Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- Seite 444 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Fitterarische Mittheilungen. -- E. Landau: Die gegensinnigen Wörter im Alt-Ün^ Neuhebräischen, sprachvergleichend dargestellt. Berlin 1896. Calvary & Comp. Der Verfasser hat sich ein sehr schwieriges Thema gewählt, das' nicht blos philologisch oder sprachwissenschaftlich, sondern auch psychologisch^ - behandelt werden muß. Referent findetdaher die Anordnung sehrzweckmäßig, wenn der Verfasser außer der ausführlichen Einleitung 1—38, die das Problem der gegensinnigen Wörter im Allgemeinen, das derjenigen im Alt- und Neuhebräischen im Besonderen genügend bespricht^ auch jedem Kapitel (diese sind nach Kategorien eingetheilt) einen kurzen psychologischen Ueberblick voraüsgehen läßt. Wie alle Sprachen, so hat auch die Alt- und Neuhebräische Sprache gegensinnige Wörter, d. H Wörter, deren Lautkomplex eine Bedeutung A und eine ihr gerade entgegengesetzte X haben. Einige Beispiele mögen dies veranschaulichen Kez bedeutet ebenso Anfang wie Ende, amacl sowohl bleiben wie aufhören. L. theilt sehr geschickt alle gegensinnigen Wörter der AltuM Neuhebräischen Sprache in bestimmte Kategorien ein, z. B. Kategorie der räumlichen Verhältnisse, der zeitlichen Bestimmungen, der Bewegung^ der Affekte u. s. w. Besonders hervorzuheben ist, daß der< Verfasser auch den Gegensinn der Präpositionen und der Konjunktionen unter der Kategorie der Beziehung sehr eingehend bespricht. Während der Verfasser das Psychologische in der Einleitung des Buches und im Eingänge jeder einzelnen Kategorie sehr richtig, den (sprach-) psychologischen Gesetzen immer sehr treu folgend, behandelt, so läßt das Sprachvergleichende zu wünschen übrig. Besonders auf althebräischem Gebiete begegnen wir bei dev Vergleichung mit anderen semitischen Sprachen oft Paralellen, .die ziemlich willkürlich sinh und den semitischen Lautgesetzen kaum entsprechen. S. 29 3^ reich s. mit arabisch, asara arm s. istunmöglich zu vergleichen, denn das aramäische reich s. weist darauf hin, daß hebräisch asar nothwendig arabisch gatliara üppig, voll (— reich s.) sein muß. Vergleiche Hoffmann Phönikische Inschriften 22. Es ist somit in diesem Falle gar kein Gegensinn. So sind auch S. 45 323 arabisch basaäu, 49 arabisch sakala, 65 ^1 arabisch thamara, 93 arabisch thalama, 177 33^ arabisch tara, 41 die genannte Gruppe der Zischlaute gegen alle semitischen Lautgesetze verglichen, blos um scheinbar den Sinn und Gegensinn herauszubringen. Für einen Fehler müssen wir auch den völligen Mangel an Herbeiziehung des semitischen epigraphischen Materials erklären. S. 212 *DJI spezif. Hebräisch." Diese Partikel kommt aber in der Nesa-Inschrift und in den 2evgw1i-Inschriften (Ausgabe D. H. Müller) vor. S. 221 £723 Grabdenkmal sehr häufig in sabäischen Inschriften. S. 187 spezif. Hebräisch." ist assyrisch nagasu zu vergleichen. Ebenso sollte auch das Aethiopische häufiger herbeigezogen werden, so' S. 209 zu ^28 äthiopisch enbala-; S. 219 sollte in der Bedeutung „wie" (Richter 13, 17), äthiopisch mi> wie angeführt werden. S. 59 ,3)$? 1. i"^j (muß heißen vielleicht Druckfehler) njj?, 2. fehlt aber 3^, 3. --- arabisch gana, singen. S. 76 sind zweierlei vermischt worden, imggev, übergeben, gehört einem Stamme magan, magen, Schild, gehört einem Stamme, gavan an. Auch das Sprachgeschichtliche wurde hier und da vernachlässigt. S. 140 arabisch tübatun ist erst späte Entlehnung aus dem Jüdischen. S. 165 Fpfj müßte auf Lagarde, Uebersicht 232, über das arabische Hanlf auf Grimme, Muhammed II. 59 hingewiesen werden. Die richtige. Vermuthung S. 65 •njj-pi II. Sam. 22, 46 sei IJ1333 ist mit Psalm 18, 46 zu belegen. Das Vorkommen von kuriosen Etymologien — sowohl logisch als sprachlich — mögen einige Beispiele beweisen. S. 149 3SX? Grundbedeutung „über einen im Raume bestimmten Punkt hinweg sich bewegen, also anschwellen (!) S. 167 zu 3Jß arabisch sagaäa niederfallen — sich aufrecht hinstellen, behauptet der Verfasser „der Gegensinn sei hier nicht befremdlich, denn nach dem Bücken.stellt man sich wieder gerade hin." S. 150 wird die alte unrichtige Etymologie, F|33 sei aus 33 und F|3 entstanden, acceptirt. Heute sollten solche Dinge in einem sprachverglelchenden Buche nicht mehr Vorkommen. Delitzsch Prolegomena (1886) hätten eines Besseren belehren können. Noch auf einen Punkt will ich hier aufmerksam machen. Der Ver-° sasser hat oft den Anderen-Sinn mit dem Gegen-Sinn verwechselt, so S. 59 bei 120 bei 123 bei ‘"ftflfc, 126 bei 313, 161 bei □1p u. v. a Diese Stämme haben wohl auch einen anderen Sinnjedoch keinen Gegensinn. S. 223 p^l arabisch ^atbic; fest, tüchtig — neuhebräisch p'HI das griechische hektikos, krank, leidend. Darf ntau bei solch verschiedenen Sprachen von Sinn und Gegensinn sprechen? Ich darf Mer meine Rezension nicht schließen, ohne auch die großen Vorzüge^ die'das Buch enthält, zu erwähnen. Es ist eine sehr fleißige, zum größten Theil sehr besonnene Arbeit, die viel Neues und Ansprechendes enthält. Besonders hervorgehoben zu werden verdient das ganze Kapitel der Kategorie der Privation 61—87. Ueberaus gelungen ist die Erklärung von (S. 77) „entschwägern". Ebenso sinnreich-ist neuhebräisch 318 Abend durch die Annahme erklärt, es sei denn für *118 (S. 137);. auch die Erklärung von (S. 195) verdient Beachtung. — Als ein ganz besonderes Verdienst rechnen wir dem Verfasser an, daß er in seine Arbeit eine sehr große Anzahl von vortrefflichen Bemerkungen der mittelalterlichen jüdischen Grammatiker uud Lexikographen, die sonst sehr gerne verschwiegen werden, mit vorsichtiger Auswahl aufnahm. Möge das auch sehr schön uusgeftattete Buch weite Verbreitung finden. Dr. David Künstlinger. — Eine neue hebräische Monatsschrift, die den Titel führt: „Zion, Hebräische Monatsschrift für die Wissenschaften des Judenthums", ist soeben, herausgegeben von A. H. Zupnik, Redakteur der „Drohobyczer Zeitung" zu Drohobycz, Galizien, mit dem ersten Heft erschienen. Dieses enthält interessante Beiträge auf allen Gebieten der Wissenschaft des Judenthums, von hervorragenden Schriftstellern und Gelehrten. Der Zweck des Unternehmens ist ohne Zweifel ein löblicher. Nur gegen die Fassung des Titels haben wir einzuwenden, daß es keine „Wissenschaften"; sondern nur eine Wissenschaft des Judenthums giebt, die allerdings verschiedene Gebiete umfaßt. Der Preis ist ganzjährig 3 fl. oder 6 Mark. Spuertzfcral. CSSie Nr. 33 der „Mittheilungen aus dem Verein z. A. d. A." brachte <33 eine Notiz, welche das Urtheil eines christlichen orthodoxen Schulmannes, des Seminarlehrers Zeglin in Dramburg, über Bert hold Auerbach aus dessen Buch: „Praktische Winke über die Fortbildung des Lehrers im Amte", enthielt. Diese Notiz war — wie ich erfuhr — aus dem „Lehrerheim" entnommen. Die Redaktion hielt es aber nicht für nöthig, zu bemerken, daß diese Notiz einem kleinen Feuilleton-Artikel der „Allg. Ztg. d. Jud." Nr. 11 vom 13. März 1691 entnommen war und daß der Unterzeichnete der Verfasser dieses Artikels ist. Es ist dies dieselbe Redaktion, die mich in ihrem unabhängigen Organe, eben diesem „Lehrerheim", der Ehre gewürdigt hat, mich für meine Wirksamkeit auf dem Berliner Delegirtentag zur Gründung des „D. I. L. B." und für meine Thätigkeit in dieser Angelegenheit verschiedene Male anzugreifen. Ich habe leider die Nummer des „Lehrerheim" nicht zur Hand, welche die rührende Uebereinstimmung des Herrn Redakteurs mit meinem oben gedachten Artikel enthält. Wahrscheinlich aber enthält auch dieselbe Nummer eine Schmeichelei für mich, die mein Wirken für den „D. I. L. B." kritisirt. Sollte dies aber auch nicht der Fall sein, so ist es doch vor- oder nachher im „Lehrerheim" geschehen. Man bedenke: Vorn sagt mir die Redaktion reizende Anzüglichkeiten und hinten druckt sie ganz vorurtheilslos einen Artikel von mir ab. Erinnert dies nicht die geehrten Leser an das gute alte Dichterwort: „Der Deutsche liebt den Franzmann nicht, doch seine Weine trinkt er gern." Wollstein, 23. August. Ergebenst H. Becker, Lehrer. * :■ . Qrjht der Nummer 35 Ihres geschätzten Blattes stand in der Rubrik <35 „Aus der Provinz Posen", daß ich von Samotschin nach Schwersenz berufen worden sei. Ich bitte dies dahin zu berichtigen, daß ich bereits seit 21/2 Jahren, seit dem 1. März 1894 hier amtire. Schwersenz, 31. August. - S. Gostynski, Kantor. * Ofen Betreff Ihrer Mittheilung aus Oldenburg (in Nr. 35 Ihres <38 werthen Blattes) über den „Allgemeinen deutschen.Sprachverein" gestatte ich mir insofern eine Berichtigung, als der jüdische Banqüier Herr Carl Magnus, hier, in die Vereinsleitung wiedergewählt ist — die Bemerkung „judenrein" demnach hier nicht am Platze ist Braunschweig, den 1. September. H. Mielziner. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.