Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 24 (12.6.1896)
- Date
- 1896-06-12
- Page
- Seite 284 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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-^Änf die Damaskusangelegenheit 'nochmals ausführlich zurückzu-- koinmen, ist'nunmehr ohne Werth'. Mein Urtheil il^ meinem Briefes war.weder eine forcirte Fortsetzung nneiner Erklärung in der Leipz^. A^Z. — welche ich bis ans den Schlußsatz, der den Alten TrägheH vorwarf bei der Vertheidiguüg des Judenthums, vollkommen billige —/ noch eine Folge meiner Verkennung der Sachlage. Ich behaupte nochmals, .daß es von den Männern sehr ehrenwerth ist, sich der Verfolgten und Bedrückten anzunehmen, daß es aber durchaus keine jüdische Frage war und ist; daß es erfreulich ist, die ehrenwerthen Menschenfreunde anerkannt zu sehen, daß ich aber meinen Enthusiasmus für eine große jüdische Angelegenheit einem höheren Streben aufbewahre. Ein solches höheres Streben würde ich bereit^) nennen die Errichtung von jüdischen Schulen in Syrien, wofür im Triest bei Cremienx' Anwesenheit die Summe von 6000 Francs gezeichnet wurde, wenn das Unternehmen ein ausführbares wäre uuÜ7 nicht vielmehr ein einmaliger vergeblicher Versuch,, ein Institut zu ' errichten, das mit der Gesammtlage der dortigen Zustände, in Wider-' sprach steht und demnach nicht gedeihen kann. Das Schlimme aber an einem solchen Enthusiasmus, daß er für Erfolgloses vergeudet', wird, deshalb auch sehr bald verraucht und für Tüchtiges nicht erregt' werden kann, das ist die besondere Schattenseite eines solchen Ereignisses und betrübt mich. Mir ist wichtiger, wenn die Juden in Preußen Apotheker oder Juristen werden können, als die Rettung-' sämmtlicher Juden in Asien und Afrika, an der ich als Mensch Antheil nehme. Du magst darüber anders denken, mir aber glaube, daß dies meine redliche Ueberzeugung ist und mit meiner ganzen' geistigen Anschauung der Dinge aufs Innigste verwachsen ist. Gerade^ die Nähe, in der Du den Ereignissen standest, ließ Dich zwar die Einzelnheiten jener genauer sehen, verhinderte Dich aber, Dich übe? das Ganze zu erheben. Mir ist ein Aehnliches vorgekommen. Hier sind, veranlaßt durch ein Schriftchen für Juden, Risches-Schriftchei? in höchst massiver Weise erschienen; ich habe mich davon aigriren lassen, aber ich habe mich doch immer bewahrt davor, nicht über einen Lokal-Aerger hinauszngehen. (Der Blutfache ist übrigens in jenen, höchst gemeinen Schriftchen nicht' gedacht worden.) Wie Du nun dem philosophischen Ständemitgliede, das aus jenem Ereignisse die noch in Frankreich herrschende Abneigung gegen die Juden, trotz' der fast ein halbes Jahrhundert bestehenden bürgerlichen Gleichstellung, und daraus die Unfähigkeit dieser, sich mit den europäischen Völkern zu amalgamiren, beweisen will,- mit allen Dokumenten in der Hand von der Unschuld der Juden an dem Morde oder Nicht-Morde des Peter Thomas antworten willst, sehe ich nicht ein. „Legen Sie doch gefälligst" — wird er Dir erwiedern — „Ihre Aktenstücke wieder in Ihr Archiv, sie gehören nicht vor unsere Kammer. Sie scheinen mich auch gar sehr zu mißkennen; ich bin weit entfernt, eine Schult? der Juden daran anzunehmen, noch weniger glaube ich, daß ein Religionsdogma sie dazu verleitet haben kann. Gottlob, wir sind über solchen mittelalterlichen Wahn hinaus, und in unserem $ 5) Z, wo jeder Bauer lesen kann, bedarf es keiner Vertheidignng der Inden gegen solchen Unsinn. Aber je unschuldiger die Juden sind und je weniger ein'verständiger Franzose dies nicht einsehen hätte sollen, um so mehr tritt die Abneigung der öffentlichen Meinung gegen die- Inden hervor, wenn sie sich solch unglaublicher und verabscheuungS-' werther Mittel zu ihrem Zwecke zu bedienen nicht scheut u. s. w." Darauf kann ich, der ich die Sache für nicht so wichtig betrachte, weit besser antworten, als Du. — Wie ich gehofft, bringt Munk wohl bedeutende Sachen mit; ich ' las in der L. A. Z. von werthvolleno karäischen Mspten., die er in Kahir angekauft. Mich würde es sehr^ gefreut haben, M. hier zu sehen, wie es einmal geheißen, ich glaube aberot nicht, daß was daraus wird. Breslau liegt so ziemlich ans der WeltB XX. Breslau, 29. Dezember 1840. — — Nun, mein Lieber, laß uns ordentlich von tacliliss reden! Mein Brief bat zwar schon damit begonnen, aber ich will es jetzt besser ins Auge fassen. Zuerst laste Dich nicht zu sehr von jenen Häuslichkeitsgedankeu oder vielmehr -Gefühlen bestürmen! Zuerst gründet man sein Haus, dann nimmt man sich ein Weib so will es der talmudische Spruch. Man gründet aber sein Hans nach einer tüchtigen Ausbildung weit solider, und es finb daher die Jahre, die man dieser widmet, sicherlich nicht verloren! Aber freilich, eine weise Auswahl bei diesen Vorbereitungen und eiu.beständiges Jmaugehalten des Zieles, d. h. der BerufsgründUug, dies ist allerdings nöthig, und deshalb bin ich Deinen persischen' und; türkischen Studien gram; aber alles andere, was sonst drin, daß Du immer würdiger dastehst als jüdischer Gelehrter, das ist wahrlich nicht verloren, wenn cs auch nicht unmittelbar zum künftigen Berufe gehört. Und dieser wird doch kein anderer sein als die Gründung einer jüdischen höheren Bürgerschule mit einem damit verbundenen Pensionate. Und dafür - bleibt doch Deutschland das beste Land, indem es als an der Spitze der Intelligenz, namentlich der pädagogischen Tüchtigkeit stehend, mit Recht betrachtet lvird, und wiederum in Deutschland muß eine solche Schule in einer großen Gemeinde errichtet werden, wohin schon auch von der Ferne gerne Pensionäre geschickt werden und die Schule selbst ein Tüchtiges einbringt aus der Stadt selbst. Und da wäre in der That kein besserer Ort als Breslau, es ist keine derartige Schule vorhanden, eine sehr zahlreiche Gemeinde mit durchgehends jüdischem Sinne, ohne abgeschmackte Jüdischkeit, die höchstens Einzelnen und einem Theile der ärmeren Klasse anklebt; dabei ist blos im Allgemeinen eine Realschule vorhanden, die so überfüllt ist, daß man gar nicht weiß, was beginnen, Klagen über Mangel an hebräischem Unterrichte bei den Inden, und mein Einfluß ist nicht als das Unbedeutendste dabei anzuschlagen. Von den übrigen Annehmlichkeiten spreche ich nicht; ich versichere Dich aber, daß Du mit Bestimmtheit darauf rechnen kannst, ein tüchtiges Kozinchen zu werden, Du sollst auch ein ganz hübsches Frauchen mit einer anständigen Summe Geldes bekommen, und zu diesem Resultate zu gelangen, wird Dir hier viel leichter werden als irgendwo anders. Es sehnen sich viele Leute danach, ihre Kinder hier in Pension zu geben, aber sie wissen nicht wem; die ganze, mit Juden stark bevölkerte Provinz Schlesien, sowie die ganze überschwemmte Provinz Posen findet in Breslau ihren Mittelpunkt und würden mit der größten Freude ein solches Institut bewillkommnen. Vor einem tüchtigen Gelehrten hat man hier auch einen ungeheueren Respekt, und ich darf in der That hier Jemandem von meiner Fürsprache viel versprechen. Blos zwei Hinderuiste sind vorhanden, die Erlangung des Bürgerrechts und das Oberlehrerexamen; bei ersterem glaube, ich Dir allerdings auch das Meinige thun zu können, lind für das andere thust Du das Deinige, und da wirst Du bei Deinem Fleiße und Deiner Gewandtheit nicht so viel zu furchten haben. Willst Dti in Deutschland leben, so ist dann immer Preußen der hervorragendste Staat, und eine tüchtige Persönlichkeit kann in demselben viel leisten. Berlin ist freilich verdorben, und da hält alles sehr schwer, auch ist dort bereits eine solche 'jüdische Anstalt, die aber, der Individualität des Ortes nach, gar nicht so prosperiren kann. Und wie wir Zusammenleben wollten! Du würdest Dich natürlich, wenn Du auf die Sache eingehen. willst — und ich rathe Dir sehr dazu — mit Empfehlungen der verschiedensten Art versehen, worin aber gar nichts, von Deinen Plänen, sondern blos von Deinem .Wunsche, preußischer Staatsbürger zu werden, die Rede sein dürste, denn die Aengstlichkeit der