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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-24 · Heft 30 (24.7.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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WWWWMWWWMN rSRIl p „ .■ der Administration für diesen Fall vor. Aber Sie lötmen sie in Hern Spital „Caritätea" unterbringen"; so sieht rumänische Menschlichkeit.aus! Rußland. ' 2. Petersburg, 17. Juli. Die hiesigen Zeitungen bringen folgende interessante Schilderung des Lebenslaufes eines in Taganrog lebenden Juden/Namens Chaim Zaitschikoffi Dieser-wurde mit 10 Jahren den Eltern entrissen und in die Soldatenschule gesteckt. Sechs Ja^r später wurde er dem Regimente Borodino zugewiesen,' welches den Dienst in den inneren Gemächern des Kaisers Nieolaus zu versahen hatte. Zaitschikoff hatte wiederholentlich die Nachtwache bei diesem Zaren und wurde mehrmals von demselben seiner guten Haltung halber ausgezeichnet. Er besitzt folgende Orden: Für 20 Jahre tadelfreier Dienstzeit den St. Annen-Ordens die goldene St. Wladimirs-Medaille für eine Lebensrettung, die ihm mit eigener Lebensgefahr gelungen war, den militärischen Orden von St. Georg für besondere Tapferkeit bei Sebastopol, endlich ein besonderes Dekret, welches seine Ernennung für die in der Schlacht an der Alma erwiesene Tapferkeit enthält. Dieses letzte Dekret ist durch folgenden Vorfall veranlaßt: In der Schlacht an der Alma sucht Fürst Gortschakoff einen Freiwilligen, der eine wichtige Botschaft mit Gefahr seines Lebens durch den Kugelregen der Feinde zu tragen hatte. Zaitschikoff war der Erste, der sich meldete, er führte den Auftrag glücklich durch und erhielt von Gortschakoff die Ernennung zum Unteroffizier, von dem Zaren ein ehrenvolles Dekret und eine lebenslängliche Pension. Er ist jetzt 76 Jahre alt. — Der aus Anlaß der Krönung bekannt gegebene Amnestie-Erlaß bringt auch unseren Glaubensgenossen einige Erleichterungen. Artikel I § 7'gewährt vollen Erlaß allen jüdischen Landwirthen der jüdischen Kolonien im Gouvernement Jekaterinoslaw für alle Schulden und Steuern, welche sie dem Staate seit dem 1. Januar 1887 schulden. Artikel XIII § 2 lautet: Volle Amnestie wird bewilligt für alle Strafen, welche auf administrativem Wege oder wegen Verletzung spezieller Ordonanzen ergangen sind. (Strafen, den Familien der jüdischen Rekruten auferlegt, welche sich der Leistung der Dienstpflicht entzogen haben.) Amerika.; C. H. New - Bork, 5. Juli. Die Wählerversannnlung der republikanischen Partei (National-Konvention), welche am 16. Juni in St. Louis. zusammentrat, wurde von dem dortigen Rabbiner Dr. Sale mit Gebet eröffnet. Es ist dies bei der großen Bedeutung dieser Versammlung, welche dem Lande höchst wahrscheinlich den nächsten Präsidenten geben wird, eine hohe Ehre, die dem allgemein geachteten Rabbiner widerfahren ist, obwohl der Grund ein politischer sein soll. Bei der herrschenden Verbitterung gegen die katholische Kirche, welche von der geheimen Gesellschaft zum Schutze amerikanischer Einrichtungen genährt wird, fürchtete man, durch die Aufforderung an den katholischen Erzbischof die Gemüther zu reizen, sowie durch die Wahl eines protestantischen Geistlichen wieder die Katholiken zu verletzen, welche vergeblich verlangt hatten, daß sich die republikanische Partei oder ihr Präsidentschaflskandidat gegen die anti-katholische Agitation ausspreche. — Ein jüdisches Blatt, das in St. Louis erscheint, meldete, daß bei einer Vorbesprechung in St. Louis der angesehene Politiker Charles Grosvenor von der bimetallistischen Agitation die Worte gebraucht habe: „Das ist ein alter jüdischer Schwindel." Grosvenor erklärt nun in einer Zuschrift an den American Jsraelite, daß er weder diese Worte, noch, irgend welche anderen, die sich in diesem Sinne konstruiren ließen, gebraucht habe. — Am 18. Juni fand die Schlußfeierlichkeit am Hebrew Union College statt, bei welcher vier Kandidaten als Rabbiner entlassen wurden. Zwei von. ihnen sind bereits als Rabbiner gewählt, nämlich Herr Frederick Cohn in Fort Wayne, Indiana, und Herr Abraham Messing in Peoria, Illinois, ein dritter, Herr Harry Maier, geht nach Berlin, um dort feine Studien fortzusetzen. Die Festrede wurde von Dr. Lipmann Maier, Rabbiner in Piltsburg, dem Vater'des einen Kandidaten, gehalten, und das Eröffnungsgebet wurde von Dr. A. I. Messing, Rabbiner in Chicago, dem Väter des anderen Kandidaten, gesprochen. Den Ordinationsakt vollzog der greise Präsident des College, Dr. Jsaae M. Wise, der sich einer bei seinen hohen Jahren seltenen geistigen und körperlichen Frische erfreut. — Die Rabbinerversammlung hält ihre Jahressitzung am 7. Juli in Milwaukee. Näheres berichte ich in meinem nächsten Briefe. Kon Nah und Fern. ----- An Stelle des verstorbenen Geheimen Sanitätsrath Dr. Moritz Kirstein'tritt jetzt in das Repräsentanten-Kollegium .Herr Rechtsanwalt Eugen Apolant ein. — Professor Dr. Paul.Jacobson, Extraordinarius für . Chemie an der naturwissenschaftlichmathematischen Fakultät zu Heidelberg, ist als Generalsekretär der deutschen chemischen Gesellschaft nach Berlin berufen worden. — Zu dem hier kürzlich gegründeten christlichen Radfahrerklub (?) meldeten sich 14 Radler. Zum Vorsitzenden wurde ein Herr Witt, zum Fahrwart ein Herr Sturm gewählt. — Den Einigkeitsschwindel der Antisemiten beleuchtet Hans v. Mosch mit folgenden Worten: „Die Agitation wird „raubbaumäßig", nicht systematisch betrieben! Die auf Honorare angewiesenen Redner sprechen nicht dort, wo es nöthig ist, sondern dort, wo mau Honorare zahlen kann. Die kleinen Vereine, namentlich die In der Provinz, können infolgedessen nicht wachsen, und die großen Vereine werden durch zum Theil weit übertriebene Forderungen in Schulden gestürzt und langsam zu Grunde gerichtet." — Die neue Synagoge in Königsberg wird am 2j. August feierlich eingeweiht werden. — Dem Kreisphysikus Herrn Dr. Freyer in Stettin ist von Cr. Majestät der, rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. Herr Dr. Freyer ist der Sohn eines ehrwürdigen Kultusbeamten. — In der „Dtsch. Ztg." vom 5. Juli empfiehlt ein Herr Rudolf Bollrath seinen „Gasthof zum Deutschen Haus" in Trautheim bei Nieder- Ramstadt im Odenwald mit den Worten: „Die Deutschen sind daselbst unter sich, denn Juden finden keine Aufnahme." Schrecklich! — In Baden bei Wien hat sich Fräulein Helene v. Gutmann, Tochter des Herrn David v. Gutmann und der Frau Sophie v. Gutmann, mit Herrn Dr. jur. Grafen Victor Sacerdoti di Carrobio, Attache bei der italienischen Botschaft in Paris, verlobt. — In der historischen Ausstellung in Budapest befindet sich eine Thora-Rolle, die gelegentlich der Eröffnung die Aufmerksamkeit Sr. Majestät auf sich lenkte. Die Thora-Rolle, 25 Centimeter hoch, umschlossen von Holz, dem Libanon entnommen, zusammengefügt aus Blättern von reinstem Pergament und eine tadellose Schrift, deren Schwärze siegreich den Jahrhunderten — sie soll 400 Jahre alt sein — widerstanden, ist überdies mit Silberzierrathen in unverfälschtem korynthischen Stile geschmückt, eine Sehenswürdigkeit nicht nur von religiöser, sondern von eminent historischer Bedeutung, und deren Werth effektiv auf 2000 fl. veranschlagt erscheint.. Von dem Affektionswerth schien der Verkäufer keine Ahnung zu haben: auf eine Anregung des Großindustriellen Herrn Arthur M. Bloch erstanden einige Private diese Thora und machten sie der Gemeinde zum Geschenk. — Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Christine in London, eröffnete vorigen Mittwoch den Kindergarten des Froebel-Jnstituts in West Kensington. Bei der Feierlichkeit waren viele Mitglieder der jüdischen Gemeinde zugegen, u. a. Rabbiner Adler und Frau, SiriPhilip Magnus, Mr. F. D. Mocatta, Mr. Claude Montefiore, Ehrenschatzmeister des Institutes. Es wurde der edlen Gründerin, Mrs. Salis-Schwabe, in anerkennender Weise gedacht. Die Prinzessin besichtigte das Institut äuf das Eingehendste. Am vergangenen Montag fand in Buckingham Palast bei der Königin von England Sommerempfang statt, wobei u. A. Einladungen. erhielten: Herr Walter und Eveline v. Rothschild, Lord Pirbright früher Präsident der Anglo Jewish Association, Oberrabbiner Dr. Adler, Herr und Frau Montagu nebst Töchtern, Herr F. Montefiore, Herr S. Montefiore, Oberst Goldsmid, Bürgermeister Phillips, Herr Bischofsheim, viele Mitglieder der Familien Sassoon und Rothschild. Bei Baron Ferdinand Rothschild verweilte der Prinz von Wales kürzlich von Sonnabend bis . Montag als Gast. — Der Sultan hat dem Rabbiner in Kanea (Insel Kreta) den Medjidie-Orden zweiter Klasse verliehen. — Ahlwardt richtet sich in Amerika immer mehr häuslich ein. Er zeigt jetzt aus Brooklyn an, daß Ende dieses Monats von ihm eine neue antisemitische Zeitung in englischer Sprache unter' dem Namen „The Anti-Jew“* herausgegeben werden wird. Auch von der von ihm gegründeten antisemitischen Zeitung „Der Anti-Semit", welche bisher nur in deutscher Sprache erschienen ist, soll eine Ausgabe in englischer Sprache veranstaltet werden. Druck und Verlaa von Rudolf Mos sein Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauckwitz in Berlin.

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