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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-21 · Heft 34 (21.8.1896) · p. Seite 402

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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fehlt jeder ideale Anflug, den ihm 'zu geben die Judenfresser der-» gebens sich bemühen. Die Parole: tauft nichts bei den Juden,.- heißt so viel als: kauft nur bei Katholiken, bei den der Kirchej ergebenen Söhnen. Somit nimmt die Sache eine religiöse Färbung' an, und' die sozial-ökonomische Seite bekommt ein konfessionelles- Mäiitelchen. Das Symbol soll die brutale That decken. —.Der, Krach der „Union generale“ war derjenige des .katholischen,: klerikalen Kapitals, das gegen das jüdische stieß und dem Stoße> nicht Stand halten konnte. Der Kamps des Kapitals gegen dass Kapital war die rein brutale Seite, der Kampf der Kirche gegen die! „gotttödtende" Nation ward nur das Symbol, und Drumout mag sich! geberden und sich entrüsten, er hätte sich nie auf einen konfessionellen Standpunkt gestellt, er verfolge die Juden nur von dem der Nasse, der Kampf bleibt ein f^efuIatiD^foufeffioneller, und daß er ein' solcher ist, beweist der Umstand, daß Alles, was nicht katholisch oder vielmehr was nicht katholischklerikal ist, in diesen Kampf mit -hineingezerrt wird. „Für die Ehre und das Heil Frankreichs," „kaufet nichts bei den Juden," affichiren die antisemitischen Liguisten. - * „Für die Ehre und das Heil Frankreichs" sagen die katholischen! Kongressisten von Reims und Paris. „kaufet nichts bei Juden und: Freimaurern." „Für die Ehre und das Heil Frankreichs," kanzelt der Bischof von Nancy, „kaufet iiur bei Katholiken!" - Der „Kulturkampf" in Frankreich gilt also nicht nur den Juden, sondern den Freimaurern und Protestanten/ gegen die die „Libre Parole" in der letzten Zeit mit derselben Gehässigkeit vorgeht, wie gegen die Semiten. Und hier liegt der Schwerpunkt, und ich darf sagen, der Vortheil für die- Juden. Was. nicht Katholik ist/ ist kein „Francjais de la Francs“. Freimaurer wie Felix Faure/ Bourgeois, Metine u. s. w. sind keine Franzosen de la France. . . Deshalb ist mir der Ruf des Bischofs von Nancy der liebste. Wahrlich, dieser Seelenhirt, der aus dem Hirtenstab die Verkaufsellernacht und marktschreierisch für katholische Händler eintrit.t, imponirt mir über alle Maßen. Es ist ein Genuß, den man nicht alle Tage hat: ein aristophanisches Bild in jesuitischer Beleuchtung! Brief aus Australien. Von Rev. A. T. Chodorvski in Brisbane.. . Geehrter Herr Redakteur! ehn Jahre sind verflossen, seit ich das Vergnügen hatte, eine Nummer Ihrer Zeitung zu lesen, und nur durch die Liebenswürdigkeit eines Verwandten erhielt ich die Nummer 17 vom 24. April 1896. Ich bemerke in der Rubrik von „Von Nah und. Fern" die Mittheilung, daß eine Rabbinerkonferenz in Australien abgehalten worden sei. Mein-Name wird als der eines der hier amtirenden Rabbiner erwähnt, und da ich eine solche Konferenz befürwortet habe, so glaube ich, daß eine Information über ihren Zweck Ihnen angenehm und Ihren Lesern interessant sein wird/ Augenblicklich besteht die Konferenz erst in der Idee, aber ich zweifle nicht, daß sie bald eine vollendete Thatsache sein wird. Die, Punkte, die zur Diskussion kommen sollen, sind durch mich in der jüdischem Presse dargelegt und natürlich ein Gegenstand der Aufregung; die Angelegenheit bleibt jetzt auf diesem Standpunkt, obgleich der Gedanke einer Konferenz äußerst günstig ausgenommen worden ist. Die Ziele derselben sind in Kurzem folgende: 1. Der Zweck der Konferenz soll sein, die wahren Ziele' und Interessen des Judenthums zu fördern, seine Existenz in den Kolonien zu befestigen lind die betteffenbejt Gemeinden bei ihrer Arbeit in festen und harmonischen Zusammenhang zu bringen. - 2. Da, wo es nöthig ist, den Gottesdienst nach den bestehenden Gesetzen und Gebräuchen des Judenthums zu regeln und eine einheitliche Ordnung des Gottesdienstes herzustellen, die in jeder auf der Konferenz vertreteneli Gemeinde streng beobachtet werden sollte. . .<-3. Ein zu ernennender Gerichtshof, welchem alle Fragen, die entweder zwischen den Gemeinden und den' Rabbinen oder unter den Rabbinen selbst oder unter. Personen eines geistlichen Ranges erörtert werden, unterbreitet werden sollen,.-dessen Entscheidung ausschlaggebend ist und von allen Parteien respektirt werden muß. 4. Daß ein Kanzelwechsel der einzelnen Rabbinen von Zeit zu Zeit stattfinden soll, so daß neue Gedanken zur geistigen Fortbildung der australischen Gemeinden verbreitet werden. 5. Die Konferenz soll, obgleich sie über alle religiösen Dinge verhandelt, in keiner Weise an der finanziellen Verwaltung der einzelnen Synagogen theilnehmen. 6. Jede Synagoge soll auf der Konferenz durch ihren eigenen Rabbiner vertreten sein und-außerdem noch durch so viele Mitglieder, als sie wählen und' bestimmen will, um ihre eigenen Einrichtungen gebührend zu vertreten. 7. Der Ort und die Zeit für das Zusammentreten einer jeden Konferenz ist gemeinsam zu bestimmen. In Ihren dicht bevölkerten Gemeinden können Sie sich nur eine schwache Vorstellung machen von dem Zustand der Juden hier, soweit es die Ausübung ihrer Religion augeht. Die bestehenden Gemeuldeu sind so wenige und so weit entlegen, daß das Judeuthum in Australien keinen solchen Einfluß auf seine Anhänger oder auf die hier Heranwachsende jüngere Generation ausüben kann, wie in älteren Ländern. Auf dem ganzen ungeheueren Festland von Australien und auf Neu - Seeland giebt es nur die folgenden organisirten religiösen Körperschaften: Melbourne mit drei Synagogen und den Rabbinen Dr. Abrahams, Blaubaum und Lentzer. Sydney, die älteste und bevölkertste Stadt Australiens, besitzt nur eine Synagoge mit zwei Rabbinen, A. B.. Davis und Landau. — Brisbane, die Hauptstadt von Queensland, hat nur eine Synagoge, und ich bin der einzige Rabbiner in dieser großen Kolonie. In Victoria bestehen, außer in Melbourne, noch Synagogen in Geelong mit dem Rabbiner Jacobs und in Ballarat mit.dem Rabbiner Goldreich. — Süd-Australien hat eine Synagoge in Adelaide, an welcher A. T. Boas Rabbiner ist, während in Perth, der Hauptstadt von West-Australien, jetzt von den sechzig oder siebzig Juden, die dort lebeneine Gemeinde gebildet wird, von der — wahrscheinlich schon ehe diese Zeilen in Ihre Hände gelangen — ein Rabbiner'angestellt sein wird. In Neu-Seeland giebt es jetzt vier Gemeinden, von denen drei Rabbiner haben, nämlich: Wellington, Rabbiner H. van Staveren, Auckland, Rabbiner Goldstein, und Dunedin, Rabbiner L. Harrison, endlich Christchurch, das gegenwärtig ohne Rabbiner ist, wegen seiner geringen Allzahl von Gemeindemitgliedern. Außer diesen organisirten Gemeinden giebt es in jeder Kolonie viele Hunderte von Juden, die in kleine!! Ortschaften verstreut und auf die Dienste einesentfernt wohnenden Rabbiners angewiesen sind. Die letzten Statistiken zeigen, soviel ich weiß, daß in ganz Australien, einschließlich Neu-Seeland, ungefähr. 11200 Juden leben, von denen sicher nicht mehr als 9000 einer Gerneinde angehören. Solche Mitglieder sind indessen nur diejenigen, welche ihre Religion in den öffentlichen Bevölkerungsstatistiken angeben, und ich glaube,

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