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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-24 · Heft 30 (24.7.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 30 (24.7.1896)
Date
1896-07-24
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Ar. 30. Werks ge SerIin^4.MIi 1896. zur „Akkgerneinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 17. Juli. Die Beerdigung des Geheimen Sanitätsraths Dr. Moritz Kirstein erfolgte gestern Vormittag auf dem Friedhofe in Weißensee unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung der ärztlichen Kreise,, des „Berliner Vereins für Obdachlose" und vieler Wohlthätigkeitsanstalten. Der „Aerztliche Standesverein der Königstadt" ließ durch eine Deputation einen prachtvollen Kranz überbringen und dem Sarge vorantragen. Auch Geheimrath Dr. Brecher, der Vorsitzende der Aerztekammer der Provinz Brandenburg, wohnte der Trauerfeier bei. Die jüdischen Krankenhäuser und Wohlthätigkeitsinstitute waren sämmtlich durch Deputationen vertreten und widmeten dem Verstorbenen herrliche Kranzspenden. Vom „Asylverein für Obdachlose" war eine größere Deputation erschienen. Bor der Beisetzung in das Erbbegräbniß der Familie fand in der Kapelle des Friedhofes ein feierlicher Trauerakt statt. Die Gedenkrede hielt Herr Rabbiner Dr. Maybaum, der mit zu Herzen gehenden Worten den Verlust schilderte, welchen unsere Gemeinde durch den Tod dieses durch die drei vorzüglichsten Eigenschaften „Gottesfurcht, Friedensliebe und Bescheidenheit" ausgezeichneten Mannes erlitten hat. Hierauf widmete Herr Herrmann Landsberger, als Vorsitzender der Repräsentanten-Versammlung, dem verstorbenen langjährigen Mitarbeiter einen tiefergreifenden Nachruf. Auch dieser Redner pries die Friedensliebe des Verblichenen, der stets das Beste gewollt und seine ganze Kraft eingesetzt hat, um der Gemeinde den Frieden zu erhalten. Nach dem üblichen Gebet erfolgte die Beisetzung. Möge der Allgütige den tiefgebeugten Hinterbliebenen reichen Trost spenden. Das Andenken ihres ihnen so jäh entrissenen Oberhauptes wird in unserer Gemeinde fortleben. Er ruhe in Frieden! ^2 Berlin, 14. Juli. Wir haben in der vorletzten Nummer über das widerliche antisemitische Treiben in dem Nordseebad Juist ausführlich berichtet. Ein gelegentlicher Mitarbeiter der Vossischen Zeitung sieht sich veranlaßt, die-Schuld an diesen Zuständen den jüdischen Badegästen zuzuschreiben, indem er in einer Zuschrift an das genannte Blatt bemerkt: „Ich war im August vorigen Jahres in Juist und habe in den ersten Wochen meines Aufenthalts weder bei den Insulanern noch bei den Kurgästen eine antisemitische Gesinnung wahrgenommen. Die jüdischen Familien, die die Insel ausgesucht hatten, schienen sich dort durchaus wohl zu fühlen und haben auch ihrerseits keine Veranlassungzu einer Störung des guten Einvernehmens mit den übrigen Sommergästen gegeben. Dagegen war es wiederholt vorgekommen, daß Israeliten, die von Norderney aus einen Ausflug nach Juist unternommen hatten, durch ihre abfällige Kritik des doch erst im Entstehen begriffenen Badeortes den Unwillen der Juister erregt hatten. Eines Tages traf wieder eine jüdische Gesellschaft aus Norderney ein und machte sich im Hotel Jtzen wie gewöhnlich über die primitiven Einrichtungen des Seebades lustig. Der Kellner, dem eine ganze Reihe von Fragen nach dem Kurhause, der Kapelle re. vorgelegt wurde, konnte natürlich auf diese Fragen nur immer die eine Antwort geben: „Das haben wir in Juist -noch nicht", worauf dann jedesmal ein höhnisches Gelächter erfolgte. Kein Wunder, daß der Kellner schließlich, nach den Wohnungsverhältnissen befragt, einfach erwiederte: „Juden bekommen hier überhaupt keine Wohnung". Die Gäste aus Norderney, die offenbar gar nicht begreifen konnten, daß es noch Menschen giebt, die nicht eines glanzvollen Badelebens, sondern lediglich der Gesundheit und Erholung wegen ins Bad gehen, und daß weniger wohlhabende Leute auch mit bescheideneren Einrichtungen zufrieden sind. Hatten die derbe Antwort wohl verdient. Ihr protzenhaftes, geradezu herausforderndes Benehmen hatte auf alle Anwesenden einen höchst unangenehmen Eindruck gemacht, der Vorfall wurde im Orte lebhaft besprochen, und kurze Zeit darauf, wenn ich nicht irre, noch an demselben Tage, , fand man die Giftbude, den Gepäckausgabeschuppen und nock einige andere Stellen mit der Inschrift: „Juden raus" versehen". Zu dieser Entschuldigung erhalten wir von einem Abonnenten unseres Blattes nachstehende Zuschrift: „Diese Notiz giebt einen schlagenden Beweis, in welcher Art antisemitische Denkungsweise und judenfeindliche Stimmung verbreitet wird. Darum ist diese Geschichte von der Entstehung des widerwärtigen antisemitischen Treibens in Juist sehr lehrreich, wenngleich cs die alte bekannte Melodie ist. Die jüdischen Familien, welche in dem genannten Nordseebad wohnten, lebten in gutem Einvernehmen mit den übrigen Badegästen, da kommen einige Protzen aus Norderney, die sich über die.primitiven Einrichtungen in Juist lustig machen, und nun heißt es nicht etwa „Protzen raus!" — sondern wie immer „Juden raus!" obgleich und trotzdem die jüdischen Badegäste immer nur Anlaß zu einem guten Einvernehmen gegeben haben. Ist es denn überhaupt gewiß, daß jene Protzen aus Norderney wirklich „Israeliten" waren? — Und selbst wenn es der Fall war, was giebt den Juisteru das Recht, wegen einiger protzenhafter Vergnügun'gsreisender allen Juden durch antisemitische Obscönitäten den Aufenthalt zu verleiden? Im Uebrigen wird das Nordseebad Juist nach den veröffentlichten Nachrichten jetzt „judenrein" bleiben, und wenn es den Juistern keinen Nachtheil bringen sollte, den Juden wird es gewiß nichts schaden!" ££2 Berlin, 19. Juli. Das Jubiläum des Herrn A. Littauer, der seit 1850 im Dienste der Berliner Hauptgemeinde steht, brachte dem 80 jährigen Jubilar viele wohlverdiente Ehrungen. Der Gemeindevorsteher Julius Jacobi hielt eine Ansprache und überreichte Herrn Littauer eine goldene Uhr mit dem eingravirten Bilde der Synagoge und .einer Widmung. Eine Deputation der Gemeinde-Verwaltung, bestehend aus den Herren Hermann Landsberger, Wolfs Lewin und Gustav Sachs, überreichte nach einer Ansprache des Herrn Landsberger eine goldene Kette zu der oben erwähnten Uhr. Im Namen der Büreau- Beamten der Gemeindebüreaus überreichte der Büreau-Chef Herr Wertheim in Begleitung einer Deputation ein prächtiges Album mit den Photographien sämmtlicher Gemeindebeamten.' Herr Rabbiner Dr. Maybaum hob die Vorzüge des Jubilars in längerer Rede hervor. Bei der sich anschließenden Festtafel, an der alle vorhergenannten Herren Theil nahmen und bei der über 150 Depeschen, ferner viele herrliche Blumenspenden und Geschenke von hiesigen und auswärtigen Gratulanten einliefen, brachte ein Mitglied des Vorstandes, Herr Direktor Markus Herrmann, das Hoch auf den Jubilar aus, indem er seine Pflichttreue und Pünktlichkeit rühmte und dem sich großer geistiger und körperlicher Frische erfreuenden Greise wünschte, daß es ihm vergönnt sein möge, noch eine Reihe von Jahren seines Amtes zu walten. Von der Gewissenhaftigkeit des Jubilars legt auch die ausführliche Chronik Zeugniß ab, die Herr Littauer vom Einweihungstage der Neuen Synagoge an sorgfältig geführt hat. Es wird namentlich späterhin noch mehr als heute interessiren, zu erfahren, daß am 5. September 1866 Fürst Bismarck als damaliger Ministerpräsident in der Neuen Synagoge war, daß der nachmalige Kaiser Friedrich als Kronprinz nicht weniger als 16 Mal das Gotteshaus besuchte, daß. unser jetziger Kaiser als Prinz Wilhelm am 1. April 1874 mit dem Prinzen Heinrich dem Gottesdienste bis zum Schluffe beiwohnte. Stets sind die Eintragungen bis ins Einzelnste korrekt, einmal war Kaiser Friedrich mit Moltke da, ein anderes Mal mit dem Prinzen Friedrich Karl,' dem Großherzog von Weimar, dem Großherzog und der Frau Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, dann einmal mit dem König der Belgier, mehrere Male wieder mit seiner Gemahlin. Allmälig hatte sich Littauer eine große Gewandtheit in der Führung hoher Herrschaften angeeignet, einmal mußte er mit dem Polizeipräsidenten.und acht Herren die Kuppel der Synagoge besteigen,. am 18. Oktober 1868 nahmen nicht weniger als 500 Architekten den herrlichen Bau in Augenschein: Mit vielen auswärtigen Gesandtschaften war der Verkehr nur durch einen Dolmetscher möglich; so heißt es von dem Besuche des Oberkommandirenden der ägyptischen Armee, Chakim Pascha, in der Chronik: „Der Sekretär Mustapha Effendi Elmgdi spdach ~ ~ «.Sa.

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