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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-29 · Heft 22 (29.5.1896) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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60. Jahrgang. Nr. 22. ttfrS-rtm, 29.Mai 1896. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes ZuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 2^2 Berlin, 26.Mai. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund versendet , soeben , die Einladung zum siebenten Gemeindetag, der am Sonntag, den 21. Juni 1896, Vormittags 10*/g Uhr, hier stattfinden wird. Am Abend vorher findet eine Vorversammlung in demselben Lokal statt. Die Tagesordnung wird zur statutenmäßig vorgeschriebenen Zeit bekannt gemacht werden. Anträge, welche auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen, müssen bis spätestens 7. Juni schriftlich eingereicht sein. 22 Berlin, 26. Mai. Am 25. er. tagte im Hotel Münchener Hof die konftttuirende Versammlung der jüdischen Lehrer Brandenburgs, einberufen von den Herren Rektor Dr. Adler und Lehrer Cohn-Küstrin. Nachdem die Versammlung von den Einberufern gegen 11 Uhr Vormittags eröffnet worden war, wurden zunächst die Herr Dr. Adler, Cohn-Küstrin und Remack ins Büreau gewählt. Darauf entwickelte Dr. Adler in kurzer, aber eindringlicher und glänzender Rede Ziel und Zweck des neuen Vereins. Nachdem fich hiernach die meisten der Anwesenden in die ausgelegte Mitgliederliste eingezeichnet hatten, verlas der Vorsitzende noch eine ganze Reihe Beitrittserklärungen auswärtiger Mitglieder, dann wurde zur Berathung der Statuten geschritten. Die einzelnen Paragraphen des von den Einberufern bereits ausgearbeiteten Statuts wurden ohne, oder mit nur kleinen Veränderungen angenommen. Eine größere Diskussion entspann sich nur über Paragraph 2, bei welchem als Aufgabe der Bereinstage noch Lehrproben eingeschoben wurden, und besonders über Paragraph 3. Während nach diesem Paragraph der Zutritt allen Denen, die ein Lehramt an einer von einer jüdischen Gemeinde unterhaltenen Unterrichtsanstalt bekleiden, möglich ist, auch wenn sie keine staatliche Prüfung bestanden haben, wurde von mehreren Kollegen beantragt, die Mitgliedschaft nur staatlich geprüften Lehrern zugänglich zu machen; dieser Antrag wurde jedoch von der Versammlung abgelehnt. Hierauf schritt man zur Vorstandswahl. In denselben wurden die Herren Dr. Adler, erster Vorsitzender, Cohn -Küstrin zweiter Vorsitzender, Remack erster Schriftführer, Heidenseld-Friedeberg zweiter Schriftführer und Weder als Schatzmeister gewählt. Mit einem Dank des Vorsitzenden für die Herren Vertreter der Presse, und der Versammlung für ihren Leiter Dr. Adler, sowie einem Hoch desselben auf das Wachsen, Blühen und Gedeihen des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg, in welches alle Anwesenden aus vollstem Herzen einstimmten, schloß die erhebende Zusammenkunft. Die Versammlung übertraf an Zahl der Theilnehmer, sowie an würdigem Verlauf alle Erwartungen. §2 Berlin, 25. Mai. Gestern Vormittag fand in den beiden Gemeinde-Synagogen der Oranienburger- und Lindenstraße die Einsegnung der Konfirmandinnen statt. Ein von der Orgel intonirtes Präludium leitete in der dichtgefüllten Lindenstraßensynagoge die Feier ein, worauf sich die 24 Konfirmandinnen um den Altar gruppirten. Der Chor trug nun unter Orgelbegleitung die Worte des Propheten Jesaias vor: „Dies ist mein Bund mit ihnen, so spricht Gott: Mein Geist, der in dir ist und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt, sie sollen nicht weichen aus deinem Munde und aus dem Munde deiner Kinder und Kindeskinder". In der hierauf folgenden Predigt ermahnte Herr Rabbiner Dr. May bäum zunächst die Eltern, die Einsegnung nicht als Schlußakt der religiösen Erziehung und Fortbildung ihrer Kinder zu betrachten. Anknüpfend an die Worte der Schrift: „Daß doch dies ihr Gemüth ihnen bliebe, mich zu fürchten und alle meine Gebote zu beobachten alle Zeit, auf daß es wohlgehe ihnen und ihren Kindern auf ewig", forderte der Redner insbesondere die zur Einsegnung bestimmten jungen Mädchen aus, die Fahne des Judenthums in Ehren zu halten und stets an das heute von ihnen gesprochene Treugelübde zu denken. Alsdann sprach die Konfirmandin Cale ein tiefempfundenes Gebet, worauf die Konfirmandin Kalischer im Namen der übrigen Mädchen das Treugelübde ablegte. Nach dem üblichen Priestersegen schloß die erhebende Feier, die auf die Zuhörer wie auf die Konfirmandinnen einen tiefen Eindruck machte, mit den vom Chor in wahrhaft ergreifender Weise vorgetragenen letzten Versen aus Psalm 115. — Feierlich und erhebend verlief auch der Konfirmationsakt in der Neuen Synagoge, den zum ersten Male Herr Rabbiner Dr. Weisse vollzog. Das Gotteshaus war ansehnlich gefüllt. An der Hand des Hiobscben Verses: „Gottesfurcht ist Weisheit, und das Böse meiden wahre Einsicht", beleuchtete der Redner den Werth und Nutzen weltlichen Wissens und Erkennens und die Schädigung, die eine Überschätzung desselben mit sich bringt. Die Wissenschaft könne auch zur Verblendung, zu schweren Jrrthümern und Seelenzerrissenheit führen,, aber die Gottesfurcht mache das Glück dauernd und fest und werde zu einer Quelle bleibender Befriedigung und inneren Genügens. Der Gottesglaube beselige, erhebe und bewahre vor den Gefahren der Verirrung und Sünde. Gottesfurcht und Menschenliebe vereint bilden das Ideal, dem wir nachzustreben haben. Die Konfirmandinnen trugen hierauf in schöngesetzten und, wie aus dem Vortrag ersichtlich, auch tief empfundenen Worten das Glaubensbekenntniß vor, und eine derselben legte im Namen der übrigen, die sämmtlich Schülerinnen der III. Gemeindeschule find, das Gelübde der Treueab. Mit einem vorzüglich gesungenen Schlußlied fand der weihevolle Akt seinen ergreifenden Abschluß. — Bei dieser Gelegenheit können wir nicht umhin, unser Befremden darüber auszudrücken, daß so viele Eltern, selbst in der Residenz, ihre Töchter für nicht vollberechtigt halten rind die Nothwendigkeit der Mädchen-Konfirmation nicht einzusehen vermögen. Denn wäre dies nicht der Fall, so müßte die Zahl der Konfirmandinnen eine zehnfache sein. In Paris wurden am 21. d. 312* jübifdje Knaben und Mädchen konfirmirt! Wir halten es daher für eine Pflicht, unsere Gemeinde-Mitglieder auf den von unfern Herren Rabbinen unentgeltlich ertheilten Konfirmanden-Unterricht hinzuweisen, und wir zweifeln nicht daran, daß es nur der nöthigen Anregung und allgemeinen Bekanntmachung bedarf, um diesem. wichtigen Unterricht die nöthige Theilnahme zu verschaffen. exs Berlin, 27. Mai. Am 13. d. Mts. fand die ordentliche Generalversammlung des im Jahre 1823 begründeten Vereins zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen statt. Das vom Vorstand der jüdischen Gemeinde genehmigte revidirte Statut wurde angenommen. Es wurden gewählt: zu Vorsteherinnen Frau Bertha Mayer, Frau Clara Unger, Frau Emma Manasse, Frau Sophie Strauß, zu Stellvertreterinnen Frau Bernhard Behrens, Frau Rabbiner Dr. Weisse, Frau Siegmund Cunow, Frau Hermann Neubrück; zum Rendanten Herr Oskar Berlin; zum Stellvertreter Herr Hugo Heilmann. Vom Vorstand der jüdischen Gemeinde ist dem Verein von jetzt ab auch die Verwaltung des' Instituts „Sandikim" übertragen, das im Jahre 1772 begründet wurde und gleichfalls die Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen zum Zweck hat. Die Einnahmen des Vereins betrugen 6078,69 Mark, die Ausgaben 4188,49 Mark. An Geschenken hat derselbe in den letzten drei Jahren 6945 Mark erhalten; der Stammfonds beträgt 20 875 Mark. Berlin, 25. Mai. Der „Jüdische Studienbeförderungs- Be^ein" feiert demnächst das Jubelfest seines fünfzigjährigen Bestehens. In ernster Arbeit hat der Verein reiche Erfolge erzielt; ohne Ueberhebung darf er auf eine zahlreiche Schaar von Männern Hinweisen, die unter seinem Schutze sich der wissenschaftliche» Vorbildung hingeben konnten, und die heut in den verschiedensten Wissensgebieten, sowie in Handel und Gewerbe sich in hochangesehener Stellung befinden. Die Veranlassung zur Gründung des Vereins ist eine sehr interessante. Beider geistigen Regsamkeit, die am Beginn der vierziger Jahre dieses Jahrhunderts unsere Glaubensgenossen ergriff, fühlten sich zahlreich in Berlin weilende Jünglinge (Bachurim) voller Schmerz von den

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