Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-21 · Heft 34 (21.8.1896) · p. Seite 399

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 34 (21.8.1896)
Date
1896-08-21
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228183--53041-3258698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Sollen wir nun wirklich [teilt des verunglückten Wessoren- Paragraphen einen Aerzte-Paragraph erhalten?' Zum Mindesten hat, wie auswärtigen Blättern berichtet wird, der Entwurf einer neuen Prüfungsordnung für Aerzte in den Kreisen der jüdischen Medizinstudirenden lebhafte Beunruhigung erregt. Der Entwurf sieht nämlich die Einsetzung einer ans einem Universitätsprofessor nnd zwei Aerzten bestehenden Kommission vor, die nach Erledigung des Praktikums die Erlaubniß zur Praxis ertheilen soll, ohne daß gegen ihren Entscheid ein Rekurs möglich ist. Diese Kommission soll auch das Recht haben, über das private Verhalten des Kandidaten zu befinden und unter Umständen, auf Grund hieraus sich ergebender Bedenken, dem Kandidaten die Ausübung der Praxis zu untersagen. ' Daß bei einer derartigen unbegrenzten und durch keinerlei Direktiven stimmten Vollmacht subjektive Empfindungen und Anschauungen eine entscheidende Rolle spielen können und müssen, ist ebenso sicher, wie daß die eine oder die andere Kommission ihr Mandat auch in dem Sinne anffassen wird, als ob ihr eine Zurückführung der Zahl der jüdischen Aerzte auf ein ihrem Prozentsätze in der Bevölkerung entsprechendes Maß zu einer Pflicht und Aufgabe gemacht wäre. Hat ja doch diese neueste Form des Schutzes der „nationalen Arbeit" in neuerer Zeit noch viel seltsamere Blüthen schon gezeigt! Und die Gefahr liegt hier um so näher, als kein verantwortlicher Minister über Wohl und Wehe der betreffenden Kandidaten zuentscheiden habensoll, sondern eine Gruppe von Standesgenossen, d. h. von Konkurrenten, die sich nicht allzu schwer überreden können, in dem Anwachsen der Zahl der jüdischen Aerzte eine nationale Gefahr, in ihrer Herabminderung eine patriotische Pflicht zu erblicken. '* Die Hetze gegen den Centrnmsführer Dr. Lieber, den.die Agrarier durchaus zum „Inden und Judengenossen" stempeln wollen, dauert in Ermangelung besseren Stoffes noch immer fort. Die „Kölnische Volkszeitung" giebt einem Entrüstungsschrei darüber Raum, daß der Bund der Landwirthe sich nicht einmal mit der „jüdischen Frau" Liebers begnügen wolle, sondern diesen selbst zum getauften. Juden stempele. Sie schreibt: „Zu der neulichen Notiz über „die jüdische Frau" des Herrn Dr. Lieber die weitere Mittheilung, daß mir letzthin in einem agrarpolitischen Gespräche ein Landwirth des Jülicher Landes allen Ernstes versicherte, Dr. Lieber selbst sei „ein getaufter Jude"! Ich mußte lachen, berief mich auf meine persönliche Bekanntschaft mit Dr. Lieber, führte an, daß dessen Vater neben dem großen Görres einer der Vorkämpfer der Katholiken in der kirchenpolitischen Krisis der dreißiger Jahre und der hochgeehrte Vertrauensmann der Bischöfe der oberrheinischen Kirchenprovinz gewesen sei, und Aehnliches mehr. Mein Freund beharrte alsdann zwar nicht weiter auf seiner Ansicht, aber innerlich überzeugt vom Gegentheil schien er nicht. Sonst würde er sich wohl mehr entrüstet gezeigt haben. Er sagte mir noch, daß man dett Ausspruch vielfach höre und daran glaube. Ich brach die Unterhaltung ab mit der Bemerkung: Wenn der Bund der Landwirthe zu solchen Mittelchen greifen würde, um die Politik des Centrums zu verdächtigen, würde mich dies nicht wundern, daß man derartige Unwahrheiten zu dem gleichen Zwecke aber selbst in dem katholischen Jülicher Lande anbringt, ist unerhört. Das Schlimmste aber ist, daß sie kritiklos hingenommen und gegen das Centrum verwerthet werden:" Wir . brauchen wohl nicht zu sagen, wie komisch uns Angriff und Verteidigung zugleich erscheinen. * Angesichts des bevorstehenden Neujahrs festes erscheint es uns geboten, öffentlich den widerwärtigen, geradezu religionsschünderischen Unfug zu brandmarken, den in jedem Jahre Juden durch Anfertigung und Feilbietung gewisser Neujahrswünsche in Form voll Wechseln, Postanweisungen, Lotterieloosen u. s. w. verüben. Welche Meinung mögen wohl dieuichtjüdischen Mitbürger über unser hochheiliges Fest sich bilden, wenn ihnen immer wieder mit Bezug darauf solche Erzeugnisse niedriger Denkungsart in den Schaufenstern entgegentreten? Kein anständiger Jude darf derartige Neujahrswünsche kaufen und versenden, keiner sie annehmen. Den Rabbinern aber liegt allerorten die Pflicht ob, gegen dieses Treiben auf das Entschiedenste Verwahrung einzulegen und nicht zu ruhen, bis der Schandfleck getilgt ist. „Ihr sollt Meinen heiligen Namen nicht entweihen, fonbetn geheiligt will Ich sein inmitten der Kinder Israels". Protokoll der zwölften Konferenz des Vereins der ifroel. Fehrrr der Londradstinotslrrzirkr Gnrden und Oldenburg. nwesend die Herren: Landrabbiner Dr. Löb - Emden und Dr. Mannheimer-Oldenburg als Ehrenmitglieder, Rabbiner Dr. Rosenack - Bremen als Gast, Hauptlehrer Levy - Norden, Vorsitzender, Lehrer Löwenftein - Jever, stellvertretender Vorsitzender, Apt-Emden, Bernheim-Varel, Eisemann-Bentheim, Fink-Neustadt-Gödens, Frankenstein-Osnabrück, Gottschalk-Esens, Herzberg-Oldenburg, Klein- Lingen, Lachmann-Bunde, Levy-Wi.ttmund, Lotheim-Dornum, Ludwig- Meppen, Oberschützky-Osnabrück, Schüler-Wilhelmshaven, Hauptlehrer Selig - Emden, Lehrer Speyer - Sögel, Weinberg - Delmenhorst, Wolff- Aurich, Schriftführer. Mit Entschuldigung fehlte: Lehrer Meyer - Leer. Erste Sitzung am 21. Juni 1896, Nachmittags 1 Uhr. a) In der Religionsschule zu Oldenburg. Der Vorsitzende, Hauptlehrer Le oy- Norden, eröffnet die Verhandlungen, indem er die Versammelten in herzlichster Weise begrüßt, für deren Erscheinen dankt und einige geschäftliche Mittheilungen macht, u. a. daß der Verband einen Reisezuschuß gewährt habe. Darauf werden die Kinder in die Klasse geführt, und Kollege Selig-Emden hält nun die übernommene Lehrprobe im Bibellesen. Als Thema hatte er sich Jesaias Kapitel 1, Vers 1—9, gewählt, das er in 3/4 Stunden nach den methodischen Grundsätzen, die für die schulgemäße Behandlung eines Lesestückes maßgebend sind, durcharbeitet. Nach dieser Lehrprobe werden die Verhandlungen fortgesetzt. b) Im Saale der „Union". Hier widmet der Vorsitzende sein erstes Wort unserem erhabenen Kaiser und schließt mit einem Hoch auf seine Majestät, in das die Versammelten begeistert einstimmen. Alsdann überbringt Herr Dr. Mannheimer als Delegirter des D. I. G.-B. in herzlichen Worten die Grüße Und Wünsche desselben, worauf der Vorsitzende den Herrn Delegirten bittet, dem D. I. G.-B. Namens der Konferenz danken zu. wollen. Aus der nun folgenden Besprechung der Lehrprobe, an der sich die Herren Dr. Löb, Dr. Mannheimer, Levy - Wittmund und Äpt-Emden betheiligen, geht hervor, daß man im Allgemeinen den Ausführungen zustimmt und namentlich die methodische Behandlung des Themas als eine richtige anerkennt. Kollege Selig erhält darauf das Wort zu seinem Berichte über den Erfolg des Bibellesens, in welchem er zunächst auf die Faktoren hinweist, die aus den Erfolg des Unterrichts von Einfluß sind. Ein Faktor, mit dem der Lehrer besonders zu rechnen habe, sei vor allem die Zeit. Da nun aber das Bibellesen erst, seit Kurzem in seiner Schule betrieben werde, so könne von einem sichtbaren Erfolge desselben heute noch nicht die Rede sein, da es sich ja erst bei dem Heranwachsenden Geschlechts zeigen müsse, ob dieses mehr Gefallen als bisher an der Lektüre der Bibel finde und sich gedrungen fühle, letztere zu einem unbestrittenen Familienbuche zu machen. Referent gesteht auch, daß er selbst mit den Erfolgen in der eigenen. Schule unzufrieden sei und berichtet, wie der Schulvorstand der Gemeinde Emden die Einführung der Auerbach'schen Schulbibel, Theil II, erfreulicher' Weise materiell ermöglichte. Nachdem noch der Bericht über MM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.