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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-06-12 · Heft 24 (12.6.1896) · p. Seite 279

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 24 (12.6.1896)
Date
1896-06-12
Page
Seite 279 (sequence 3)
Language
German
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279 Es ist nicht zu verkennen, das; bei Ausführung dieser Vorschläge besonders kleineren Gemeinden nicht unerhebliche Opfer zugemuthet werden; allein wir glauben, daß dieselben schon ans den oben angeführten Gründen sich dieser Pflicht nicht entziehen dürfen, und die Leiter des Vereins gehen jedenfalls nicht fehl, wenn sie voraussetzen, daß da, wo eine jüdische Privat-Elementarschule besteht, der jüdischen Gemeinde aus der Kounnunalkafse Zuschüsse bezw. Steuernachlässe gewährt werden, die einen großen Theil der jüdischen Gemeindesteuer decken. Dazu kommt noch, daß der Deutsch-israelitische Gemeindebund bedürftigen Gemeinden Beihilfe zuwendet. * Die jüdischen Volksschullehrerinnen vertheilen sich in Preußen nach der Abstammung bezw. dem Beruf des Vaters folgendermaßen: Ackerball 1, Bergbau und Bauwesen 4, Industrie und Handwerk, Handel und Verkehr 40, Offiziere, Geistliche 0, Lehrer, Beamte Aerzte, Schriftsteller, Künstler 10, Häuslicher Dienst 0, Ohne Beruf 3. Jnsgesammt beträgt also die Zahl der jüdischen Volksschullehrerinnen in Preußen 58 gegenüber 4477 evangelischen und 3853 katholischeli. Es bedarf wohl keines besonderen Nachweises, daß die Zahl der jüdischen Volksschnllehrerinnen ebenso wie die der jüdischen Lehrer im höheren oder niederen Schuldienst Preußeils nicht dem Prozentsätze unserer Glaubensgenossen entspricht. Um so schlimmer ist es, daß die Zahl dieser Lehrkräfte, wie es nach der bekannten Verfüguilg des Provinzialkollegiums für Brandenburg den Anschein hat, auf den Aussterbeetat gesetzt ist. Ein Zeichen der Zeit ist es auch, daß auf dem zu Pfingsten in Berlin statlgeflmdenen Kongreß des „Vereins preußischer Volksschullehrerinnen" zu dieser wichtigen Standesfrage gar keine Stellung genommen, ja jede Berührllng derselben streng vermieden wurde. Die Thatsache verdiente doch Erwähnung, daß es in ganz Preußen auf dem Lande keine einzige jüdische Volksschullehrerin giebt. Deshalb haben sich auch die jüdischen Volksschullehrerinnen im Verein mit einigeli freier gesinnten christlichen Kolleginnen vom „Verein preußischer Lehrerinnen" losgesagt und einen „Neuen Verein preußischer Volksschullehrerinnen" gebildet. Hoffentlich entwickelt derselbe bald eine ersprießliche Thätigkeit. Bmerische Rabbiner-Konferenz. «m 28. und 26. Mai tagte in Nürnberg die IV. freie Konferenz der baierischen Rabbiner, an der sämmtliche Herren entweder Persönlich oder durch geschäftsordnungsmäßige Vertretung theilnahmen. Es waren erschienen die Herren: Adler-Kitzingen, Bamberger-Bad Kissingen, Dr. Bamberger-Burgpreppach, Dr. Cohn - Jchenh ausen, Dr. Eckstein-Bamberg, Dr. Kohn- Ansbach, Dr. Kußnitzky-Bayreuth, Dr. Meyer-Regensburg, Dr. Neubürger-Fürth, Dr. Stein-Schweinfurt, Dr. Weinberg- Sulzbürg, Dr. Werner-München, Wißmann-Schwabach, Dr Ziemlich-Nürnberg. Als Gäste waren anwesend die Herren: Justizrath Josephthal, Gallinger, Jung, Mitglieder der Kultusverwaltung Nürnberg und Dr. Braunschweiger und Dr. Tachauer- Würz bur g. — In Vertretung des erst zur zweiten Sitzung erschienenen Vorsitzenden des geschäftsführenden Ausschusses eröffnete Dr. Neubürger die Sitzung mit einigen begrüßenden Worten, stellte ein neueingetretenes Mitglied und die Herren Gäste vor und schloß mit einem begeistert" aufgenommenen dreifachen Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Prinz-‘ rezenten. Die Versammlung beschloß, wie in den Vorjahren, einstimmig < die Absendung eines Huldignngstelegrammes. — Zum Vorsitzenden - wurde Herr Dr. Ziemlich, zu dessen Stellvertreter Herr Dr. Cohn gewählt, das Schriftführeramt übernahmen Dr. Bamberg er und Dr. Weinberg. Den wichtigsten Berathungsgegenstand der diesjährigen Konferenz bildete der „Lehrplan für den Religionsunterricht in Mittelschulen", den die in Bamberg gewählte Kommission mit großer Hingebung und Gewissenhaftigkeit ausgearbeitet und, dem vorjährigen Beschluß zufolge, vor der Zusammenkunft den Kollegen zur Prüfung zugesandt hatte. Zu einer ins Einzelne der umfangreichen Arbeit gehenden Diskussion reichte die zur Verfügung stehende Zeit nicht aus; es wurden daher nur die Abschnitte I und II, „Disziplinen" und „Lehrziel" gründlichst durchberathen und in der lebhaften Debatte wie in den Beschlüssen die wichtigsten Prinzipien erörtert und festgestellt. Die Konferenz sprach als Resolution den Wunsch aus, der Plan solle zunächst, soweit es thunlich sei, in den beiden untersten Klassen dem Unterrichte probeweise zu Grunde gelegt und die praktischen Ergebnisse zum Gegenstand weiterer Besprechungen gemacht werden. Herr Dr. Cohn berichtete über die Thätigkeit des geschäftsführenden .Ausschusses in der Pensions-Angelegenheit und gab nähere Details über die seitens der einzelnen Herren — nach Abzug der vom Finanzausschuß gewährten Zuschüsse — an die Kasse zu leistenden Beiträge. Der geschäftsführende Ausschuß wird die nöthigen Schritte thun, um fernere wünschenswerthe Erleichterungen für die nicht kontraktlich pensionsberechtigten Kollegen zu erwirken. — Der Rest der Sitzung war durch einen sehr anregenden Meinungsaustausch über mehrere höchst wichtige, interne amtliche Angelegenheiten in Anspruch genommen. — Am Schluß der Konferenz — während deren aus der allerhöchsten Geheimkanzlei des Prinzregenten ein huldvollstes Antworttelegramm eingelaufen war — wurden die bisherigen Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, die Herren DDr. Cohn, Neubürger, Bamberger (Kissingen) und Ziemlich, wiedergewählt; neugewählt wurden die Herren Dr. Werner (München), der auch bisher die Thätigkeit des Ausschusses mehrfach wirksam unterstützt hatte, und gemäß § 10 der Geschäftsordnung, nach welchem die Ausschußmitglieder zu gleichen Theilen den verschiedenen religiösen Richtungen angehören sollen, Dr. Meyer (Regensburg); als Ersatzmänner wurden bestimmt die Herren DDr. Groß und Stein. An die Rabbinerkonserenz schloß sich auch in diesem Jahre eine Ausschußsitzung des „Landesvereins zur Unterstützung nothleidender israelitischer Kultusgemeinden in Baiern" an. Dieselbe fand unter dem Vorsitz des Herrn Justizrath Gunzenhäuser- Fürth und unter großer Betheiligung von Rabbinern und Gemeindevertretern am 26. Mai Nachmittags statt und lieferte den erfreulichen Beweis für das dem Verein allseitig bekundete Interesse sowie für dessen ersprießliche Thätigkeit. Nach einem eingehenden Kassenberichte, den Herr Dr. Neubürger erstattete, berichtete der Vorsitzende über die eingegangenen Unterstützungsgesuche, deren Zahl sich auf 36 belief, und stellte seine auf gründlicher Information und wohlwollender Prüfung der Verhältnisse beruhenden Anträge, welche fast ohne Debatte die Zustimmung der versammelten Ausschußmitglieder finden konnten. Die gesammten Unterstützungen betragen nahezu 7000 Mark. Am bemerkenswerthesten sind die nach § 3 Ziffer 4 bewilligten Subventionen zur Bildung von Kultusgemeinden in Straubing und Hof, deren geistliche Leitung die Herren Dr. Meyer-Regensburg und Dr. Kußnitzky-Bayreuth unenrgeltlich zu übernehmen sich bereit erklärten, und die gemäß § 2 beschlossene Unterstützung eines 82jährigen emeritirten Lehrers, dem die kleine Gemeinde, in welcher er mehrere Jahrzehnte lang segensreich gewirkt hat, aus eigenen Mitteln keine Pension zu geben vermag. Im Uebrigen wurden Unterstützungen in Einzelbeträgen von 40 bis 400 Mark bewilligt zur Errichtung bezw. Reparatur von Schulhäusern, Synagogen, Ritualbädern, zur Beschaffung oder Verbesserung von Religionsunterricht und als Beiträge zu den Gehältern von Lehrern in kleinen, finanziell schwachen Gemeinden. Einer liebenswürdigen Einladung der Kultusverwaltung folgend, blieben ein großer Theil der Rabbiner und Vorsteher in heiterer Geselligkeit nach der ernsten Arbeit bis Mitternacht vereint.

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