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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-10 · Heft 28 (10.7.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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durch Einführung des Jugendgottesdienstes, des Religionsunterrichts am Gymnasium und Realgymnasium, sowie durch Gründung des.„Jüdischen Litteratur-Vereins" um die hiesige Gemeinde sehr verdient gemacht hat. Herr Apotheker Brasch widmete dem scheidenden Freunde sein Glas und verlas ein von einem Primaner des Gymnasiums, Arthur Pateck, verfaßtes, innig empfundenes Gedicht an den scheidenden Lehrer. Hierauf erwiederte Herr Dr. Blumenthal mit Worten des Dankes an alle Festtheilnehmer. Gerade jetzt, wo er mit den Besten der Gemeinde zum letzten Male vereinigt sei, fühle er den Schmerz der Trennung besonders lebhaft, er hoffe aber, auch in der Ferne mit seinen Freunden innig verbunden zu bleiben. Die Rede klang in ein Hoch auf das Wohl der Gemeinde aus. — Heitere Tischreden, unter denen die des Herrn Rechtsanwalts Gebhardt auf die zukünftige Gemahlin des Dr. Blumenthal besonders freudigen Anklang fand, wechselten mit vom Kantor Herrn Abraham vorgetragenen Liedern und Tischgesängen, welche von der ganzen Gesellschaft in bester Laune gesungen wurden, in bunter Folge, ab und hielten die Festtheilnehmer bis zum frühen Morgen in heiterster Stimmung zusammen. Das ganze Fest nahm einen glänzenden Verlauf und wird allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben. Herrn Dr. Blumeuthal aber möge es vergönnt sein, auch sein neues Amt in der Gemeinde Danzig segensreich zu verwalten und sich dieselbe Liebe und Achtung zu erringen, deren er sich hier in reichem Maße zu erfreuen hatte. Kp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Bei der jüngst in der Synagogengemeinde Wreschen unter Vorsitz des Bürgermeisters Seite! stattgehabten Repräsentantenwahl sind die Herren L. Sieburg, L. Miodowski, H. Ehrenfried, L. Radziejewski und S. Schreyer gewählt worden. Von 101 stimmberechtigten Mitgliedern haben sich 69 an der Wahl betheiligt. — Anläßlich seines 23jährigen Dienstjubiläums ist Lehrer Auerbach in Tremessen vielfach geehrt worden. Der Männergesängnnd Freie Lehrerverein brachten ein Ständchen. Die Schulgemeinde überreichte durch den jüdischen Schulvorstand ein Sparkassenbuch über 150 M. Die Schulkinder verehrten einen prächtigen Kronleuchter. Ehemalige Schüler übersandten einen silbernen Tafelaufsatz. — Die jüdischen Gemeindemitglieder in Strzalkowo, die zur jüdischen Gemeinde in Wreschen gehören, erhalten auf ihren Antrag einen eigenen Friedhof im Dorfe. — Dem Rentier Meyer Josephsohn in Neutomischel, welcher das Amt eines Korporationsvorstehers der israelitischen Gemeinde daselbst über 25 Jahre verwaltet hat, wurde bei seiner kürzlich erfolgten Uebersiedelung nach Posen vom Vorstande und den Repräsentanten ein Diplom als Anerkennung überreicht. — Nach dem Etat der Synagogengemeinde Culmsee für das Jahr 1896/97 beträgt die Einnahme 5623 M., wovon an Gemeindesteuern von den Mitgliedern 4158 M. aufzubringen sind. Die Ausgaben für Besoldungen, Kultusbedürfnisse rc. decken sich mit den Einnahmen. Zu den Beiträgen haben 71 Mitglieder beizusteuern. — Herr R. Miodowski in Wreschen ist zum Magistratsmitglied jener Stadtgemeinde gewählt und bestätigt worden. — An Stelle des bisherigen Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Krojanke, des Kaufmanns S. Buß, ist der Kaufmann M. Cohn gewählt worden. — Der in Jaratschewo geborene und vor mehreren Jahren ausSchrimm nach Posen verzogene Rentier Abraham Hepner hat in dem mit seiner Ehefrau errichteten wechselseitigen Testament der Stadtgemeinde Schrimm den Betrag von 6000 M. und der Stadtgemeinde Jaratschewo den Betrag von 3O0O M. mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen jährlich zwei Elementarlehrern zu Schrimm und einem zu Jaratschewo ohne Unterschied der Konfession zufließen soll. Die Empfänger sollen jedesmal durch das von dem zuständigen Bürgermeister oder dessen Stellvertreter zu ziehende Loos bestimmt werden, wobei sämmtlichen städtischen Lehrern des betreffenden Ortes das Recht zustehen soll, bei der Ziehung des Looses anwesend zu sein. Herr Abraham Hepner ist vor einigen Jahren und seine Ehefrau in diesem Monat in Posen verstorben, so daß die Zinsen des Legats nächstens zum ersten Male zur Auszahlung gelangen werden. Testamentsvollstrecker ist Kaufmann Sally Jaffa in Posen. ' A. Tarnowitz O./S., 1. Juli. Bon einem Akte lobenswerther Pietät ist aus der hiesigen Gemeinde zu berichten. In der vergangenen Woche war es ein Jahr, daß der Lehrer an der hiesigen hebräischen Unterrichtsanstalt, Herr Salomon Singer, in jungen Jahren von einem tückischen Leiden dahingerafft wurde. Auf Veranlassung des Herrn Rabbiner Dr. Loewenthal hatten die Schüler und zahlreiche Verehrer .des Verstorbenen eine größere Geldsumme aufgebracht, von welcher eine wohlthätige Stiftung begründet wurde, die den Namen des früh Dahingeschiedenen trägt und deren Zinsen alljährlich am Sterbetage bedürftigen Schülern zugewendet werden sollen. Außerdem war durch freiwillige Beiträge ein würdiges Grabdenkmal gestiftet worden, welches am Jahrzeitstage feierlich enthüllt wurde. An der Feier nahm die gesammte Schule sowie ein großer Theil der Gemeindemitglieder theil, und ander Hand des Wortes aus den Sprüchen der Väter: „Sei von den Schülern Ahron's, liebe den Frieden und jage ihm nach, liebe die Menschen und bringe sie der. Thora nahe" zeichnete Herr Rabbiner Dr. Loewenthal in erhebenden Worten das Lebensbild des Verklärten, der durch sein freundliches und heiteres Wesen, durch sein tiefes Wissen und seinen starken Willen sich die Hochachtung und Liebe aller Derer, die ihn kannten, erworben hatte. Ein von den Schülern vorgetragener, stimmungsvoller Chorgesang schloß die ernste Feier, die auf alle Teilnehmer einen nachhaltigen Eindruck hervorgerufen hat. 52 Köln a. Rh., 26. Juni. Der Verein zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden mit dem Sitze in^ Düsseldorf versendet den Jahresbericht pro 1894/95. Derselbe enthält auch einen Bericht über die Thätigkeit des Lehrlingsheims in Köln. Auch in diesem Berichtsjahre hat sich der Umfang dieser Wirksamkeit wieder in erfreulicher Weise vermehrt. Statt 26 Zöglinge im vergangenen waren in diesem Jahre 37. 13 waren aus Köln, von denen 9 hier bei ihren Angehörigen, 1 (Bäcker) bei einem hiesigen Meister, 2 auswärts bei den Meistern und 1 (dessen Eltern in Amerika) im Lehrlingsheim wohnten. 24 Zöglinge waren aus anderen Gemeinden, und zwar ] 5 aus der Rheinprovinz, 3 aus Hessen-Nassau, 2 aus Westfalen, je 1 aus Hannover, Waldeck und Galizien. Von diesen waren bei auswärtigen Meistern 6 in Kost und Pflege, 1 bei einem hiesigen Meister (Bäcker) und die übrigen 17 dieser auswärtigen Zöglinge bildeten die Insassen des hiesigen Lehrlingsheimes. Die Lehrzeit beendeten in diesem Jahr 4, und zwar 1 Schlosser, 1 Sattler, 1 Maler und Anstreicher, 1 Polsterer und Tapezierer, die alle sofort Stellung fanden resp. bei ihren Meistern als Gesellen blieben. Die . Hoffnungen, mit denen im vorigen Jahr die Gründung des hiesigen Lehrlingsheimes begleitet wurde, haben sich verwirklicht. Die Knaben, die meist aus kleinen Landorten zugeführt wurden, wo weder passende Meister sind, noch die Gewähr einer entsprechenden Erziehung und_ eines Fortbildungsunterrichts gegeben ist, bedürfen einer unausgesetzten Leitung und steter Kontrole betreffs des Verhaltens im Hause, in der Werkstatt, im Unterricht, in den freien Stunden. In den Familien, in denen die Knaben früher gemeinsam untergebracht waren, konnte dieser Einfluß nicht genügend geübt werden, und erst mit dem Lehrlingsheim nach den vom sel. Dr. Wedell vertretenen Grundsätzen ist Wandel geschaffen. Leider gestattet das Heim mit seinen 17 Insassen keine weitere Aufnahme. Hier bietet sich schöne Gelegenheit für die begüterten Glaubensgenossen, denen die Ehre des Judenthums am Herzen liegt, mitzuwirken an der sozialen und moralischen Förderung der armen Glaubensbrüder, wenn sie baldmöglichst die Errichtung eines eigenen, größeren Lehrlingsheims ermöglichten. Durch Geschenke und die rege Theilnahme der Gemeinde an einem Wohlthätigkeitskonzert im letzten Winter hat sich der Fonds zur Errichlung eines eigenen Lehrlingsheimes in Köln auf 12134,94 Mark erhöht. Am Ende des Berichtsjahres wurde ein eigener Fortbildungsunterricht im Lehrlingsheim eingerichtet für dessen Insassen sowie für die Zöglinge, die hier bei ihren Eltern wohnen. Derselbe wird von dem bewährten Schulmann Oberlehrer Hermanns ertheilt. Außerdem besuchen die Zöglinge Sonntags den Zeichenunterricht in der Fortbildungsschule oder der gewerblichen Fachschule und die Kunsthandwerker noch an mehreren Abenden den Kursus für Modelliren und Ciseliren in der Fachschule. Mit der Zunahme der Zöglinge sind auch die Ausgaben gestiegen von 5 996,76 Mark im vorigen auf 8 658,57 Mk. in diesem Jahre, und wenn nicht am Ende des Berichtsjahres größere Geschenke, insbesondere die hochherzige Zuwendung von 1000 Mark seitens'der Frau Frida Mond in London dem Verein zu Theil geworden wäre, hätte die Leitung mit einem großen Fehlbeträge .abschließen müssen. Diese Erfahrung muß in der Berücksichtigung der vielen Aufnahmegesuche sehr bedenklich stimmen, trotz des nicht genug zu rühmenden Interesses, das seitens der Kölner Gemeinde diesen Bestrebungen dargebracht wird. sfc: Barmen. 26. Juni. In voriger Woche fand hier die Beerdigung des katholischen Dechanten und Ehrendomherrn Meisloch

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