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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-28 · Heft 35 (28.8.1896) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
Seite 411 (sequence 3)
Language
German
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Wiederholt' hatten wir schon Mittheilungen Über die traurige Läge der Juden in Persien.gebrächt. Neuerdings bringt der Monatsbericht der Alliance Israelite Universelle wieder Nachrichten aus diesem Lande, die jene Mittheilungen bestätigen und. ergänzen. Sie lauten folgendermaßen: „Kirmanchah, den 25. Ädar 5656. Wir haben die Ehre, Ihnen mitzutheilen, daß der Gouverneur unserer Stadt den Preis des Getreides erhöht hat. Die Einwohner haben deshalb einen Aufstand gegen ihn in Szene gesetzt und versucht, ihn aus der Stadt zu bringen. Sie schlugen ihn und seine Soldaten Alsdann begaben sie sich ins Judenviertel und plünderten dasselbe. Der Werth der gestohlenen Gegenstände, Schmuck, Kleidungsstücke rc., beträgt etwa 2000 Tomans (ca. 18000 Frcs.) Alsdann beschlossen fie, die Juden zu mißhandeln. Um dem Tode zu entgehen, ging eine große Anzahl von diesen zum Islam über. Wenn fie später zu ihrem ehemaligen Glauben zurückkehren wollten, würden sie nach de.m mohamedanischen Gesetz hingerichtet werden Wenn ein Jude stirbt, müssen alle seine Güter demjenigen seiner Verwandten zufallen, der zum Islam übergetreten ist. „Ihr gebt viel aus," sagen oft die Apostaten zu ihren Verwandten, „Ihr verkleinert unser Erbtheil; wißt Ihr denn nicht, daß alles, was Euch gehört, unser Eigenthum wird nach Eurem Tode?" Die Mollahs (Schiitenpriester) ermuthigen die Uebertretenden darin, uns zu mißhandeln und stacheln die Mohamedaner gegen uns auf; sie treiben sie dazu an, uns auszuplündern, unsere Frauen und Töchter zu schänden. Die Mollahs sind viel einflußreicher als der Schah und seine Gouverneure. Die Perser folgen ihnen blindlings und führen genau ihre Befehle aus. ' Wir stehen am Abgrunde. Wir haben nicht die geringste Stütze und sind sehr um unser Schicksal bekümmert. Wir sind alle im Elend und haben nicht die Mittel, uns durch die Flucht den Strafgeldern und körperlichen Züchtigungen, denen wir ausgesetzt sind, zu entziehen. Vor einigen Monaten hatten einige Mollahs, Mohamedaner, Schmucksachen entwendet. Die Besitzer der Schmucksachen erkannten die Diebe und erhoben Klage bei dem Gouverneur. Die Schuldigen wurden festgenommen. Als die Geistlichen zur Rechenschaft gezogen wurden, behaupteten sie, einen Theil ihrer Schmucksachen an einen jüdischen Kaufmann, Namens Mosche Eleazar verkauft zu haben. Alsbald wurde der Jude eingesperrt und in Eisen gelegt. Die Notablen der Stadt ergriffen Partei - zu Gunsten des Juden, der erst in Freiheit gesetzt wurde, nachdem er 50 Tomans (450 Frcs.) bezahlt hatte." Protokoll der am 24. und 25. Mur 1896 irn Saale des Restaurants Falk zu Hannover stattgefundrnrn 32. Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hunnuver. nwesend: A. Ehrenmitglieder: Die Herren Landrabbiner Dr. Gronemann-Hannover, Dr. Lewinsky-Hildesheim, Dr. Löb- Emden; L. Mitglieder: Herr Seminardirektor Dr. Knoller- Hannover, die Herren Lehrer Blumenfeld-Adelebsen, Stern-Hildesheim, Spanier-Stolzenau, Reuß-Aurich, Cohen-Barsinghausen, Waller- Moringen, Wiesen-Osterode, Heilbrunn-Gronau, Apt-Pattensen, Stern- Einbeck, Weinberg-Bodenfelde, Löwenstein-Bremke, Fink-Neustadtgördens, Mansbacher - Hoya,, Löwenstein - Celle, Löwenstein - Scharnbeck, Haas- Sulingen, Meyer-Hannover, Katzenstein-Hannover, Bach-Hildesheim, Wolff - Aurich, Philipp - Lüneburg, Levy - Norden, Wertheim - Münden, Fabisch-Göttingen, Löwenstein-Burgdorf, Braunsberg-Berden, Federlein- Neustadt a. Rbg, Selig - Emden,. Höxter - Ahlem, Eckmann - Nienburg, Cahn-Sarstedt, Italiener-Peine. Pinsberg - Gehrden, Stein-Gleidingen, Capell - Wunstorf, Rothschild - Achim, Frankenstein - Osnabrück, Katz- Dransfeld, Bachrach - Ahlem, Adler- Hemmend orf, Lomnitz-Eldagsen. Herr Rechtsanwalt Dr. Benfey war als Delegirter des D. I. G.-B. in der Versammlung anwesend. — Das Ehrenmitglied Herr Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau und Kollege Ludwig - Meppen hatten der Versammlung telegraphisch Gruß und Gedeihen entboten. —Außerdem waren noch Begrüßungs- resp. Entschuldigungsschreiben eingelaufen von den Herren Rektor Dr. Adler-Berlin, Bachenheimer-Uelzen, Fleischhacker- Harburg, Bachenheimer - Harburg, Apt - Emden, Meyberg - Vegesack, Cohnhoff-Duderstadt, Rosenblatt - Barenburg, Oberschintzky - Osnabrück und Werthahn-Bovenden. r Erste Sitzung, Sonntag, den 24. Mai, Nachmittags-4 Uhr. Der Vorsitzende, Herr Lehrer Blumenfeld-Adelebsen, eröffnete programmmäßig Nachmittags 4 Uhr die Versammlung. Den zahlreich erschienenen Mitgliedern den üblichen Willkommengruß entbietend, wies derselbe darauf hin, daß die Arbeiten und Bestrebungen unseres Vereins stets von dem Geiste der Wahrheit, des Rechts und des Friedens durchdrungen gewesen. — Dieses Streben habe auch Anerkennung gefunden, besonders in den letzten Jahren anläßlich der Begründung des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschen Reiche. — Dieses möge dem Verein ein Sporn sein, weiter zu arbeiten an seiner eigenen Vervollkommnung, weiter zu kämpfen für die Erreichung idealer Ziele. — „In diesem Sinne und von diesem Geiste," so schloß der Redner, „mögen auch unsere heutigen Verhandlungen getragen sein; dann sind wir des Erfolges sicher, und Gottes Segen wird nicht ausbleiben. — Und nun, meine Herren, lassen sie uns nach althergebrachter, schöner Sitte, einstimmen in den Ruf: „Se. Majestät, der Kaiser und König Wilhelm II., unser allergnädigster Landesherr, lebe hoch!" Die Versammlung stimmte dreimal begeistert in den Ruf ein. Vor Eintritt in die Tagesordnung erbat und erhielt Seminardirektor Dr. Knoller das Wort, welcher die Versammlung in seinem Namen und im Aufträge des später erschienenen Landrabbiners Dr. Gronemann-Hannover herzlich begrüßte. — Hierauf ging der Vorsitzende zu Punkt 1 der Tagesordnung — Berichterstattung über 5ie Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre — über. Derselbe hebt besonders hervor, daß die Bemühungen unseres Vereins für die Begründung eines D. I. L-B. nunmehr gekrönt worden seien durch die Gründung des Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche. Im Uebrigen verweist er bezüglich dieses Gegenstandes auf den später zu erstattenden Bericht des zweiten Vorsitzenden, des Delegirten Stern-Hildesheim. — Beim Verlesen der eingegangenen Begrüßungsschreiben gedachte der Vorsitzende der Verdienste des am 1. Oktober 1695 in den Ruhestand getretenen Kollegen Fleischhacker- Harburg, der als Mitbegründer und vieljähriger, bewährter Vorsitzender-des Vereins demselben stets das wärmste Interesse entgegengebracht habe. Die Versammlung ehrte die Verdienste des Kollegen durch Erheben von den Sitzen. Der Vorsitzende theilte weiter mit, daß von dem Verbände zu den Kosten der Versammlung ein Zuschuß von 150 Mark gewährt worden sei, und gab Kenntniß von eingelaufenen Korrespondenzen, deren Besprechung bis auf Nr. 6 der Tagesordnung verschoben wurde. — Von der Jakobsohn'schen Buchhandlung in Breslau waren einige Bücher eingegangen.' Alsdann wurde zur Borstandswahl geschritten. — Der bisherige Vorstand wurde auf Vorschlag Reuß-Aurich durch Akklamation wiedergewählt. — Die Gewählten nahmen sämmtlich die Wahl dankend an. Zu Punkt 3 der Tagesordnung — Bericht über den Delegirtentag in Berlin — übergehend, erhielt Stern-Hildesheim das Wort, Derselbe gab einen übersichtlichen, erschöpfenden Bericht über die zum großen Theil schon bekannten Verhandlungen und Abmachungen in Berlin. Er betonte, welche Schwierigkeiten die Begründung des Verbandes verursacht, welch' herrlichen Eindruck die Berliner Tage auf die Delegirten gemacht. Die Tage seien ihm unvergeßlich. Der Gemeindebund, die Gemeinde und der Lehrerverein in Berlin hätten gewetteifert, den Delegirten den Aufenthalt in Berlin so angenehm wie möglich zu gestalten. Allerdings seien die Geister auch heftig aufeinandergeplatzt, und die Debatten hätten theilweise einen Hohen Grad der Erregung angenommen, die Gründung sei aber vollzogen, und er hoffe, zum Segen der Lehrer und des jüdischen Schulwesens. Der Verein genehmigte ohne weitere Debatte einstimmig die Maßnahmen und die Beitrittserklärung der Delegirten. Punkt 4 und 5 der Tagesordnung wurden einstweilen zurückgestellt, da für die Lesebuchkommission Abends noch eine Sitzung erforderlich war. Es folgte der Vortrag des Kollegen Wertheim-Hannov. Münden über das vom Verbände gestellte Thema: „Auch welche Weise läßt sich

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