Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1896)
- Date
- 1896-06-19
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der „Deutsche Verband kaufmännischer Vereine" hielt dieser Tage hier seine Generalversammlung ab. An und für sich hat besagter Verband mit konfessionellen Angelegenheiten nicht das Geringste zu thun; eine Erwähnung des Kongresses an dieser Stelle würde sich also erübrigen, falls nicht ein am ersten Verhandlungstage stattgefundener Zwischenfall, über den bereits die Tageszeitungen kurz berichtet haben, - eine ausführlichere Erörterung verdiente. Es hatte nämlich der in Hamburg bestehende „Verein deutschnationaler Handlungsgehilfen" seine Aufnahme in den Verband nachgesucht, war jedoch wegen seiner antisemitischen Gesinnung bereits zweimal vom Vorstande abschlägig beschieden worden und wandte sich nun mit einer langathmigen, von Ausfällen gegen Juden und Judenthum strotzenden Beschwerdeschrift, die verlesen zu lasten der Vorsitzende, Herr Karl Ludwig Schaefer aus Frankfurt a. M. — wie wir ausdrücklich betonen wollen, ein nationalliberaler christlicher Herr — Anfangs Bedenken trug, an die Generalversammlung. Im gewöhnlichen Leben nennt man es Zudringlichkeit, wenn Jemand gesellschaftlich in einem Kreise, der von ihm partout nichts wissen will, durchaus festen Fuß zu fassen versucht. Aber Zudringlichkeit existirt nach antisemitischer Auffaffung bekanntlich nur bei — den Juden. Im Uebrigen wurde das Aufnahmegesuch mit der stattlichen Majorität von 102 gegen 5 Stimmen bei 3 Stimmenthaltungen abgelehnt. Als Kuriosum erwähnen wir, daß wie für die Verlesung des Briefes, so für die Zulassung des antisemitischen Vereins und Aufnahme in den Verband nur die anwesenden jüdischen Delegirten eintraten und zwar, wie ihr Wortführer in dieser Frage, Herr Loeb- Frankfurt a. M., ausdrücklich erklärte, um den Antisemiten den Glorienschein des Märtyrerthums zu benehmen. Immerhin ist die Thatsache, daß ein zu 19/2o aus christlichen Elementen zusammengesetzter Berufs- und Standesverein von antisemitischen Störenfrieden nichts wissen will und daher obige, an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassende Antwort gab, mit Freuden zu begrüßen. Jahresversammlung des Vereins israel. Lehrer von Vheinland und Westfalen. f ie diesjährige Konferenz genannten Vereins tagte an beiden Pfingsttagen in den Räumen des „Parlament" in Elberfeld. Anwesend waren ca. 70 Lehrer aus beiden Provinzen; außerdem als Ehrengäste die Herren Rabbiner Dr. Auerbach-Elberfeld, Rabbiner Dr. Frank - Köln, Rabbiner Dr. Samuel - Essen, Seminardirektor Dr. Gutmann-Münster und als Vertreter des D. I. G.-B. Herr Dr. Apfel-Köln. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf-Essen, eröffnet die Versammlung Nachmittags drei Uhr mit herzlichen Worten der Begrüßung. Er gelobt, sein Ehrenamt genau wie seine Vorgänger gerecht und gewissenhaft zu Ehren des Vereins und zu Nutzen der Kaffe verwalten zu wollen. Er wird es sich zur besonderen Aufgabe machen, einen Ausgleich mit denen herbeizuführen, die sich vor mehr als Jahresfrist ohne Grund abgesplittert haben. Alsdann ergreift Herr Rabbiner Dr. Auerbach das Wort, um die Versammlung in seinem Namen zu begrüßen und sie auch namens der Gemeinde Elberfeld herzlich willkommen zu heißen, gleichzeitig die freudige Mittheilung machend, daß die Gemeindeverwaltung beschlossen habe, dem Verein zu dieser Zusammenkunft die Summe von 300 Mark zu überweisen. Herr Meyer-Lünen, Schriftführer der vorjährigen Konferenz in Hörde, konstatirt mit Bedauern, daß manche Zeitschriften durch willkürliche Kürzungen das betreffende Protokoll mangelhaft veröffentlicht, ja theilweise entstellt haben. Nunmehr wird in die Tagesordnung eingetreten. und berichtet der Vorsitzende zu deren erstem Punkt, daß das Vereinsvermögen auf ca. 84O0O Mark angewachsen sei. So erfreulich diese Thatsache sei, so bedauerlich sei es aber auch, daß durch die großen Ansprüche, welche an die Kasse gestellt werden — es kommen 147 Quoten zur Vertheilung —, die Antheile auf 38 Mark herabgesunken seien. Der Vorsitzende schließt seinen Kassenbericht mit einem warmen Appell an die Versammlung, mit wachsendem Eifer für die Unterstützungskasse in den Gemeinden zu wirken. Punkt 2 der Tagesordnung. Aenderung der Statuten. § 7 Absatz 1 lautet fortan: „Jedes Mitglied zahlt ein Eintrittsgeld von 15 Mark und einen Jahresbeitrag von 6 Mark." § 38, letzter Satz lautet: „Zur Unterschrift löschungssähiger Quittungen bedarf es der Zeichnung des Gesammtvorstandes und des Rendanten." Die Genehmigung höheren Ortes bleibt Vorbehalten. Punkt 3 der Tagesordnung. Vortrag des Hauptlehrers Herrn Andorn-Krefeld über „Anwendung der wissenschaftlichen Pädagogik auf den jüdischen Religionsunterricht." Der Vortragende schildert in eingehender Weise die mannigfachen Schäden, welche der heutigen, meist üblichen Methode des Religionsunterrichts in jüdischen Schulen anhaften- und kommt zu folgenden Berbesterungsvorschlägen: a) Der selbständige Unterricht in der Glaubens- und Morallehre scheidet aus. Id) Der geschichtliche Religionsunterricht bildet den Mittelpunkt aller religiösen Unterweisung. c) Der sprachliche Religionsunterricht wird mit dem geschichtlichen in engste Verbindung gebracht. An den Vortrag schließt sich eine längere, anregende Diskussion. Punkt 4 der Tagesordnung. Beschlußfassung über den Anschluß an den Deutsch-israelitischen Lehrerbund. Der Delegirte, Herr Liepmannsohn-Minden, leitet seinen Bericht mit einem energischen Protest gegen die beleidigende Anschuldigung eines Artikels in der Zeitschrift „Lehrerheim" ein, welche den Delegirten den Vorwurf macht, sie hätten sich bei ihren Abstimmungen durch ihre finanzielle Abhängigkeit vom D. I. G.-B. beeinflussen lassen. Die Versammlung verurtheilt diese Unterstellung und ertheilt ihrem Delegirten dadurch ein Vertrauensvotum, daß sie nach Anhören einstimmig beschließt, dem neu gegründeten Lehrerbunde beizutreten. Zu Schluß des ersten Tages wird als nächstjähriger Konferenzort Lippstadt gewählt. Abends fanden sich die Konferenz-Theilnehmer zu einem gemeinschaftlichen Essen im Hotel Falk ein. Ein gutes Mahl, gewürzt durch mannigfache ernste und heitere Ansprachen, hielt die Kollegen bis gegen Mitternacht zusammen. Zweiter Tag. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf-Essen, eröffnet die Versammlung gegen 9 Uhr. Punkt 5 der Tagesordnung. An Stelle des verstorbenen Kollegen Cramer - Neuenkirchen wird Herr Wetzstein- Elberfeld als stellvertretendes Mitglied durch Zuruf gewählt. Sodann ergreift Herr Dr. Apfel das Wort, um die Versammlung im Namen des D. I. G.-B. zu begrüßen. Er richtet die herzliche Bitte an die Lehrer beider Provinzen, durch Frieden und Einigkeit die Differenzpunkte, welche sich in den letzten Jahren durch die Gründung eines zweiten Vereins in Rheinland und Westfalen zum Nachtheile der Lehrer und der Unterstützungskasse gezeigt haben, zu beseitigen. Nur durch Eintracht kann es den Lehrern möglich werden, ihren Bestrebungen aus geistigem und materiellem Gebiet zum gedeihlichen Erfolg zu verhelfen. Diese Worte fanden begeisterte Aufnahme, und es wurde beschlossen, aus jedem der beiden Vereine eine Kommission aus drei Mitgliedern — wovon zwei dem Vorstande angehören müssen — zu wählen, welche eine Verschmelzung beider Vereine anstreben soll. Unsererseits ist gewählt: Herr Gras-Essen, Goldstein-Grevenbroich, Liepmannsohn-Minden und als „Unparteiischer" Herr Dr. Apfel-Köln. Als Delegirte zum Deutsch-israelitischen Lehrerbunde werdest auf drei Jahre Liepmannsohn-Minden und Baum-Rheine gewählt. Anschließend daran fand folgender Antrag Liepmannsohn einstimmige Annahme: „Der Vorstand wird ermächtigt, an sämmtliche Lehrer Rheinlands und Westfalens ein Rundschreiben zu richten des Inhalts, daß der Anschluß an den neugegründeten D. I. L.-B. uns die Nothwendigkeit