Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 28 (10.7.1896)
- Date
- 1896-07-10
- Page
- Seite 328 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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328 stoffenen Jahre in Gemeinschaft mit dem Verein jüdischer Beamten des Regierungsbezirks Cöslin für die rechtliche Gleichstellung aller Vereins- Mitglieder im neubegründeten jüdischen Lehrer-Berbande. Der Verein darf für sich den Vorzug in Anspruch nehmen, in seinem Kampfe für die Interessen der nichtseminaristischen Lehrer allen andern führend vorangegangen zu sein, und kann mit Genugthuung konstatiren, daß seine Bemühungen im Wesentlichen von Erfolg begleitet waren. Die Versammlung dankte dem Kollegen Peritz- Königsberg für sein mannhaftes Eintreten im Interesse der allgemeinen Sache durch Erheben vött den Plätzen. Der Kassenbericht,' erstattet vom Vereinskassirer Birnbaum- Königsberg, ergab bei einer Einnahme von 48,00 Mark und einer Ausgabe von 57,15 Mark, ein Defizit von 9,15 Mark, das aber durch Ausstände gedeckt erscheint. Die Revision der Kasse erfolgte durch Gallandt-Lotzen und Kroner-Bartenstein, auf deren Antrag später die Decharge erth eilt wurde. Ueber das im Entwurf zur Vertheilung gelangte Vereinsstatut referirte Peritz-Königsberg, dasselbe wurde im Wesentlichen unverändert angenommen. Abänderungen erfuhren nur § 4, insofern der Jahresbeitrag von 1 auf 2 Mark erhöht wurde, und § 5 insoweit, als der Vorstand fortan nur aus 5 statt aus 7 Mitgliedern bestehen soll. Außerdem wurde auf Antrag des Referenten noch eine Bestimmung ausgenommen, wonach der Vorstand das Recht hat, für je 2-3 landräthliche Kreise einen Vertrauensmann zu erwählen, der ihn in der Ausübung der Geschäfte zu unterstützen hat. Die Vorstandswahl ergab für die nächsten zwei Jahre : Sturmann- Osterode, Vorsitzender, Peritz - Königsberg, Schriftführer, Birnbaum- Königsberg, Kasstrer, Kanter-Ortelsburg und Karo-Allenstein, Beisitzer. Der Antrag des Vorstandes auf Anschluß an den Verband der jüdischen Lehrervereine in dem Reiche wurde nach warmer Befürwortung seitens des Referenten Peritz-Königsberg und nach lebhafter Debatte angenommen. Sturmann-Osterode beleuchtete darauf in warmen Worten die Verdienste des bisherigen Vorsitzenden der Schulinspektion, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger - Königsberg, um das jüdische Schulwesen * Ostpreußens und besonders um die Interessen der ostpreußischen Kultusbeämten und befürwortete namens des Vorstandes die Ernennung desselben zum Ehrenmitglieds des Vereins, dem die Versammlung einstimmig und unter Erheben von den Plätzen zustimmte. In der für den folgenden Tag festgesetzten Tagesordnung mußte die angesagte Lehrprobe im Pentateuch - Uebersetzen fortfallen, weil Kollege Kanter-Ortelsburg plötzlich dringend verhindert war, zur Versammlung zu erscheinen. Als Vorort für die nächste Versammlung wurde Insterburg gewählt. Peritz-Königsberg berichtete noch zum Schluffe über die im vorigen Jahre seitens des Vorstandes veranstaltete Sammlung zum Besten einer ostpreußischen Kultusbeamtenwittwe. Die Sammlung hat die Summe von ca. 1400 Mark ergeben, wovon die Hälfte zur Begründung eines kleinen, nach den bisherigen Erfahrungen die Inhaberin ernährenden Geschäftes im letzten Berufsorte des verstorbenen Kollegen verwendet worden, während der Rest für unvorhergesehene Fälle für die Familie zinslich angelegt ist. Referent weist mit Genugthuung darauf hin, was der kollegialische Sinn hier Bedeutendes zu Stande gebracht« Die Versammlung dankt den Kollegen Peritz- und Birnbaum- Königsberg, die sich in erster Reihe dafür bemüht haben, durch Erheben von den Plätzen. Ein namentliches Berzeichniß der eingegangenen Spenden wird nächstens veröffentlicht werden. Am zweiten Tage, den 25. Mai, fand die eigentliche Konferenz in dem vom Magistrat bewilligten Kommunal-Schulhause statt. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden, Prediger Sturmann, mit Gebet eröffnet. Der Vorstand sowie die Mitglieder der Schulinspektion der jüdischen Gemeinde zu Allenstein waren zur Begrüßung der Versammlung erschienen. In ihrem Namen wie im Namen des Ausschusses des Synagogen-Verbandes Ostpreußens brachte Herr Rechtsanwalt Schey -Allenstein der Konferenz die Wünsche zum Ausdrucke, die beide Körperschaften der Versammlung für ihre Arbeiten entgegentragen. . Ausgehend von den besonderen Aufgaben der einzelnen Organe entwickelte der Redner in eingehenden, gehaltvollen Worten die gemeinsamen Interessen derselben mit' denen der jüdischen Lehrerschaft und sprach die Hoffnung aus, daß es den vereinten Anstrengungen bei gegenseitiger Unterstützung gelingen werde, das gemeinsame Ziel Aller, die Förderung der religiösen Bildung bei der israelitischen Jugend, der Erfüllung näher zu führen. In gleicher Weise versicherte Herr Rabbiner Dr. R ü lf- Memel die Versammlung der wohlwollenden Unterstützung, deren sich die jüdischen Lehrer seitens der von ihm als Vorsitzenden vertretenen Schulinspektion des Verbandes der ostpreußischen Synagogen-Gemeinden jederzeit zu versehen hätten. Vor Eintritt in den geschäftlichen Theil der Tagesordnung erbat der Vorsitzende die . Genehmigung zur Entsendung von Begrüßungstelegrammen an den D. I. G. B., an den Vorsitzenden des ostpreußischen Synagogen-Verbandes, Herrn Stadtrath I. Eichelbaum-Jnsterburg, an den Vorsitzenden des jüdischen Lehrer-Verbandes, Herrn Rektor Dr. Adler- Berlin, und an das Ehrenmitglied des Vereins, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Vortrag des Waisenhaus-Inspektors Peritz-Königsberg über die methodischen Grundsätze für eine Auswahl der Gebetstücke aus dem Siddur. Er stellte eine Gruppirung der Gebetstücke des Siddur nach folgenden Gesichtspunkten auf: 1. was das eigene religiöse- Bedürfniß des Kindes verlangt, 2. was das religiöse Leben des Elternhauses an Anschauung bietet und 3. was der öffentliche Gottesdienst in seiner liturgischen Gliederung dem theilnehmenden Kinde äußerlich zur Kenntniß bringt. Die Fülle des sich hier zur Auswahl darbietenden Gebet-Materials ordne man zu einem dem kindlichen Fassungsvermögen und Erfahrungskreise, wie dem Bildungsgehalte der einzelnen Gebetstücke entsprechenden Plane. Was dabei zunächst mit einander unvereinbar erscheint, finde seine Lösung durch den konzentrischen Lehrgang, der die Behandlung einzelner Gebete in verschiedenem Umfange und in mannigfacher Form ermögliche. Nach eingehender Debatte, an der sich die Kollegen G all andt- Lötzen, Stur mann-Osterode, Pessen -Insterburg und Rechtsanwalt Schey-Allenstein. betheiligten, wählte die Versammlung eine Kommission von 5 Mitgliedern, bestehend aus Dr. Rülf-Memel, Sturmann- Osterode, Peritz-Königsberg, Dävidsohn-Rastenburg und Karo-Allenstein, die auf Grund des mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrages einen Lehrplan für den Siddur-Uebersetzungs-Unterricht aufstellen sollen, den die nächste Versammlung zu berathen habe. Punkt 2 der Tagesordnung bildete ein Referat des Predigers Sturmann-Osterode über die soziale und materielle Lage des jüdischen Kultusbeamten in Ostpreußen. Redner zeigte in einem Vergleich mit dem Volksschullehrer, dessen materiell ungünstige Lage von jedem Volksfreunde anerkannt werde, wieviel trauriger dagegen das Loos des jüdischen Religionslehrers und Kultusbeamten sei. Während Jener nach dem neuen Besoldungsgesetze (einschließlich Alterszulage) 950 bis 2400 Mark erreiche, wozu noch Wohnungsentschädigung in entsprechender Höhe, Pension bis zu drei Viertel des Gehaltes und Wittwen- und Waisenversorgung komme, erhalte der jüdische Religionslehrer, der nebenbei auch Vorbeter, Schächter, Baal koreh, Baal tekia und Prediger sei, in der Regel nur 900 bis 1200 Mark, in ganz vereinzelten Fällen, die schon als sehr gute Stellen gelten, 1500 bis 1800 Mark, ohne Wohnungsentschädigung, ohne Anspruch, auf Pension, ohne Wittwen- und Waisenversorgung. Da sei es nur natürlich, daß mancher jüdische Lehrer den Tag, der ihn von diesem elenden Brode befreie, wie die messianische Zeit ersehne; aber auch sonst müsse solch gedrückte materielle Lage, das bittere Gefühl' der Nahrungssorgen auf Schule und Kinder nachtheilig wirken, da sie die Berufsfreudigkeit beim jüdischen Lehrer schwer aufkommen lasse. Er schilderte sodann dessen soziale Lage als Religionslehrer, als Vorbeter und Schächter und stellte schließlich 4 Leitsätze auf, die nach unwesentlichen Aenderüngen mit dem Amendement des Herrn Dr. Kamnitzer-Allenstein (Passus 5) in folgender Form angenommen wurden: Der Verein erachtet behufs Herbeiführung befriedigender Verhältnisse in der materiellen Läge des jüdischen Religionslehrers und Kultusbeamten als nothwendig: I. daß die Gemeinden ihren Beamten ein den örtlichen Verhältnissen angemessenes, auskömmliches Gehalt, steigend mit den Alters- oder Dienstjahren, gewähren; 2. daß ein Beamter, der 6 Jahre in einer Gemeinde zur Zufriedenheit fungirt hat, definitiv angestellt wird; 8. daß wohlhabende Gemeinden ihren Beamten im Falle der Emeritirung eine angemessene Pension und im Falle des