Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1896)
- Date
- 1896-08-28
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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60. Jahrgang. Ar. 35. Weikcrge ^XV föXtHtXil%faXbOtX+ «erlin. 28. August 1Ü26, zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 24 August. In Ergänzung zu unseren vorwöchentlichen Mittheilungen haben wir aus den Spalten der Tagesblätter die Anzeigen betr. die Festgottesdienste für die hohen Feiertage zusammengestellt. Es finden also außer in den vier Gemeinde- und in der Reformwie in der Adaß Jisroel-Synagoge, in der Bet-Hamidrasch und in zehn kleineren Synagogen noch in 32 Sälen Festgottesdienste statt, und zwar zunächst in den acht von der Gemeinde für diesen Zweck gemietheten Sälen: Philharmonie, Gesellschaft der Freunde, Verein junger Kaufleute, Hotel Imperial, Concertsaal Friedrichshain, Hohenzollernsäle, Berliner Handwerkerverein, Kellers Festsäle, sodann noch von Privat-Unternehmern: im City-Hotel, in Dräsels Festsälen, in Bötzows Festsaal, Alte Schön Hauserstraße 42, im Grand-Hotel Alexanderplatz, in der Concordia, bei Buß, Grenadierstraße 33 im Gartensaal, im Concerthaus, in Kellers Festsälen, im alten Schützenhause, im Englischen Garten, in der Berliner Ressource, im Fey'schen Salon (wo als besondere Anziehungskraft ein berühmter Kantor aus Dünaburg annoncirt wird), im Münchner Hof, Neue Friedrichstraße 44, Grenadierstraße 6, im Königshof, im Rolandssaal, bei Buggenhagen, in Steins Festsälen, in der früheren Synagoge Ahawas Scholaum, bei Nagel, in Fötins Festsälen. Möchte nur überall der Gottesdienst ein der Würde des Festes entsprechender sein! 8. Berlin, 25. August. In den nächsten Tagen wird die Redn erliste des Verbandes jüdischer Litteraturvereine zur Versendung gelangen, das erste Zeichen wiedererwachenden Vereinslebens. Dieselbe umfaßt diesmal 46 Redner mit mehr als 200 Thematen zu Vorträgen, darunter Rabbiner und Lehrer, Professoren, Schriftsteller und angesehene Kauflcute. Die Rednerliste ist selbstverständlich auch allen nicht zum Verbände gehörigen Vereinen, Logen u. s. w. zugänglich und kann von dem Sekretär des Verbandes, Herrn Albert K atz (Pankow, Berlinerstr. 120), gegen Einsendung des Portos gratis bezögen werden. Hoffentlich leistet dieselbe den geistigen Bestrebungen aller jüdischen Vereine in Deutschland gute Dienste! L2 Berlin, 25. August. In dem neuen Berzeichniß der Vorlesungen, welche an der hiesigen Universität im nächsten Semester gehalten werden, findet sich auch Vieles, was für uns von Interesse ist. Zunächst wird an der Universität das Bibelstudium eifriger und eingehender betrieben als an sämmtlichen Seminaren. Es lesen Professor Strack und Prof. Bäthgen: Einleitung in das Alte Testament, der Erstere außerdem noch: Hebräische Grammatik, Erklärung der Psalmen, Einleitung in den Talmud und Erklärung der „Sprüche der Väter", der Letztere noch: Kanon und Text des Alten Testamentes und Erklärung des Jesaja, ferner Lic. Prof. Gunkel: Erklärung der Genesis, biblische Theologie des Alten Testamentes, leichtere historische Texte, Prof. Kleinert: Erklärung des Hosea. Außerdem Prof. Pfleiderer: Religionsphilosophie. In der philosophischen Fakultät lesen Dr. Winkler: Geschichte des alten Orients und Israels, Uebungen zur Textkritik des Alten Testaments, Dr. C.F. Lehmann: Babylonisch-assyrische Geschichte, die babylonische Kultur und ihre Verbreitung, Prof. Kiepert: Landesünd Völkerkunde von Kleinasien, Prof. Opp ert: Ueber die Ureinwohner Indiens, Pros. Barth: Arabische Syntax und Erklärung einer arabischen Chrestomatie, Prof. Sachau: Syrische Grammatik, Dr. .Winkler: Aethiopische Grammatik. crs> Berlin, 23. August. Die nächste wissenschaftliche Sitzung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüd. Schulmänner zu Berlin findet Sonnabend den 5. September, Abends 8Vr Uhr, im Vereinslokal Münchener Hof, Spandauerstraße 11/13 statt. In derselben werden die Herren Lehrer Remack und Falkenberg ein Referat über folgendes Thema halten: „Die Schöpfungsgeschichte, eine schulgemäße Betrachtung". Gäste find zu allen Sitzungen der Vereinigung willkommen. m. Königsberg i. Pr., 24. August. ^.Dienstag wird von der hiesigen Gemeinde die feierliche Einweihung ihrer neuen Synagoge begangen werden. Aus dem Wettbewerb um den Bau, der im Jahre 1893 ausgeschrieben worden war, gingen die Berliner Baumeister Cremer und Wolffenstein als Sieger hervor. Die neue Synagoge wurde auf einem Grundstück am Lindenmarkt errichtet, der dem Beschauer die Möglichkeit giebt, die sich mächtig aufbauende Fassade mit ihrer dominirenden Kuppel aus günstiger Entfernung auf sich wirken zu lassen. Der erhabene Eindruck, den das Bauwerk hinterläßt, wird nur ein wenig geschmälert durch die daneben befindlichen Speicher, deren Abbruch und Fortschaffung sich trotz aller Bemühungen nicht ermöglichen ließ. Die Fassade ist in reichen gothischen Formen entworfen. — Am Sonnabend wurde der alte Tempel der Synagogengemeinde durch einen feierlichen Gottesdienst geschlossen, und damit hat für die Gemeinde eine Reihe von Festtagen begonnen, die mit der Einweihung der neuen Synagoge am Dienstag ihren Höhepunkt finden wird. — Wir erhalten darüber noch folgendes Telegramm: Die Einweihung der Synagoge erfolgte heute Vormittag in Gegenwart des Oberpräsidenten Grafen Bismarck, des Stadtkommandanten Keyler, des Polizeipräsidenten Schütte, zahlreicher anderer Vertreter der Behörden, der Erbauer der' Synagoge, Professoren Cremer und Wolffenstein. Nach einer Ansprache des Professors Samuel hielt Rabbiner Dr. Werner aus München die Festrede. Nächste Woche folgt ausführlicher Bericht. Kp. Aus der Provinz Posen, im August. Der Kaufmann Ne Hab in Li fsa feierte dieser Tage mit seiner Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit und gleichzeitig das Geschäftsjubiläum seines 60 jährigen Bestehens. Aus diesem Anlasse hat der Jubilar 260 Mark an die Armen jener Stadt gespendet. — Der Kantor Gostynski ist von Samotschin nach Schwersenz berufen worden; an seine bisherige Stelle tritt Kantor Glückstein aus Schönsee. — Rabbiner Dr. Pick in Marienburg ist in gleicher Eigenschaft von der Gemeinde in Straß bürg in Westpreußen gewählt worden. — Der langjährige Vorsteher des israelitischen Krankenverpflegungs- und Leichenbestattungs- Vereins in O strowo feierte jüngst seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse sind demselben zahlreiche Gratulationen und Aufmerksamkeiten seitens der jüdischen Gemeinde, deren langjähriger Vertreter das greise Geburtstagskind im Repräsentantenkollegium daselbst ist, dargebracht worden. e. Kottbns, 24. August. Ein Inserat in Nr. 189 der „Kottbuser Zeitung", das die hiesigen Katholiken aufhetzte, weil der Herbstmarkt wegen des jüdischen Neujahrsfestes verlegt worden, auch für den Fronleichnamstag die Verlegung des großen Viehmarktes zu fordern, hat das Berliner Hauptantisemitenblatt zu einem Ausfall gegen die Juden in einem Leitartikel: „Etappen auf dem Wege der Verjudung" veranlaßt. Ich beeile mich deshalb. Sie über den Sachverhalt zu informiren. Allerdings ist der diesjährige Herbstmarkt verlegt worden, aber wahrlich nicht aus „Verhätschelung der Juden", wie jenes Blatt meint. Gesetzt,, der Jahrmarkt wäre wirklich des jüdischen Neujahrsfestes wegen verlegt worden, so liegt es eben darin, weil sämmtliche jüdischen Geschäfte an den beiden Tagen des Neujahrsfestes geschlossen bleiben, und würden die Kaufleute und kleinen Händler jüdischen Glaubens, wenn der Herbstmarkt nicht verlegt worden wäre, ihre Läden durchaus nicht geöffnet haben. Daß diese unersetzliche Verluste würden erlitten haben, daß dadurch die Existenz der vielen kleinen Händler wäre bedroht worden, das erkennen selbst viele Nichtjuden, mit denen ich gesprochen habe, an; denn der kleine Handelsmann zieht die Loosung, den Waarenumsatz des Herbstmärktes, schon vor Monaten in Betracht und richtet darnach seine Zahlungen ein. Es ist einleuchtend, daß viele Händler, eine Menge auswärtiger eingerechnet, nicht hätten den Verpflichtungen ihren Gläubigern