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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · p. Seite 391

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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zuhörenden „frelsinuigen" -deutschen, von Inden gewählten Vertreter nicht einmal Miene machen, dies abzuwehren, dann kann man sich freilich nicht wundern, wenn die Tschechen den Juden als nicht zum Volke gehörig betrachten. Dies alles sehen und hören unsere Hirten, aber, eben nur in der sinnlichen Bedeutung des Wortes. „Verstockt ist das Herz dieses Volkes, sein Auge klebrig, sein Ohr schwerhörig, sonst würde es sehen mit seinem Auge, mit' seinem Ohre hören, sein Herz, würde erkennen, auf daß es in sich gehe lind ihm Heilung werde." Wundern sich da unsere Großen und Lehrer, wundern sich unsere Schristgelehrten mit) Geldbesitzer, wenn sich das jüdische Volk, wenn sich namentlich unsere Jugend von ihnen wegwendet, sich selbst hilft und muthig den Feind abwehrt? — Freilich unsere Synagogen werden dadurch nicht gefüllt. Denn was bieten sie unseren jungen Leuten? In eisiger Erstarrung überkommener, längst veralteter Formeln tritt ihnen hier das Judenthum entgegen; ein Jüngling mit dem welken Blicke des Greises, eine Frühlingslandschaft mit dem Reife, der die jungen Blüthen ertödtet. Hohl und abgedroschen klingt ihnen „das Wort Gottes", welches Redensarten und Schlagworte in unendlicher geistloser Melodie abhaspelt und froh des geschehenen Werkes nicht sieht, wie ein junges Geschlecht herangewachsen ist, welches verlangt, daß ihm der alte, gute Wein auch in neuen Schläuchen dargeboten werde. So sammelt sich denn unsere Jugend und, hoffen wir es, bald auch unser ganzes geknechtetes und angefeindetes Volk um eine andere Idee des Judenthums, die noch nicht ausgestorben ist. . Erfüllt von modernem wissenschaftlichen Geiste, aber nicht dem alten Judenthum entfremdet, so treten uns unsere Jünglinge entgegen. Was sie ererbt haben von ihren Vätern, wahren sie als heiliges, unverletzliches Gut, sie schmücken sich mit der nationalen Kokarde ihres Jndenthums und sind bereit, es gegen Feinde und falsche Freunde zu vertheidigen. Man lächle über die sogenannte zionistische Idee, als einer utopistischen, man rümpfe die Nase über diese sonderbaren Schwärmer, nicht um Zion handelt es sich hier, uni dessen Vernichtung wir wehmüthige Klagen anstinnneiu vielmehr "um jenes geistige Zion, welches unsere Kinder sammelt zur Wahrung der heiligsten Güter unseres Judenthums, zur Wahrung unserer Ehre und unseres altehrwürdigen Namens. Sind wir auch das „kleinste" unter den Völkern, schaaren wir uns zusammen, zeigen wir, daß auch wir uns Politisch zu organisiren vermögen, dann wird man auch uns den Respekt nicht verweigern können, den man uns überall entzieht. Wie sehr das Bedürfniß vorhanden ist, den jüdischen Gedanken zu erwecken,, und welche Erfolge ein solches Streben nach sich zieht, das zeigte eine dieser Tage in der mährischen Landeshauptstadt abgehaltene Privatversammlung, welche von einigen unserer begeisterten jüdischen Studenten Wiens veranstaltet worden war. Man mußte sie nur sehen, die Männer, Frauen und Jünglinge, wie sie mit blitzendem, begeistertem Auge dreinblickten, wie sie lauschten den Reden von Judenthum und. unserer Zukunft, die hier von gewandten Rednern gehalten wurden. Man fragte sich unwillkürlich: Ist das wirklich unsere indolente Judenschaft, die kein Gefühl mehr hat für ihre ureigensten Interessen? Oder ist nicht dieses Gefühl künstlich ertödtet worden? Hat man nicht auch da nach dem Satze gehandelt : „Bücke dich, damit wir über dich hinwegschreiten?" Wiechat sich doch plötzlich der Gedrückte erhoben, wie sprudelte die unversiegliche Lebenskraft wie ein frischer Quell hervor, wie sah man -da den Greis in Verbrüderung, mit dem Jüngling in begeisterter Rede eintreten für unser uraltes, nationales Ideal! — Wahrlich, Jeder, der dieser Versammlung beiwohnte, mußte sich sagen : Mögen deine Feinde dich höhnen und deiner spotten, uraltes Israel, mögen sie dich einlullen in einen todesähnlichen Schlaf, sie, die berufen sind, dich wach zu erhalten, du erneuerst dem Adler gleich deine Kraft, du ermüdest und ermattest nicht, mögen sie dich auch hetzen und jagen. ' Die Armee ist eine vortreffliche, nur der weisen Führer bedürfen wir, welche das Feuer, das in uns lodert, neu anfachen. Wir bedürfen der Führer und nicht der Streber; wir bedürfen der Männerwelche nicht auf Titel und Auszeichnungen ausgehen, sondern denen die alte Idee des Judenthums über alles geht und die sie zu neuem Glanze erheben. Wenn unsere berufenen Führer diesen wichtigen Zeitpunkt in unserer Geschichte nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, dann wird ihnen unsere Jugend, wird ihnen unser Volk zurnfen: „Bücket euch, wir schreiten über euch fort!" Ilm. Jüdische Diamantschleifer. Von Alexander Baum in Berlin. ^^er bleibt nicht öfters, gefesselt von dem strahlenden Glanze des edlen Gesteins, vor dem Schaufenster eines Juweliers stehen, um einen Blick nach, den Brillanten zu werfen, „den im Preise am höchsten stehenden aller Luxusartikel". Und ebenso geheimnißvoll wie uns all' die blitzenden Sterne berücken und berauschen, so geheimnißvoll bleibt es dem Auge des großen Publikums verborgen, welche Wandlungen der Edelstein dnrchzumachen hat, bis er in seiner Gestalt unser Auge entzückt. . Was den eigentlichen Edelsteinhandel anbetrifft, so können wir ihm nur hier und da einige Aufmerksamkeit widmen, wenngleich auch an dem Handel sehr viele Juden betheiligt sind. Es ist vielmehr in dieser Abhandlung unsere Aufgabe, die großen Verdienste; ber Juden um die Diamantschleiferei ein wenig zu beleuchten. Obgleich schon im hohen Alterthum bekannt, war der Diamant dennoch seltener und zudem nicht so g'schätzt und begehrenswerth wie in heutiger Zeit, erstens seiner schwierigen Gewinnung wegen, zweitens, weil man damals in der Kunst, ihn für das Auge fesselnd ..und anziehend zu gestalten, noch nicht so weit vorgeschritten war. . Ob der „Schohamstein", der „B'dolah" n. A., von denen in der heiligen Schrift die Rede ist, Diamanten sind, wäre, zu bezweifeln, doch kannten die Aegypter, und schon längst vor diesen die Israeliten, die Steinschneidkkunst, denn die prachtvollen Steine an den Kleidern des Hohenpriesters waren sicherlich geschliffen, und zur Eingrabung der Namen der Söhne Israels war eine glatte Fläche nöthig. Die Steinschneiderei wird in der heiligen Schrift.mit „Maasse charasch ewen“ benannt; von den dort in demselben Kapitel (2. Mose 28) erwähnten Steinen klingt uns nur der „Saphir" bekannt. Schon im 14. Jahrhundert soll sich aber in Fürth oder Nürnberg eine Diamantpolirerzunft gebildet haben, doch die aus diesen Werkstätten hervorgegangenen Steine waren nicht besonders 'schön, es fehlte ihnen die schöne Form und die Spiegelung. Von größter .Bedeutungwar daher die Erfindung des Louis von Berguem aus Brügge, der im 15. Jahrhundert die Kunst erfand, den Diamanten in Facetten zu schleifen. Später wurden erst die verschiedenen Brillantschliffe erfunden, welche die Eigenschaften der Diamanten am . vortheilhastesten zur Geltung gebracht haben. In Berlin gab es zur. Zeit Friedrich Wilhelm I. schon einige jüdische Diamantschleifer, ob- --gleich die damalige Anzahl der Gemeindemitglieder eine sehr geringe - gewesen war. . : Erst die Bearbeitung der Edelsteine überhaupt, und das ist nselbstverständlich das Wichtigste, läßt ihre werthvollsten Eigenschaften

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