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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-21 · Heft 34 (21.8.1896) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
Seite 408 (sequence 12)
Language
German
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Filtcrarische MittheUungen. — Dr. M. Brann. Jüdischer Volks- und HauskalenVer für das Jahr 1897. 44. Jahrg. Breslau, Schatzky. Preis 1,25 M. Mit altgewohnter Pünktlichkeit tritt der „Jüdische Volks- und Hauskalender" zu seinem Leserkreis, der sich bei den großen Vorzüge^LZ Kalenders von Jahr zu Jahr erweitert. Mit Peinlicher Sorgfalt "ist wiederum das Kalendarium bearbeitet, und auch das anschließende „Jahrbuch zur Unterhaltung und Belehrung" bietet eine Fülle anregenden Stoffes. Die erste Stelle nimmt die warme Gedenkrede auf Joseph Derenbourg ein, die der treue Freund, Rabbiner Dr. I. Guttmann- Breslau, bei dem Trauergottesdienst in der Synagoge zu Ems „dem Fürsten und Großen in Israel" gehalten hat; das Bild des dahingeschiedenen Gelehrten, ein Holzschnitt von P. Geier, ist der Denkrede angefügt. Die Folgen der Einwirkung des griechischen Geistes auf das Judeythtzm wägt Dr. N. Samter in einem längeren Artikel ab; hierauf theilt Dr'. Brann zwei Briefe des.— damals noch— jüdischen Lieutenants Pleßner zu Erfurt mit, welche aus dem Archiv der Synagogengemeinde zu Pleß stammen und ihres Inhalts wegen allgemeineres Interesse besitzen. Mor. Steinschneider setzt seine im vorigen Jahre begonnenen grundlegenden Studien „über den jüdischen Kalender" fort und spricht diesmal besonders von den Abhandlungen d s Mittelalters über das jüdische Kalenderwesen. Der Herausgeber selbst veröffentlicht ein Gutachten des bekannten, vielgerühmten und vielgeschmähten Rabbi Jonathan Eibeschütz gegen die Beschuldigung des Ritualmordes, welches, eine staunenswerthe Gelehrsamkeit des Verfassers auch auf dem Gebiete der nichtjüdischen Litteratur erweist. Den Schluß des Jahrbuchs bildet eine spannend geschriebene Novelle von Dr. Francolm „Die Familie Meyer", die im Rahmen einer Familiengeschichte die traurige Lage der französischen Juden unter der Regierung des Königs Philipp August zur Anschauung bringt. Dr. S. Adler. — Heft 11 des 40. Jahrgangs der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums (Breslau 1896) hat folgenden Inhalt: S. Epp enstein, Studien über Josef Kimchi (Forts.).— D. Kaufmann, die Chronik des Achimaaz von Oria (Forts ).^ — A. Epstein, Jüdische Alterthümer in Worms und Speyer. — M. Brann, Geschichte und Annalen der Dyhernfurther Druckerei (Forts.). — N. Porges, Besprechung. — Die Nr..33 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Liebermann v. Sonnenberg und andere antisemitische Agitatoren. — Herr Stöcker. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. — Aus Oesterreich. — Vermischtes. — Briefkasten. Sprerhsaal. Geehrte Redaktion! s Mn Ihrem geschätzten Blatte vom 14. August stnde ich in einer aüs (3$ Brünn datirten Korrespondenz die Nachricht, daß ich in einer von den jüdisch-nationalen Studenten .einberufenen Versammlung „das endlich aufkeimende Nationalgefühl der Juden mit Freuden begrüßt" hätte. Gestatten Sie mir die Erklärung, daß ich weder diese noch ähnliche Worte gebraucht habe. Ich sagte nur, daß ich mich freue, das jüdische Selbstbewußtsein in der studirenden Jugend erwacht zu sehen. Hingegen hielte ich es für ganz und gar unjüdisch, das Ziel unserer Entwickelung in der Aufrichtung eines jüdischen Nationalstaates zu suchen, wenn — worüber doch noch Zweifel erlaubt sind — dieses Projekt sich nicht als Utopie erweisen sollte. Ich sagte ausdrücklich, daß ich die Zukunft Israels in den prophetischen Worten ausgedrückt finde: Es ist nicht genug, die'Stämme Israels aufzurichten, vielmehr soll Israel sein ein Licht für die Völler, damit das Heil sich ausbreite bis an die Enden der Erde. (Jes. 49M) Ich verwies ferner auf unser Neujahrs gebet, welches dem herrlichen Gedanken Ausdruck giebt, „daß alles Geschaffene erkenne, daß Du.es geschaffen, ünd einsehe jedes Gebilde, daß Du eS gebildet, und spreche Alles, was. Odem in sich hat: Der Herr, .der Gott Israels, ist König, ünd sein Reich erstreckt sich über alles." Endlich hat der Talmud in klaren Worten gesagt: „Gott hat Israel eine Wohlthat erwiesen, als er es unter die Völker zerstreute." Der synagogale Dichter Simon bar Isaak, der Zeitgenosse der Judenverfolgungenim Anfänge des 11. Jahrhunderts, hat jedenfalls diesen Fundamentalgedanken des Judenthums richtig erkannt, indem er sein Gedicht für den Neujahrstag D'HKSb mit der Strophe schloß: Alle Bürger der Welt und Bewohner der Erde sollen bekennen: Großes hat der Herr vollbracht auf Erden, und König wird der Herr auf der ganzen Erde. Es ist wohl am bezeichnendsten, daß der jüdisch-nationale Dichter Jehuda Halevi die Sonderstellung Israels daraus erklärte, daß Gott, weil es unmöglich gewesen wäre, die ganze Welt sofort nach seinem Willen zur Vollkommenheit zu leiten, Israel zum Versuchsfeld erkor. Begreiflicherweise wurden diese Aeußerungen nicht sehr beifällig ausgenommen, aber hinterher schien es doch bequemer, eine Einstimmigkeit des Enthusiasmus zu berichten und mich zum Zionisten zu stempeln. Darum sei es mir, besonders in Rücksicht auf die zahlreichen amerikanischen Leser Ihres Blattes gestattet, zu bemerken, daß ich nach wie vor daran festhälte, daß Israels glorreiche Geschichte in eine Farce endigen würde, wenn es, statt mit den feindlichen Weltmächten Assur und Aegypten ein Segen auf Erden zu sein (Jes. 19,, 24.), neben Serbien, Montenegro und Armenien als bequemer Vorwand, zur Eifersucht der feindlichen Weltmächte ein Fluch sein sollte. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Brünn, 17. August. Professor Dr. G. Deutsch. * 1 Geehrter Herr Redakteur! aß die Zahl derjenigen Leute, die jüdischer Abstammung sind, diese jedoch aus irgend einem Grunde zu verleugnen sich veranlaßt sehen, größer ist, als man gemeiniglich annimmt, ist wohl unbestritten. Wohl recht wenig bekannt dürfte es sein, daß d?r phantasievolle Verfasser naturwissenschaftlicher Romane, Jules Berne, ein polnischer Jude ist. In jedem Lexikon wird nach seiner eigenen, falschen Angabe sein Geburtsort mit Nantes angegeben. Verne heißt eigentlich: Julian Olschewitz und ist zu Plotzk in Polen gebürtig. Er leitet den Namen Olschewitz von dem russischen Olscha — Erle ab und hat das Wort, ins Französische übertragen, als Familiennamen angenommen. Meine Quelle, eine bejahrte ältere Dame, erinnert sich noch lebhaft, wie dem jungen Olschewitz bei seinem Abschied von ihrer Schwägerin die Seitenlocken (keies) abgeschnitten wurden; er war übrigens als junger Mann ein recht guter Talmudist. Berlin, im August. L. B. . . . r. . * Sehr geehrter Herr Redakteur! Mch habe Herrn Dr. Lazarus durchaus nicht als Feind des Lehrerverbandes dargestellt, sondern lediglich behauptet: „Dr. L. habe in einer Vorversammlung in Cassels Hotel Unfrieden zwischen Gemeinde und Lehrerschaft hervorzurufen versucht." Den Beweis für diese weine ^Behauptung könnte Herr Dr. L. aus seinekn Cirkular, das er den Delegirten zugesandt, bei redlichem Willen selbst erbringen; es ändert aber durchaus nichts an der Thatsache, daß Herr Dr. L.. lediglich im Aufträge des Vorstandes seines Vereins Unfrieden zu erregen versucht haben will. Zu Ehren des erwähnten Mitdelegirten muß jedoch betont werden, daß dessen Ansichten durchweg mit denen des Herrn Dr. L. nicht konform waren. Ich habe es für meine Pflicht gehalten, über einzelne Vorgänge auf dem Delegirtentage recht ausführlichen Bericht zu erstatten, lediglich um meinen Kollegen zu zeigen, wie es in Wahrheit um die Lehrerfreundlichkeit einzelner Herren, die nur mittelbar unserem Berufe angehören und die sich dennoch, stets als die berufensten Vertreter der Interessen unseres Standes gebärden, bestellt ist. Daß diese Schilderung einzelnen Herren ^icht genehm ist, ist nicht meine Schuld. / Mit vorzüglicher Hochachtung Magdeburg, 17. August. M. Steinhardt. Drück und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.! Verantwortlichfür die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin: ' - > .

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