Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-10 · Heft 28 (10.7.1896) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228177--52949-3258600
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

von hier statt. Bei dem Leichenbegängnisse, dem auch Herr Rabbiner Dr. Koch auf Einladung hin beiwohnte, rühmte Herr Weihbischof Dr. Fischer aus Köln in feiner Leichenrede besonders die Tugend des Verstorbenen, „daß er sich nie betheiligt habe an dem Unrecht am deutschen Volke, die Konfessionen gegen einander zu verhetzen." Derselbe Herr Weihbischof sprach im vorigen Jahre bei seiner Anwesenheit hier Herrn Rabbiner Dr. Koch gegenüber seinen Abscheu gegen den Antisemitismus aus. K. Hannover, 28. Juni. Das Endurtheil des I. Senats des Oberverwaltungsgerichts vom 17. Januar 1896, das erst jetzt zur allgemeinen Kenntniß kommt, hat entschieden, daß der Austritt aus der jüdischen Religionsgemeinschaft (dem Judenthum) in der Provinz Hannover von Leistungen für Religionsschulen der Synagogengemeinden befreit. Von Leistungen für Zwecke der öffentlichen jüdischen Schulen befreit der Austritt dagegen nur unter der Voraussetzung, daß der Ausgetretene von der Schulaufsichtsbehörde einer öffentlichen, nicht jüdischen Schule zugewiesen ist. X Mainz, 24. Juni. Gestern feierte der bekannte Kommerzienrath Hermann Reinach sein 25jähriges Jubiläum als Beigeordneter der Stadt Mainz. Aus Anlaß dieses Tages war Vormittags eine Spezialsitzung des Stadtverordneten - Kollegiums, in der Provinzialdirektor Geheimrath Rothe den Jubilar Namens der großherzoglichen Regierung begrüßte und ihm bas Dekret überreichte, wonach der Jubilar vom Großherzog zum Geheimen Kommerzienrath ernannt worden ist. Die - Begrüßungsansprache Namens der städtischen Verwaltung hielt Oberbürgermeister Dr. Gaßner. Er hob die thatsächlichen Verdienste des Jubilars um das Emporblühen des städtischen Gemeinwesens hervor. Geheimrath St. C. Michel begrüßte den Jubilar Namens der Stadtverordnetenversammlung und Herr Rechnungsrath Obersekretär Amend Namens der städtischen Beamten. Alle städtischen und viele Privatgebäude sind aus Anlaß des Jubiläums beflaggt. Die Familie Reinach ist eine der ältesten und vornehmsten jüdischen Geschlechter unserer Stadt. Im alten Ghetto bewohnte sie das 'Haus zum „Rheinnachen", woher ihr Familienname stammt. a. Straßburg, 2. Juli. Nach dem von der Negierung soeben veröffentlichten statistischen Ueberblick über die höheren Schulen des Reichslandes hat am 1. November 1895 die Gesammtzahl der Schüler an den höheren Schulen Elsaß-Lothringens 8407 betragen, von denen 3931 oder 46,6 Prozent Katholiken, 3705 oder 44,1 Prozent Protestanten und 771 oder 9,3 Prozent Israeliten. Die letzteren besuchen vorzugsweise die 14 aus Landesmitteln unterhaltenen Schulen; nur 91 israelitische Schüler sind in den 6 von kirchlichen Behörden unterhaltenen höheren Schulen. Unter den 26 Direktoren sind gleichviel Katholiken und Protestanten, unter den 278 Oberlehrern sind 109 Katholiken, 161 Protestanten und 8 Israeliten, unter den 41 wissenschaftlichen Hilfslehrern und Probekandidaten 16 Katholiken, 22 Protestanten und 3 Israeliten, unter den seminaristisch vorgebildeten Lehrern befindet sich kein Israelit. 8. Straßburg. im Juli. Bei den Wahlen für die Stadtvertretungen in Elsaß und Lothringen sind unsere Glaubensgenossen in hervorragendem Maße belheiligt. In S chirrHofen ist unser Glaubensgenosse, der Bürgermeister Simon Hey mann wiedergewählt, desgleichen mit Akklamation in Bischweiler Herr Heinrich Braun. In Jmling sind die Herren Bernhard Job, Vorsitzender des israelitischen Wohlthätigkeitsvereins, und Julius Levy zu Stadträthen gewählt, in Saarburg erhielten vier Israeliten die zur Wahl in die Stadtvertretung nothwendige Mehrheit, der Vorsitzende der Gemeinde und erste Beigeordnete des Bürgermeisters, Herr S. Behr, Herr E. Levy, Herr A. Israel und der Notar Levy. In Mülhausen ist Herr Lantz gewählt. Hier in Straßburg haben die Herren Dr. Gustav Levy und M. Jakobi große Aussicht auf Erfolg. Die politischen Blätter in Deutschland und Frankreich verfolgen den Ausgang dieser wichtigen Wahlen mit großer Spannung Oesterreich - Ungarn. LH Wien, 8. Juli. Der niederösterreichische Landtag hat sich zu zwei außerordentlichen Sitzungen versammelt und darin Schneider und Gregoric Gelegenheit geboten, eine ihrer berüchtigten Hetzreden los zulassen, die aber glücklicherweise gebührend ausgenommen wurden. In der abgelaufenen Woche wurde abermals der Vorsteher eines katholischen Vereines (Zum heiligen Rudolf) wegen Kautionsschwindel und mehrfacher Betrügereien verhaftet; der Mann hat jahrelang Bittgänge und Wallfahrten veranstaltet, dabei aber noch Zeit gefunden, seine Tasche mit fremdem Gelde zu füllen. — Bei der am 27. Juni in Oswiecim stattgefundenen Gedenkfeier für die am 27. Juni des Jahres 1866 gefallenen Oesterreicher und Preußen, der zahlreiche hohe Militärs beiwohnten, wurde auch der israelitische Friedhof besucht, wo die Gräber der gefallenen Krieger bekränzt wurden. — Zu Gymnasial- Professoren wurden ernannt die Doktoren: Samuel Spitzer, Lazar Steinschneider, Samuel Oppenheim u. v. Andere. — Hier ist der Industrielle Ignatz Großmann gestorben. B. Budapest, 26. Juni. Aus Anlaß der Rezeption der jüdischen Religion wurde die Bildung eines Landesfonds zu allgemeinen nationalen und kulturellen Zwecken beschlossen, der durch Sammlung von Spenden im Kreise der ungarischen Judenheit aufgebracht wird. Aus diesen Mitteln wurden in erster Reihe der Betrag von 150 000 Kronen zur Errichtung von fünf Stiftungsplätzen für Zöglinge der Ludovica- Akademie bestimmt. Der König gestattete, daß diese Stiftung auf fernen Namen errichtet werde und den Titel „Franz - Joses - Stiftungsplätze" führen soll. Der Honvedminister Baron Fejerväry hat der Verwaltung des Landesfonds seinen Dank ausgedrückt. — Der VI. israelitische Gemeindedistrikt hielt in Kecs kernet seine Jahresversammlung ab, bei der nahezu zwanzig Gemeinden vertreten waren. Nach einer herzlichen Begrüßungsansprache des Präsidenten der Lokalgemeinde eröffnete Martin Schweiger mit einer kurzen Rede die Sitzung. Nachdem der Jahresbericht als verlesen betrachtet wurde, erhob sich Dr. Th. Löw, der den Antrag stellte, daß die Versammlung Wer den kritischen Ton, der im Memorandum den Orthodoxen gegenüber angewendet wird, ihre Mißbilligung ausspreche. Er halte es ferner für überflüssig, daß die Einberufung des Kongresses von legislatorischen Verfügungen abhängig gemacht werde. Er hege ferner die Erwartung, daß die in der Frage der Organisation zu machenden Schritte nicht.mit solchen Ansuchen in Verbindung gebracht werden, welche die Einberufung des Kongresses verzögern oder vereiteln würden. Paul Temer, Berthold Weiß, Rabbiner Dr. I. Feldmann, Redakteur Max Szabobst bekämpfen den Löw'schen Antrag und treten für die Vereinigung des Judenthums ein. Abgeordneter Moriz Mezei hält diese ebenfalls für nothwendig und reicht seinerseits einen Beschlußantrag ein, der Jahresbericht soll unter Aufrechterhallung der früher« Beschlüsse, , welche die Dringlichkeit des Kongresses betonen, zur Kenntniß genommen werden. Dieser Antrag, der von Dr. Alexander Neumann unterstützt wurde, ist mit großer Majorität angenommen worden. Für die Schaffung des Landesfonds wird der Versammlug der Distriktspräsidenten Dank votirt. Nach Erledigung der laufenden Angelegenheiten fand ein feierlicher Gottesdienst statt. — Aus Anlaß der Feier des tausendjährigen Bestandes Ungarns wurden in Anerkennung ihrer Verdienste auf dem Gebiete der öffentlichen Angelegenheiten ausgezeichnet: Der Fabrikbesitzer Samuel Goldberger de Buda, der Direktor Edmund Hevesi, der Fabrikant Leo Weiß mit dem Orden der Eisernen Krone III. Klasse; der Präses der Pester israelitischen Religionsgemeinde, der Großhändler Sigmund Kohner mit dem Komthurkreuz des Franz Josef-Ordens; der Talmudprofessor an der Landes-Rabbinerschule, Oberrabbiner Moses Bloch, der Direktor Heinrich Jellinek de Haraszt, der stellvertretende Präsident der orthodoxen Durchsührungskommission, Oberrabbiner Leopold Lipschütz, der Advokat Dr. Jakob Schreyer mit dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens; das Mitglied des Landes-Sanitätsrathes Dr. Adolf Tatay durch Verleihung des Titels eines königlichen Rathes, der Direktor des hauptstädtischen statistischen Büreaus Dr. Josef Körösy durch Verleihung des ungarischen Adels. — In der antisemitischen Presse wurden drei Insassen der Gemeinde Nograd-Berizel beschuldigt, daß sie einen Knaben in die Synagoge gelockt hätten, um ihm „Blut abzuzapfen". Die Beschuldigten suchten bei der Behörde um eine Untersuchung nach, die auch bewilligt wurde. Es wurde eruirt, daß an der ganzen Geschichte kein wahres Wort sei und daß ein Kortesch der Volkspartei dieses Gerücht ausstreuteum die Bevölkerung für das Programm der Bolkspartei gewinnen ztr können. Großbritannien. S» London, 6. Juli. Der berühmte englische Maler Holman > Hunt beschreibt in einem Briefe an die Times, welche Schwierigkeiten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.