Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahre eine Reihe von Skizzen aus Jaffa und Jerusalem aus stellte, ist es beim guten Willen geblieben, wenigstens ist Meyerheim im diesjährigen Salon ganz zu seinem alten Genre zurückgekehrt, er schildert uns einen „Geflügelhof" und einen Mittag auf dem Gutshof". Sehr ansprechend wirkt in diesem Genre Julius Boden st ei ns ^Kartoffelernte". Aus dem Atelier dieses Künstlers stammen aus jüngster Zeit auch mehrere Darstellungen aus Ler heiligen Schrift, so ein „Simson, wie er die Philister besiegt", doch sind diese Wandgemälde nicht hier zu besichtigen, denn sie befinden sich in einem Pavillon der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Die Ausstellung in Treptow, auf der in „Kairo" auch ein Salon bedeutender Orieutmaler zu sehen ist, hat dem Besuch des Salons am Lehrter Bahnhof nicht geschadet. Ueber die demnächst stattfindende Verkeilung der Medaillen wird an anderer Stelle von der aufmerksamen Redaktion berichtet werden. Hier sei zum Schluß unserer Wanderung durch den Salon noch mitgetheilt, daß die vielfach vermißten Maler Max Liebermann und Lesser Ury es vorgezogen haben, in diesem Sommer ihre Werke in München auszustellen, wo dieselben unbestrittenen Beifall finden. Abraham Geigers Briefe an I. Mrenbourg. (1833-42) Herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Geiger. (Schluß.) XXV. Breslau, 24. Juli 1850. Mein lieber Dernburg! Dein mir so höchst erfreuliches Schreiben vom 3. d. hat sich mit meinem zweiten, das ich durch Fräulein Köhler Dir zugeschickt, gekreuzt, und Dil hast, wenn Du es bereits erhalten hast, daraus entnehmen können, daß ich etwas unmuthig war über Dein langes Schweigen. Von diesen! Uinnuthe ist natürlich keine Rede mehr, und die Freude über die vollkommene Wiederherstellung des alten Verhältnisies ist an seine Stelle getreten. Es liegt etwas Tiefinniges in den Beziehungen aus jener Zeit vollster Frische, ursprünglicher, kräftiger Entwickelung', welches spätere Verbindungen nicht so leicht annehmen. Du hast wohl übrigens das Programm mit dem ersten und das Schriftchen „Moses b. Maimon" mit dem zweiten Schreiben erhalten, und — wir werden darüber zu sprechen bei unserer Zusammenkunft Gelegenheit haben. Denn ich komme. Dieses Zusammentreffen fügt sich gar merkwürdig. Ich hatte diesen Sommer durchaus nicht die Absicht, eine Reise zu machen, obgleich die vorjährige nach München mir in vielfacher Beziehung so viele Erquickung gebracht; allein die mehrfach ausgesprochene Sehnsucht meiner lieben hochbetagten Mutter, mich nach fünf Jahren, seit welcher Zeit ich nicht in Frankfurt war, wieder einmal zu sehen, hat meinen Entschluß geändert. Verschiedene Unistände, worunter zuletzt nun noch der,. daß Schwägerin Fränzchen uns bald besuchen wird, haben die Reise verzögert, so daß ich wohl am 11. August von hier abreisen werde; ich werde zwar blos acht Tage in Frankfurt bleiben können, jedenfalls müffen wir jedoch einen Tag für uns ganz allein haben, und ich überlasse Dir, der Du früher angekommen sein wirst, die Bestimmung der Modalitäten, und am besten ist es, wenn Du auf einige Tagenach -Frankfurt kommst. Auf der Rückreise begleitest Du mich vielleicht nach Bonn, wo ich mich einen Tag aufhalten will. Ich freue mich herzlich auf diese Zusainmenkunft, und wir wollen diese wenigen Tage, welche uns vergönnt sind, ordentlich auspressen. Ja, wir sind die Alten, nicht daß wir alt geworden, ich fühle es Dir an, daß Du noch jugendlich frisch.bist,' und ich-glaube dies auch von mir sagen zu können.' Ich denke, Dir wird auch die Köhler, schon hinlänglich davon gesprochen haben, und nicht minder wirst Du durch sie in häusliche und andere Angelegenheiten von uns eingeweiht sein. Doch wird uns noch viel übrig bleiben zu sprechen, von unseren Frauen, Kindern und Arbeiten, ich werde den dicken behäbigen Freund tüchtig heruntermachen, daß er, an der Quelle, sitzend, uns dürsten läßt und eine Gleichgiltigkeit gegen die Wisien- - schaft affektirt, die er nicht hat. werde Dich auch von meinen Studien unterhalten, die so sehr Eurer Schätze bedürfen. Ich muß schon noch Keinmal nach Paris kommen, denn meine Sehnsucht, nicht nach seinen ^sonstigen Herrlichkeiten, sondern nach seiner Bibliothek, ist (gar zu! groß. Auch werde ich Dir eine kleine Arbeit — etwa zwei Bogen stark—, welche in einem Jahrbnche für Israeliten erscheint, mitbringen, näinlich: „Proben jüdischer Vertheidigung gegen christliche Angriffe im Mittelalter." Hingegen habe ich Deine Arbeit im Journ. as. noch nicht gesehen, die von Munk hat der Orient zu ' übersetzen begonnen, und das Wenige, was er von der Einleitung in drei Nummern gebracht, über die Karäer, hat mir bereits treffliche Ergänzungen zu meinen immer fortgesetzten Studien über dieselben geliefert. Jedoch hoffe ich, beide Arbeiten im Original als extraits von Euch zu erhalten. — Im Arbeiten bist Du noch übrigens der Alte, und ich glaube, daß diese Eigenthttmlichkeit Deiner schriftstellerischen Thätigkeit sehr hinderlich ist, Du gehst zu sehr ins Weite und wendest Deine Aufmerksamkeit zu gleicher Zeit auf sehr heterogene Gegenstände. Am meisten thut mir freilich leid, daß diese Gegenstände inir meistens abseiten liegen und Du dem jüdischen Alterthiun so wenig Aufmerksamkeit schenkst. Wenn die wenigen tüchtigen Kräfte in diesem Fache, welche Paris beherbergt, sich ihm entziehen, was kann daraus werden? Da zerarbeitet man sich in Deutschland mit Hypothesen und Notizen; in Paris, in Oxford, in Parma liegen die. Schlüssel, und sie rosten ein.—Doch auch darüber mündlich, und hier nur noch die Bemerkung, wie mich die Mittheilung über Dein frohes und heiteres Leben, über,Deine angenehmen Verhältnisse , entzückt hat. Auch bei uns, lieber, alter Freund, ist es so. Bei allem Kampfe, den meine Stellung nach vielen Seiten hin erheischt, bei aller angestrengten Thätigkeit auch, die sie erfordert, leben wir sehr angenehm, weil mit einander, mit unseren allerliebsten Kinderchen vergnügt, und auch meine Thätigkeit ist für mich eine Quelle reiner Freuden. Unter- ' dessen repräsentirt meine liebe Emilie die Mama eben so würdig, wie 'Du den Papa, ich hingegen bin ein magerer „row" geblieben, eingedenk des Spruches, daß andernfalls an mir keine „broekoli" wäre. XXVI. B r e s l a u. 24. Februar 1862. Mein lieber Dernburg! So habe ich denn wieder die Wahrheit ' des Spruches erfahren, daß nur der Lebende Recht hat, und wenn mein Entschluß, wieder thätiger in das Leben eiuzugreifen, mir weiter nichts gebracht hätte, als daß Freunde sich wieder lebhafter meiner erinnern, so wäre der Gewinn für mich schon groß genug. ' Auch Du, mein Lieber, bist wieder hervorgetreten, und was der leidende Freund nicht erlangte, es hat der thätige es wider Vermuthen als Geschenk erhalten. Ich kann es Glicht bergen, lieber . Freund, daß es mich geschmerzt hat, in schwerer Zeit die theilnehmende Stimme des Freundes nicht zu vernehmen, dessen, der ihr wie mir nahe gestanden. Sie hatte schwer gelitten in den letzten Jahren und hat es würdig getragen. Am Anfänge des Jahres 1860 unterwarf sie sich einer schmerzhaften Operation in Berlin, sie war auf dem Krankenlager, das ein Lager der Genesung zu sein schien, so heiter, sie hatte so liebevolle Pflege, so hingebende Freundschaft