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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Kaufmann Falkenberg. Als Vorsitzender wurde Herr Theodor Flater wiedergewählt. J. Leipzig, 3. August Der wohlthätige Sinn, her sich durch die Geschichte der Familie Zeitlin wie ein rother Faden zieht, findet nun seine kräftige Bethätigung auch bei den Hinterbliebenen des unlängst hier verstorbenen Herrn Salomon Zeitlin. Ww. Zeitlin und Söhne, im Sinne ihres seligen Familienoberhauptes handelnd, wandten 15 000 Mark der hiesigen israelitischen Gemeinde als Fonds zu wohlthätigen Zwecken, 5000 M. der israelitischen Gemeinde zu Memel, woselbst die genannte Familie einige Jahre wohnhaft war, ^ind außerdem noch recht viele namhafte Summen an öffentliche und private Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine hier und außerhalb zu. Die Familie Zeitlin zeigte hiermit aufs schönste ihren frommen und edlen Vorsatz, den bei ihr so traditionell gewordenen Wohlthätigkeitsstnn im Geiste ihres seligen Großvaters rege und aufrecht zu erhalten. ^..1. Oberhaufen (Rheinprovinz), 9. August. Heute fand hier -im Hause des Herrn Lehrers Block eine erhebende, in ihrer Art gewiß höchst seltene Feier statt: die Herren Goldstein-Grevenbroich, Eckstein - Elsdorf und Spies- Bocholt hatten sich verabredet, außerhalb ihrer Gemeinde den Tag still festlich zu begehen, an welchem sie vor fünfzig Jahren als Seminarabiturienten der Marks - Haindorfschen Stiftung die Staatsprüfung bestanden. „Nichts wird so fein gesponnen", und so war die Ueberraschung der Jubilare groß, als sie beim Aussteigen auf dem Bahnhöfe Oberhausen mehrere Kollegen vorfanden, und unter diesen die Herren Hauptlehrer Graf-Essen und Treu-Münster, welche Namens des Vorstandes des Vereins israelitischer Lehrer Westfalens und der Rheinprovinz zur Gratulation gekommen waren. Herr Graf, als Vorsitzender im Vorstande des Vereins, überreichte im Festhause nach kurzer Ansprache und nachdem er die an einzelnen Stellen verschieden lautenden Adressen vorgelesen, diese den Herren Jubilaren. — In der Adresse des Herrn Goldstein war besonders betont, daß er seit 40 Jahren dem Vorstande des Vereins angehöre und rüstig im Interesse seiner idealen und praktischen Zwecke mitgewirkt habe. — Das treffliche Festmahl wurde durch kurze und gute Toaste gewürzt — es fehlte auch nicht . .an heiteren Mittheilungen aus dem Lehrerleben namentlich früherer Zeit. Zum Schluffe brachte Herr Graf unfern Verein in gute Erinnerung, und sein Toast brachte unserer Unterstützungs- resp. Pensionskaffe ein hübsches Sümmchen. Und so Ende gut, alles gut. U. L Friedberg (Hessen), im August. In Nr. 31 dieses Blattes bringt ein Korrespondent einen Bericht über die diesjährige Konferenz der hessischen Lehrer, der in fast allen seinen Theilen durchaus einseitig ist. Wir würden trotzdem keine Veranlassung haben, auf denselben zurückzukommen, wenn er nicht über die Thätigkeit des Herrn Rabbiner Dr. Horovitz-Franksurt a. M., eines von den hessischen Lehrern hochverehrten Mannes, ganz entstellte Angaben gemacht hätte. Derselbe hat weder dem Wortlaut noch dem Sinne nach diejenige Aeußerung gethan, die ihm der betreffende Korrespondent untergeschoben hat. Er trat in der Versammlung keineswegs als prinzipieller Gegner des Verbandes auf, sondern er suchte im Gegentheil mit sehr beredten Worten mehrere Bedenken derjenigen Lehrer, welche gegen den sofortigen Anschluß waren, zu zerstreuen. So hatten beispielsweise mehrere Redner aus der Thatsache, daß der D. I. G.-B. den Vorsitzenden der Delegirten-Bersammlung bestimmt hatte, ein Hauptargument für ihre ablehnende Haltung gemacht. Herr Rabbiner Dr. Horovitz war zwar auch der Ansicht, daß es besser gewesen wäre, wenn der G.-B. seinen Gästen die Wahl des Präsidenten überlassen hätte, aber er betonte, daß es keine Veranlassung sein könne, dem Verbände fernzubleiben. Noch entschiedener wies er die Annahme zurück, als ob durch den Verband eine Gefährdung der religiösen Interessen zu befürchten sei. Bezüglich des Nutzens eines solchen Verbandes war er der Meinung, daß nach wie vor der Schwerpunkt in den einzelnen Vereinen liegen müsse, und er wies darauf hin, daß es unter Umständen sehr gefährlich werden könnte, wenn, wie mehrere Redner der Minorität es vorgeschlagen, der Verbandsvorstand bei der großherzoglichen Regierung in Darmstadt wegen Besserstellung, der jüdischen Religionslehrer vorstellig würde, da die Regierung die Einmischung einer nichthessischen Korporation in ihre Angelegenheiten sehr ,ü6el vermerken werde. Wir glauben, daß jeder Einsichtige ihm darin Recht geben muß. Herr Rabbiner Dr. Horovitz befürwortete den Anschluß an den Verband allerdings nur unter der Bedingung, daß der D I. G.-B darauf verzichte, einen Deputirten als achtes Mitglied in den Vorstand zu entsenden, aber er that dies unter einer Begründung, die für die Lehrer nur ehrenvoll ist. Er führte aus, daß, wenn sich in Deutschland je einmal ein Rabbinerverband bilden würde, so könnte unter keinen Umständen, also auch bei einer etwaigen materiellen Unterstützung, dem G.-B. ein solches Recht zugestanden werden; was er aber als Rabbiner bekämpfen müsse, das könne er. auch bei den Lehrern Nicht befürworten. Es läge geradezu im Interesse des G.-B., wenn er jeden Schein einer Beeinflussung vermeide. Er drang darauf, daß neben dem Beschluß der Majorität, wonach der hessische Lehrerverein den Anschluß zwar vorläufig ablehnt, aber die Bereitwilligkeit ausspricht, in freundschaftliche Beziehungen zu dem Verband zu treten und alle gemeinnützigen Bestrebungen desselben zu -unterstützen, noch; eine Resolution gefaßt werde, worin der Verein erklärt, daß er dem Verband sofort beitreten wolle, wenn der G-B. auf das ihm im § 3 Absatz 2 der Statuten gewährte- Recht verzichten würde. Diese Resolution wurde einstimmig gefaßt, denn wenn sich auch Viele sagten, daß der G.-B. wahrscheinlich wenig Neigung besitze, darauf einzugehen, so wollten sie doch nochmals zum Ausdruck bringen, daß sie keine prinzipiellen Gegner des Verbandes seien. So viel zur Richtigstellung. Wohin soll es. aber führen, wenn die unterlegene Partei die Majorität geradezu verunglimpft, ihr Bornirtheit vorwirst („die Dummen werden nicht alle"), religiösen Fanatismus, der nicht auf Vernunftgründe hört, sklavische Abhängigkeit von den orthodoxen Rabbinern, die nur durch geheime Abstimmung gebrochen werden kann u. s. w.? Wir meinen, daß es doch eine ganz selbstverständliche Forderung ist, auch bei dem Gegner ehrliche Ueberzeuguug vorauszusetzen. Wenn wir Lehrer uns nicht gegenseitig anständig behandeln, von wem wollen wir es denn erwartend Herford, 5. Auguü. Der Musketier Albert Jsacson von hier, der zur Zeit bei der 7. Kompagnie Infanterie-Regiment Nr. 132 in Straßburg seiner Militärpflicht genügt, hat sich wiederholt durch Muth und Entschlossenheit bei der Lebensreltung Ertrinkender aus gezeichnet. Uns liegt hierüber — schreibt die Herforder.Zeitung — folgender Bericht vor: „Ein Mann des Regiments war zum ersten Male an der Leine, um schwimmen zu lernen. Nachdem er den Sprung in das vier Meter tiefe Wasser gemacht, entglitt dem Schwimmlehrer die Leine. Vergeblich stürzte dieser jenem nach, um die Leine zu erhaschen. Der Versuch mißglückte. Jsacson sprang sofort dem Ertrinkenden nach und holte ihn aus der Tiefe. Der Mann hatte bereits das Bewußtsein verloren, wurde aber durch die angewandten Mittel wieder ins Leben zurückgerufen. — Bald daraus versagte einem anderen Manne, der die Prüfung als „Freischwimmer" ablegen sollte, die Kraft. Er sank in die Tiefe. Jsacson sprang ihm entschlossen nach und rettete auch diesen Mann. Der die Aufsicht führende Offizier meldete diese mnthvollen Rettungsthaten dem Obersten, der sodann den folgenden Regimentsbefehl erließ: „Dem Musketier Jsacson der 7. Kompagnie spreche ich für sein schnell entschlossenes, geschicktes Handeln bei Rettung von in Gefahr, gerathenen Schwimmern meine Anerkennung aus. Dieser Befehl ist allen Mannschaften des Regiments beim Appell bekannt zu machen, gez. von Manstein, Oberst und Regimentskommandeur." Am andern Morgen rief der Hauptmann den Musketier Jsacson vor die Kompagnie, und nachdem er „stillgestanden!" kommandirt hatte, sagte er: „Nachdem der Oberst dem Jsacson seine Anerkennung ausgesprochen hat, schlage ich zur Belohnung ihn dem Herrn Oberst als Gefreiten vor." Schon nach wenigen Tagen war Jsacson Gefreiter. — Dem braven Musketier Jsacson sei auch hier, in seiner Heimath, Lob und Anerkennung für seine schönen und kühnen Thaten ausgesprochen." Orstrrreich-Ungarn. □ Wien, 10. August. Der Stadtrath hat, einem Antrag des Vizebürgermeifters Dr. Lueger zufolge, den Bezirksausschuß Josefstadt aufgelöst. Diese Maßregel ist durch die antisemitische Majorität des Bezirksausschusses provozirt worden, deren Mitglieder die weitere Ausübung ihrer Funktionen verweigert haben. Die Letzteren stellten nun vor Kurzem die Forderung auf, daß entsprechend ihrer Zahl im Bezirksausschuß ihrer Partei eine Vertretung im Josefftädter Ortsschulrathe eingeräumt werde, widrigenfalls sie die Ausübung ihres Amtes einstellen würden. — In Gablonz fand unter dem Vorsitze des Bürgermeisters und Landtags - Abgeordneten Buschfeld eine Sitzung des

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