Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1896)
- Date
- 1896-06-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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in Thorn wegen Gleichberechtigung des Judenthums in allen die Religion betreffenden öffentlichen Angelegenheiten. 10. Antrag desselben Herrn auf jährliche Einberufung des Gemeindetages. 11. Antrag des Herrn Professor Dr. Horowitz in Thorn betreffend die Ausbildung von Religionslehrern. 12. Antrag des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Landau in Weilburg betreffend Regelung der vom D. I. G.-B. gewährten Subventionen. 13. Antrag desselben Herrn auf Einrichtung staatlicher Aufsicht über Religionsunterricht. 14. Antrag des Herrn Amtsgerichtsrath Levy in Beuthen O.-S. betreffend die Ausbildung von Schächtern und Kantoren. 15. Antrag desselben Herrn betreffend den obligatorischen Religionsunterricht. 16. Antrag der Gemeinde Dirschau betr. den Religionsunterricht durch Wanderlehrer. 17. Antrag derselben Gemeinde betreffend die Ausbildnng von Schächtern und- Kantoren. 18. Besprechung der wegen Erziehung verwahrloster Kinder zu treffenden Maßregeln. 19. Neuwahl des Ausschusses. — Abends 71/2 Uhr findet ein gemeinschaftliches Abendessen im Saale von Cassels Hotel, (ä Kouvert 4,50 Mark) statt. Anmeldungen gefl. bis zum 19. Juni, Nachmittags 2 Uhr, im Büreau des D. I. G.-B. oder beim Besitzer von Cassels Hotel, Burgstraße 16. e/a Berlin, 16. Juni. Am 13. ds. ist hier Herr Julius Greiling, eine in kaufmännischen Kreisen sehr angesehene und beliebte Persönlichkeit, gestorben. Herr Grelling, der ein Alter von 72 Jahren erreicht hat, war früher Chef der Bankfirma Grelling hier. Er ist der Vater des bekannten Rechtsanwalts Grelling. Als Handelsrichter wie als Direktor des Brüdervereins und als Mitglied des Repräsentantenkollegiums der' Reformgemeinde, hat sich der Verstorbene viele Sympathien erworben. Das Leichenbegängniß fand heute unter allgemeiner Theilnahme ist Weißensee statt. Herr Dr. Levin hielt die Grabrede und schilderte in ergreifender Weise das Leben und den Charakter des Heimgegangenen. cva Berlin, 12. Juni. In der heutigen Sitzung des Kinder^ Spar-Bereins wurde das Resultat der ersten Entleerung der Spar^ kästchen bekannt gegeben. Bon den ausgegebenen Sparkästchen wurdest 990 entleert und M. 4950 darin gefunden. Tie übrigen Kästchen konnte^ theils wegen Abwesenheit der Familien, theils aus anderen Gründest nicht entleert werden und wird die nächste Entleerung voraussichtlich Ende dieses Jahres stattfinden. Bon der genannten Summe wurden zunächst M. 2500 dem Ausschuß, welcher gestern gewählt wurde, zu^ Verfügung gestellt. Derselbe konstituirte sich dann sofort und hat seine Arbeiten begonnen. Nach den Bestimmungen soll der Ausschuß aus 9 Personen, und zwar aus 4 Herren und 6 Damen bestehen, wovon der Vorsitzende und der stellvertretende Vorsitzende vom Gesammt-Komitee zu wählen sind. Es wurden gewählt: Herr Kommerzienrath Julius M. Friedländer als Vorsitzender, Herr Bernhard Behrens als stellvertretender Vorsitzender, ferner Herr Sanitätsrath Dr. Blumenthal und Herr A. Ruß, sowie die Damen Frau Cäeilie Friedländer, Frau Sanitätsrath Dr. Mühsam, Frau Dr. Ginsberg, Frau Louis Sachs und Frau Meyerstein. Der Verein kann mit dem bisherigen Erfolge in so kurzer Zeit wohl zufrieden sein; hoffentlich entwickelt er sich immer mehr, um sein schönes Ziel erreichen zu können. ' 22 Berlin, 12. Juni. In der Sitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" vom 6. d. M. machte der Vorsitzende Mittheilung von der Ueberweisung dreier Exemplare der „Methode des jüdischen Religionsunterrichtes" von D'r. Maybaum an die Vereinigung. Das Mitglied Dr. Blaschke hat sich bereit erklärt, in einer der nächsten Sitzungen über dieses Buch zu referiren. Nachdem der Vorsitzende weiter über die erfolgte Gründung des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg, dem sich bereits zahlreiche Mitglieder angeschloffen haben, berichtet hatte, entstand eiste lebhafte Debatte über Punkt 3 der Tagesordnung: „Berathung über einen Sommerausflug". Es wurde beschlossen, daß die Mitglieder mit ihren Damen und mit Gästen am Sonntag, den 14. Juni, Nachmittag 5 Uhr sich im Kaiser-Pavillon zu Wannsee treffen, um den Abestd gemeinsam zu verleben. An die geschäftliche Sitzung schloß sich noch ein gemüthliches Beisammensein, das von der fröhlichen Stimmung der Vereinsmitglieder Zeugniß ablegte. S2 Berlin, 15. Juni. Hilfsbedürftige Bewohnerinnen Berlins, welche verarmten Familien angehören, und insbesondere Hilfsbedürftige gebildeter Stände christlicher und jüdischer Religion, die um die unentgeltliche Ueberlaffung von Nähmaschinen oder sonstigen Handwerksgeräthen aus der Paderstein'schen Stiftung sich bewerben wollen, müssen ihre Gesuche unter Angabe der Religion bis zum 8. Juli cr. einschließlich an die Städtische Stiftungs-Deputation, Poststraße 16, einreichen. Gesuche ohne Angabe der Religion und des vollständigen Nationale, sowie verspätete Anträge werden nicht berücksichtigt. n. Culm, Westpr., 14. Juni. In unserer Gemeinde bestand bis vor Kurzem die Einrichtung, daß die Schüler der höheren Lehranstalten an den Sabbathen der Neumondsweihe eine Stunde dispensirt waren, um an dem Gottesdienst in der Synagoge Theil zu nehmen. Diese Einrichtung, die in den Schulorganismus überaus störend eingriff, hat sich jedoch nicht bewährt und mußte daher aufgehoben werden. An deren Stelle wurde nach dem Vorbilde anderer Gemeinden, auch hier, ein Jugendgottesdienst eingeführt, dessen erste Veranstaltung sich eines zahlreichen Besuches auch von Seiten Erwachsener und allgemeinen Beifalls erfreute. Die Chorgesänge wurden von den Schülern selbst ausgeführt, und die Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Guttmann machte auf die jugendlichen Zuhörer einen ersichtlich tiefen Eindruck. — Vor einigen Tagen verließ Herr A. Cohn, der 16 Jahre lang dem Vorstande unserer Synagogengemeinde, zuletzt als dessen Vorsitzender, angehört hatte, unsere Stadt, um nach Berlin überzusiedeln. Vor seinem Scheiden überreichten ihm die Vertreter der Gemeinde eine künstlerisch ausgestattete Adresse, in der die Verdienste des Herrn Cohn um die Verwaltung unserer Gemeinde in anerkennenden Worten hervorgehoben sind. Herr L. Hirschberg, Stadtältester und Vorsitzender der Repräsentanten, verlas den Text der Adresse und widmete dem scheidenden Kollegen innige Segenswünsche für sein ferneres Wohlergehen. Alsdann würdigte auch Herr Dr. Guttmann, der sich der Deputation der Gemeindevertretung angeschloffen hatte, in einer warmen Ansprache die Tugenden des Scheidenden und schloß mit dem Wunsche, daß demselben in seinem neuen Wohnort ein glücklicher Lebensabend beschieden sei. Herr Cohn dankte in bewegten Worten und überwies vor seinem Wegzuge der Synagogengemeinde eine namhafte Schenkung. N. Aus Oberschlefieu, 15. Juni. Der Synagogen-Gemeiude-Verband des Regierungsbezirks Oppeln hielt gestern Vormittag im Saale des „Deutschen Hauses" zu Gleiwitz seine diesjährige Versammlung ab. Es waren etwa 40 Herren zu den Berathungen erschienen, darunter die Herren Sanitätsrath Dr. Freund - Gleiwitz, Rechtsanwalt Schüller-Gleiwitz, Dr. Neumann-Gleiwitz, Adolf Schlesinger--Gleiwitz, Wiener-Kattowitz, Stern-Königshütte, Amtsgerichtsrath Glogauer-Tarnowitz, Amtsgerichtsrath Lewy-Beuthen, Grünfeld-Beuthen, Muhr-Oppeln, Kauffmann-Kosel, Grätzer-Groß-Strehlitz, Schlesinger- Lublinitz, Prager-Rybnik, Pollak-Zabrze, Hugo Schück-Ratibor. Ferner nahmen an den Berathungen theil die Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, Dr. Blumenthal-Ratibor, Dr. Goldschmidt-Königshütte, Dr. Kopfstein- Beuthen, Dr. Münz-Gleiwitz, Dr. Löwenthal -Tarnowitz, Dr. Kaatz- Zabrze und Dr. Vogelstein-Oppeln. Der Verbandsvorsitzende Sanitätsrath Dr. Freund eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen. Sodann gab Dr. Freund einen ausführlichen Bericht über die Thätigkeit des Verbands-Ausschusses im Jahre 1895. Das oberschlesische israelitische Waisenhaus in Rybnik wurde durch den Besuch des Oberpräsidenten Fürsten Hatzfeldt, des Herzogs von Ratibor, des Regierungs-Präsidenten Dr. v. Bitter und des Landraths des Kreises Rybnik geehrt. Die hohen Besucher waren von der Einrichtung der Anstalt durchweg befriedigt, und der Herr Regierungs-Präsident durfte das Waisenhaus als „einen Stolz und eine Zierde für alle israelitischen Gemeinden Oberschlesiens" bezeichnen. An Legaten erhielt die Anstalt von Frau Lina Lustig 10 000 Mark und in letzter Zeit von den Angehörigen des Herrn Salomon Beuthner in Paris und New-Jork 3000 Mark zugewendet. Das Waisenhaus erzieht gegenwärtig 25 Kinder. Sodann gab Bankier Fränkel-Gleiwitz den Rechenschaftsbericht, und die Versammlung ertheilte Entlastung. Der Waisenhausetat für das Jahr 1896/97 ist auf 9600 Mark festgesetzt. Auf Antrag Stern-Königshütte wird an Stelle des nach Breslau verzogenen Herrn Schall-Sohrau als fünftes Mitglied des Waisenhaus-Kuratoriums durch Akklamation Herr Hugo Schück-Ratibor gewählt. Amtsgerichtsrath Glogauer giebt einen eingehenden Bericht über den Religionsunterricht, den der Gemeindebund in armen kleinen Gemeinden ertheilen läßt. Hieran knüpft sich eine längere Debatte, in der die Schulverhältnisse in den Gemeinden