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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-31 · Heft 31 (31.7.1896) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 31 (31.7.1896)
Date
1896-07-31
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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Nach den Begrüßungsansprachen der Herren Fr an k und R o sendet g eröffnet der Vorsitzende, Herr Landrabbiner Dr. Salzer, die Versammlung. Er dankt für die Begrüßungen und begrüßt die Anwesenden. Der Herr Vorsitzende spricht alsdann über die Aufgaben und Ziele des Vereins und erstattet Bericht über die Vorgänge innerhalb des Vereins im letzten Bereinsjahre. Die Mitgliedschaft hat sich erfreulicher Weise vergrößert. Doch auch einen schmerzlichen Verlust hat der Verein im letzten Jahre erlitten. Ein langjähriges, eifriges Mitglied und mehrjähriger Vorsitzende des Vereins, Herr Frankenheim-Mühlhausen i. Th., ist verstorben. Zu Ehren des Heimgegangenen erhebt sich die Versammlung von den Plätzen.— Im Laufe des Jahres ist die langersehnte Vereinigung der israelitischen Lehrer Deutschlands zu Stande gekommen, und war vom Vereine Herr Steinhardt-Magdeburg als Delegirter in Berlin — Der Verein hat sich der Petition des Verbandes an das preußische Abgeordnetenhaus, dahingehend, daß israelitischen Lehrern die Dienstjahre in Privatschulen gleich denen an öffentlichen Schulen angerechnet werden sollen, angeschlossen. Sodann erstattet Steinhardt-Magdeburg den Bericht über den Delegirtentag in Berlin. EinleitendgabderRednereineninteressantenUeberblick über das Vorgehen einzelner Vereine und einzelner Herren in der bekannten Frage der Zulassung staatlich nicht geprüfter Lehrer. Es wäre bedauerlich, daß dadurch, sowie durch das Auftreten einiger Delegirter, die mit dem Lehrerstande eigentlich recht wenig zu schaffen hätten, schon vor Beginn der eigentlichen Berathungen eine künstliche Erregung unter den Delegirten hervorgerufen worden sei. Wenn trotzdem das Resultat der ganzen Berathung ein friedliches und günstiges gewesen sei, so habe das lediglich an der entschlossenen und energischen Haltung der Delegirten, die in Wirklichkeit dem Lehrerstande angehörten, gelegen, die in fast allen Fragen mit dem Gemeindebund Hand in Hand gegangen seien. So sei auch der vom Herrn Dr. Lazarus-Köln in einer Versammlung in Cassels Hotel unternommene Versuch, Unfrieden zwischen Gemeindebund und Lehrerschaft hervorzurufen, gescheitert. In einem Artikel habe nunmehr das „Lehrerheim" Breslau behauptet, jene Versammlung ffei durch die Erklärung des Herrn Dr. Adler, ohne den Gemeindebund dürften die Lehrer nicht tagen, gesprengt worden, und habe ferner den Lehrer-Delegirten vorgeworfen, daß ihre Abstimmungen sich immer nach den Wünschen des G. B. gerichtet hätten. Das sei durchaus nicht der Fall, wie Redner an einzelnen Beispielen nachweist. Wenn nun allerdings in den meisten Fällen die Abstimmungen zu Gunsten der vom Gemeindebund aufgestellten Leitsätze ausgefallen seien, so habe das lediglich daran gelegen, daß der Gemeindebund in richtiger Weise die Wünsche der Lehrerschaft erfaßt und in seinen Leitsätzen zum Ausdruck gebracht habe. Auch habe den Lehrer-Delegirten daran gelegen, ein positives Resultat zu erzielen. Redner giebt sodann einen ausführlichen Bericht über den Gang der Verhandlungen und behält sich eine Würdigung der Debatte über die Frage der staatlich nicht geprüften Lehrer für das morgige Verbandsthema vor. Zum Schluffe polemisirt der Redner in energischer Weise gegen den Reichsverband und besonders gegen dessen Organ „Das Lehrerheim". Es hätten in den letzten Jahren wiederholt unberufene Vertreter des Lehrerstandes unter der falschen Vorspiegelung, die Interessen desselben zu vertreten, sich in den Vordergrund gedrängt; in Wahrheit habe es sich dabei aber um Vertretung der Interessen Anderer oder um Befriedigung persönlichen Ergeizes gehandelt. Die Lehrer möchten doch solchen neuen Gründungen gegenüber sich vorsichtiger verhalten; der Fall „Ahawas Achim" gebe in dieser Beziehung reichlich zu denken. Die Versammlung folgte diesen Ausführungen mit gespanntester Aufmerksamkeit und erhob sich zu Ehren ihres Delegirten und zum Zeichen des Dankes für den gediegenen Bericht von den Plätzen; gleichzeitig wählten sie denselben von Neuem zum Vertreter für einen zweiten Delegirtentag, Ell g utter-Plauen vertheidigt die Ziele des Reichsverbandes, dessen Mitglied er ist; dieselben werden aber von Steinhardt-Magdeburg und Horwitz-Dessau als einseitig geschildert. Es folgen nun Kassenbericht und einige Beschlüsse, innere Angelegenheiten des Vereins betreffend. Die Tagesordnung ist somit erledigt, und wird die nächste Versammlung auf morgen früh 8'/s Uhr festgesetzt. Versammlung vom 25. Mai. Der Vorsitzende eröffnet, die Versammlung 8^/4 Uhr Vormittags und ertheilt das Wort Herrn Röthler-Gotha zur Verlesung des Referats des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Lehrers Baumgart- Stadtlengsfeld über das Thema: „Schulfeiern und Schulandachten". . Der " Religionsunterricht, so führte das Referat unter anderem aus, unterscheidet sich von den anderen Disziplinen der Volksschule dadurch, daß es darauf ankommt, das kindliche Gefühl und Gemüth anzuregenzu erwärmen, zu begeistern. Nicht trockene Wissensdarbietung vermag hier ihren Zweck zu erfüllen, sondern eine stetige, unbewußt auf das Seelenleben des Kindes einwirkende Behandlung des Stoffes ist durchaus unerläßlich, soll das wahre Ziel des Religionsunterrichts, das Kind für die angestammte Religion zu begeistern, erreicht werden. Der Religionsunterricht verlangt deshalb ganz besonders eine pädagogische, methodische Behandlung, und muß darum das Streben der israelitischen Lehrer darauf gerichtet sein, die Errungenschaften der wissenschaftlichen Pädagogik auch für den israelitischen Religionsunterricht nutzbar zu machen. Außerdem aber muß der Religionslehrer darauf bedacht sein, auf Mittel und Wege zu sinnen, die geeigne sind, Interesse zu erwecken bei Schülern und Eltern. Als solche Mittel empfiehlt der Referent die Erweiterung der ständigen Andacht am Beginn des Unterrichts, insbesondere bei verschiedenen religiösen Veranlassungen, und die Abhaltung geeigneter Schulfeiern während des Schuljahres. Hierdurch gewinne das Leben in der Religionsschule religiös erziehende Momente, die das Interesse der Schüler und Eltern wachrufeu. Mit größter Spannung folgte die Versammlung dem gedankenreichen Vorträge, spendete dem Verfasser reichen Beifall und dankte dem Vortragenden, daß er durch sein Entgegenkommen der Versammlung die Kenntnißnahme des Referates ermöglicht hat. Trotz der Abwesenheit des Referenten glaubt sich die Versammlung berechtigt, in eine Besprechung über den Vortrag einzutreten, und betheiligen sich an der anregenden und interessanten Debatte die Herren Rabbiner Dr. Feßler- Halle, Dr. Salzberger-Erfurt, Dr. Salzer-Stadtlengsfeld und die Herren Kollegen Stern-Halberstadt, Röthler-Gotha, Hofmann- Themar, H olländer-Berkach, Horwitz-Dessau und der Unterzeichnete. Wenn auch sämmtliche Forderungen des Referats in der Religionsschule bei ihrer beschränkten Zeit kaum zur Ausführung gelangen können, so sind doch alle Redner im Prinzip mit dem Referenten einverstanden. Die Versammlung schließt sich deshalb der vom Unterzeichneten beantragten Resolution: „Die Versammlung nimmt dankend Kenntniß von dem gedankenreichen Vortrage und erblickt in den „Schulandachten und Schulfeiern" brauchbare Fingerzeige zu einer gedeihlichen Wechselbeziehung zwischen Religionsschule und Elternhaus" einstimmig an. Darauf referirt Steinhardt-Magdeburg über das vom Vorstände des Verbandes vorgeschlagene Thema: „Auf welche Weise läßt sich am besten und schnellsten die Forderung des Leitsatzes 6b des Verbandes, betr. dize lebenslängliche Anstellung sämmtlicher jüdischen Lehrer, ihre Pensionirung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen aus gesetzlichem Wege erfüllen, resp. welche Grundlagen sind zur Herbeiführung dieser Forderung nothwendig?" Dieser Gegenstand, führt Redner aus, sei speziell in diesem Verein, der sich aus verschiedenen Landestheilen zusammensetze, schwierig zu behandeln, da sowohl die Schulals auch die Judengesetzgebung nicht Sache des Reiches, sondern der Einzelstaaten sei. Er wolle speziell die Verhältnisse Altpreußens ins Auge fassen. Hier sei seit reichlich einem Jahrhundert für die materielle und soziale Besserung des jüdischen Lehrers so gut wie nichts geschehen. Ueber die Stellung des jüdischen Lehrers hätten die Gemeinden heute noch vielfach dieselbe Auffassung, wie man sie vom Bechur aus dem Cheder des vorigen Jahrhunderts gehabt hätte. Es sei auch zweifelhaft, ob auf dem Wege der Petition von Seiten der Regierung etwas zu erhoffen sei; wenigstens Halte es Redner für ausgeschlossen, daß, so lange das Judengesetz vom Jahre 1847 besteht, die Regierung sich jemals, in diese Privatangelegenheiten der jüdischen Gemeindeverwaltung mischen würde. Man müsse dann schon in.einer Eingabe an das Ministerium und an das Abgeordneten- Haus um Revision dieses veralteten Gesetzes petitioniren. Das aber sei angesichts der vorherrschenden antisemitischen Strömung unter Umständen eine zweischneidige Waffe, von der nur im äußersten Nothfalle Gebrauch zu machen, sei. Es sei zunächst, wohl der richtigere Weg, den Gemeinden die Hand zur Verständigung zu bieten. Der Vorstand des Verbandes solle statistisches Material von sämmtlichen jüdischen Lehrern und aus sämmtlichen Gemeinden Deutschlands über Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der jüdischen Lehrer sammeln. Diese Statistik würde Dinge zu Tage fördern, die von den Gemeinden nicht mit Still-

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