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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 33. 0I& ®eriin’u-Mem i896* Weilage zur „Mlgerneinen Aeituttg öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 12. August. Von den „Mittheilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" ist soeben Nr. 43 ausgegeben worden. Dieselbe enthält den ausführlichen Bericht über den siebenten Gemeindetagder wegen der wichtigen Debatten über obligatorischen Religionsunterricht sicher viele Leser interessiren wird. Von ferneren Mittheilungen ist die Nachricht sehr wichtig, daß der Ausschuß in seiner Sitzung vom 1. Juli sich konstituirt und Herrn Professor Dr. Philippson zum geschäftssührenden Vorsitzenden gewählt hat. Außerdem wurde auch Herr Justizrath Josephthal-Nürnberg gewählt. Für den Fall der Verhinderung des geschäftssührenden Vorsitzenden haben sich die Herren Syndikus Dr. Minden und Rechtsanwalt Dr. Silberstein zur Vertretung bereit erklärt. Der Ausschuß wird sofort nach den Ferien an die Lösung der ihm vom Gemeindetag gestellten Aufgaben herantreten. L2 Berlin, 10. August. In stiller^ Zurückgezogenheit, fern der Stätte seiner Wirksamkeit beging Herr Rabbiner Dr. Israel Hildesheimer am 4. d. M. sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Die Dissertation, mit welcher der Sechsundzwanzigjährige vor einem halben, Jahrhundert zum Doktor der Philosophie promovirte, ist betitelt: flDe. vetere Testamento recte interpretando“ („Ueber die Methode der richtigen Auslegung des Alten Testaments"). Die philosophische Fakultät der Universität Halle hat aus Anlaß der fünfzigsten Wiederkehr dieses Tagesdas Diplom ihres ehemaligen Schülers erneuert und bezeugt in dem neu ausgefertigten Doktorbrief, daß derselbe „durch ein halbes Jahrhundert die Pflege der wissenschaftlichen Arbeit nie unterbrochen und nicht nur selbst daraus herzerfreuende Früchte gewonnen, sondern seine ganze reiche, Geistes- und Leistenskräft in den Dienst der edelsten Sache, des Jugendunterrichts gestellt habe." Dem Glückwunsch, den die altehrwürdige, Universität ihrem früheren Schüler durch den Dekan ihrer philosophischen Fakultät, Prof. Kirchhofs, ausspricht, schließen auch wir, obwohl Gegner . seines religiösen Standpunktes, uns an. L2 Berlin, 11. August. Der Vorstand des Hilfsvereins für jüdische Studirende fordert Studirende der hiesigen königlichen akademischen Hochschule für die bildenden Künste, welche Maler sind und sich in den höheren Semestern befinden,, auf, sich um zwei je 600 Mark betragende Stipendien der Ernst Neichenheim- Stiftung zu bewerben. Die Stipendien sind für befähigte junge Künstler ohne Unterschied der Konfession bestimmt. Die Bewerbung ist bis zum 13. Oktober 1896 an den Herrn Geheimen Sanitätsrath Dr. A. Abraham, Bendlerstraße 31, unter Beifügung folgender Schriftstücke einzureichen: Eines vom Bewerber verfaßten kurzen Lebenslaufes, eines amtlichen Attestes über Fleiß und Befähigung sowie des Nachweises, daß der Bewerber eine der höheren Malklassen hiesiger Hochschule besucht. * Berlin, 9. August. Eine interessante Alterthums-Ausstellung hat Dr. Max Ohnefalsch-Richter in der Ausstellung „Kairo"' veranstaltet. Der gelehrte Archäologe stellt hier eine Reihe von Gegenständen aus, die er seit 1878 in Cypern, Kleinasien, Syrien und Aegypten ausgegraben hat, Erzeugnisse von Menschenhand, die nun auf den kleinen Raum der Spezialausstellung zusammengedrängt, in großen Zügen der Entwickelung einer Kultur von über 4000 Jahren zeigen. Da sind die ersten Formen der Gefäße, der Waffen und der Lampen zu sehen; der Former preßte den Thon nach der Gestalt, der Flaschenkürbisse und bildete nach einer breitschaligen Perlmuschel die erste Oellampe. Durch einen vieltausendjährigen Zeitraum zeigt nun die Sammlung die Entwickelung der Lampe, von der Muschelgestalt an. wie sie heute noch die Drusen am Libanon gebrauchen, bis zur zierlichen, fein ciselirten Römerlampe, die einst das Boudoirtischchen einer pompejanischen Mondairze zierte. Aus Alt-Jerusalem stammen zwei Lämpchen, die in roher, aber deutlich erkennbarer Pressung den siebenarmigen Leuchter und die Rebe mit der Traube führen. Besonders bemerkenswerth und ein archäologischer Schatz ersten Ranges ist eine cypriotische Vase, deren Zeichnung einen Sonnenanbeter darstellt, in jener charakteristischen Haltung, welche der Prophet Hesekiel kennzeichnet, indem er sagt: „wenn die Kinder Gottes abfallen, halten sie mit der linken Hand das Reis an die Nase". — Ein'Menschenalter jünger sind rohe Bildnisse der Astarte, aus der Zeit etwa, da Assuridili, der Nachfolger von Assurbanipal, in Ninive herrschte, wo Jeremias seinen Mahnruf erschallen ließ. Die Standbilder zeigen die Astarte stets aufrecht; eine Hirschkuh schmiegt sich ihr an die Seite. — Ein äußerst merkwürdiges Stück der Ausstellung ist ferner ein Thonziegel von Cypern, der in cyprischen Zeichen eine griechische Inschrift enthält, die Angaben über Tempelkosten macht. Die Inschrift ist zweiseitig, der semitischen' Anschauung entsprechend: Gott gab Moses zwei Tafeln, die auf beiden Seiten beschrieben waren. z. Berlin, 9. August. Zugleich mit seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag begeht heute Dr. Heinrich Landes mann (Hieronymus Lorm) das fünfzigjährige Jubiläum seiner schriftstellerischen Thätigkeit. Vor fünfzig Jahren erschien Lorms erste Schrift unter dem Titel „Wiens poetische Schwingen und Federn". Von seinen anderen Schriften verdienen besondere Erwähnung: „Philosophisch-kritische Streifzüge" (1873), „Naturgenuß" (1876), „Märchen der Gegenwart", „Diogenes im Tintenfaß" (1878), „Natur und Geist" (1884), „Das Leben kein Traum" (1888), „Der grundlose Optimismus" (1894). Daß er dies Alter, und zwar in voller geistiger Frische, erreicht, erscheint fast ebenso wunderbar wie die Thatsache, daß er ein so reiches geistiges Leben führen und in mannigfachen Schriften den glänzenden Beweis dafür liefern konnte. Lorms Gedichte tragen den Stempel unverfälschter Poesie; beim Lesen seiner philosophischen Schriften staunen wir über das Geschick, mit dem er aus einer umfassenden Weltkenntniß heraus die Unsinnigkeit des Pessimismus beweist, die Unhaltbarkeit des Optimismus klarlegt und dann zu einer heiteren, versöhnlichen Anschauung vom Optimismus ohne Grund gelangt. In seine Schilderung aus der Gegenwart verlieren sich kleine Züge, die auffallend an vormärzliche Tage gemahnen. Durch die Metternich-Wirthschaft in den vierziger Jahren aus Wien nach Berlin verjagt, gesellte sich Lorm hier zu den Schriftstellern, die mit Kuranda die „Grenzboten", damals ein kräftiges Organ des Befreiungskampfes, Herausgaben. Später lebte Hieronymus. Lorm lange in Dresden. Seit einer Reihe von Jahren, mit Blind- und Taubheit geschlagen, hat er sich in Brünn niedergelassen, wo sein älterer Sohn ein sehr beliebter, angesehener Arzt ist. Zu seinem heutigen fünfund- , siebzigsten Geburtstag macht Lorm — ein echtes Poetenstückchen — seinen Freunden und Verehrern ein Geburtstagsgeschenk. Bei Heinrich Minden in Dresden erscheint heute ein Bändchen von Lorm unter dem Titel „Nachsommer". Wer seine Gedichte genossen, wer mit bleibendem Gewinn seinen „Naturgenuß", „Die Muse des Glücks" sich zu eigen gemacht, der wird der neuen Gabe sich von Herzen freuen und heute, an seinem fünfundsiebzigsten Geburtstage, des Spenders mit frohem Danke und allen guten Wünschen gedenken. 8. Könitz (W.-Pr.), 9. August. Gegen die im Februar d. I. stattgehabte Repräsentantenwahl der Synagogengemeinde wurde seitens einiger Mitglieder beim Herrn Regierungspräsidenten zu Marienwerder und gegen Hessen ablehnenden Bescheid beim Herrn Oberpräsidenten Beschwerde geführt- Nachdem beide Beschwerden zurückgewiesen waren, wurde auch die Entscheidung des Ministers des Innern angerufen. Nachdem auch dieser die Beschwerde für nicht stichhaltig gefunden, wurden in letzter Sitzung die neu- resp. wiedergewählten Repräsentanten eingeführt. Die neugewählten sind die Herren Rechtsanwalt Maschke und

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