Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1896)
- Date
- 1896-05-29
- Page
- Seite 260 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden in Aegypten keinen Einfluß üb.te, die gemordeten Juden., weckt aber Keiner mehr auf. -Es ist eine schöne Handlung der, - Humanität, sich auch einzelner Gedrückter anzunehmen, aber eine-( jüdische Frage'ist cs nicht, imb macht man sie zu einer solchen, so- , verrückt man den Standpunkt und verwirrt, den sich heranbildenden,./ Sinn der Juden. Daß der französische, Konsill Ratti Menton ein; Lump ist, leidet keinen Zweifel, und es bestätigt sich hier blos: wieder die Erfahrung, das; die europäischen Levantiner schlechter - sind als die eigentlichen Orientalen, wie denn die meisten blos äußerlich Kultivirten im Umgänge mit gänzlich Unkultivirten sichals weit niedriger stehend beweisen. Die Moralität des Konseil- . Präsidenten will ich wahrlich nicht vertheidigen, obgleich es erklärlich ist, unter den gegenwärtigen Umständen in der Person des Konsuls. den französischen Einfluß nicht kompromittiren zu wollen. Allein^ was nützt das ganze Sperren dagegen? Für den Orient ist kein anderes Heil, als wenn die dortigen Reiche zerschellt und zersplittert werden, und für die Julien kein anderes, als wenn sie nicht blos : als Individuen, sondern als Genössen des Judenthums auf die Höhe der Kultur sich erheben, also das Judenthum geistiges Leben au nimmt. Was wirkt zl! dem einen oder anderen'jener jüdische Auszug? Wie gesagt, von Montefiore, der immer einen „Schächter" - mit sich führt, dessen Bediente mit einer Livree versehen sind, wo.. auf den Knöpfen Jerusalem steht, ist ein solcher Zug ganz in der , Ordnung; von Cremienx, der blos hier und da einmal von r bürgerlichen Dingen der Juden einen Begriff und dafür Interesse hat, der als Vizepräsident des Konsistoriums sich für den jüdischen. Sachwalter hält, der als Advokat so etwas überhaupt gerne hat, als Franzose gerne die Lärmtrompete zur Hand nimmt, ist es auch < natürlich. — Aber Munk? Nun, bei dem ist es wohl etwas unklarer Enthusiasmus, vermischt mit Sehnsucht, den Orient zu sehen. Die Juden in Livorno — nun, die haben auch Recht; denn . Italien lebt im Allgemeinen wie auch in jüdischer Beziehung im Mittelalter, und versteht sich, daß die „großen Fürsten", welche der. rarali abhelfen wollen, gefeiert werden. Aber ich sollte mich dafür„ erwärmen? Nimmermehr! Mir wäre lieber, wenn die Herren für . das horrende Geld Bücher gekauft hätten. Das Einzige, das ich davon hoffe, ist, daß Munk ein paar unbekannte Manuskripte mitbringt. Sed jam sat. Gehen wir zu anderen Dingen! Deine Charalteristik Munks hat mich sehr erfreut; möchte diese tüchtige Persönlichkeit auch eben so kräftig nach außen sich entfalten, wie sie innerlich kräftig als sittliche Natur sich bewährt. Besonders möchte ich Produktionen von ihm haben; ein Mensch, dem so viele Mspte. und so viel Kenntnisse zu Gebote stehen, der sollte doch auch mit Leistungen auftreteu. — Der Markus*) soll eine drollige Personnage sein, er hat vor 20 Jahren dem Verein für Kultur und Wissenschaft des Judenthums angehört und ist ein guter Freund von Zunz. — Wie sieht es denn mit Dir aus in Beziehung auf Bekanntschaft mit neueren deutschen Erscheinungen? Namentlich mit den aus dem Alterthum hervorgezogenen Sachen des Mosche b. Esra, Abraham b. Esra, Jehudah ha Levi n. Anderer? Es sind Dinge darunter von großer Wichtigkeit. Ein Spaß ist, wie unsere Blätter dies anzeigen und beurtheilen. . . . Und da soll noch immer kein neuer junger Chozif auftreteu, der es aber gut meint; der wieder einmal mit dem Prügel dreinschlüge, wie wir es in jenen guten Zeiten gemacht. Wir sind freilich seitdem ernste, würdige Personen ') Ludwig Markus, geboren 1798 in Dessau, gestorben 1843 bei Paris, Mathematiker. Heine hat ihm einen sehr schönen Nachruf gewidmet. Werke XIV S. 183 ff. Ueber seine Theilnahme am Berliner Kultur-Verein und seine daselbst erschienenen Arbeiten vgl. Strodtmann, Heine I. 287 291 ff. - geworden, die wohl . noch die Geißel führen können, aber doch gern hübsch säuberlich zu Werke-gehen; aber-war denn kein Mensch mach uns auf Universität, und hat denn keiner die leichtere Mühe, nun in die Bahn einzutreten, die wir doch ziemlich verödet vorfanden, übernehmen können? .Darüber möchte man vor Aerger vergehen. Und das zwingt mich zur. Fortsetzung meiner Zeitschrift, mag es nun auch Lärm und Geschrei geben; mit Harthörigen darf man nicht leise sprechen. Doch darüber schreibe ich erst nächstens ausführlicher. Schreibe Du nur bald und bleibe auch im künftigen jüdischen Jahre ein wackerer jüdischer Junge!-Frensdorffs Adreffe ist sehr einfach; er ist noch Oberlehrer , in.Hannover, in feuern glückseligen Lande, wo deutsche Biederkeit und . deutsche landesväterliche Gemüthlichkeit herrscht und wo Pertz die Momunenta antiquitatis Gerniaaiae2) herausgiebt. Was mein Land betrifft, so wollen wir sehen, was der neue König machen wird, er zeigt sich wenigstens als einen Mann von Kopf, und die Juden werden auch nicht ruhig bleiben, und ich thue hierzu das meinige. Außerdem hätte ich noch immer Vergnügen daran, wenn es drunter und drüber ginge, selbst auf die. Gefahr hin, daß die letzte Spur eines Rambam-Manuskripts dadurch zu Grunde ginge; wir müffen endlich einmal aus diesem faulen, wurmstichigen und morastigen Wesen heraus. Wer Kolon 1896. Von M. Friedeberg. s ist ebenso dankbar als schwer, dieses Mal das Führeramt durch die internationale Kunstausstellung für die Leser dieser Zeitung zu übernehmen, —dankbar, denn Künstler von Weltruf traten auf dieser Ausstellung mit Gemälden und Bildwerken aus dem Stoffgebiet des Judenthums hervor, — schwer, denn die Fülle des Gebotenen in den nahezu 4000 Nummern ist zu groß. Dazu kommt aus Anlaß des 200jährigen Jubiläums der Akademie der Künste noch die historische Abtheilung, welche die Entwickelung der Kunst in den letzten 200 Jahren und die Einwirkungen der Berliner Akademie vergegenwärtigen soll, und bei der in Bildniffen Mendelssohns, Lessings, des Rahel-Kreises und auch anderweitig die Beziehungen mehrfach berührt werden, welche von der Mitte des vorigen Jahrhmlderts an die geistige Blüthe Deutschlands zu Juden und Judenthum unterhielt. Hier fällt uns auch zuriächst auf, wie unberechtigt die Klagen über den mangelnden Kunstsinn der „reichen Juden" waren und sind. Nächst den kaiserlichen und öffentlichen Sammlungen haben viele Privatleute gern ihre Kunflschätze für die * historische Abtheilung hergegeben. So werden wir beispielsweise aus dem ^Besitz des Herrn Rudolf Mosse, Berlin 4 Bilder (einen Knaus,! einen Meyerheim, einen Uh de, Seiler's, des Mitgliedes der Berliner Akademie, „Im Vorzimmer des Fürsten") hier vorfinden. Hieran reiht sich neben anderen Mäcenen die Familie du Bois- Reymond mit einer Anzahl Bilder des 1804—in Berlin verstor- , denen D. N. Chodowiecki, unter denen wir das Portrait des 1787 ' verstorbenen „Vaters der Rahel" hervorheben, wie ferner die spaßhafte Szene aus der Bibel „Jakob bei Laban aukommend"; (Nr. 3395 des Katalogs). Um aus der Fülle des Gebotenen indeß zunächst die Meisterwerke. die uns im diesjährigen Salon .begeistern, hervorzuheben und um den Leser, der sich für Bilder ünteressirt, welche die Juden ' besonders angehen, ein Führer zu sein, betreten wir durch das große 'Vestibül die der Gruppe Berlin gewidmeten Säle 2t 3 u. j. w,