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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-29 · Heft 22 (29.5.1896) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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da hast Du mit ihm getanzt, und er hat Dir Mandeln geschenkt und Rosinen eine ganze Düte voll, und die. Frau des Rabbi Feifirel sagte damals, ihr wäret gerade wie für einander geschaffen, und alle Leute, die da waren, sagten es auch. Hast Du ihn gesehen seit, der Zeit? O, der ist ein prächtiger Junge geworden! Man findet keinen zweiten, der so gelehrt ist und so frisch und so schön dabei und^ein so geschickter Goldschmied! Jeden Augenblick könnte er im Sanhedrin sitzen; und wenn der König eine neue Krone brauchen thät', keiner könnt' sie schöner niächen. wie er! Rabbi Ensel will ihm jetzt Line Werkstatt einrichten, und Du sollst seine Hausfrau werden. Da schwieg die Wittwe. -f v Blümchen aber, das schon während der ganzen Rede sich nicht getraut hatte, das Auge aufzuschlagen, erschrak so sehr, daß es den Löffel fallen ließ, den es noch vorher in der Hand hielte V' Die Wittwe erinnerte sich daran, wie auch sie einmal , gerade so erschrocken-gewesen und gerade so den Löffel habe fallen lasten, hielt das für ein gutes Zeichen und stand vom Tische auf und küßte ihr Töchterlein aus die beiben schönen Augen und sprach: Nun, nächsten Sabbath wird er kommen. Da will uns sein Vater mit ihm besuchen, damit Ihr Euch seht. Sei hübsch klug, lieb Blümchen; Du bist ja sechzehn Jahre alt, und da ist man kein Kind mehr. Was kommen muß, dem muß man nicht ausweichen wollen! Blümchen traten jetzt die Thränen in die Augen. 4 Die Wittwe fing an zu bereuen, daß sie ihrem Kinde zu viel auf ein Mal gesagt, küßte sie nochmals und sprach: Du bleibst ja darum doch mein gutes Kind und wirst es bleiben! Nun aber>;geh zu Bette! Wenn Du morgen früh aufstehst, hast Du es verschlafen, und dann reden wir vielleicht weiter. Blümchen aber sagte:- Mutter, Du siehst, wie kindisch ich bin! rieb sich mit ihren schönen weißen Händchen die Thränen aus sen Augen, sah wieder heiter und hüpfte in der Stube umher. Dpnn stellte sie sich wieder ans Fenster, klopfte mit den Fingern an.,den Scheiben, sang noch ein Mal ihr Lieblingsliedchen und schlüpften in ihr Bettchen. Die'Wittwe legte ihr die Hände auf den Kopf, segnete sie Und sprach: Siehe, er schlummert nicht und er schläft nicht, der epiige Hüter. Dann blies sie die Lampe aus, und es war finster in der kleinen Stube und nach wenigen Augenblicken so ruhig und so still, daß inan hätte glauben können/ sie wären Beide gestorben. Nur-ie seidenen " Bettvorhänge rauschten von Zeit zu Zeit ganz heimlich und man hörte hinter denselben die leisen Athemzüge der Schlummernden. r So still blieb es wohl die ganze Nacht, — aber nicht so friedlich lind ruhig. (Schluß folgt.) ‘Ä« / " Literarische Mitttzeitungen. Mrs. Lewis, die glückliche Entdeckerin der syrischen Evangelienhandschrift vom Sinai, die mit ihrer Schwester Mrs. Gibson in diesem Frühjahr zum vierten Male im Orient war, ist auch diesmal vom Glück begünstigt gewesen. Unter hebräischen Handschriften, die sie in Jerusalem erworben, fand sich auch ein Blatt des Sirach. Seit fast2000 Jahren ist der hebräische Text dieses biblischen Buches bis auf etwa vierzig Citate, die mau aus dem Talmud gesammelt hat, verloren gewesen. Man besaß nur die griechische Uebersetzung, die der Enkel des Verfassers im 38. Jahre des Euergetes, d. h. im Jahre 132 v. Ehr., angefertigt ■ hatte. Unglücklicherweise gehen aber all unsre Handschriften dieses griechischen Textes, von denen bis jetzt gegen zwanzig näher bekannt sind, auf ein einziges Original zurück, in dem in sehr Mer Zeit durch irgend einen unglücklichen Zufall zwei Blätter versetzt worden waren. Mit.Hilfe der altlateinischen Uebersetzung, die vielleicht, unter Berücksichtigung des hebräischen Originals aus einem noch ungestörten Exemplar des griechischen Textes gemacht wurde, hat der Pksilolog Sauppe dies vor Jahren nachgewiesen. Daneben kannte man seit dem 16. Jahrhundert eine syrische Uebersetzung, und es war lange Streit unter unseren Gelehrten, ob ihr Verfasser noch direkt das hebräische Original oder auch schon nur die genannte griechische Uebersetzung zu Grunde gelegt habe. Aus diesen zwei, beziehungsweise drei Quellen das verloren gegangene Exemplar herzustellen, ist und war eine äußerst anziehende, keineswegs durchaus leichte Aufgabe für Orientalisten. Dem Prof. Bickell in Wien, früher in Innsbruck, ist dabei die schöne Entdeckung geglückt, zu erkennen, daß im Schlußkapitel des Buchs die Verse nach der Reihenfolge des hebräischen" Alphabets geordnet sind. Das neugefundene Stück ist nur ein Papierblatt, ungefähr 7^ englische Zoll hoch und breit, in zwei Spalten, und scheint nach der ersten kurzen Mittheilung in der „Akademy" vom 16. Mai nicht etwa blos talmudische Citate. sondern einen zusammenhängenden Text zu geben. S. Schechter, Lektor des Talmudischen an der Universität Cambridge, hat das Verdienst, den Inhalt des Blattes identifizirt zu haben und hofft, ihn bald herauszugeben. — Eine Anzahl Theologen in England und Amerika beabsichtigt, eine neue Uebersetzung des alten Testaments herauszugeben. Sie soll, „ohne Furcht und ohne Borurtheil nur unter Leitung des Lichtes der Wissenschaft" unternommen werden. Die Oberleitung hat der Professor der Theologie an der St. John Hopkins Universität in Baltimore, Haupt. An deutschen Mitarbeitern sind u. a. Professor Wellhausen in Göttingen und Professor Delitsch in Breslau, an jüdischen Clanve Montefiore und I. Abrahams in London hinzugezogen worden. Sprechsaal. Geehrtester Herr Redakteur! #estatten Sie mir zu der Notiz des Herrn Kollegen S. Andorn in Krefeld, betreffend Lesebücher für israelitische Schulen, ergänzend mitzutheilen, daß 1808 das Lesebuch 'fob Kinderfreund, Lehr- Und Lesebuch von Moses Philippsou in Dessau erschien. Herr Dr. Adler hat wahrscheinlich in seinem in Nr. 14 dieser Zeitung, abgedruckten Vortrage nicht die Absicht gehabt, eine lückenlose Bibliographie dieses Lehrgegenstandes zu geben. Ich vermißte darin besonders den 1842 von S. Mauer, Lehrer in Münden, erschienenen Kinderfreund, Lehr- und Lesebuch. Das Lesebuch von L. Lammfromm (1847) war wenig verbreitet. Die Lehrer Württembergs petitioniren schon seit einem Jahrzehnt um ein neues Lesebuch, das dem württembergischen Normallehrplan entspricht. Eine ziemlich vollständige Bibliographie dieser Schulbücher findet sich in der „Bibliographie der jüdischen Pädagogik in chronologischer Ordnung" als Beilage zu meiner „Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Israeliten" (Stuttgart 1885). Buchau, 8. Mai. Hochachtungsvoll B. Straßburger, Lehrer. * Sehr geehrter Herr Redakteur! 4estatten Sie mir, durch Ihre werthe Zeitung allen denjenigen Vereinen, Stiftungen wie auch Privatpersonen, die mich in den letzten Monaten zu ,meinem fünfundzwanzigjährigen Doktorjubiläüm mit ihren Gratulationen, Danksagungen, Adressen, Telegrammen rc. rc. beehrt haben — meinen innigsten Dank auszusprechen. Im Bewußtsein, daß die allgemeinen Anerkennungszeichen, die mir zu Theil wurden, ein Lohn meiner bescheidenen wissenschaftlichen Untersuchungen der verschiedenen Schlachtmethoden sind, die so oft in Ihrer werthen Zeitung wohlwollende Besprechung fanden — erlaube ich mir an dieser Stelle, Ihnen, hochverehrter Herr Redakteur, meinen Dank zu sagen. St. Petersburg, 6./18. Mai. Dr. I. Dembo. Druck und Verlag von Rudolf Mossein Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: MarBauchwitzin Berlin.

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