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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · p. Seite 392

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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3tz2 am schönsten hervortreten. Dies Alles geschieht in den Diamantschleifereien, von denen sich die größten und wichtigsten in Amsterdam, und zwar meist in den Händen von Juden, befinden. Aelter sind die Schleifereien in Antwerpen, welche, vor der Plünderung der Stadt im Jahre 1576, in großer Blüthe ständen. Hier lag der Diamanthandel ganz iit Händen der Juden, und durch die Uebersiedelung der portugiesischen Juden nach Amsterdam verlor der Welthandel Antwerpens viel von seiner Bedeutung. Jetzt befinden sich dort 40 bis 50 Diamantschleifereien, in welchen sehr viele jüdische Arbeiter beschäftigt sind. '> Doch auch in Amsterdam war damals der Diamanthandel, und damit verbunden die Schleifereien, von vielen Momenten abhängig. Erst nach Entdeckung der Kapdiamanten nahm die Zahl der Diamantmühlen und der Arbeiter beträchtlich zu, so daß heute in Amsterdam 60 große Etablissements mit je 50 bis 450 Schleifmühlen und über 7000 Arbeitern bestehen, welche jährlich eine enorme Anzahl Karat roher Diamanten verarbeiten. Den Umsatz des Amsterdamer Juwelengeschafts berechnet man auf viele Millionen Gulden. Das größte und bekannteste Etablissement ist wohl dasjenige des Herrn Boas, das historisch berühmteste, von Herrn Koster gegründete, denn hier wurde der „Kohinoor", als auch der „Großmogul" neu brillantirt. Andere berühmte Schleifereien sind in der Zwanenburgerstraat und auf dem Roeters-Eiland in der Nähe der schönen Achtergracht. In Deutschland hatte bisher nur eine Stadt, und zwar Hanau, das Privilegium, eine Diamantschleiferei zu besitzen; diesen Vorzug muß sie nun mit Berlin theilen, denn auch die Reichshauptstadt hat jetzt eine Diamantschleiferei, welche von unserm Glaubensgenossen, einem Herrn Alex Wolfs aus Amsterdam, in der Friedrichstraße 160, nahe den Linden, eröffnet wurde. An und für sich hätte dieses Unternehmen nur den bloßen Anspruch auf Originalität^ es gewinnt aber sofort in den weitesten Kreisen ein allgemeines und höheres Interesse, wenn man bedenkt, daß bis jetzt nur wenige europäische Städte überhaupt Schleifereien besaßen. Es 1 ist auch gewiß ebenso interessant als auch belehrend, die Bearbeitung des Diamanten vor unfern Augen sich abspielen zu sehen, wozu sich dem Leser auch jetzt in der Berliner Gewerbeansstellung die günstigste Gelegenheit bietet, denn die genannte Firma besitzt dort ein eigenes Etablissement, in welchem Fleiß und gewandte Hände den blitzenden Edelstein spalten, Formen-schleifen, so daß es sich wohl einmal lohnt, diese interessante Sehenswürdigkeit einmal in Augenschein zu nehmen. Mit den Entdeckungen und Erfindungen der Neuzeit mußten ' auch die Diamantschleifereien rechnen, und obgleich die technischen Ausdriicke für einzelne Arbeiten und Werkzeuge durchweg dieselben geblieben, wurden doch hier und da neuere Maschinen und anderes Material verwendet. Um etwaigen Jrrthümern vorzubeugen, bemerken wir hier ausdrücklich, daß unsere Ausführungen genau das wiedergeben, was wir zunächst selbst in Augenschein genommen oder den Angaben der Inhaber der Schleiferei verdanken. v Ein Blick in das Etablissement, welches zudem mit allen modernen Einrichtungen ausgestattet ist, versetzt uns in die Welt der Diamanten, aus der uns die Erzählungen von der Pracht und Größe eines Kohinoors, eines Orlow, eines Großmoguls, des Regenten rc. fast wie Märchen erklingen. Geblendet haften unsere Augen an dem blitzenden Gestein, dessen Leuchten und Funkeln uns wie. mit magischer Gewalt näher und näher in seinen Bannkreis zieht. Mit Interesse folgen wir den Erklärungen, die uns in wenigen aber interessanten Zügen ein 'Bild entwickeln, wie der Diamant verarbeitet und in den Handel gebracht wird. Diamanten gab es, wie gesagt, schon seit Menschengedenken, und die späteren Entdeckungen großer Diamantenfelder in Afrika und Brasilien brachten eine solche Menge edler Steine in den Handel, ' daß die indische Produktion zum großen Theil lahm gelegt wurde, umsontehr als auch die Entdeckung der Kapdiamanten int Jahre (1870?) eine große Umwälzung int Diantantenhandel hervorrief. Hier, hat eine Londoner Sozietät fast alle besteren Mitten angekauft und betreibt die Förderung der rohen Diamanten in großem Maßstabe. Diese werden dann durch feste Tarife vor willkürlichen Preis- - schwankungen geschützt, wieder an Fabrikanten abgegeben und so in den Handel gebracht. Wer auf eigene Faust heute am Kap noch nach Diamanten graben will, hat auf wenig Beute zu hoffen, da ihm höchstens Strecken Felder abgelassen werden, wo wenig zu ftnbeti ist, so daß sich gewöhnlich für beit Einzelnen die sehr kostspielige Arbeit der Diantantenwäscherei kaum lohnt. Die sogenatmte „Blaue Erde", in der sich der Diamant vorfindet, wird' erst gebleicht und dann, um ben Thon und Sand wegzuspülen, gewaschen. Dann breitet man den Rückstand in der Sonne aus, läßt ihn trocknen und hernach die darin befindlichen Diamanten aussuchen. Diese werden nach Größe und Farbe, von denen die blanweißen an Qualität alle anderen'übertreffen, sortirt, dann vom Kap ans nach London und Amsterdam versandt, woselbst sie, besonders in letzterer Stadt, geschliffen und in den Handel gebracht werden. Der weitaus größte und interessanteste Theil nun bleibt den Arbeitern in den Schleifereien zu thun übrig. Dort wird der Diamant zuerst gespalten („gekloven"), und zwar an den Kanten, entweder an der Seite oder an der. Mitte. Diese Arbeit ist mühevoll, und es. gehört große Uebung dazu, die im Steine verlaufenden feinen Aederchen und Nerven gut zu treffen, da eine kleine Unvorsichtigkeit den ganzen-Stein entwerthen kann. Zum Zwecke des Spaltens wird der Diamant in eine Cementmasse, welche sich in einem hölzernen : Griffel, dem sogenannten „Kittstock", befindet,, eingesetzt. Dünn wird in dem Diamanten ein Durchgang (auch Ritme) hineingearbeitet, in welchen das Messer eingesetzt wird, um durch einett leichten Schlag mit einem Hämmerchen nun den Stein spalten zu können. Die Erlernung des Spaltens beansprucht gewöhnlich eine Lehrzeit von fünf Jahreit. Nun erhält der Stein durch Schneiden, indem man Diamant an Diamant, welche in Griffeln eingekittet sind, kräftig an einander reibt, dienöthigen Formen. Der hierbei übrig bleibende Staubabfall wird zum Schleifen benutzt. Es giebt Steine, die absolut rein find, d. h. sie haben wenig unlautere Elemente; diese Steine brauchen nicht gespalten zu werden, alle aber benöthigen des Schneidens, Schleifens und Polirens. Wir betraten den Raum, wo man uns dieses veranschaulichte. Ein Schnurren und Surren der Maschiiten empfing uns hier, und wir waren einigermaßen erstaunt, als wir beim Nähertreten die Einfachheit derselben bemerkten. Sie werden mittelst Elektrizität getrieben, unseres Wissens die einzigen überhaupt, die in einer Diamantschleiferei bis jetzt in Gebrauch sind. Soll ein Diamant geschliffen und polirt werden, so befestigt man ihn in einer mit Bleimasse gefüllten Hülse, welche in einem eisernen Gestell ruht, so daß nur die Stelle frei bleibt, an welcher eine .Facette angeschliffen werden soll. Der Schleifer drückt nun den eingelötheten Stein auf eilte rotirende Schleifscheibe, wobei er je nach Umständen die in der Schleifscheibe befindlichen, mit ihr gleichlaufenden, kreisrunden Rinttett, in denen der Diamant beim Schleifett ruht, wechselt. Die Scheiben selbst bestehen aus Eisenguß, rotiren in horizontaler Ebene und find mit einer Mischung von Diamantpulver und-feinem Oel bestrichen, weil der Diamant seiner Härte wegen

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