Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- Seite 288 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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wieder Landsberger mit der Adresse des „Vereins zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Künstler in Krankheitsfällen". Dann begann das Abendessen, auf dessen, Tischkarte JulsitA Vydenstein das Abbild des Jubilars, und seiner Schöpfung silit? reichem Rankenwerk geschmackvoll umschlungen hatte. In bunter Reihenfolge schlossen sich die guten, nach der. Väter Art bereiteten Gaben des Herrn Stein, die Chorgesänge und die herzlichen'Tischreden an einander an. H. Landsberger toastete auf den Jubilar, San.-Rath Wiesenthal auf dessen Gattin. Jnstizrath Tiktin auf die Ehrengäste, indem er hervorhoh, daß das Wirken des Jubilars seinen Familienangehörigen auf Generationen hinaus zum Stolze und zur Ehre gereiche. Es erwiederte Jnstizrath . Siegmund Meyer für dje Ehrengäste, Kommerzienrath Jul. Martin Friedlaender für die Familie; Rabbiner Dr. Maybaum entwarf in weihevollen Worten ein Seelenbild des Jubelpaars. Nach dem Toaste des Malermeisters Michael Jacob schloß Dr. Maybauin mit einem Tischgebet. .... Auch der Jubilar sprach zwei Mal. Zuerst dankte er für dle Geschenke, die sein Herz erfreut hätten; am meisten sei er durch , die Gabe aus Gommern gerührt gewesen: zwei Photographien, die eine den Grabstein seines vor 40 Jahren verstorbenen Vaters, die andere das Kriegerdenkmal darstellend. Unter den drei im Feldzllge gefallenen Söhnen der Stadt seien zwei Juden gewesen! Soll ich Ihnen den Inhalt aller Reden wiedergeben? Es kanien eine Menge tiefer und edler Gedanken zu Tage, und alle kamen aus dem Herzen. Einer der Herren aus Gommern äußerte mir gegenüber sein Entzücken über die vielen schönen Reden, die er gehört. Es sei schade, daß sie nicht alle steuographirt und gedruckt würden! Aber es sprach nach meinem Gefühl Keiner besser, als de^r Jubilar selbst. Ernst, herzlich, schlicht und doch nicht einen oder dey anderen humoristischen Zug. verschmähend. Er sprach, wie er ist und wie er. wirkt! Das Festkomitee hatte alles, was es arrangirt hatte , glücklich arrangirt. Es hatte auch darin geschickt gehandelt, daß es nicht zu viel arrangirt hatte.. So machte sich alles wie von selbst, ungesuM und ungezwungen, und das Fest wurde in ernstem und strengem Stil durchgefiihrt. Eine weltliche Feier mit religiösem Grundtou, ein offizielles Zweckessen im Charakter der intimen Familientafel. Ehe das Jubelpaar sich entfernte, bedeckte die sorgsame Hausfrau noch alle Gaben mit weißen Tüchern. Vielleicht hätte ein besonders feines . Ohr bei all der gehobenen Stimmung und der Festfreude einen ganz leisen Seufzer über das so stark vermehrte Silberputzm hören.können!? i Wenn Ihre Leser sich infolge meiner mangelhaften Schilderung noch nicht in die Stimmung versetzen können, die bei den Festitheilnehmern herrschte, so will ich denselben folgendes Rezept verschreiben. Sie.mögen sich vorstellen, daß Eva nicht in den unseligen Apfel gebissen hätte,, daß sie mit Adam in Gau-Eden ihre zahlreiche Familie . Freitag Abend zu Butterfisch mit Klößen um sich versammelt habe. Der Leser möge sich nun denken, was er — noch leise das paradiesische leolio daudi vor sich hinsummend b,^i einem solchen Mahle gefühlt und empfunden haben könnte, dann wird er einen Begriff vom 70. Geburtstag Moritz Manheimers be^ kommen. Letzterer selbst aber wird trotz der schönen Erinnerungeü au diesen Tag, wenn man wieder eine Ovation für ihn vorbereiten will, doch immer wieder ausrufen: „Ach, machen Sie doch keine'Geschichten!" Denn so ist er'einmal — Ein Ntichstagswort! Bon Dr. Alfred Friedmann. to warm ein Herz für Schönes, Edles schlägt. Und seinen Brüdern sucht ein Leid zu lindern, Wo Lieb'zu Eltern, Elternlieb'zu Kindern, Und wo Musik in reine Sphären trägt. Auch wo man wagt, bevor man sorglich wägt, Wo man durch Wohlthat strebt die N o t h zu mindern, Verehrung zollt den Dichtern und Erfindern, Wo man mit Menschen menschlich sich verträgt — Da faßt's nur an, modernes, schweres Leben, Wir leben's aus, so wie es Gott gegeben — „In jedem Tiegel bleiben etwas Schlacken!" Wir Alle leben, leiden, hassen (?), lieben. Nichts Menschliches ist ganz uns fremd geblieben — Wohin Ihr packt, Ihr werdet Juden packen! Filter-arische MittheUungen. — M. Silberstein: Im Himmel und auf Erden. Parallel- Bilder aus dem religiösen Leben der verschiedenen Völker. Breslau 1896. Wilhelm Koebner. Eines der liebenswürdigsten Bücher, die wir seit langer Zeit gelesen haben. Der Verfasser stellt die wichtigsten Gebräuche verschiedener Religionen zusammen und sucht in denselben die gleichartigen Züge, die verbindenden Momente herauszugreifen In 15 Kapiteln werden die Propheten, die Entstehung der Religionen, die. Lehre und der Kultus derselben, die rothe Kuh, das Wasser, der Jordan, die Abgesonderten, der Tod der Propheten, die Seele, das Innere der Erde, das Paradies, die Huris, Seelenwanderung und Nirvana soivie die Auferstehung im Zusammenhänge der verschiedenen Religionen geschildert. Ueberall werden tiefere Zusammenhänge aufgedeckt, und gar oft wird die geschichtliche Verbindung, religiöser Motive, Gebräuche und Sagen erhellt. Wir können aus voller Ueberzeugung dem Urtheil beipflichten, welches Rabbiner Dr. I. Guttmann über die Schrift ausgesprochen hat: „Das Suchen eines edlen, von wahrhaft idealer Gesinnung erfüllten Geistes giebt der vorliegenden Arbeit ihr eigenthümliches Gepräge; darauf beruht der wohlthuende, herzerfreuende Eindruck, den sie auf den Leser macht. Die Weite des Blickes, die Freiheit der Anschauung, die sie auszeichnet, wurzelt in einer tief religiösen Gesinnung, die den Verfasser befähigtdie Spuren des Ewigen und Göttlichen in den verschiedensten Gestaltungen des religiösen Denkens und Lebens aufzufinden und es trotz seiner Verdunkelung und Trübung zur Anerkennung zu bringen-" — M. Braun: Geschichte der Juden und ihrer Litteratur. Für Schule und Haus. Theil I. Zweite durchgesehene Auflage. Breslau, Wilhelm Jakobsohn & Co., 1896. Es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß von Brann's Geschichte der Juden schon nach wenigen Jahren eine neue Auflage nöthig wird. Das Buch hat sich unter seinen Mitbewerbern seinen Platz im jüdischen Hause erobert, und es verdient ihn auch wegen der mannigfachen Vorzüge, die es auszeichnen. Die peinliche Akkuratesse, welche den Arbeiten des Verfassers eigen ist, ist auch an diesem Werke zu rühmen. Wer sich über die wichtigsten Thatsachen unserer Geschichte und Litteratur unterrichten will, wird im „Brann" genaue und zuverlässige Belehrung finden. Solchen, die über einen Gegenstand genauer informirt sein wollen, geben die zu jedem Kapitel sorgfältig angeführten Quellen und Hilfsmittel die uöthige Anleitung. Die Sprache ist einfach, aber doch gewählt und nicht ohne Wärme; man sieht, das Buch ist auch mit dem Herzen geschrieben. Dr. N. Samter. ’i) Siehe die Rede des Abg. Liebermann v. Sonnenberg in der Neickstaasüünna vom 6. d. M. Die Red. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Mrantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.