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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-08-07 · Heft 32 (7.8.1896) · p. Seite 379

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
Seite 379 (sequence 7)
Language
German
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der von Lorbeeren umrahmten Nische in. Saal 6 ohne Rührung betrachten, und Mancher denkt vielleicht.cm die Worte des Dichters: „Auch du erbarme dich mein und seiende , Die Ruhe mir, o Gott, und ende Die schreckliche Tragödin." - Doch wird Niemand, am wenigsten Derjenige, der Moritz Oppenheims im Jahre 1831 gemaltes Porträt kennt, in dieser Büste (Nr. 2733) ohne Hilfe des Katalogs Heinrich Heine vermnthen, wenn auch die abgemagerten Züge des im Mantel mit schöner Kravatte dargestellten Dichters zu einer späteren Selbstschilderung stimmen, aus jener Zeit, da Heine bereits mit seinem Gotte ausgesöhnt, fein Hallelujah anstimmte, das ihn nach harten Prüfungen zurückführte zum Glauben seiner Väter, eine Rückkehr, die nicht zum Wenigsten den wüthenden Haß entfeffelt hat, mit dem alle Dunkelmänner den Stürmer ihrer Zwingburgen bis über das Grab hinaus verfolgen. Wäre er zu ihnen zurückgekehrt und hätte er ihren Geßlerhüteu seine Reverenz gemacht, sie hätten den genialen Spötter vielleicht später heilig gesprochen. , Wilhelm Spatz, ein Maler aus Heiues Geburtsstadt Düsseldorf, hat in seinem „Psalm 100" auf dieser Ausstellung eine Art Illustration zu Heines „Hallelujah" geschaffen, zu dem bekannten: „Fort mit der Heiden Mustka! Davids frommer Hatfenklang Begleite meinen Lobgesang! Mein Psalm.ertönt Hallelujah." Wir sehen auf dem schönen Gemälde „Psalm 100" von Spatz die saiteuspielenden Leviten, wie sie den Sang anstimmen: „Dienet dem Herrn mit Freuden, konnnet vor sein Angesicht mit Frohlocken." Ein anderer Düsseldorfer, Heinrich Deiters, hat in seinem „Judenkirchhos" ein Bild gesandt, das andere Saiten unseres Gefühlslebens berührt, denn die Ehrfurcht vor der Majestät des Todes wurzelt tief in unseren: Stamme; dieses Gefühl war unserer: Altvorderen so heilig, daß sie es durch äußeren Prunk bereits zu entweihen gefürchtet hätte::, — so reiht sich dem: ohne anderen Schmuck als die heilige Krone des guten Namens dessen. der da unten. schlunnnert, ein einfacher Leichenstein an den anderen auf dem „Judenkirchhos". Von wie viel Kämpfen eines bürgerlichen Heldeuthums, das-auf den Blättern der Geschichte verzeichnet zu werden, keinen Anspruch erhebt, weiß solch ein „Judenkirchhos" zu erzählen, dieses Beth olam, das Allen unter uns heilig ist ohne die Hilfe, äußerer Symbole, ja selbst dann, wenn die äußeren Mächte, die wir nicht in unserer Gewalt haben, ihm den Anschein des Ruineuhaftm ausgeprägt haben. Für uns bleibt es das „Haus der Ewigkeit". —.. Es ist viel übereine Wahlverwandtschaft zwischen dem jüdischen und dem deutschen Charakter geschrieben worden, und in' "den geistigen Schöpfungen, wo es auf Gemüthstiefe und Verinnerlichung ankommt,, hat sich bei den Frommen aller Völker wohl zu allen Zeiten eine solche Seelenverwandtschaft gezeigt. Was aber dem jüdischen Charakter ziemlich fern liegt, das ist das roh Naturalistische und. sein Gegenpol, das leer Phantastische. So vermögen, wir uns — offen gesagt — Lei der „Moses" unterschriebenen ägyptischen Landschaft von Pierre Lag arde-Paris nichts Rechtes vorzustellen. Wir sehen eine herrliche Landschaft mit blauer . Ferne und ägyptischer Staffage, Sphinxen im Vordergründe. Vielleicht ergründet ein Anderer, warum der Künstler seine Nr. 1249 mit „Moses" bezeichnet .hat. Soll da der Name ein „Symbol" sein, um Stimmung zu machen, oder gar eine Anspielung auf das unbekannte Grab Moses gewagt sein, so wird Lagarde bei keinen: echten Israeliten Gegenliebe finden: Größeres Lob vermögen wir dem Bilde von F. A. Br.idgman-Paris zi: ertheilen, das „Pharaos Zug durch. das rothe Meer" därstellt. Da stürmen die Schaaren des ägyptischen Despoten den aus dem Hause der Knechtschaft entronnenen Kindern Israels nach und alle diese Krieger in blinder Wuth auf hohen Rosten und Streitwagen hinein in die Fluthen des rothen Meeres, wo die Herrlichkeit Pharaos „sank wie Stein zum Meeresgrund". Daß unsere deutschen Künstler den heldenhaften Stoffen des alten Testaments jetzt fast ganz aus dem Wege gehen, ist sehr zu beklagen. Sie schlagen alle nur die ersten Blätter des Buches der Bücher auf. Das widerspricht der Tradition, an alttestamentarischen Vorwürfen ist sowohl die .deutsche wie die niederländische Kunst, soweit sie sich über die meisterhafte Darstellung des Lebens trinkender' und raufender Bauern erhob, einst erstarkt. Die Geschichtsmalerei hat hier ihre Wurzeln. Daß jüdische Maler sich an derartige Dinge nicht heranwagen, ist erklärlich. Ihnen winken keine staatlichen Aufträge, und wer die Noth des Lebens aus eigener Kraft überwinden will, ist auf das Malen von Porträts angewiesen. Hier wird auch wirklich , Anerkennenswertes geleistet. An erster Stelle ist von G. L. Meyer- Ball das Bildniß des verstorbenen Herrn A. B. zu erwähnen. Johanna Engel-Berlin malte das Bild des Herrn Professor Harry Breßlau, der, aus dem Auerbachschen Waisenhause hervorgegaugen, heute an der Universität Straßburg Geschichte lehrt. Traute St e int ha l ist in diesem Salon mit einer Studie vertreten, Nr. 2179 des Katalogs. Helene Büchmann malte das Bildniß des Herrn Geheiinen Regierungsrathes Professor Dr. L. Eine ehrenvolle Erwähnung verdient Betty Wolfs-Berlin mit einem )veiblichen Bildniß, und allseitig werden die Fortschritte anerkannt, welche die von früheren Ausstellungen bekannte Malerin Julie Wolf - Thorn in Berlin gemacht hat. — In der skandinavischen Abtheilung finden wir von Hanna Pauli, geborene Hirsch in Gothenburg ein Herrenbildniß und ein mit staunenswerther Natürlichkeit gemaltes Bildniß eines Mädchens. Heinrich Heine hat in einem seiner geistvollen Briefe über den Pariser Salon mit Recht gesagt: „Die Unterscheidung zwischen Historie und Genre ist so sinnverwirrend, daß man glauben sollte, sie sei eine Erfindung der Künstler, die am babylonischen Thurnre gearbeitet haben. In den ersten Perioden der Kunst gab es nur Historienmalerei, nämlich „Darstellungen aus der biblischen Geschichte". Solche Bilder fehlen, da man Max Pietschmanns (Dresden) „Adam und Eva" kaum hier besonders hervorheben kann, fast ganz auf der diesjährigen Ausstellung. Es scheint, als ob den Künstlern der Gegenwart die fromme Einfalt, die religiöse Begeisterung abhanden gekommen, ist, die zur Vertiefung in den Geist des alten Testaments gehört. F. A. Bridgmans, des oben erwähnten Schülers von Geröme, Darstellung Pharaos, wie er mit seinen Streitwagen und Reitern sich in das rothe Meer stürzt, gehört seinen: ganzen Charakter nach mehr in die alte ägyptische als in die jüdische Geschichte. Doch müssen wir vor der Kunst Bridgmans, den wir hier noch einmal bei Besprechung der Orientmalerei . erwähnen, den Hut ziehen. Sein Studienfeld ist der Norden Afrikas: Aegypten, Algier und Tunis. Drei Bilder führen uns Frauen Algiers unter blühenden Rosensträuchern bei Tage oder bei Mondschein an den Terrassen Algiers vor. Der Orientmaler Lord Edwin Weeks, deh ein Schüler von Bonnet, ebenfalls in Paris lebt, führt uns dieses Mal in seinen drei ausgestellten Bildern nach Indien und Persien» Seine „Straßenbarbiere in Saharanpore" haben nur ethnographischen Reiz, und für uns ermangeln sie auch dieser Anziehungskraft, da der Vorgang läppisch wirkt. Seit Wereschagins letzten großartigen Bildern aus dem „heiligen Lande" hat sich kein Maler mehr groß genug, gefühlt, um uns Palästina vorzuführen. Bei Paul. Meyer Helm, der im vorigen

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