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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-22 · Heft 21 (22.5.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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nicht weniger schmerzlich berührt; am 13. April verschied im besten Lebensalter Frau Clara Gustav Cohen, die seit einer langen Reihe von Jahren dem Israelit. Frauen- und Dienstboten-Berein als erste Vorsteherin Vorstand. Mit ihrer hingebenden Menschenfreundlichkeit, ihrem klären Geiste verband sie ein feines Verständnis für die praktischen Fragen der Armenpflege und nahm einen hervorragenden Antheil an den diesem Vereine obliegenden schweren Aufgaben. Den Armen und Dürftigen stand sie allezeit mit Rath und Thal zur Seite, so daß ihr Hinscheiden allseitig beklagt wird. Unter der Zahl der edlen Frauen, die sich in unserer Gemeinde durch ihre Verdienste ein ehrenvolles Andenken gesichert haben, wird auch der Name Clara Cohen.niemals fehlen. M. Gleicherwiesen, 15. Mai. Als Nachtrag zu Ihrem Nekrolog auf Lehrer Rosenthal in Hildburghausen sende ich Ihnen noch folgenden Nachruf, der an der Spitze des >,Schulblattes für Thüringen und Franken" in Nr. 9 gestanden. „Am 2. d. Mts. starb nach kurzer Krankheit an Herzlähmung der israelitische Religionslehrer am^ herzoglichen Seminar in Hildburghausen Herr I. Rosenthal, dessen Hinscheiden im Kreise der Bolksschullehrer unseres Herzogthums allgemeine Theiluahme hervorgerufen haben wird. Der Verstorbene hat im ehemaligen Centralkomitee des Allgemeinen Meiningischen Lehrervereins als. Schriftführer eine ebenso eifrige als unsichtige Thätigkeit entfaltet. . Eine ganze Reihe von Jahren widmete er in selbstloser Hingabe Zeit und Kraft der Wahrung und Förderung unserer Standesinteressen. Dafür wird ihm die Lehrerschaft allezeit ein ehrendes und dankbares Gedenken bewahren. Das Gute, welches er für sie gewollt und gewirkt hat, wird unvergessen bleiben. Möge dem Abgeschiedenen nach seiner langen, treuen Sämannsarbeit auf dem Acker der Ewigkeit eine schöne und reiche Ernte zu Theil werden. Pößneck, den 6. Mai 1896. Namens des Hauptvorstandes des Allg. Meiningenschen Lehrervereins. Adam." OO Leipzig, 20. Mai. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den am 15. d. erfolgten Tod des Herrn Louis Hausdorff, der an einer Lungenlähmung im Alter von 53 Jahren gestorben ist. Louis Hausdorff, aus einer berühmten schlesischen Familie stammend, lebte seit langen Jahren hier und nahm thätigen Antheil an unserem Gemeindeleben. Er war ein frommer und gelehrter Mann, den Alle schätzten und nunmehr beklagen. Andere werden Ihnen über sein Schaffen und Wirken berichten; ich begnüge mich mit dem Hinweis auf den schweren Verlust, den wir erlitten. Möge, dem edlen Mann die Erde leicht sein. m. Aus Knrhessen, 15. Mai. Das Schloß'sche Ehepaar zu Zimmersrode feierte letzten Mittwoch das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Selbstverständlich waren die Kinder des Jubelpaares, deren Familien-Angehörige, viele Freunde und Gönner erschienen, um ihre Glück- und Segenswünsche zu überbringen. Die Synagoge war von Juden und Christen bis auf den letzten Platz besetzt. Die Festpredigt Hielt Herr Lehrer Wertheim zu Zimmersrode. Derselbe erntete für seine wohldurchdachte, äußerst sinnreiche Rede großen Beifall. Als Text legte derselbe seiner Rede die Schriftstelle aus dem 3. B. M. Kap. 25. V. 10 und 11 zu Grunde: „Und ihr sollt heiligen das 50. Jahr; ein Jubelfest soll das 50. Jahr sein!" Im Laufe des Tages liefen viele Glückwunschtelegramme, zahlreiche Geschenke und Glückwunschschreiben ein, ebenso ein Allerhöchstes Kabinetsschreiben des Kaisers, welches durch den Bürgermeister Köhler nebst der Ehejubiläumsmedaille dem Jubelpaare überreicht wurde und folgenden Wortlaut hat: „Berlin, 12. Mai 1896. Seine Majestät der Kaiser und König haben vernommen, daß Sie mit Ihrer Ehegattin nach 50jähriger Ehe am 13. Mai dieses Jahres. die goldene Hochzeit feiern werden. Zur Erinnerung an dieses frohe Ereigniß, zu dem Seine Majestät dem Jubelpaare die besten Glückwünsche aüssprechen lassen, verleihen Allerhöchstdieselben Ihnen die beifolgende Ehejubiläums-Medaille, mit dem Wunsche, daß es Ihnen und Ihrer Gattin vergönnt fein möge, unter Gottes gnädigem Beistände in treuer Gemeinschaft miteinander Sich noch recht lange.eines glücklichen und zufriedenen Lebensabends zu erfreuen. Der Geheime Kabinetsrath, in Vertretung gez. Stumm." Die Medaille zeigt auf der Vorderseite die Bildnisse Kaiser Wilhelms II. und Kaiserin Auguste; auf der Rückseite stehen die Worte: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet." Die Medaille ist in einem reizenden Etui, welches mit dem verschlungenen Monogramm W. A. und der Krone geziert ist. Herr Schloß steht im 76. und dessen Gattin im 74. Lebensjahre, und erfreuen sich beide noch körperlicher und auch geistiger Rüstigkeit. Möchte ihnen noch ein heiterer Lebensabend beschieden sein. Oesterreich-Littganl. _ □ Wien, 19. Mai. Heute wurde der neugewählte Bürgermeister Stro Ibach durch den Statthalter Kielmannsegg vereidigt. Der Statthalter hielt hierbei eine Rede, die starken Eindruck machte. Insbesondere werden die Stellen, .wo der Statthalter den Bürgermeister ermahnte, daß vor dem Gesetz alle Bürger gleich seien und zwischen den Konfessionen kein Unterschied walten dürfe, lebhaft besprochen. — Am 16. d. Mts. fand hier die 23. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Alliance" statt. Aus dem Berichte des Vereinspräsidenten David Ritter v. Guttmann führen wir an, daß der Verein im abgelaufenen Verwaltungsjahre an Subventionen für Schulzwecke 3166 fl. 50 kr., an litterarifchen Unterstützungen 1698 fl. 15 kr., zu Gunsten heimathloser russischer Auswanderer 6035 fl. 98 kr., zu sonstigen Hilfszwecken 345 fl. und für Propaganda 470 fl. 98 kr. verausgabt'hat. Hierauf berichtet der Vorsitzende noch über die Propaganda. Auf 12 000 versandte Beitrittseinladungen wären blos 178 neue Beitrittserklärungen erfolgt! Auf Antrag des Herrn Dr. I. Bloch werden die Herren M. L. Baruch, Adolf Klein, Dr. A. Schmidl, Friedrich Singer als Vorstandsmitglieder mit vierjähriger und Herr W. Pappenheim mit dreijähriger Funktionsdauer per Akklamation gewählt, ebenso zu Mitgliedern des Beirathes die Herren Jacob Brandeis, Ignaz R. v. Ephrussi, Regierungsrath S. R. v.. Hahn, M. Edler v. Kuffner, M. Pollak, R. v. Borkenau> Dr. A. Rappaport Edler v. Porada, Dr. Arn. Rosenbacher in Prag, Dr. Jul. Satin, Max Theodor Schiff, Philipp Torsch, Giacomo Zerkowitz in Triest, Max- Paul Schiff, I. Hieldburghäusser, Moriz Hirsch und Max Ritter v. Gutmann. Die Bermögensgebahrung weist an . Eingängen auf: Jahresbeiträge 12 400 fl., Spenden 1200 fl., Zinsen 5300 fl. Der Jahresbericht schildert die Thätigkeit des Vereins hinsichtlich des Schulunterrichts in hilfsbedürftigen Gemeinden, sodann seine Aktion zu Gunsten der verfolgten Juden in Rußland und'namentlich in Rumänien,, wo Hilfe jetzt am dringendsten nöthig ist. — Der Kaiser hat dem Direktor und General-Repräsentanten ausländischer Versicherungsgesellschaften in Wien Sigmund Gerber den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. — Baron Nathaniel Rothschild hat infolge des Aufrufes für den Fonds zum Neubau der Centralstation der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft 10 000 fl. gespendet. — In Baden hatte sich in der abgelaufenen Woche der bekannte Antisemitenführer Gemeinderath und Weinbauer Franz Schwab! wegen Ehrenbeleidigung zu verantworten. Er hatte den Bürgermeister Josef Witzmann als Lügner bezeichnet, so daß dieser klagbar gegen ihn auftrat. Der Richter verurtheitte den Geklagten zu einer Geldstrafe von 50 Gulden, eventuell fünf Tagen Arrests. Suchte jeder von den Antisemiten in seinem Ehrgefühl Verletzte gerichtliche Satisfaktion, sie hätten gewiß bald zu beleidigen aufgehört. Frankreich. Paris, 14. Mai. Gestern ist hier der populärste Pariser Arzt, Professor Germain Säe, im 78. Lebensjahre gestorben. Sein Tod bringt eine der wichtigsten Epochen der französischen Geschichte in Erinnerung. Säe nahm am 1. Juli 1870 mit Nälaton, Fauwel, Ricord und Corvisart an der Konsultation Theil, die Napoleon III., der sich sehr krank fühlte, über seinen Zustand gefordert hatte. Die Aerzte stellten das schwere innere Leiden, dem der Kaiser, wenige Jahre später erlag, fest. Nur Säe allein Unterzeichnete das vom 3. Juli datirte Gutachten, das der Kaiserin hätte übergeben werden sollen, aber dieses Dpkument wurde der Kaiserin vorenthälten, und wenige Tage nach der berühmten Konsultation wurde der Krieg erklärt. In den Tuilerienpapieren fand sich die Urkunde vor. Im Jahre 1877 wurde Säe vom Sultan Murad nach Konstantinopel berufen; als er dort ankam, fand er den Sultan seines Thrones entsetzt und im Tschiragan-Palais eingeschlossen, und der heutige Sultan Abdul Hamid hatte den Thron bestiegen. Germain Säe, 1818 zu Ribeauvillä (Haut-Rhin) geboren, erhielt seine Schulbildung in Metz. Seine medizinischen Studien machte er in Paris, wo er 1846 promovirte. 1852 erlangte er den Zutritt

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