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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-03 · Heft 27 (3.7.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 gebracht ist. Für die drei besten Arbeiten sind Preise im Betrage von ' 130, 100, 100 Mark ausgesetzt. Die Berwerthung der preisgekrönten^ Arbeiten behält sich der Ausschuß des Gemeindebundes vor. Zu Preisrichtern sind bestellt die Herren: Rektor Dr. Adler, Oberlehrer Dr. ' Blaschke, Direktor Dr. Holzmann, Direktor Dr. Kirschstein, Stadtver-", ordneter Theodor Marcus, Professor Dr. Philippson, Oberlehrer Dr. ' Schaefer, sämmtlich in Berlin, sowie Rechtsanwalt Plotke in Frankfurt a. M. Berlin, den 26. Juni 1896. Der Ausschuß des Deutsch-Jsrtzelitischen Gemeindebundes." , * Berlin, 27. Juni. Wie die.Tagesblätter berichten, ist von der t Staatsanwaltschaft eine Untersuchung gegen die von dem Sanitäts- und? Stadtrath Edel in Charlottenburg geleitete Nervenheilanstalt ein- - geleitet worden. Wie erinnerlich, wurde erst kürzlich ein antisemitischer Redakteur wegen eines gegen Herrn Edel gerichteten Aufsatzes „Auch ein Jrrenvater" gerichtlich verurtheilt. Man wird daher das Resultat der gegenwärtig schwebenden Untersuchung ruhig abwarten müssen.! Jedenfalls verdient es Erwähnung, daß das seit einiger Zeit von den. Antisemiten viel angegriffene Institut bereits mehr als 30 Jahre besteht < und daß sein . Leiter in Ehren vielfach Auszeichnungen in fachkundigen . Kreisen erfahren hat. In einer systematisch alles unterwühlenden Zeit - ist gerade die Stellung unserer Glaubensgenossen, welche ihre, ärztliche » Kunst den Nerven- und Geisteskranken zuwenden, eine dornenvolle und.?' gefährliche, da die antisemitische Agitation hier ein Feld findet, um; Mißtrauen gegen unsere ganzen staatlichen Verhältnisse zu säen, die angeblich auch das höchste Heiligthum des Menschen, die persönliche, Freiheit, zu schützen nicht mehr im Stande sind. - : L2 Berlin, 28. Juni. Der sechste Jahresbericht der „Darlehnskasse" der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums verkündet ein erfreuliches Wachsthum dieses Instituts - und eine wesentliche Aenderung der Organisation im -verflossenen Jahre. “ Dieselbe, im Jahre 1890 von dem an der Lehranstalt f. d. W. d. I. bestehenden „Verein der Hörer" gegründet, wurde bisher.vom Vorstande dieses Vereins verwallet und zählte zu ihren Mitgliedern naturgemäß vornehmlich die Vereinsangehörigen. Auf Wunsch des Protektors der Dahrlehnskasse, des Herrn Rabbiner Dr. Maybaum, verzichtete der Verein auf die fernere Leitung der Geschäfte und gab die Kasse an die gesammte Hörerschaft der Lehranstalt ab, welche nunmehr einem Ausschuß von fünf Studirenden die Verwaltung übertrug. Bei, dieser Erweiterung des Wirkungskreises schien eine andere Aenderung unerläßlich: Um bedürftigen Hörern sowohl durch regelmäßige Beihilfen, als auch ganz besonders in einzelnen Nothfällen, wie z. B. bei Promotionen, durch ein- , malige Unterstützung aus der Verlegenheit zu helfen, wurde neben der' Darlehnskasse eine Unterstützungskasse geschaffen (et. § 1 b. der Statuten), welche in Wirksamkeit tritt, sobald das Vereinsvermögen 3000 Mark beträgt, (ek. § 3 der Statuten ) Diese Umgestaltung in den Verhältnissen der Daxlehnskasse, welche ihren Wirkungskreis beträchtlich erweitert hat, veranlaßt den Vorstand zu der Bitte, das in so , reichem Maße bewiesene Wohlwollen dem Verein auch fernerhin zu bewahren und in Bekannten- und Freundeskreisen die gute Sache zur Unterstützung zu empfehlen; sie veranlaßt ihn ferner, sich an einen größeren Kreis hochherziger Glaubensgenossen, welche dem Verein bisher noch nicht ihr Interesse zuwandten, mit der Bitte zu wenden, demselben ihre gütige Mitwirkung an dem humanen Werke angedeihen zu lassen, damit derselbe'. den wachsenden Anforderungen in höherem Maße als bis jetzt gerecht werden könne. Wir können diese Bitte nur in eindringlichster Weise unterstützen. Das Vereinsjahr begann am 29. Mai 1895 und endete am 1. Juni 1896. Im November wurde die Kaffe der gesammten Hörer- ' schaft der Lehranstalt übergeben. Es wurden an 14 Hörer Darlehen im Gesammtbetrage von 395 Mark gewährt. Der eiserne Fonds wurde vermehrt ■* um 531,83 Mark, wovon 47,78 Mark unserm Guthaben in der städtischen f Sparkasse zugeschrieben und für 500 Mark 3 proz. Landschaftliche Central-' Pfandbriefe zum Preise von 484,05 Mark angekauft wurden, so daß der' eiserne Fonds jetzt 1857,29 Mark beträgt. ) Osterode (Ostpreußen), 27. Juni. Eine edle Greisin, Frau ' Rosalie Bukofzer, geb. Hirschfeld, hat gestern hier in dem Alter von 87 Jahren das Zeitliche^gesegnet. Den Traditionen ihres in Ost-"' und Westpreußen altangesehenen Hauses getreu, gab sie auch nach dem schon vor vielen Jahren erfolgten Hinscheiden ihres Gatten dem jüngeren . Geschlechtein leuchtendes Vorbild von Gottesfurcht und Menschenliebe. ' Sie bethätigte beides in unermüdlichem und dabei stillem, praktischen Wirken. „Die Zedokogeberin" war der ehrende Beiname, unter dem die weitesten Kreise sie kannten. Frau Bukofzer war eine jener gepriesenen Frauen, die'aus ihrem stolzen Hause zu den Hütten der Armuth herabsteigen und überall das wahre Leid zu lindern wissen. Als schönste und heiligste Pflicht erschien es ihr, die idealen Güter unserer Religion in dem Herzen der Jugend zu pflegen. Sie ist die Stammmutter eines starken, weitverzweigten Geschlechts geworden, das in inniger Verehrung an ihr hing. Mit ihm trauert eine-große Gemeinde der edlen Frau nach, wenn auch die, Meisten, denen sie Gutes erwiesen, schon längst dahingegangen sind. Allezeit wird der Name Rosalie Bukofzer gesegnet bleiben. ' - V ■' Q Hamburg, 27. Juni. Der Bericht des Alienhauses j der Deutsch-Israelitischen Gemeinde für die Jahre 4891—1895 ist eben erschienen. Einen schweren Verlust hat. das Altenhaus durch das am 20. Januar 1894 erfolgte Hinscheiden seines Ehrenpräsidenten des Mitbegründers des Altenhauses, des Herrn Ephraim Edwards erlitten. Die Zahl der in der Anstalt wohnenden Pfleglinge betrug während der fünf Berichtsjahre 109, hiervon 57 männliche und 52 weibliche. Die Gesammtkosten betrugen 85 338,04 Mark. Da mit der jetzt im Altenhause befindlichen Anzahl von 22 Pfleglingen sämmtliche für dieselben bestimmten Räumlichkeiten besetzt sind, tritt von Jahr zu Jahr immer dringender die Nothwendigkeit herandie geplante Vergrößerung der Anstalt in Angriff zu nehmen. Deshalb hat der Vorstand bereits vor einer Reihe von Jahren den dem Altenhause benachbarten, Ecke der Loüisenstraße und des Kasernenweges belegenen Platz erworben. Der im Jahre 1889 errichtete Baufonds beträgt: 57 181,30' Mark. Der Werth der jetzt vorhandenen Baulichkeiten nebst der erforderlichen Einrichtung beträgt aber ca. 100 000 Mark; Der Vorstand appellirt daher an alle wohlthätigen Herzender Anstalt Stiftungen, Geschenke oder Jahresbeiträge zuzuwenden. Die Zahl der jährlichen Kontribuenten, betrug: Ende 1896- 490 mit 4770 Mark Jahresbeiträgen. Der Vorstand hat sich um ein Mitglied vergrößert, als welches Herr N. R. Meyer gewählt wurde. Er besteht jetzt aus dez; Herren: Levin Lion, Vorsitzender, Alfred Levy, stellvertretender Vorsitzender, Max Bauer, Kasstrer, Dr. Max H. Cohen, Schriftführer, Joseph Levy, Inspektor, Ernst Liebermann, N R. Meyer, Kontroleur, S. Weil, Inspektor. Als Ehrendamen fungiren in der Anstalt: Frau Clara Bauer, Fräulein Henny Deitelzweig, Frau Friederike Michael. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1895 zeigt an Einnahmen 28 899 Mark, an Ausgaben 18193,16 Mark. Das Gesammt-Vermögen beläuft sich auf 638 195,01 Mark. W. Floß (Baiern) im Juni. Unser hochverehrter Rabbiner I s r a e l W i t t e l s h ö f e r ist zur ewigen Ruhe eingegangen. Der Verblichene hatte das 83. Lebensjahr überschritten und war, nachdem er in den letzten Jahren gefährliche Krankheiten durchgemacht, seit einiger Zeit wieder ernstlich krank. Dennoch aber sind wir — seine Kultusgemeinde, in der er über 53 Jahre wirkte, von der Thatsache seines Todes tief ergriffen und trauern herzlich um ihn. Denn wir haben in ihm einen Mann mit hervorragendem Wissen und seltener Herzensgüte verloren. Wer ihn kannte, weilte gern in seiner Nähe; denn stets war seine Unterhaltung leutselig, anregend und belehrend. Seinem Einfluß gelang es gar oft, zu schlichten, zu ordnen und zu versöhnen. Die Ortsarmen sowohl, ohne Unterschied der Konfession — er verfügte stets über namhafte Mittel für dieselben —, als' auch die Zugereisten fanden in ihm einen warmen Gönner und Vertreter. In seiner amtlichen Wirksamkeit ging ihm die Berufspflicht über alles. Schon im hohen Alter ließ er selbst bei der mißlichsten Witterung ' niemals den täglichen Morgengottesdienst, seine Sabbathvorträge, eine herkömmliche Predigt ausfallen.' Besonders bemüht war er um die würdige Gestaltung des Gottesdienstes. Er reorganisirte den schon 1836 gegründeten Synagogenchor und brachte ihn zu einer Höhe,, daß er damals einzig dastand. Am 8. März 1893 ward dem Verblichenen das seltene Glück zutheil, seinen 80. Geburtstag, sein 50 jähriges Dienstjubiläum und seine goldene Hochzeit zu feiern. Jener Tag gestaltete sich zum Feste nicht nur für seine Familie, sondern für unfern ganzen Wohnort. Unsere Marktsgemeinde ernannte ihn zu ihrem Ehrenbürger, und vom höchster Stelle wurde ihm der Michelsorden II. Klasse verliehen. Bei der Ueberreichung desselben begann der Herr königliche Bezirks-Amtckann seine

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