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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-07-03 · Heft 27 (3.7.1896) · p. Seite 319

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 27 (3.7.1896)
Date
1896-07-03
Page
Seite 319 (sequence 7)
Language
German
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Des knappen Raumes wegen, der mir hier zugemessen ist, muß ich für heute auf eine längere Besprechung des fraglichen Werkes verzichten, nur will ich die Leser dieser Blätter auf eine kurze, interessante Notiz aufmerksam machen, die in einem darin vorkommenden Artikel über „Die hebräischen Bücher und Manuskripte im britischen Museum" enthalten ist. Daraus geht nämlich hervor, daß im besagten Museum nicht weniger als 1260 Bibeln sich befinden, die in verschiedenen Sprachen abgefaßt und in verschiedenen Ausgaben und Formaten erschienen sind, und . daß daselbst eine ebenso große Anzahl von Codices existirt,. die das jüdische schriftliche oder mündliche Gesetz zum Gegenstand der Behandlung haben. Ebenso interessant ist es, zn erfahren, daß. im selben Museum augenblicklich etwa 15 000 hebräische Druckwerke vorhanden sind und daß die Zahl der hebräischen Manuskripte daselbst sich ungefähr auf 1000 beläuft. Herr Schechter, der bekanntlich Lektor im Talmudischen an der Cambridger Universität ist und demnach öfters Gelegenheit hat, sich mit den Schriften der jüdischen Tradition zu beschäftigen, hat außer der genannten Arbeit im laufenden Heft der „Jewish Quarterly Review" auch eine Fortsetzung seines schon früher daselbst stückweise erschienenen Artikels über rabbinische Theologie. Obschon diese Arbeiten den auf dem Kontinente lebenden jüdischen Theologen und Fachmännern nicht besonders viel Neues bieten, so sind sie hier zu Lande höchst willkommen, da hiesige jüdische wie nichtjüdische Geistliche manches Wissenswertste daraus schöpfen können. Von der laufenden Nummer der „Jewish Review" sprechend, will ich es nicht unterlassen, zu bemerken, daß dieselbe, wie alle ihre Vorgänger, recht viel lesenswerthes litterarisches Material enthält, und namentlich sind die daselbst vorkommenden kritischen Notizen von Professor Bacher, Professor Bloch und Dr. Kayserling höchst interessant. Eine beachtenswerte Erscheinung in dieser und in mancher früheren Nummer derselben Vierteljahresschrift sind einige recht gelungene metrische Uebersetzungen verschiedener mittelalterlicher hebräischer Gedichte, welche erstere jüdische Damen zu Verfassern haben. Da eine solche litterarische Thätigkeit eine intime Bekanntschaft mit der Ursprache der Bibel voraussetzt, so ist es eine erfreuliche Thatsache, zu wissen, daß es hier zu Lande jüdische Frauen und Mädchen von den besten Klassen giebt, die es nicht unter ihrer Würde halten, sich mit hebräischer Litteratnr zu beschäftigen. Die in Rede stehende Nummer der „Jewish Review" enthält auch , einen vom Schreiber dieses verfaßten längeren Artikel über Jedaya Bedaresi und dessen chef d’ouvre: D/ÜIMWD. Darin wird auf die Thatsache hingewiesen, die wohl nicht allgemein bekannt sein dürste, daß das fragliche Merkchen nicht weniger als vierundvierzig Malaufgelegt und ins Lateinische, Englische, Französische, Italienische, mehrfach ins Deutsche und auch einmal ins Jüdisch-Deutsche übertragen worden ist. Ebenso wird darin erwähnt, was ebenfalls nicht allgemein bekannt ist, daß es ein' jüdischer Gelehrter war. nämlich Messer Leon (blühete in Mantua am Ende des 15. Jahrhunderts), der in seinem „Kommentar.zu den Sprüchen Salomons" die wirkliche Existenz der vom Dichter Petrarka in seinen unsterblichen Liedern so oft undi so schön besungenen Laura festgestellt, nachdem sie zuvor allgemein als eine fingirte Schöne gehalten war. Der Cyclus von Vorträgen, die jeden Winter in den Räumen des Jews' College in London gehalten werden, wurde jüngst mit einer Borlesung von Dr.. Friedländer über „Elisha ben Abuja" würdig geschlossen. Kurz darauf sprach Dr. Adler über dasselbe Thema im Saale der University College, bei welcher Gelegenheit er Elisha ben Abuja als den „Faust" des Talmud recht treffend bezeichnete. - Abraham Geigers Briefe an I. Wrenbonrg. (1833-42) Herausgegeben von Prof. Dr. Ludwig Geiger. XXI. Breslau, 9. April 1841. -Uebrigens sind nun wieder sehr anstrengende Tage vorüber mit ihren Predigten und Besucheswogen. Anfangs dieses Monats war ich auch einige Tage nicht hier, und zwar in Schwerin /H an der Warthe im Großherzogthum Posen zu einer Synagogeneinweihung. Es ist eigen, daß ich, der ich doch so ziemlich auf der äußersten Linken stehe, gerade in den Gegenden wirksam sein soll, welche am meisten solchen Ansichten widerstrebend gewesen. Allein es ist auch keineswegs gerade die Ansicht, welche mich den Leuten empfiehlt, vielmehr die Predigt, die ihnen nun einmal Vergnügen macht, die Mode, von der sie sich nicht entfernen mögen,'die Anerkennung, die ich genieße, und so werden sie unwillkürlich auch mit in die Ansicht hineingebracht. Ich muß gestehen, ich hätte niemals gedacht, daß Predigten von so großem Einflüsse begleitet sein können, wie mich die Erfahrung jetzt lehrt; nicht als würden die in ihnen ausgesprochenen Lehren mit solcher Pünktlichkeit befolgt, aber das jüdische Interesse, das durch sie wach wird, ist sehr lebhaft, und die religiöse Anschauung im Allgemeinen wird bei sehr Vielen, die nur irgend nicht ganz verhärtet sind und noch etwas Elastizität des Gemüthes besitzen, eine ganz andere. Doch lassen wir dies. Ich*) würde gerne die Nachricht mittheilen von der Fortsetzung meiner Zeitschrift, wenn ich bereits die Erlaubniß dazu hätte. Worin der Grund für diese Zögerung liegt, weiß ich freilich nicht, ob in der ganzen unbehaglichen Stellung, in welcher sich die Staatsbehörde noch immer gegenüber dem Judenthum und namentlich der neueren Bestrebungen in demselben befindet, oder in der Oeffenilichkeitsscheu, - oder auch in der Persönlichkeit des berichtenden Amalek-Haman- Oberpräsidenten, mit dem ich zugleich früher ein persönliches Rencontre von ziemlicher Härte hatte. Kurz und gut, ich habe die Erlaubniß noch nicht, steife mich aber darauf, sie erlangen zu müssen, weshalb ich auch heute nochmals an das Ministerium schreiben werde. — Man muß in Preußen, wo man Herrn Jauberts Ansicht, eine Sache durch Herumziehen begraben zu können, vollkommen theilt, nur beharrlich sein, um etwas durchzuführen, und ich werde es sein. — Die Angelegenheit mit Rußland ist Dir wohl gewiß bekannt. Wie mir D. Lilienthal schreibt, hat er sich an Deinen..^ Bruder wegen Deiner gewandt, und der hat ihm auch dann Vers., sprachen, daß Du ihm schreiben werdest^ was aber bis jetzt — seiner^.-: letzten Brief erhielt ich verflossenen Freitag — noch nicht geschehen sei. Ueberlege Dir die Sache recht genau; ich halte den Gegenstand für wichtiger als die ganze Damaskische Angelegenheit. Bei dem Zuge, welchen die Bildung in unseren Tagen nimmt, und namentlich auch unter den Juden, dürfen wir auf die Erweiterung und Befestigung derselben immer mehr nach Osten hin rechnen, und in einem Lande wie Rußland können die Juden, wenn sie unter tüchtige Leitung kommen, die dabei noch von der Regierung begünstigt wird, zu einer Bedeutung kommen, die sie sonst in Europa nicht erwarten dürfen. Wäre meine öffentliche und häusliche Lage nicht so erfreulich wie sie, Gottlob, sind, so hätte es wohl sein können, daß ich mich zu einer Uebersiedelung entschlossen hätte, und ich weiß nicht, ob Du nicht reiflich' einen solchen Antrag erwägen solltest. Deine Kenntnisse der 11 i) Der folgende Satz ist schon einmal in der A. Ztg. b. 1898 bei Gelegenheit von Veits Denkschrift über Geigers Zeitschrift mitgetheilt, doch konnte er in diesem Zusammenhangs nicht entbehrt werden. :.

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