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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-07 · Heft 32 (7.8.1896) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
Seite 384 (sequence 12)
Language
German
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gerade Niemand zu Hause, und man lud ihn auch nicht einmal, .wie es sonst der Fall war, ein, Fräulein Leah zu erwarten. Tags darauf erhielt ec ein Briefchen von ihr, welches ihm ankündigte/„daßI Herr Meyers ihr zukünftiger Gemahl werde, und daß nach dem gestrigen Abend ein weiteres Zusammensein doch wohl nicht gut': paffen würde und es deshalb. vielleicht gar bester sei — alle Bekanntschaft auf einmal abznbrechen!" „Es war meine erste Liebe," sagte Wagner, als er Praeger später in London diese Episode erzählte, „und ich glaubte nicht, daß der Eindruck jemals erbleichen würde; aber nach Allem glaube ich/ daß ich schon damals den Jago lieber hatte, denn was während des Liebesfiebers mir entging, wurde mir später klar — und Vieles, was ich unbeachtet gelassen, stellte sich hernach als unübersteigbäre Barriere zwischen uns. Ich merkte dann erst, daß doch Vieles in dieser Episode mir schrecklich unbehaglich gewesen und nie zu etwas Vernünftigem hätte führen können." So sagte Wagner — allerdings 25 Jahre später in der Erinnerung an jene Episode jenes Lebens, und er knüpfte hieran Betrachtungen über den eigenartigen Charakter der Glaubensgenossen von Leah David, die für dieselben nichts weniger als schmeichelhaft waren. Man wird es nun begreifen, warum die Herren von Bayreuth diese Episode in dem Leben des Meisters so gern miterdrücken nub warum sie gerade bei dieser Geschichte Praegers „verzweifelte Vorliebe für das Judenthuin" und feine „fruchtbare Phantasie" ins Feld führen, uni dieser Episode den Passepartout in die Biographie Richard Wagners zu verweigern. Für uns und alle unbefangenen Leser trägt sie so gut wie alle anderen Erzählungen ans der Jugendzeit des Meisters den viel berühmten Stempel der Wahrscheinlichkeit an der Stirn. Es ist nicht abzusehen,-warum Wagner als Musikstudent in Leipzig sich nicht in ein schönes jüdisches Mädchen verliebt haben sollte. Er hatte damals das Judenthum in der Musik noch nicht entdeckt und fand vielleicht gerade deshalb noch etwas Musik im Judenthum, oder zum Mindesten die Harmonie der Schönheit bei dessen Töchtern. Kprertzscral. Sehr geehrter Herr Redakteur! *it höchstem Interesse las ich die trefflichen Auseinandersetzungen Ihres geschätzten Mitarbeiters in Nr. 28 Ihres werthen Blattes über „die jüdische Krankenpflege", welche ganz meinem eigenen Gefühle entsprechen, um so mehr als Armen- und Krankenpflege zwei so eng verwandte Schwestern sind. Auch ich habe mir schon oft die Frage vorgelegt: „warum begegnen wir in unfern Tagen noch so selten gebildeten jüdischen Krankenpflegerinnen?" Damen der höchsten Stände gehören den Vereinigungen frommer Schwestern an, widmen sich diesem segensreichen, befriedigenden, hochgeachteten, wenngleich schweren Berufe, sicher dem edelsten weiblichen Berufe, der Krankenpflege, mehr und mehr widmen sich demselben auch die Töchter des Bürgerstandes, aber immer noch viel zu wenig. Bei der Generalversammlung der deutschen Frauenvereine in Nürnberg betonte besonders vor mehreren Jahren die bekannte bedeutende Vorkämpferin auf dem Gebiete der Frauenbewegung, Frau Professor Mathilde Weber aus Tübingen, wie sehr wünschenswerth es zum Heile der leidenden Menschheit wäre, wenn sich in weiteren Kreisen die Ansicht mehr und mehr Bahn bräche, daß besonders die jungen und älteren Glieder töchterreichtzr Familien des bürgerlichen Mittelstandes sich zu Krankenpflegerinnen ausbildeten. Der Trieb zu hegen und zu pflegen zeigt sich schon in dem kleinen Mädchen, in der treuen, unermüdlichen Sorgfalt für seine Puppe. Aus diesem Mädchen wächst gewiß die aufopferndste, liebevollste Krankenpflegerin heran, die durch ihre Ausdauer, ihren Opfermuth manches Leben, . das die Aerzte als ein dem Tode geweihtes bezeichneten,. genesen sieht. Kranke, die einer liebreich pflegenden Hand bedürfen, wird es immer geben, und gar viele Mädchen, die gezwungen sind, einen Beruf zu wählen, denen zur. Erzieherin die nbthigen Kenntnisse, zur Künstlerin Pas erforderliche Talent, zur Gesellschafterin dienöthigen Eigenschaften fehlen, würden, für ihre thatkräftige Natur in dem Berufe der Krankenpflegerin ein Feld der Thätigkeit finden, welches der besten Kräfte bedarf. Aber auch diejenigen jungen und älteren Mädchen, welche nicht die Absicht haben, den Beruf einer Krankenpflegerin zu ergreifen, sollten darauf aufmerksam gemacht werden, einen halbjährigen Kursus in der Krankenpflege durchzumachen. In verschiedenen großen Städten, z. B. Berlin, Breslau) Danzig, Köln, bieten namentlich die Vereins „Frauenwohl" der Frauen- und Mädchenwelt die beste Gelegenheit dazu. In der eigenen Familie und in der nächsten Umgebung tritt an unsere Frauen und Töchter oft die Nothwendigkeit heran, am Krankenbette helfende Hand anzulegen; man sagt zwar, im Allgemeinen sei jedes weibliche Wesen eine geborene Krankenpflegerin, allein der geliebte Kranke wird es doppelt wohlthätig empfinden, wenn die liebevoll pflegende Hand auch eine geschulte ist. Bedingen später die Verhältnisse, daß junge Mädchen, welche solche Kurse durchgemacht haben, sich ganz dem Dienste der werkthätigen Nächstenliebe widmen, so kennen sie aus eigener Anschauung die Anforderungen, welche der Beruf der Krankenpflegerin an sie stellt, und vermögen zu ermessen, ob sie sich denselben gewachsen fühlen. Möchte doch der Appell des geschätzten Verfassers der trefflichen Arbeit überall lebhaften Widerhall finden, wo jüdische Herzen schlagen! Mit Hochachtung Regina Neisser. * Hochgeehrter Herr Redakteur! _ Mt Bezug ans den in Ihrem geschätzten Blatte erschienenen Artikel tS„S)r „Süßkind von Trimberg" von Dr. Richard M. Meyer gestatte ich mir eine, obgleich die eigentliche Tendenz desselben nicht berührende Bemerkung. Der litterarisch wohl an und für sich unbedeutende Auszug aus „Elieser Liebe» mann aus der Familie Mansbach", Geschichte der Stadt Worms> findet merkwürdigerweise sein Pendant in einer mündlichen Sage, welcher der Stadt Budin a. d. Eger in Böhmen entstammt. Die sagenhafte Geschichte der Stadt Worms findet sich Zug für Zug in der Sage der Stadt Budin. In letzterer werden noch heutigen Tages die Gebeine des Lindwurmes auf dem Ringplatze gezeigt. Es fehlt nur die Person der Königin, um die beiden Sagen identifiziren zu können. Da nun Budin schon seit Jahrhunderten eine jüdische Bevölkerung besitzt — wurde doch erst kürzlich festgestellt, daß ein mit einer hebräischen poetischen Ader begabter Müller im 15. oder 16. Jahrhundert daselbst sein Handwerk getrieben habe, wie eine von ihm verfaßte noch existirende versifizirte Aufschrift in hebräischer Sprache an seiner Mühle bezeugt —, so ist nicht ausgeschlossen, daß auch hier eine alte jüdische Chronik, aus der eventuell Liebermann geschöpft haben könnte, aufzufinden wäre. - Vielleicht interesstrt sich Herr Dr. Meyer für diese Angelegenheit. Und damit wäre der Zweck dieser Notiz erfüllt. Neustraschitz, Böhmen, 26. Juli. Rabbiner Friedrich Knöpfelmacher. - . ' *' \ Geehrte Redaktion! Jb s hat sich das Gerücht verbreitet, daß ich um die in Posen vakante M Stelle mich beworben und dort einen Probevortrag gehalten habe. Ich erkläre hierdurch, daß dieses Gerücht der Begründung entbehrt und wahrscheinlich auf ein Versehen zurückzuführen ist. Liegnitz, 31. Juli. Martin Sommerfeldt, erster Kantor zu Liegnitz. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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