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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · p. Seite 396

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 396 (sequence 12)
Language
German
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Arbeiten den Grundstein zu einer spätern einheitlichen, geschichtlichen Darstellung der gesammten Kabbala gelegt haben. Eine solche haben wir in der Arbeit eines bekannten Gelehrten?) der es versucht hat, die Lehren der Kabbala von ihren ersten Anfängen an bis auf ihre letzten Ausläufer chronologisch darzustellen. Da aber die Kabbala in ihrem Gesammtumfange zum großen Theil aus Werken besteht, die einen durchaus mystischen Charakter haben und sich lediglich mit einer phantastischen Zahlensymbolik und Buchstabenspielerei befassen, die für die Geschichte des philosophischenDenkensohnejedenWerth sind; anderseits aber auch Männer aufweist, die eine rein spekulative, auf logische Vernünftschlnsse. gestützte Richtung verfolgen — so ist es durchaus nothwendig, diejenigen Geistesprodukte kabbalistischer Autoren, welche letztere Richtung vertreten, von dem ganzen Brei der unsinnigen kabbalistischen Mystik loszulösen, auf ihren eigenen Werth zu prüfen und so eine Geschichte der spekulativen Kabbala darzustellen. Diese Aufgabe hat sich der Verfasser der hier zu besprechenden Schrift gestellt, eine Aufgabe, der er —wie wir gleich sagen wollen —in vollem Maße gerecht geworden. Mit großem Scharfsinn hat es der Verfasser verstanden, aus der unübersehbaren Fluth kabbalistischer Quellenwerke, die zum Theil nur handschriftlich zugänglich sind, die Elemente der spekulativen Kabbala aufzusuchen, sie in ein einheitliches, in sich geschlossenes System zu bringen und so ein lichtvolles Bild von dieser merkwürdigen Geistesrichtung während des 13. Jahrhunderts — der Blüthezeit der Kabbala — zu geben. Der Verfasser bietet uns zunächst einen kurzen einleitenden Ueberblick über die Anfänge der spekulativen wie auch der mystischen Kabbala, für welche beide schon im.Talmud und besonders in der spätern geoneischen oder, wie sie der Verfasser nennt, vorkabbalistischen Mystik die Keime liegen, giebt dann eine treffliche Darstellung der Grundgedanken des Buches Jezira und Salomon Jbn Gabirols, die bereits den Uebergang von der geoneischen Mystik zu der spekulativemanatistischen Kabbala des 13. Jahrhunderts bilden. Der Verfasser ist hier bei seinem Hauptthema, der spekulativen Kabbala oder kabbalistischen Emanationslehre angelangt, zieht aber vorher in einem besonderen Kapitel (2) die Grenze zwischen den in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts sich geltend machenden zwei Hauptrichtungen der Kabbala, der mystischen (nicht zu verwechseln mit der oben erwähnten vorkabbalistischen Mystik) und der spekulativen, um somit ein weiteres Kriterium für die Behandlung der letztern, auf die allein es ihm ankommtzu gewinnen. In den Mittelpunkt der Betrachtung stellt der Verfasser das Buch Bahir (Ans. 13. Jahrhundert, anonym) und den Hauptvertreter der spekulativen Kabbala, den Geronenser Asriel-Esra (gest. 1238), dessen Lehre der Verfasser in einer übersichtlichen Weise darstellt (Kap. 3). Die folgenden Kapitel führen uns noch einige berühmte Autoren kabbalistischer Werke vor, die sich unmittelbar an Asriel, den Begründer der kabbalistischen Emanationstheorie, anschließen, seine Lehre fortsetzen und entwickeln. Zu diesen zählt der Verfasser den Toledaner Isaak Jbn Latif (geb. 1220), den anonymen Verfasser des Buches rnn^N rD^J?b (13. Jahrh.) u. A. m., deren Lehren er meisterhaft veranschaulicht. Die Darstellung ist überall, besonders die der Lehre Latifs, übersichtlich klar und erschöpfend, die Belegstellen, meist aus handschriftlichen Werken, durchaus treffend und zur Sache gehörig. Zum Schluß giebt uns der Verfasser eine gedrängte Uebersicht über den Verlauf der Kabbala nach dem 13. Jahrhundert, wo sie unter dem ungünstigen Einflüsse des Sobar und seiner Anhänger immer mehr verballhornt und verunstaltet wurde, bis sie endlich in den Chassidismus ausartete. Wir haben hier also ein abgerundetes Bild der .spekulativen Kabbala ' des 13. Jahrhunderts, wie sie sich unter dem Einflüsse der hebräischarabischen Philosophen entwickelt hat, im Gegensatz zu der sie überwuchernden mystischen Kabbala geistloser Schwärmer, und Herrn Dr. Ehrenpreis gebührt die volle Anerkennung dafür, daß er dieses eigenartige Geistesmonüment des jüdischen Volkes von der es umgebenden Hülle befreit hat. " Gerade darum sollen aber auch einzelne Mängel und Jrrthümer nicht verschwiegen werden. So scheint uns die Stellung, die der Verfasser dem *) Dr. PH. Bloch: „Die jüdische Mystik und Kabbala" in Wünsche's Anthologie^ Lief. 15, Trier 1893. Latif als Kabbalisten angewiesen, unhaltbar. Latif ist nach dem ganzen ^Inhalte seiner Lehre Philosoph, nicht Kabbalist. Er vertritt wohl die Amanationslehre, aber nicht die kabbalistische. Es. ist dem Verfasser auch nicht gelungen, irgend einen Beweis dafür zu erbringen, daß Latif an Asriel anknüpft. Daß sich ihre Lehren berühren, ist noch kein Beweis dafür, da die spekulative Kabbala mit der allgemeinen mittelalterlichen "Philosophie ohnehin wesentlich zusammenhängt. .Spezifisch Kabbalistisches, so z. B. einen ausgiebigen Gebrauch von der Sefirothlehre findet man bei Latif nicht. Bei den auf Latif folgenden Kabbalisten vermochte der Verfasser auch nicht eine Spur von dem Einflüsse der Latifschen Schriften nachzuweisen und sagt (Seite 41) selbst: „Die unmittelbar aus Latif folgende Kabbälistengruppe knüpft an die Lehre des Bahir und Asriel an." Seine Stellung als Kabbalist ist daher nicht erwiesen und wird auch von Bloch nicht behauptet. Bei der Darstellung der Lehre Latifs ist dem Verfasser noch der Jrrthum unterlaufen, daß er dessen Beweis von der Identität des Daseins Gottes mit seinem Begriffe einen kosmologischen nennt, während er doch in Wahrheit der ontologische ist, wie er zuerst von Anselmus aufgestellt und später von Descartes ausgenommen und vertieft wurde. Auf Seite 16 nennt der Verfasser den Abenteuerer Abr. Abulafia einen „begabten, mit vielseitiger wissenschaftlicher' Bildung ausgerüsteten Mann". Ein Mann wie Abulafia, der nichts besseres vorhatte, als nach Rom zu gehen, um den Papst Nikolaus III. zu bekehren, kann eher zu den Verrückten gezählt werden. Seite 20, Note 5, sagt der Verfasser, daß die Lehre von der Weltseele auch von den arabischen Philosophen vertreten wird, während diese Lehre gerade bei den arabischen Philosophen, besonders den lautern Brüdern, zu Hause und erst von ihnen zu den Kabbalisten herübergekommen ist. Seite 26 definirt der Verfasser den Gottesbegriff nach der Asriel'schen Ln-8vk-Lehre als eine „Negation jedweder Negation" oder als „transzendente Immanenz"! was doch gar keinen oder nur einen schiefen Sinn giebt. Seite 10 will uns der Verfasser die 10 Seftroth vorführen, läßt jedoch die sechste (Tifereth) aus und zählt blos neun auf. Ausdrücke wie „landläufiger Aristotelismus" (Seite 34) und metaphysisches Bewußtsein" (Seite 48) find ebenfalls zu tadeln. Seite 48 nennt der Verfasser den heutigen Chassidismus der ostländischen Juden eine ^urwüchsige, in sich abgeschlossene Kultur".' Wir wissen nicht, was sich der Verfasser hier unter Kultur denkt und können daher in diesem Punkte nicht mit ihm rechten. Von diesen "Einzelheiten abgesehen, ist die Arbeit des Herrn Dr. Ehrenpreis mit Freuden zu begrüßen und es ist zu wünschen, daß er dieser vorzüglichen Probe seines Könnens auf kabbalistischem Gebiete auch weitere Arbeiten folgen lasse, wie er'es in der Vorrede angekündigt. Dr. H. Malter. Sprechfaul. Geehrte Redaktion! Aen Steinhardt hat mir in Nr. 31 Ihres geschätzten Blattes die Ehre erzeigt, mich als Feind des neu zu gründenden Verbandes darzustellen. Ich habe dazu nur zu bemerken: 1. daß der Gesammtvorstand des „Vereins der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen" den Beschluß gefaßt hatte, seine Delegirten hätten in Berlin auf die Bildung eines völlig unabhängigen Lehrerbundes hinzuwirken. Mein Mitdelegirter und ich führten' nur gefaßte Vorstandsbeschlüsse in Berlin aus, haben aber zu wiederholten Malen den hohen Werth hervorgehoben, den das Wohlwollen und die moralische Unterstützung des D. I. G.-Bfür uns habe, 2. daß unserem Vereinsvorstand von einer großen Reihe von Vereinen Zustimmungsäußerungen zugegangen sind. Köln, 31. Juli. Hochachtungsvoll Dr. F. Lazarus.; Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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