Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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«o.32. Der Gemrindebole. Berlin, 7. Augult l.896. Weitage^ur „Atkgerneinen JeiLung öes IuöentHuws". Korrespondenzen und Nachrichten. . Deutschland. X. Berlin, 30. Juli. Der geschäftsführende Ausschuß für Deutschland, der sich unter dem Vorsitz Professor Virchows zur Vorbereitung für den in Kürze stattfindeuden internationalen medizinischen Kongreß gebildet hat, theilt mit, daß die russische Regierung den Besuchern des Kongresses, insbesondere den Aerzten jüdischer Konfession keine Paßschwierigkeiten machen werde. Ueber diese Lösung der vielbesprochenen Frage könnten wir umsomehr Befriedigung empfinden, wenn es sich nicht nur um eine ganz'vorübergehende einmalige Milderung der bekmmten Ausnahmevorschriften gegenüber Reisenden jüdischer Konfession handelte, die allerdings ganz und gar im Interesse Rußlands liegt. Denn welchen Eindruck hätte es gemacht, wenn alle hervorragenden jüdischen Aerzte dem Werke gemeinsamer wissenschaftlicher Arbeit und dem Gedankenaustausch über neue Forschungen ferngeblieben wären, weil der Grenzwächter ihnen mit einem, kräftigen „Zurück, Juden sind ausgeschlossen", den Eintritt verwehrte. Rußland verdankt seine Hebung der sanitären Verhältnisse in dem ausgedehnten, früher an Aerzten armen Reiche vielfach jüdischen, in Deut chland ausgebildetcn Aerzten, denen es vormals gern die Praxis gestattete. Und wenn heute insbesondere die russische Judenheit auf die Namen hervorragender Merzte wie Trachtenberg, Feinberg, Mayu u A. stolz ist, so können wir diesen um ihr Vaterland und die Menschheit wohlverdienten Männern auch unsere Sympathien schon deshalb widmen, weil diese Männer nie vergaßen, daß ein Henle, Traube u. s.. w. auch ihre Lehrer waren. Herrn Professor Rudolph Vircho w gebührt jedenfalls Tank für sein energisches Auftreten, das cs den jüdischen Kollegen ermöglicht, sich noch rechtzeitig und ohne Skrupel auf die Reise vorznbereiten. * Berlin, 31. Juli. Zum Andenken des am 28. Juli 1883 auf Jschia verstorbenen Malers Adolf Ginsberg aus Berlin haben dessen Geschwister, Herr Philipp Ginsb.rg in Berlin und Frau v. Boschan geb. Ginsberg in Wien, eine Stiftung errichtet, welche den Namen „Adolf-Ginsberg-Stiftung" trägt. Ter Zwcck der Stiftung ist. jungen, befähigten Malern deutscher Abkunft ohne Unterschied der Konfession, welche ihre akademische Studienzeit absolvirt und davon mindestens das letzte Semester die königliche akademische Hochschule für die bildenden Künste zu Berlin besucht haben, durch Verleihung von Stipendien die Mittel für ihre weitere Ausbildung, entweder in Meister-Ateliers oder auf auswärtigen Akademien oder durch Studienreisen ins Ausland, zu gewähren. Die Stipendien sollen vorwiegend Malern zu Gute kommen, doch sollen in besonderen Ausnahmefällen auch hervorragend begabte junge Bildhauer berücksichtigt werden dürfen. Es beträgt ea. 2000 Mark und wird für die Zeit vcm 29. Dezember 1896 bis dahin 1897 verliehen Geeignete Bewerber haben ihre Gesuche mit den nöthigeu Attesten bis zum 15. Oktober d. I. an Herrn Direktor A. v Werner cinzureichen. c/t> Berlin, 2. August. Welche Stellung man auch zu der Frage der Kolonisation Palästinas einnehmen mag, das Eine steht fest, was dort geschaffen, ist, verdient uneingeschränktes Lob, und es ist nur zu wünschen, daß das Errungene erhalten und, wenn möglich, weiter ausgebaut werde. Um die Zustände dort zu bessern, bedarf es aber nicht blos praktische Hilfsmittel, auch das geistige Niveau der palästinensischen Juden muß gehoben werden. In der richtigen Erkenntniß dieser Nothwendigkeit hat die Lae-Lritd-Loge zu Jerusalem eine Bibliothek begründet, die zur Erinnerung an einen der bedeutendsten Männer Israels „Midrasch Abarbanel" genannt ist. Die Begründung dieser Bibliothek ist aber nur möglich gewesen durch die Hochherzigkeit eines jüdischen Arztes, des Dr Chasanowicz in Bialystok, der seine reichhaltige während vieler Jahre gesammelte Bibliothek dem „Midrasch Abarbanel" als Geschenk überwiesen Hat. Aber noch fehlt gar viel. damit diese Bibliothek ihren Zweck erfülle, nämlich Förderung der Kenntniß des Judenthums, seiner Religion und seiner Geschichte. Darum ergeht an jeden wahren Freund des Judenthums die Bitte, unter seinen Büchern nachzuschauen, ob er nicht dies oder jenes Werk abgeben könnte, um die Bibliothek in Jerusalem zu bereichern. Erwünscht sind Werke jeglicher Richtung in hebräischer und nichthebräischer Sprache, aus älterer und neuerer Zeit, reinwissenschaftlichen exegetischen, homiletischen Inhalts, ferner auch Bilder, Porträts und Pläne von das Judenthum interessirenden Männern, Oertlrchkeiten und Objekten; auch Geldspenden werden dankbar angenommen. Freundliche Gaben befördert gern die Buchhandlung vonC. Boas Nachfolger, Berlin, 6., Neue Friedrichstraße 69. 2. Graudenz, 28. Juli. Auf der Westpreußischen Gewerbe- Ausstellung haben die goldene Medaille erhalten: Herzfeld & Bietorius, Graudenz, für Gußwaaren; Witkowsky, Thorn, für Schuhwaaren, und Zobel, Bromberg, für Drehrollen. Tie silberne Medaille erwarben: S. Hermann, Graudenz. für Dekoration und Zimmerwaaren, Dr. Alexis Schleimno, Danzig, für Fahrräder, I. Sandmann, Bromberg, für stilgerechte Posamenten, I. Woythaler, Danzig, für Bernsteinsachen. Mit der bronzenen Medaille wurden ausgezeichnet: Herrmanns Söhne, Pr. Friedland, für Stalleinrichtungen, S. I. Cohn, Schwetz, für Garderobe, Sally Grauze, Graudenz, für Sandsteinarbeiten, Auerbachshütte, für Pflugtheile, Lewinsky, Graudenz, für Klempnerarbeiten, Lewinsky, Neuenburg, für sturmsichere Laternen, A. Rau, Graudenz, für Möbelwaaren, Moritz Simon, Culm, für Schuhwaaren. „Ehrenvolle Anerkennung" erhielten Eifert, Marienburg, für Anordnung eines praktischen Verschlusses an einem Möbelstück, Casp. Heymann, Christburg, für Schäfte, Alex. Jakoby, Thorn, für photographische Aufnahmen, Philipp Lachmann, Graudenz, für eine Uhr,. Joseph May, Dirschau, für Schuhwaaren. M. F. Bentschen, 2. August. Am 1. August waren es 25 Jahre, daß Herr Jacob Frühling das Amt eines Synagogendieners in unserer Gemeinde antrat. Dieselbe wollte diesen Tag nicht vorübergehen lassen, ohne ihrem Beamten für seine treuen Dienste Beweise ihrer Anerkennung zu geben. Als der Jubilar zum Nachmittagsgottesdienste die Synagoge betrat, fand er seinen Sitz, mit Guirlanden und Blumen geschmückt. Nach dem Gebete betrat der Vorsteher, Herr D. Scheerer, der zu diesem Zwecke aus der Sommerfrische herbeigeeilt war, das Empore und hielt eine Ansprache an den Jubilar, in welcher er dessen regen Amtseifer und treue Pflichterfüllung rühmte und ihm unter innigen Segenswünschen und Ueberreichung eines Sparkassenbuches über eine ansehnliche, durch freiwillige Beiträge zusammengebrachte Summe im Namen der ganzen Gemeinde dankte und hervorhob, daß jedes Amt seinen Träger ehrt, der es würdig auffaßt und ihm mit Treue obliegt. 8. Rosenverg O.-S., 29. Juli. Unser Gemeindemitglied Herr Joseph Wahl feierte am Ende des vorigen Monats mit seiner Ehefrau, geb. Danziger, das Fest der goldenen Hochzeit, die Jubilars sind 77 und 70 Jahre alt und erfreuen sich der besten Gesundheit; dem alten Herrn sieht man den Militär noch jetzt deutlich in seiner prachtvollen kerzengraden Haltung an. Von einer festlichen Einsegnung wurde Abstand genommen, um nicht die alten Herrschaften, durch Erinnerung an durchlebtes schweres Leid, in Aufregung zu setzen. — Infolgedessen hat sich das Jubelpaar im Juni nach dem Soolbade Goczalkowitz begeben, um dort in aller Stille den festlichen Tag zu begehen und sich zu erholen; aber man entgeht seinem Schicksale nicht; da das Ereigniß fast allen Kurgästen doch bekannt wurde, so entwickelte sich das Fest der goldenen Hochzeit auch dort von selbst. Die Plätze im Kurhause, wo das Jubelpaar speist, waren mit lebenden Blumen und Pflanzen sinnig geschmückt. Das Kurpublikum war so liebenswürdig, den Jubilaren und deren herbeigeeilten nächsten Verwandten und Kindern die Tafel zu überlassen, so daß im ganzen Saale die größte - Fröhlichkeit herrschte.