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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-09-04 · Heft 36 (4.9.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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mit der Zeit darunter leiden. Endlich müssen wir daran denken, daß wir auch einst altersschwach und arbeitsunfähig werden, und auch für diese uns doppelt schwere Zeit wollen wir Fürsorge treffen." Aus diesen Gründen hofft der neue Verein zuversichtlich auf die Unterstützung aller in allen Gauen Deutschlands zerstreut wohnenden Leidensgenossen und auf das wohlwollende Entgegenkommen und die Förderung unserer edeldenkenden Glaubensgenossen im deutschen Vaterlande. Alle näheren Auskünfte ertheilt der Vorsitzende, Herr Willy Oppenheimer, Berlin C., Gontardstraße 5, III. e/s Berlin, 31. August. In der „Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Dörfer in Palästina" in Kairo sind soeben Proben der neuesten Ernte eingetroffen. Ungetheilte Bewunderung erregen die Trauben, deren Größe an die biblische Erzählung von den Kundschaftern erinnert; ebenso die Melonen, Feigen, Oliven und der durch seine vorzügliche Qualität hervorragende Weizen aus den neuen jüdischen Dörfern des Haurkm. Im Uebrigen hat sich diese Ausstellung nach wie vor eines lebhaften Besuches zu erfreuen. Lp. Aus der Provinz Posen, im August. Vor Kurzem beging das Rentier Kaskel'sche Ehepaar in Gnesen seine goldene Hochzeit, welcher Feier die Kinder des Jubelpaares, sowie die Enkelkinder desselben beiwohnten. Auch von jenseits des Ozeans war aus diesem Anlasse eine Tochter des Jubelpaares erschienen. — Der Kaufmann Joseph Löwe in Posen, früher in Rogasen wohnhaft, ist gestorben. Derselbe war in letzterer Stadt längere Zeit Vorsteher des Repräsentantenkollegiums und erster Vorsteher der Chewra Kadischa innerhalb der dortigen Synagogengemeinde. — Der Kantor Haller in Labischin ist in gleicher Eigenschaft nach Tuchel berufen worden. — Unter den jüdischen Badegästen in Zoppot hat sich infolge der Anregung eines Breslauer Rabbiners in diesem Sommer eine Bewegung zur Gründung einer Synagoge bemerkbar gemacht. Ein Herr Fürstenberg aus Danzig hat sich bereit . erklärt, einen Bauplatz hierfür zu schenken. Die Ausführung des Planes dürste in den nächsten Jahren zu Stande kommen. Zoppot selbst wird nur von drei jüdischen Familien bewohnt. — Das Kaufmann Litten'sche^ Ehepaar in Elbing feierte jüngst das Fest der goldenen Hochzeit. Bei dem Festgottesdienste in der Synagoge überreichte Herr Rabbiner Silberstein dem Ehepaare die Ehejubiläums-Medaille. — Zu Repräsentanten der Synagogengemeinde in Neidenburg sind die Kaufleute Heymann Pflaum, Heymann Lewin, David Kallmann, Leyser Wasserzug und, Rentier I. Schnapper gewählt worden. — Die Auswanderung der russischen Juden nimmt kein Ende. Man kann fast jeden Morgen in dem von Eydtkuhnen in Insterburg ankommenden Zuge mehrere Wagen mit diesen Reisenden bemerken, welche mit Kind und Kegel ihrer Heimath den Rücken kehren. Die Auswanderer haben sich an der Grenze einer Desinfektion zu unterziehen, bevor sie zur Eisenbahnfahrt zugelaffen werden. — Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Krojanke hat beschlossen, auswärtigen Friedhofsbesuchern den Zutritt zu den Gräbern nur gegen eine Gebühr bis zu 10 Mark zu gestatten. Sechs hiervon betroffene Herren aus Berlin haben hiergegen unter Führung des Berliner Rechtsanwalts Margoninski Beschwerde beim Regierungspräsidenten in Marienwerder erhoben; man ist auf den Bescheid desselben gespannt. — Kantor I. Davidsohn in Ostrom o hat nach dem kürzlich erfolgten Ableben seiner Gattin sein Amt freiwillig niedergelegt. — Die nenerbaute Synagoge in Land eck i. Westpreußen soll am 16. Oktober er. eingeweiht werden. — In Labischin ist unser Glaubensgenosse, das Magistratsmitglied Kaufmann Abraham Lippmann als Mitglied des Kreisausschusses gewählt worden. — Der Rentier Abraham Cohn in Ostrowo ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Derselbe war der älteste Bürger jener Stadt. Der Verstorbene hat der Gemeinde, deren langjähriger Vertreter er einst im Vorstands- und Repräsentantenkollegium, sowie im Schulvorstande gewesen, ein Vermächtniß von nahezu 1500 Mark mit der Bestimmung hinterlassen, daß das Geld der Gemeinde als Eigenthum zufallen, diese aber die Pflicht übernehmen möge, alljährlich an seinem Sterbetage für dessen Seelenheil ein Gebet von einem Kultusbeamten verrichten zu lassen. Der Testator starb kinderlos. — In Czempin ist im Alter von 86 Jahren der frühere Kaufmann Israel Silberstein gestorben. Derselbe war lange Zeit Vorsteher des dortigen Repräsentantenkollegiums und 40 Jahre hindurch Vorsteher der Chewra Kadischa daselbst. s. Seesen am Harz, 31. August. Heute fand an der hiesigen Jacobsonschule (berechtigte Realschule) unter dem Vorsitz des herzoglichen Regierungskommissars, Herrn Gymnastaldirektor Professor D. Dr. Koldewey aus Braunschweig, die Reifeprüfung statt. Acht Schüler haben sich derselben mit Erfolg unterzogen. * Frankenthal, 15. August. Die gestrige Leichenfeier bei der Beerdigung der irdischen Hülle des Heimgegangenen Lehrers Jsaac Singer gab die beste Kunde von der Liebe und Verehrung, die er im Leben genoß.. Aus Nah und Fern waren seine Herren Kollegen und andere Freunde gekommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen, und auch die Betheiligung seiner hiesigen Mitbürger war überaus groß. Ein Kollege des Verstorbenen, Herr Freudenthal aus Grünstadl, sprach ' das Eingangsgebet, worauf der Bezirksrabbiner Herr Dr. Salvendi aus Dürkheim in kurzen, tiefempfundenen Worten des Entschlafenen gedachte. Die Herren Lehrer des Bezirks, die in großer Zahl erschienen waren, sangen hierauf am Grabe den 23. Psalm, was dem ernsten Akte eine feierliche Weihe gab. Im Namen der hiesigen Lehrerschaft legte Herr Lehrer Fuchs einen prachtvollen Kranz unter herzlichen Worten der Widmung nieder und forderte die Kollegen auf, dem Heimgegangen in Fleiß, Treue und Gewissenhaftigkeit nachzueifern. Der Freund und Kollege des Entschlafenen, Herr Oberlehrer Hall, widmete im Namen des Donnerstags-Kegelklubs seinem langjährigen Mitglieds unter herzlichen Worten einen prächtigen Kranz, worauf Herr Lehrer Krebs aus Oppau dem treuen, langjährigen Freund in poetischer Form warme Abschiedsworte ins Grab nachrief. Den edlen Entschlafenen deckt nun die kühle Erde, möge sie ihm leicht sein! t. Bad Soden, 31. August. Hier wurden am Mittwoch Mittag die hochbetagten Eheleute Steinert in ihrer in der Dachbergstraße belegenen Wohnung erstickt aufgesunden. Ueber den Thatbestand erfahren wir Folgendes: Die Eheleute bewohnen schon seit einigen Jahren eine im ersten Stock des Hauses des Maurers Einig belegene Wohnung in stiller Zurückgezogenheit. Herr St. war früher Schönschreiblehrer in Frankfurt a. M., nicht aber jüdischer Religionslehrer, wie viele Zeitungen schrieben. Als die Einwohnerinnen, es waren zu dieser Zeit nur Frauen im Hause, Niemand von Beiden den ganzen Vormittag bemerkten, ging man an die Thür, die verschlossen war und aus der ein kohlenartiger Dunst quoll. Rasch benachrichtigten die Leute die gegenüberliegende israelitische Kuranstalt, von der sofort zur Untersuchung des mysteriösen Vorfalles und zur Hilfeleistung der Gärtner geschickt wurde, Mittelst einer Leiter wurde das Fenster der Wohnung bestiegen, und sah man von hier aus, daß das Zimmer dicht mit Rauchwolken gefüllt war. Als die Thür erbrochen war,' fand man leblos den Mann auf dem Fußboden, die Frau quer über dem Bett in den Kleidern. Die Erstickung muß mit Vorsatz ausgeführt worden sein, da in dem Zimmer zwei Kohlenkasten mit Kohlen standen. Ein Geldbetrag von 80 M. wurde auf dem Tische vorgefunden, dazu ein Vermerk, daß man von dem Gelds die rückständige Miethe im Betrage von 45 M. und die Rechnungen, sowie aus dem Erlös des Mobiliars die Beerdigungskosten bestreiten möge. Die Polizei versiegelte alsbald die Wohnung und benachrichtigte sofort das Amtsgericht Höchst von dem Vorfälle, das noch am Abend den Thatbestand an Ort und Stelle ausnahm und die Ueberführung der Leichen in die Sodener Leichenhalle anordnete. Der Privatlehrer Nathan Steinert war auch in unserer Stadt eine ziemlich bekannte Persönlichkeit und noch in den letzten Tagen versuchte er durch Inserate in den Blättern Schüler für seinen im „Nassauer Hof" Hierselbst abzuhaltenden Schnell-Schönschreib-Kursus zu erlangen, um dadurch seine Existenz zu fristen. Die wirkliche Ursache dieses Selbstmordes scheint aber eine geistige Störung gewesen zu sein, da St. schon lange nicht normal war. Das Leichenbegängniß fand unter Mitwirkung der Patienten der israelitischen Kuranstalt am Donnerstag aus dem hiesigen israelitischen Begräbnißplatz statt. —f- Freiburg i. B., 27. August. In der Nacht auf den 26. er. hat ein jäher Tod den Senior der Bezirkslehrerkonferenz Freiburg-Salzburg hinweggerafft. Ohne sich auch nur unwohl zu fühlen, hat Herr Hauptlehrer Gustav Mayer in Jhringen a. R. das Nachtlager bestiegen, das ihm nach wenig Stunden zum Todesbette geworden ist. Ein Leben ist hier beschlossen, das bei der kurzen Dauer von 57 Jahren eine 38jährige, gesegnete Lehrtätigkeit in sich schloß. In Eichstetten als Sohn eines kinderreichen, armen jüdischen Lehrers geboren, hat er in der Talmudschule Müllheim i. B. gelernt und ist nach Besuch des Lehrerseminars Karlsruhe 1858 als Unterlehrer nach Gailingen gekommen. Später wirkte er als Religionslehrer (zugleich Kantor und Schächter)

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