Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- Seite 436 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bericht über die 28. Jahresversammlung der israelitischen Fehrerkonferrnx Hessens am 6. Juli 1896. ntsprechend unserer bisherigen Gepflogenheit, unsere Versammlungen abwechselnd in Cassel und einem im Süden unseres Rgierungsbezirkes gelegenen Orte abzuhalten, fand die diesjährige Versammlung an der äußersten Grenze desselben, in Bocken heim. Mit. Wenn auch die im Süden wohnenden Kollegen dies Entgegenkommen gewürdigt hatten, so blieb doch die Zahl der Teilnehmer gegen frühere Jahre erheblich zurück, da der eigentliche Stamm der Konferenzbesucher theils wegen der weiten Entfernung, theils wegen familiärer Verhinderungen die diesjährige Versammlung nicht besuchen konnten. Ausweislich der Präsenzliste waren 31 Mitglieder und 12 Gäste erschienen. In herkömmlicher Weise wurde die Versammlung durch Choralgesäng eröffnet. Mit herzlichen Begrüßungsworten leitete sodann der Vorsitzende, Herr Seminardirektor Dr. Stein, seine auch diesmal wieder erhebende Eröffnungsrede ein. Ausgehend von der Bedeutung Frankfurts ldem Bockenheim seit einigen Jahren einverleibt ist) für das Judenthum, im Mittelalter und bis an die Schwelle unserer Zeit und ausführend, daß aus denselben Anschauungen und historischen Verhältnissen, die Anfangs dieses Jahrhunderts das Frankfurter Philantropin ins Leben riefen, auch das Kasseler Seminar hervorgegangen sei, wie ja auch fast zu gleicher Zeit an beiden Orten Vereine zur Förderung des Handwerks, der Kunst und Wissenschaft unter den Juden entstanden seien, gedachte die Eröffnungsrede. Gabriel Rießers, der gerade von Bockenheim aus durch seine Schriften, die durch ihre überzeugende Macht und ihren edlen Stil tiefer auf die Gesetzgeber seiner Zeit einzuwirken im Stande waren/ das zum Ziel führte, was Israel Jacobsohn von Cassel und Wolf Breidenback von Frankfurt aus nur anstreben konnten. Sollte die Emanzipation erreicht werden, für welche gerade Gabriel Rießer so begeistert und ausdauernd, aber auch mit so großem Erfolge eintrat, so mußte zunächst das Judenthum den Beweis erbringen, daß sich deutsche Bildung und Gesittung mit treuester Anhänglichkeit an den väterlichen Glauben wohl vereinigen lasse. Besonders sei da die Schule die Vermittlerin zwischen dem Alten und Neuen geworden; sie habe von ihrer stillen Werkstatt eine ungekannte Entwickelung vorbereitet und ein Geschlecht herangebildet, dasjene Aufgabe zu lösen im Stande war. Zur Erreichung dieses Zieles habe aber die Schule zu allen Zeiten der thatkräftigsten Unterstützung des Elternhauses bedurft und darum stets darauf Bedacht genommen, dasselbe für die gemeinsame Arbeit auf dem Gebiete nder religiösen und sittlichen Erziehung zu gewinnen. Mit dem Wunsche, auch unsere heutigen Verhandlungen möchten zur Erreichung dieser Ziele beitragen, damit für die alten Ideale neue Begeisterung gewonnen werde, und unsere Schule nimmer ihrer Bestimmung verlustig gehe, deutsche Bildung und Gesittung mit der Treue gegen die väterliche Religiou.in Uebereinstimmung zu bringen, schloß Redner, dem die Versammlung für die begeisternden Ausführungen mit reichem Beifall dankte. Nachdem das Büreau in der Weise gebildet war, daß Herr Gsttkin d-Cassel zum Stellvertreter des Vorsitzenden, und die Unterzeichneten zu Schriftführern bestimmt wurden, stellte der Vorsitzende die erschienenen Gäste vor, von denen die Herren Rabbinen Dr. Munk-Marburg, Dr. Jakob-Göttingen, Dr. Horowitz-Frankfurt sowie Herr Realschuldirektor Dr. Bärwald besonders erwähnt sein mögen. Außer ihnen hatten uns wieder mehrere Kollegen aus benachbarten Provinzen beehrt. Von den der Versammlung mitgetheilten Entschuldigungen führen wir nur diejenige des zum Delegirten des D. I. G. - B. bestimmten Herrn Rechtsanwalts Plotke-Frankfurt, sowie diejenige unseres leider durch Krankheit verhinderten Ausschußmitgliedes Herrn Cornelius - Rotenburg, an; Letzterer, sowie Herr Hauptlehrer Andorn-Crefeld, früher Mitglied unserer Konferenz, hatten die Versammlung schriftlich resp. telegraphisch begrüßt.;; Aus dem vom Ausschüsse erstatteten Jahresberichte sei zunächst Erwähnt, daß Herr Dr. Munk dem Ausschüsse die Ausführung des im vorigen Jahre übernommenen Auftrages, den von genanntem Herrn im vorigen Jahre auf der Jahresversammlung gehaltenen Vortrag: „Was ist Thierschutz und wie soll die Pflicht der Schonung der Thiere und Pflanzen in der israelitischen Schule gelehrt werden?" dem Drucke zu übergeben, dadurch in dankenswerther Weise erspart hatte, daß er dre Drucklegung auf eigene Kosten veranlaßte. Auch hat derselbe der Konferenz eine größere Anzahl Exemplare des Vortrages, der in der Elwert'schen Buchhandlung erschienen ist und weitesten Kreisen empfohlen sein möge, ... zur Gratisvertheilung überwiesen. In einer seiner Sitzungen hatte sich der Ausschuß mit dem dem Landtage vorgelegten Entwürfe eines Lehrerbesoldungsgesetzes beschäftigt, um zu den die israelitische Schule speziell berührenden Punkten Stellung zu nehmen. Die vorgesehenen Bestimmungen über die besondere Vergütung des Kirchendienstes veranlaßten den Ausschuß, dem Landtage durch Vermittelung des Hauptausschusses des hessischen Volksschullehrer - Vereins Verbesserungsvorschläge zu unter-... breiten. Der Petition des Verbandes der israelitischen Lehrervereine uns anzuschließen, unterließen wir, nachdem einflußreiche politische Parteien im Landtage angeregt hatten, auch die im privaten Schuldienste verbrächte Dienstzeit in Anrechnung zu bringen. Zu den Kosten der Versammlung hatte der Vorstand des Lehrerverbandes den Betrag von 140 M. bewilligt. Der Jahresbericht gedachte dann zum Schluffe noch der im verflossenen Vereinsjahre Heimgegangenen Kollegen und Freunde unseres Vereins, der Herren Justizrath Hirsch-Cassel, Sekretär des dortigen Vorsteheramtes der Israeliten, Schriftsteller Benedikt Hause - Eisenach, Lehrer Strauß-Burghaue und Prediger Fackcnheim - Mühlhausen. Die Versammlung ehrte das Andenken der Verstorbenen in herkömmlicher Weise. - Das auf der Tagesordnung stehende pädagogische Thema sollte die Frage behandeln : „Was ist in den israelitischen Gemeinden für die religiöse und sittliche Fortbildung der Jugend zu thun?" Der Referent, Herr Rosen bäum-Zierenberg, hatte es verstanden, dem spröden Stoffe interessante Seiten abzugewinnen und das schwierige Thema in einer die Versammlung fesselnden Weise zu bearbeiten. Neben vielem Andern^ was Referent in seinem Vortrage empfahl, schlug er hauptsächlich Begründung von Jünglingsvereinen vor, die neben der deutschen Litteratur auch das jüdische Schriftthum, neben der Liebe zum deutschen Vaterlands auch den Sinn für die angestammte Religion und die Begeisterung für die heiligen Güter Israels zu pflegen haben würden. Das Korreferat des Herrn Flörsheim-Wolfhagen, der das Thema ebenfals recht eingehend behandelte, deckte sich im Ganzen mit den Ausführungen des Referats. Von einer Besprechung der aufgestellten Leitsätze, so interessant sie auch zu werden versprach, mußte abgesehen werden, um die an sich schon knapp zugemessene Zeit wichtigen und drängenden Theilen der Tagesordnung zuwenden zu können. . Während der nun folgenden Frühstückspause mußte Herr Dr. Stein zu allgemeinstem Bedauern die Versammlung verlassen, um zur Stärkung seiner angegriffenen Gesundheit nach dem Badeorte Badenweiler abzureisen, und die Verhandlungen mußten zum ersten Male seit 28 Jahren in seiner Abwesenheit unter dem Vorsitze des Herrn Gutkind - Cassel weitergeführt werden. ' Es folgte nun der von Amram-Borken erstattete Bericht über die zwecks Begründung eines Verbandes der israelitischen Lehrervereine im Deutschen. Reiche in Berlin abgehaltene Delegirtenversammlung, an der für unsere Konferenz außer ihm noch Herr Gutkind theilgenommen hatte. Der Bericht hatte, um die Worte eines an der Debatte sich betheiligenden Gastes anzuführen, in gerechtester Weise Licht und Schatten zusammengestellt nnd empfahl Namens des Ausschusses den Anschluß an den Verband. Die Debatte, welcher hauptsächlich durch die Ausführungen des Herrn Dr. Horowitz die Richtung vorgezeichnet worden war und an der sich neben Anderen die Herren Spiro-Schenklengsfeld, Strauß- Gelnhausen, Elias-Darmstadt und der Referent betheiligten, drehte sich vornehmlich um die Frage ob dem D. I. G. - B. das Recht zugestanden werden sollte, ein Mitglied in den Vorstand des Verbandes zu delegiren. Schließlich gelangte der Vermittelungsantrag des Herrn Plaut - Grebenstein zur Annahme, die Beschlußfassung auf die nächste Jahresversammlung zu vertagen, weil die Angelegenheiten für uns noch nicht spruchreif seien. Von den „Mittheilungen" seien folgende erwähnt. Herr Goldschmidt-Brakel empfahl den „Israelitischen Jugendfreund", Herr Oppenheim-Treysa die schriftstellerischen Werke des verstorbenen Hause, die von dessen Tochter Frl. Hause zu Eisenach zu ermäßigten Preisen zu beziehen sind. Herr Amram theilte mit, daß der emeritirte Kollege Katzenstein zu Borken am 13. August seinen 80. Geburtstag begehe. Für die nächste Jahresversammlung, die zu Cassel stattfinden soll, hat Herr Blümenkrohn-Spangenberg das Referat, Herr Levi- Hofgeismar