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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · p. Seite 393

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 393 (sequence 9)
Language
German
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nur von seinem eigenen -Pulver angegriffen wird. Ist eine Facette vollendet, so wird die Bleimaffe über Feuer erhitzt und der Stein in der nun weichen Bleimaffe in eine andere.Stellung gebracht und die: noch heiße Masse in Waffer abgekühlt: Diese Arbeit, sowie ganz besonders das Glätten des heißen Bleies, welches die Form einer Spitzkugel erhält, geschieht mit bloßen Fingern und erfordert große Uebung. Dies Alles geht so lange fort, bis der Stein den gewünschten Schliff erhalten hat. Man zeigte uns „Brillanten", .auf welche je 58, und „Rosen", auf welche je 24 Facetten geschliffen waren. Die Art, wie die Steine in Schmucksachen eingesetzt werden, nennt man die Fassung, doch ist dieselbe je nach dem Werthe der Steine eine verschiedene: So faßt man z. B. ä jour, wobei der Stein nur an der „Rundiste", d. h. an der Stelle des größten Durchmessers befestigt wird. So bleibt Ober- und Untertheil vollständig frei, und der Stein kommt in dieser Lage am besten und schönsten zur Geltung. Bei den „Rosen" werden durch Unterlegung von Silberfolie größere Glanzeffekte erzielt. Gewiß wird es, besonders für die Damen, noch von Interesse sein, etwas über den Werth der Diamanten zu hören, und welche Stufen -man bei der Werthschätzung unterscheidet. Ist der Stein vollkommen wasserklar, d. h. farblos, fast weiß, und das erkennt man am besten, wenn man ihn auf ein Blatt weißes Papier legt und anhaucht, so gebrauchen die Diamanthändler den Ansdruck, daß er vom ersten Wasser sei. Geht der Stein etwas ins Gelbliche über, oder lassen sich in demselben kleine Fehler erkennen, so ist er vom zweiten Wasser. Am theuersten sind jedoch die sogenannten Phantasiesteine, weil am seltensten; sie haben eine gesättigte Farbe, schön grün, bläulich, auch röthlich. „Horeb". Von Bernhard Traubenberg. acobsohn ist der jüdischen Kinderwelt eine wohlvertraute lind liebe Erscheinung. Wenn Jacobsohn die Laute schlägt, horchen die Kleinen — manchmal aber auch die Großen — mit verdoppelter Spannung den. schönen, reinen Klängen. Man hört so gern zu, wenn er uns wohlbekannte Geschichten in der Weise des Dichters noch einmal erzählt. Denn seine Harfe birgt einen wundersamen Wohllaut. Darum nicht zum wenigsten hat die Welt der Kleinen Jacobsohn so sehr ins Herz geschlossen. Mit seinem „Horeb" *) hat er der Jugend eine Gabe gereicht, die in allen jüdischen Häusern herzlich willkominen geheißen werden wird. Aus dem „Horeb" sollen die Flammen religiöser Begeisterung und heiliger Empfindung schlagen, er soll in Kinderherzen die Liebe zudem Väterglauben entzünden, und seine Donnerworte sollen einen mächtigen Widerhall im Gemüth der Jugend wecken. Jacobsohn hat die biblischen Gestalten in das faltenreiche Gewand der Poesie gehüllt — dichterische Bilder in dichterischem Gusse, um sie dem kindlichen Herzen noch näher zu bringen und noch liebenswerther zu machen. Schule und Haus werden in gleicher Weise sich des ' Werkcheus freuen. Das Haus wird in den biblischen Dichtungen eine erfreuliche Ergänzung zu den profangeschichtlichen finden, und die Schule erhält im „Horeb" sonnige Farben, um den biblischen- Geschichtsunterricht reicher zu schmücken. *) >,Horeb", Dichtungen für Schule und Haus, Berlin 1896. Verlag des „Jsr. Jugendfreund". Manche dieser Lieder sind einer größeren Kinderschaar bereits geläufig; denn Jacobsohn ist in seinem bürgerlichen Leben Jugendbildner und hat, wie leicht begreiflich, eine große Truppe junger! Verehrerinnen seiner Muse. Der Lehrer wird an den Erzeugnissen derselben seine besondere Freude haben. Bei Schulfeierlichkeiten und anderen festlichen Anlässen dürfte ihm der „Horeb" treffliche Dienste leisten. Zum .^Deklamiren eignen sich diese Gedichte vor vielen anderen und selbst vor solchen, deren Erzeuger klangvolle Namen haben. Jacobsohn ist viel faßlicher und verständlicher als Andere. Und noch einen Vorzug nicht zu vergesseu: Jacobsohns Verse fließen viel leichter und reicher von den Lippen. Für die Schule sind das Vorzüge, die durch knappere Fassung und kernigeren Gehalt nicht zu ersetzen sind. Allerdings hat Jacobsohn mehr die Bibel bearbeitet, während Michael Sachs in seinen „Stimmen vom Jordan und Euphrat" den Sagenkreis des Midrasch metrisch behandelte. Ganz vergessen ist die spätere Legende im „Horeb" zwar nicht, Jacobsohn legte auch sein rhythmisches Maß an einige poesievolle Midraschfabeln, z. B. in den Gedichten: „Der prahlerische Spatz", „Der treue Hirt". Schade, daß diese Spenden aus dem Midrasch quantitativ so gering sind. Hier gerade'eröffnen sich seiner Sängerbrust verlockende, reine, Klänge. Wir möchten den Dichter bitten, tiefer in den Schacht der talmudischen Legende hinabzudringen. Es ruht da unten noch manches; Zaubergold, das, poetisch geprägt, von blendendem Glanze sein muß. i Schule und Haus, Lehrer und Schüler würden mit ihrem Dank! nicht kargen. j Jacobsohn ist eine feminine Natur und bedarf der Aufmunterung, iwenn er aus sich heraüsgehen soll. Er muß aus seinem Bau gelockt werden. Viel Anregung und Förderung verdankt er dem i jetzigen Dirigenten der jüdischen Mädchenschule, an der er über ein Vierteljahrhundert seines Amtes als Lehrer waltete. Der „Horeb" enthält Dichtungen aus Bibel und Talmud, zu .den „Festen" und zu „Schulfeierlichkeiten". Außerdem noch zwei j dramatische Gedichte: „Nut" uud „Szenen aus dem Makkabäerkriege., Das dem „Horeb" im Allgemeinen gezollte Lob gebührt einigen Gedichten im Besonderen. So „Jakobs Traum." Es offenbart .uns eine bedeutende Gestaltungskraft. Bis auf einige allerdings nicht zum Ganzen stimmende Zeilen ist es vom schönsten Ebenmaß, von einem fest und doch anmuthig dahinschreitenden Rhythmus und lebendigem Feuer. Die Verse sind voll und, klar und der Ton echt .und rein. Wenn doch noch etwas zu wünschen wäre, so hätte 'vielleicht die Fassung eine gedrungenere sein können, um auch hierin der Bibel ähnlicher zu sein. Auch „Die barmherzige Königstochter" wird das Entzücken der Kinder bilden. In den dramatischen Gedichten erhebt sich Jacobsohn stellenweise zu seltenkraftvollem Fluge in die. Höhe. Es arbeitet ein starkes Feuer in seinem Innern, und glühend heiß ergießen sich die Verse. Ergreifend schön ist die Abschiedsszene zwischen Noemi und ihren Schwiegertöchtern. In den dramatischen Stücken bewegt sich der Dichter in freieren Regionen, seine Phantasie nimmt einen ungehinderten.Aufschwung, .und der Fesseln des Stoffes mehr entledigt, nähert sie sich oft den höchsten Zielen echtester Poesie. Der „Horeb" bildet das zweite Bändchen der von E., Flanter hecausgegebenen Jugendbibliothek. Auch dieser so sehr vernachlässigte Zweig der Litteratur setzt erfreulicherweise neue Blüthen an. Der „Horeb" "ist eine gute Jugeudschrift, die das religiöse Gefühl beleben :und kräftigen und das kindliche Gemüth mit edlen Keimen befruchtenwird.

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