Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- Seite 351 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3228148-3228179--52971-3258624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
351 Protokoll der Versammlung des Vereins jüdischer Lrhrrr in Schlesien und Posen und deren Nnterstntzungs kaffe. f ie Versammlung fand am 25. Mai im Restaurant zum „weißen Storch" statt. Anwesend waren a) als Mitglieder: die Herren Alexander-Breslau, Alexander-Militsch, Prof. Dr. Badt-Breslau, Bernhardt - Tarnowitz, Blumenfeld - Schweidnitz, Böhm - Königshütte, Borchardt-Samter, Boß-Bernstadt, Doc. Dr. Brann-Breslau, Brann- Beuthen, Brock-Hirschberg, Cohn-Tarnowitz, Dr. Doctor-Breslau, Ellbogen-Breslau, Fabian-Breslau, Rabb. Dr. Freund -Czarnikau, Graf- Glogau, Rabb. Dr. Guttmann-Breslau, Guttmann-Ohlau, Grünfeld- Schwersenz, Haase-Rosenberg, Haller - Haynau, Herbst - Llssa, Rabb. Dr. Jakobson-Gnesen, Frl. Krakauer-Breslau, die Herren Krolik-Cosel, Ksinski-Kempen, Ledermann-Peiskretscham, A. Lewin - Berlin, E. Lewin- Berlin, Lewin-Tarnowitz, Loewenthal-Gr.-Wartenberg, Muschel-Frankenstein, Frl. Peiser-Breslau, die Herren Rabbiner Dr. Pinkuß-Breslau, Rosenblatt-Tarnowitz, Rabb. Dr. Rosenthal-Breslau, Dr. Samter-Breslau, Dr. Samuelsohn-Breslau, Sauder-Zabrze, Schampanier-Breslau, Singermann-Glogau, Singermann-Schildberg, Spieldoch-Buk, Steiner- Gr.-Strehlitz, Tintner-Bunzlau, Translateur-Langendorf, Translateur- Cartsruhe, Weißmann-Kattowitz, Wolff-Gr.-Strehlitz; d) als Gast: Herr Theodor Oschinski, Delegirter des D. I. G.-B. 1. Vormittags 8Vi Uhr wirb unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Samuelsohn die Berathung des Vorstandes der Unterstiitzungskasse des Vereins eröffnet. Der Vorsitzende berichtet zunächst über den von Herbst-Lissa im vorigen Jahre gestellten Antrag, betreffend Erhöhung der Unterstützungsquote. Er ist der Ansicht, daß eine solche abzulehnen, da vielmehr noch auf Erweiterung des Grundkapitals zu achten sei. Dieser Ansicht hätten sich auch die Herren Geh. Justizrath Dr. Freund, Schriftführer Hamburger und Schatzmeister Stadtrath Pringsheim angeschlossen. Dagegen wendet Herbst-Lissa ein, es sei mehr für die Gegenwart zu sorgen, da Zinsen und Jahresbeiträge das Doppelte der geleisteten Unterstützungen übersteigen. Er beantrage daher die Zurückstellung der Berathung seines Antrages bis zur Anwesenheit der kaufmännisch-sachverständigen Mitglieder des Vorstandes. Infolge dessen wird beschlossen, den Antrag für eine zu diesem Zwecke anzuberaumende Sitzung zu vertagen. Ein fernerer Antrag von Herbst- Lissa, zur Erhöhung der Zinsen auch in kleineren Städten Kapitalien hypothekarisch anzulegen, wird dem Schcitzmeister zur Erwägung empfohlen. 2. Vormittags 9 Uhr versammeln sich die Mitglieder der Unterstützungskasse. Herr Dr. Samuelsohn giebt den Bericht über die Kasse, nach welchem die Einnahmen 37 405,88 Mark betragen, während die Ausgaben 34 000 Mark in Hypotheken, 1200 Mark in Pensionen, 1000 Mark in Schles. Pfandbriefen, 193,08 Mark in diversen Ausgaben und 986,10 Mark als Baarbestand ausmachen. Hierzu bemerkt der Vorsitzende, daß sich eine merkliche Abnahme der Ehrenmitglieder in den Provinzen kund gebe, und bittet daher die Mitglieder, ihre Kräfte in dieser Beziehung dem Verein zu widmen. Herr Borchard-Samter glaubt, daß das Interesse der Lehrer vielleicht deshalb so gering sei, weil so wenig Lehrer im Vorstande vorhanden seien, besonders müßte der Schriftführer aus der Zahl der geprüften Lehrer genommen werden. Tintner-Bunzlau sieht als Grund der Lauheit die Inanspruchnahme der betreffenden Kategorien durch andere Vereine an, während Dr. Badt- Breslau die Nothwendigkeit der Wahl eines Kaufmannes gerade zum Amt eines Schriftführers damit begründet, daß dessen Thätigkeit in geringem Grade die Qualifikation eines Lehrers, in höherem Grade aber geschäftliche Routine, wie in der Buchführung, erfordert. Außerdem sollte man keinen Unterschied zwischen Lehrern und Lehrern machen und froh sein, Ehrenmitgliedern praktische Funktionen im Vorstande zu' überweisen. In gleichem Sinneäußern sich Graf-Glogau und Herbst- Lissa. — Bei der hierauf folgenden Wahl des Vorstandes werden Herr Dr. Samuelsohn als Vorsitzender, Stadtrath Pringsheim als Schatzmeister, Prof. Dr. B ad t als stellvertretender Vorsitzender, Kaufmann L. Hamburger als Schriftführer, Blumen seid-Schweidnitz, Herbst-Lissa, Steiner-Gr. Strelitz, Tintner-Bunzlau als Beisitzer erwählt, während die Herren Geh. Justizrath Dr. Freund, Kaufmann Moritz Baruch und Fabrikbesitzer Simon Pfeffer die Revisionskommission bilden. Nachdem die Gewählten ihre Bereitwilligkeit zur Annahme der Wahl erklärt hatten, schildert der Vorsitzende mit anerkennenden Worten die Thätigkeit des dem Verein leider zu früh entrissenen Kommissionsraths Moll und fordert die Versammlung auf, durch Erheben von den Plätzen das Andenken des Heimgegangenen Gönners zu ehren. Nachdem dies geschehen war, berichtet Herbst- Lissa über den Beschluß des Vorstandes, betreffend seinen Antrag auf Erhöhung der Pensionsquote, daß der Vorstand beschlossen habe, in einer besonderen Sitzung darüber zu berathen und das Ergebniß dieser Berathung der nächsten Generalversammlung kund zu geben. Blumenfeld-Schweidnitz beantragt, bei der Feststellung der Quoten einen Unterschied zwischen pensionsberechtigten und nicht pensionsberechtigten Lehrern zu machen. Denn diese seien gezwungen, so lange im Amte zu bleiben, als es nur ihre Kräfte erlauben, und kämen daher nur selten in den Genuß der Wohlthaten der Unterstützungskasse. Steiner-Gr. Strehlitz bittet jedoch den Antragsteller, seinen Antrag so lange zurückzu halten, bis der Vorstand sich über den Antrag Herbst schlüssig gemacht haben würde. Tintner-Bunzlau und Dr. Brann-Breslau sprechen gegen den Antrag, und dieser betont noch besonders, daß ein solcher nicht blos gegen das gegenwärtige, sondern gegen jedes mögliche künftige Statut verstoße, da bei gleichen Pflichten verschiedene Rechte festgestellt werden sollten. Hierauf wird der oben skizzirte Antrag Steiner angenommen und die Sitzung geschlossen. 3. Um 10 Uhr begann die 18. Versammlung des Vereins isr. Lehrer in Schlesien und Posen. - 1. Der Vorsitzende begrüßt die Versammlung, drückt seine Befriedigung darüber aus, daß die Mitglieder so zahlreich erschienen sind, und berichtet über den Stand des Vereins. Nach demselben betrug die Anzahl der Mitglieder am Schluffe des vorigen Vereinsjahres 135. Davon traten 2 aus, während 1 neu hinzukam, und es stellt sich somit die Gesammtzahl derselben jetzt auf 134. 2. Der Schriftführer des Vereins, Dr. S amker, giebt den Kassenbericht, nach welchem die Einnahmen, einschließlich eines Bestandes vom Geschäftsjahre 1894/95, sich auf Mark 73,73 beliefen, während die Ausgaben Mark 83,12 betrugen, und die Kasse mit einem Fehlbeträge von Mark 9,39 abschließt. Die Rechnung wird von 2 dazu erwählten Revisoren geprüft, für richtig befunden, und infolgedessen wird dem Kassirer Entlastung ertheilt. 3. Vor dem Eintritte in den Punkt 3 der Tagesordnung erklärt der Vorsitzende, Herr Dr. Samuelsohn, eine etwa auf ihn fallende Wiederwahl wegen seines vorgerückten Alters ablehnen zu müssen. Die Versammlung würdigt die angeführten Gründe und verzichtet zu ihrem Bedauern auf ihren bewährten und langjährigen Leiter und Förderer ihrer Geschäfte. Auf Antrag des Herrn Dr. G u tt mann-Vreslau wird Herr Prof. Dr. Badt nunmehr zum Vorsitzenden neugewählt, Herr Dr. Samt er zum Schriftfilhrer, beide zu Breslau, und Herr Hauptlehrer Herbst-Lissa zum stellvertretenden Vorsitzenden durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Herr Dr. Badt, der jetzt den Vorsitz übernimmt, drückt dem scheidenden Vorsitzenden den Dank der Versammlung für die mit aller Treue und Hingebung bishex von ihm geführten Geschäfte des Vereins aus und fordert die Versammlung auf, diesen Dank durch Erheben von den Plätzen auszudrücken und den Scheidenden zum Ehren-Vorsitzenden zu ernennen. Beides geschieht mit einstimmiger und freudiger Befriedigung aller Anwesenden. 4. Herr Dr Guttmann-Breslau berichtet über die Sendung, welche ihm im Verein mit Herrn Dr. Brann-Breslau als Delegirten zu der in Berlin stattgehabten Versammlung behufs Gründung eines Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche vom Vorstände des Vereins übertragen wurde, und beginnt sein Referat mit der einleitenden Bemerkung, daß der Zweck und das Ziel des Verbandes gut und erhaben sei, aber die Verhandlungen, die zu dem Zwecke geführt worden wären, hätten manche Verdießlichkeiten bei ihm erzeugt. Auch rechtfertigt er die Wahl gerade eines Rabbiners zum Delegirten, denn dieser wäre ohne jede Voreingenommenheit gegen geprüfte oder nicht geprüfte Religionslehrer an die Berathung herangetreten, während ein geprüfter Lehrer als Delegirter wahrscheinlich nur für seine engeren Standesgenossen eingetreten wäre. Sein vornehmlichstes Bestreben sei es gewesen, dahin zu wirken, auch den nicht geprüften Lehrern das Wahlrecht für die Delegirten zu erwirken, und dieses Ziel hätte auch