Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1896)
- Date
- 1896-07-10
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Awromele konnte vor Rührung mir stumm mit dem Kopfe nicken. Nun kam Taubele an die Reihe. - „Taubele, niein Kind, weißt Du, daß so ein Topf zehn Kreuzer kostet?" Taubele konnte nur schluchzen. „Weißt Du," fuhr Mordche fort, „daß wir für zehn Kreuzer gebratene Erdäpfel die ganze Woche genug zum Abendbrod haben und daß deinetwegen die Mamme wird muffen trockenes Brod effen?" Taubele begann so heftig zu schluchzen, daß Mordche ängstlich wurde und begütigend einleukte. „Nu, nu," sagte er, „Du mußt's nicht übertreiben. Wenn es wäre nicht bestimmt gewesen, wäre es nicht geschehen, und dann ist es noch nicht das Aergste. Vielleicht ist auch Schlimmeres dadurch abgewendet worden." Mordche hatte bemerkt, daß Vögele am'ganzen Körper zitterte, darum sagte er nur: „Kind, Dinah Neb Bezalels will Dich nächstes Jahr, so Gott will, ins Haus nehmen, ihre Kinder zu warten und will Dir zwei Gulden den Monat geben. Da mußt Du sehen, daß Du nicht so ^„unselig" bleibst. Du weißt, ich kann Dir keine Mitgift geben. Du mußt sehen, daß Du Dir selbst etwas zusammensparst." Channe war über die wachsende Milde Mordches unruhig geworden. Sie fand, daß er die Kinder verderbe, aber er schnitt ihre Bemerkungen kurz ab: \ „Laß gut sein, Channe," sagte er, „wenn es nicht so sein sollte, möchte es nicht geschrieben stehen." Von dem Vorfälle mit Reb Rephoel sagte er ihr nichts. Ein Meschubed*) hat ein schweres Leben. Warum soll das Weib noch Kummer und Herzbrechen haben? (Fortsetzung folgt.) Literarische Mittheitungen. ----- Wünsche, August, Prof. Die Freude in den Schriften des alten Bundes. Weimar 1896. Verlag von Emil Felder. Der im Berliner Verein für jüdische Geschichte und Litteratur im Winter 1895 von Professor Wünsche gehaltene Vortrag über die Freude im alten Testament ist soben unter obigem Titel als erweiterte Studie im Drucke erschienen. Der Verfasser verfolgt mit dieser Abhandlung den Zweck, den in der alttestamentlichen Religions - Wissenschaft wenig gewürdigten Begriff der Freude ins rechte Licht zu setzen. Der Begriff der Freude, den wir in Winers biblischem Realwörterbuch sowie in C. Aug. Riehms Handwörterbuch des biblischen Alterthums vollständig vermissen, in Schenkels Bibellexikon nur gestreift und in Hamburgers Realencyklopädie äußerst flüchtig behandelt finden, dient unserm Autor zu einer 50 (80) Seiten umfassenden Studie, in der das in der Bibel zerstreut liegende Material sorgfältig gesammelt und nach bestimmten Gesichtspunkten einheitlich gruppirt ist. Es ist dem Verfasser gelungen, die Freude, wie sie uns in der Bibel eutgegentritt, darzustellen, nach den verschiedensten Seiten zu behandeln: nach ihrem Subjekt und Objekt, nach ihren Trägern und Gegenständen, in ihren Wesensselten und Erscheinungsformen. Der Begriff der Freude ist, wie Verfasser mit Recht hervorhebt, herrlich, reich und anmuthig, in seinem vollen Umfange und Inhalt für die Beurtheilung und Würdigung der alttestamentlichen Religionswissenschaft von großem Werthe und verdient schon deshalb eine monographische Behandlung. Allerdings hätten wir uns gefreut, wenn der Verfasser die zum Beweise angeführten Textstellen in eigener Uebersetzung gegeben und sich nicht der von ihm als Meisterwerk bezeichneten Kautzsch'schen Uebersetzung bedient hätte. Jndeß beeinträchtigt dies nicht den Werth dieser Lektüre, die den Lesör unterhält und ihm zugleich die Neberzeugung beibringt, daß die von gewisser Seite viel geschmähte heilige Schrift kostbare Schätzegeistigen Lebens enthält. A. —tz *) Jüdischer Gemeindebeamter. --- Dr. med. Simon Scherbe!: Ueber Ehen zwischen Blutsverwandten. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. Mit neueren Beiträgen der Professoren Erb, v. Krafft-Ebing, Förster Hirschberg, Senator, v. Ziemssen, Büchner, Cohn, Guttstadt, v. Jürgensen Mendel, Rosenbach u. A. Berlin 1896 Hugo Steinitz. — Eine für die Familie, die Gesellschaft und Volkswirthschaft bedeutsame Frage wird in diesem Buche in eingehender und zugleich gemeinverständlicher Weise behandelt und einer gewissen Lösung auf Grund der heutigen wissenschaftlichen Anschauungen zuzuführen gesucht. Bon großem Interesse ist vornehmlich derjenige Theil, der sich mit den Verwandtenehen in der jüdischen Bevölkerung und mit den dabei beobachteten Folgen beschäftigt. Einen ganz besonderen Werth verleihen dem Buche dieneueren Beiträge unserer ersten medizinischen Autoritäten. Wir machen unsere Leser auf dieses Buch besonders aufmerksam, das einen wichtigen Beitrag liefert zur Kulturgeschichte des Judenthums. Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ^^ollen Sie gütigst zu meinem Artikel in .Nr. 26 der „Allg. Ztg. d. Judenth.", „Die Satzungen des Verbandes der jüdischen Lehrervereine in Deutschland", nachtragen, daß Herr Rektor Dr. Adler, der Verbandsvorsitzende, mir soeben mittheilt: „Herr Hauptlehrer Herbst in Lissa hat die in Rede stehende Petition zu dem Lehrerbesoldungsgesetz an das Abgeordnetenhaus im Einvernehmen mit dem Verbandsvorstande abgesandt. Diese Petition war die offizielle Verbandspetition und ist unter dem Namen „Herbst und Genossen" darum abgesandt, weil nur Lehrer an öffentlichen Schulen eine solche Bittschrift zu dem Besoldungsgesetz, das nur die Verhältnisse der staatlich angestellten Lehrer regelte, erlassen können." Der Mangel an Vereinsdisziplin würde demnach nicht den Vorstand des Vereins jüdischer Lehrer der Ostprovinzen treffen, wohl aber die übrigen dort genannten Bittsteller, insbesondere Herrn Dr. Neustadt, von dem ich schrieb: „Der Deutsch-Israelitische Lehrerbund, das soeben gegründete Centralorgan der jüdischen Lehrer, richtet kraft seines ihm offiziell und einmüthig ertheilten Auftrages eine Bittschrift an die erwählten Vertreter des Volkes; das scheint dem Reichsverbande bezw. seinem „Herrn Präsidenten", Herrn Dr. Neustadt, der mit zu den Auftraggebern gehört, nicht ausreichend, und er sendet eine ähnliche'Bittschrift ab." Sie haben, sehr geehrter Herr Redakteur, diesen gesperrt gedruckten Satz in meinem Manuskripte wohl aus guten Gründen gestrichen und gleich darauf die kritische Bemerkung über den Verein der Ostprovinzen gebracht, obwohl Herr Dr. Neustadt von mir desselben Vergehens, nämlich des Mangels an Vereinsdisziplin, beschuldigt war. Ich bedaure, dadurch in den Verdacht gekommen zu sein, mit ungleichem Maße zu messen. Im klebrigen habe ich nach dem Petitionsverzeichniß des Abgeordnetenhauses, wie es die Tageszeitungen veröffentlichten, zitirt und dort die vier in Rede stehenden Petitionen verzeichnet gefunden, bin also an dem Mißverständniß völlig unschuldig. Wollstein, 28. Juni. H. Becker, Lehrer. Geehrter Herr Redakteur! - en Bericht Ihres geschätzten Blattes über den siebenten Gemeindetag erlaube ich mir hiermit dahin zu berichtigen, daß der Antrag zu Nr. 18 der Tagesordnung, den mein Vetter Rechtsanwalt Silberstein gestellt haben soll, nicht von diesem, sondern von mir gestellt wurde. Gleichzeitig erlaube ich mir zu bemerken: „Es ist in letzter Zeit häufig bei der Stellungnahme zur Einführung des obligatorischen Religionsunterrichtes behauptet worden, daß ein solcher Zwang in israelitischen Kreisen bisher niemals üblich gewesen sei. Diese Behauptungen beruhen jedoch auf Jrrthum. Es ist nicht nur aus Talmud, Baba Batra 21a ersichtlich, daß bereits der. Hohepriester Josua b. Gamla jede Gemeinde zur Unterhaltung einer Schule verpflichtete, sondern es erhellt auch aus Schulchan Aruch, fore Deah 245, 4, daß jeder jüdische Vater, der nicht freiwillig sein Kind unterrichten ließ, dazu gezwungen wurde." Lauda, 29 Juni. Hochschätzend Dr. Leopold Wreschner. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.