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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-06-26 · Heft 26 (26.6.1896) · p. Seite 310

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 26 (26.6.1896)
Date
1896-06-26
Page
Seite 310 (sequence 10)
Language
German
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Frau Schwabe, welche als Vormund ihrer Kinder testamentarisch! eingesetzt war. suchte ihre Kinder im Sinne ihres edlen Gatten zu' erziehen und hatte das Glück, dieselbensich geistig und körperlich' .... gleich harmonisch entwickeln zu schein 1865 übersiedelte sie mit ihrem fh' Töchtern nach London. Ihr späteres großartiges Wirken ist nicht durch zufällige Ursachen oder äußere Begebenheiten hervorgerufen worden, sondern der humanen Liebesquelle entsprungen, die sie von frühester Jugend' als Tochter einer edlen menschenfreundlichen Mutter beseelte und sich bei ihr als Gattin eines ungewöhnlich edlen Mannes mehr und mehr entfaltete. Bei wiederholtem Aufenthalte in Italien in den sechziger Jahren lernte sie besonders in Neapel einsehen, daß das Volk fast unberührt von den Segnungen pädagogischer Kulturarbeit in Unwissenheit ij > Unreinlichkeit und Trägheit dahinlebte; daß das Volk zur größeren ' Hälfte weder lesen noch schreiben konnte, so daß sie den Plan faßte,!? '/ der Philanthropischen Gesellschaft italienischer Frauen, welche sich nach | ' der politischen Wiedergeburt des Vaterlandes , infolge eines Aufrufes j \ Garibaldis gebildet hatte, um Schulen zu errichten, für die geistige' und sittliche Erhebung des Volkes segensreich zu wirken, ihre thatj:# kräftige Mithilfe angedeihen zu lassen. Mit ihrem theilnehmendeN •j-v Herzen und ihrer großen Energie wirkte sie unablässig für die Ver- > - , wirklichung dieses Planes, suchte durch ihre einflußreiche Stellung Hilfsmittel zu verschaffen und bestimmte Jenny Lind und ihren ij:-' Gatten, ein Konzert zum Besten des Unternehmens zu. geben.- Ihre H".' rastlosen Bemühungen wurden vom schönsten Erfolge gekrönt. Sie^!-/ errichtete zuerst eine Mädchenschule in Neapel, die jedoch nach wenigen;! /.. ' Jahren bei Allsvruch der Cholera wieder geschloffen werden.mußte». ,j \ endlich 1873 gelang es ihrer unermüdlichen Energie, einen Kinde«-:! l'.ir . garten nach den Grundsätzen Friedrich Fröbels und wenige MonM!!später eine Elementarschule zu eröffnen; etwas später, trat auchnei^ ' Kindergärtnerinnen-Seminar ins-Leben, ebenso eine höhere Töchter^ schule. Die Schulen, waren dermaßen von Erfolg begleitet, daß in ganz ' Italien ähnliche Institute entstanden; das InternationaleFröbeG h : institut zu Neapel ist in der Folge zu einer Muster-Anstalt geworden, .... einer Pflanzstätte, dem -italienischen Staate tüchtige Bürger, der? Familie weise, liebevolle und aufopfernde. Mütter zu erziehen! Frau Julie Salis-Schwabe, welche ihr dauerndes Heim in London! besitzt und dort umgeben von Kindern und Enkeln in den glücklichsten j Verhältnissen, geliebt und geehrt von Allen, die sie kennen, lebt,? . weilte alljährlich einige Monate in Neapel, um sich des Gedeihens? und der Entwickelung ihrer Schöpfung zu erfreuen, welche die: '. italienische Regierung mit. reichen Mitteln unterstützt. Mittlerweile hatte sie den Plan entworfen, auch in England? > . ein Mustererziehungsinstitut im Geiste Friedrich Fröbels und Williame Ellis zu gründen; sie setzte sich mit Mr. Claude Montesiore in ' . Verbindung,, und den rastlosen Bemühungen Beider gelang es, auch .: | in England ein Seminar nebst Kindergarten zu errichten, welche., i) voriges Jahr in West-Kensington (London) in Anwesenheit , der^ . Kaiserin Friedrich eröffnet wurden. I Obgleich Frau Schwabe, mit ganzem Herzen Jüdin, stets das? 'lebhafteste Interesse für jüdische Angelegenheiten, bekundete und namentlich anläßlich der Judenverfolgungen in Rußland sich an.den Sammlungen für die Unglücklichen mit freigiebiger Munifizenz betheiligte, gehört ihre große philanthropische Wirksamkeit der gesummten Menschheit, ohne Unterschied von Bekenntniß und Abstammung. . <R. N. KHUM FEUILLETON Jüdische Märchen. Der seltsame Orach. (Schluß:) ^8^ehuda setzte seinen Stab vorwärts und nahm seinen Weg rings an der Mauer hin, den schmalen Fußsteig entlang, der an den ältesten Gräbern hinführt. Denn so hat er ersonnen, daß er thnn müsse, wenn er finden wollte, was er suchte. Als er den Weg um die ältesten Gräber zurückgelegt und jenen um den. jüngeren Gräberkreis antreten wollte, da sah er eine Gestalt auf einem Grabsteine sitzen, ganz so in weiße Gewänder gehüllt, wie man die Leichen kleidet, bleich und regungslos. : Als er die Gestalt gewahrte, blieb er stehen, um zuzusehen, wer sie sei und was sie beginnen würde. In der That auch erhob sich die Gestalt, ging ihm entgegen > und redete ihn an: Jehuda, Sohn Naphthali's, warum hältst Du - inne in Deinem Schritt? Zauderst Du, da Du so weit gegangen? , Und so Du nicht zauderst, sprich, wast suchst Du an dieser Stätte des Friedens und störst die Ruhe des Sabbaths aller Sabbathe? j . ... — Kannst Du mir Rede stehen,.wenn ich frage, erwiederte Jehuda auf diese'Anrede, so will ich Dir sagen, was ich hier suche. Wo j: I nicht, so laß mich meines Weges gehn, Du.b^t nicht Gott! — Wohl bin ich nicht Gott! sprach die Gestalt; doch, kann ich. 'über Manches Dir Rede stehen. Ich bin der erste Tovtengräber. ' dieses Friedhofes; und wenn auch selbst seit länger, denn tausend Jahren todt, höre ich doch nicht auf, der Wächter dieser Stätte zu 1 sein, und weiß vom Kinde bis zum Greise, wer und wo hier ein Jeder begraben liegt, und wer noch hier wird begraben werden und? an welcher Stelle! — Nun wohlan! versetzte hierauf Jehuda, so zeige, mir die . Stelle, die bestimmt ist, einst mich aufzunehmen, denn die ist's, die -ich suche, und diese muß ich finden! . ' Die Gestalt aber entgegnete: Sonst sucht Ihr Lebenden nur die? Stellen, wo Cure Angehörigen liegen, daß Ihr sie heimsuchet und; für sie betet. Warum suchst Du gerade Dem Grab? — Ist das Grab nicht die Pforte, durch die man hinanstritt -aus diesem Leben, um ein anderes einzugehen? fragte Jehuda. Und wenn es so ist, so muß ein Lebender es erringen können, durch diesem Pforte in die Ewigkeit zu blicken und Gott zu schauen, wie er dort; waltet in Wahrheit. Ich habe den Muth, ihn deutlicher zu schauen, als es Moses gewagt. Darum will ich hintreten an die Pforte meines Grabes, lebend wie ich bin, ich fühle die Kraft in mir, es zu wagen und zu ertragen und von Gott zu erfragen, was er gegen Moses verschwiegen. .— Wenn dem so ist, erwiederte die Gestalt, so - schreite vorwärts! Nicht fern vom jüngsten Kreise findest Du die Stelle, die Du suchest. Hiermit verschwand die Gestalt hinter, einem der nächsten Büsche. ' Jehuda aber trug seinen Stabweiter und umging Kreis, um; Kreis, ’ bis daß er auch den letzten zurückgelegt, worin die.Tobten der jüngsten Jahre begraben lagen.- . :

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