. 1894 wurde er in gleicher Eigenschaft an die Universität Königsberg versetzt. 1895 erhielt er eine ordentliche Professur bei der Albertina. Zugleich wurde er zum Mitdirektor der mathematischen Abtheilung des mathematisch-physikalischen Seminars . ernannt. Minkowskis Arbeitsfeld ist vornehmlich die Zahlentheorie. Seit Jahren arbeitet er an einer „Geometrie der Zahlen". 6. Danzig, 5. September. Strahlender Lichterglanz durchfluthete gestern Abend die glänzenden Räume der neuen Synagoge, denn die Gemeinde feierte die Amtseinführung ihres neuen Rabbiners Dr. Blumenthal. Dem feierlichen Akte wohnten als Ehrengäste die Herren Erster Bürgermeister Delbrück, Bürgermeister Trampe, Reichs- und Landtagsabgeorvneter Rickert, sowie mehrere andere angesehene Mitbürger bei. Die Feier begann mit einem Orgelpräludium. Nach dem Spiel sang dann ein aus Herren und Damen gebildeter Chor unter Orgelbegleitung das Lied: „Dies ist mein Bund mit ihnen". Nunmehr hielt der Vorsitzende der Gemeinde, Herr Davidsohn, an Herrn Dr. Blumenthal eine sehr herzliche Ansprache, in der er u. A. Folgendes betonte: „Nicht in schneller Aufwallung eines leicht irreführenden Gefühls haben wir Sie gewählt, sondern, wie der Ernst und die Wichtigkeit der Sache es bedingt, haben die berufenen Gemeindeorgane nach langer, reiflicher Ueberlegung, nach sorgsamster Prüfung ihre Entschließungen gefaßt, dann.aber Sie einstimmig zum Rabbiner der Gemeinde berufen. Und nun ist der Tag gekommen, da Sie eintreten in das neue Amt, da Sie der Unserige, wir die Ihrigen ^werden. Nicht gering sind die Pflichten, die Sie heute übernehmen.

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