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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-22 · Heft 21 (22.5.1896) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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zum Pariser Hospitaldienste. 1866 wurde er als NachfolgevTrousseaus Professor der Therapie an der medizinischen Fakultät. 1869 erhielt er ■, den Lehrstuhl der klinischen Medizin an der Charitee. Zugleich wurde > ' er zum Mitglieds der medizinischen Akademie gewählt. 1876-trat er als klinischer Lehrer zum Hotel-Dieu über. See zählte zu denhervorragendsten französischen Klinikern. Dazu befähigte ihn einmal - seine ungemein, große praktische Erfahrung in der Beurteilung, und Behandlung innerer .Krankheiten. Sees litterarisches Schaffen ist sehr, umfangreich. Man verdankt ihm eine ganze Reihe von Handbüchern über Herzkrankheiten, Kränkelten. der Lunge, Magenleiden, die krankhaften Veränderungen des Blutes und des Blutkreislaufes, über Stoffwechsel und. Ernährung. Der Borstorbene war auch ein guter Jude und fahre-- lang eines der angesehensten Mitglieder des französischen Ceutratkonsistoriums. — Die.Bewegung, hier einen besonderen Sonntagsgottesdienst einzuführen, ist im. Keime erstickt worden. Das Gonsistoire Isra'elite hat Nach vorangegangener Berathung mit dem Grand-Rabbin - Zädoc Kahn einfach Borträge über religiöse Gegenstände an Sonntagen gestattet. Doch werden diese Vorlesungen nicht in der Synagoge, sondern in der Gemeindestnbe abgehalten werden, so daß ..sie dadurch, jeder religiösen Bedeutung entbehren. Großbritannien. o. London, 16. Mai. Aufrichtiges Bedauern erregt die Nachricht, daß das Montefiore-Co llege in Ramsgate am 11. Juni geschlossen wird und daß an diesem Tage sowohl der Direktor Dr. M. Gaster, als auch die anderen Lehrkräfte ihre Entlassung erhalten? Das Kuratorium ' hat sich nur schwer und nach langen Untersuchungen zu diesem traurigen Schritte entschlossen, dem folgende Ereignisse vorangegangen sind: Im November 1895 hatte Dr. M. Gaster den beiden Seminaristen Dr. Barnstein und Dr. Greenburg das Rabbinerdiplom verliehen. Rev. Schewzik, der auch Mitglied des Lehrkörpers, machte hierauf dem Kuratorium die : Anzeige, daß die genannten Seminaristen weder das nöthige Wissen, noch auch die moralische Eignung hätten,» um ein Rabbinerdiplom zu erhelltem Das Kuratorium aber erklärte sein unbedingtes Vertrauen zu Dr. Gaster und lehnte es ab, sich, mit den von Schewzik erhobenen " Anklagen zu befassen. Hierauf wurde Schewzik von Dr. Gaster seines^ Lehramtes entsetzt? Schewzik trat nun abermals an das Kuratoriums heran, erbrachte Beweise - für .seine Behauptungen, so daß eine strenges Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet wurde. Das Ergebniß dieser: - langwierigen Untersuchung ist nun — die' Schließung des Rabbiner-:: Seminars, die in London großes Aufsehen erregt hat. S. Bradford, 14. Mai. Im letzten Monate wurden zwei deutschen jüdischen Bürgern dieser Stadt Ehrungen zu Theil, die beide sich besonders ums Judenthum verdient gemacht haben. Dem Herrn Emil Bielefeld wurde bei Gelegenheit der Feier seiner silbernen Hochzeit eine prachtvoll ausgestattete. Adresse, sowie eine schöne, mit Inschrift versehene, silberne' Blumenschale überreicht. Die Adresse betonte die Verdienste, die sich der- Jubilar um die Gründung der jüdischen Gemeinde hier erworben. Herr Bielefeld war über zehn Jahre Vorsitzender des Vorstandes der hiesigen Gemeinde, und sowohl er als auch seine Frau haben zur Verschönerung des gesanglichen Theiles unserer Gottesdienste in hohem Maße beigetragen. Durch seine Leutseligkeit und Unparteilichkeit hat Herr Bielefeld sich ganz besonders die Liebe, und Achtung seiner Gemeindeglieder erworben, die seinen Wegzug nach London vor einigen Monaten alle bedauerten.—- Der andere Herr, dem Ehrung angethan wurdeist Herr Jakob Moser,- der jetzige Vorsitzende des jüdischen Vorstandes: Die Mitglieder des Schillervereins, der hier der Mittelpunkt deutschen Lebens und Strebens ist, überreichten kürzlich bei einem solennen.Festessen Herrn Moser ein Diplom als Ehrenmitglied des Vereins,' in dem dis großen Verdienste des Herrn Moser gepriesen wurdendie er sich ums/ Deutschthum, um wohlthätige Anstalten und — last but not least --: ums Judenthum errungen hat. — Auch wurde Herr Moser vor einiger- Zeit zu einem der Friedensrichter unserer Stadt ernannt, .-W ist dieH ein Ehrenamt, das verdienstvollen Bürgern des Landes von der jeweiliges Regierung verliehen.wird.. Das Amt steht Herrn Moser wohl-an, da eine seiner hervorragenden'Charaktereigenschaften Rechtlichkeit ist. Di^ wohlthätigen Anstalten dieser Stadt haben schon zu wiederholten Malers vom wohlthätigen Sinn / dieses Herrn Nutzen durch größere.Geschenkes - gehabt, und was er für Synagoge und Schule gethan, das ist ein^ gegraben im Gedächtnisse aller hiesigen israelitischen Einwohner, die ihm dafür Dank und hohe Achtung wissen. Es ist der Wunsch aller derer, die- Herrn Moser kennen, daß es ihm vergönnt sein möge, noch recht viele Jahrein. unserer Mitte zu weilen und -so .dem Deutschthum in England Achtung, dem Judenthum Ehre und Anhänglichkeit, in weiteren Kreisen zu.verschaffen. N»n Nah und Fern. . — Der Kaiser von Oesterreich hat dem königlichen Rath, emeritirten Militärarzt Dr.. Josef Horpath in Berlinden -eisernen Kronenorden dritter Klasse taxfrei verliehen. — Sein 25jähriges Jubiläum als Dozent der Universität Berlin feierte Dr. Adolf. Pinner, Professor der Chemie an der Universität Berlin. — Das Polizeiprasidiumhat die a n ti s e m i t i sch e n Vereine aufgefordert, eine neue, ganz genaue Mitgliederliste einzureichen. — Der antisemitische Kreishäuptling von Naugard, Stadverordneter Gäbler in Gollnow, ist wegen Unterschlagung der ihm von mehreren Vereinen anvertrauten Gelder verhaftet worden. Gäbler. hat das ihm hauptsächlich von kleinen Leuten seit den Tagen der Ahlwardt'schen Agitation entgegengebrachte Vertrauen zu. seinem.Vortheil ausgenutzt, sogar aus dem Ehrenamt als Stadtverordneter hat er pekuniäre Bor-, theile gezogen. — In Schwersenz feierten am 1. d. Kantor Gostynski und Frau die silberne Hochzeit. Der Gemeindevorstand überreichte ihm nach vom Kaufmann Scherek und Rentier Baruch gehaltenen Ansprachen ein paar prachtvolle silberne Leuchter. — In Großtabarz in Thüringen befindet sich ein Hotel, das „Schießhaus"'genannt, dessen Wirth im vorigen Sommer durch-, ein großes Plakat angezeigt hat, daß, er keine jüdischen Familien aufnimmt. — Am 16. d. M. feierte Professor Dr. Salomon Jadassohn das Jubiläum seiner 25jährigen Lehrthätigkeit am königlichen Konservatorium für Musik zu Leipzig. — Die Strafkammer des gemeinschaftlichen Landgerichts Gera hat den antisemitischen Verlagsbuchhändler Becker aus dem Vororte Umtermhaus und seinen Sohn stud. xbil. Becker, z. Z. in Tübingen, wegen Majestätsbeleidigung verurtheilt. In dervon der Staatsanwaltschaft beschlagnahmten Broschüre „Thing", ein Mahnwort an den deutschen Kaiser, von Kurt Reuß, sollte eine Kaiserbeleidigung enthalten sein. Die Staatsanwaltschaft hatte je zwei Monate Festung beantragt, die Strafkammer erkannte diesem- Anträge gemäß. — Zum Festmahl des Kaisers in Frankfurt a. M. aus Anlaß des 25. Jahrestages des Frankfurter Friedens wurde Herr Rabb. Dr. Plaut mit meiner Einladung beehrt.— Gelegentlich der Eröffnung der baierischen Landesausstellung in Nürnberg sind vom Prinzregenten zur Hoftafel geladen worden: Kaufmann Gallinger, Finanzrath .Gerngro.ß- Kommerzienrath Kohn, Kommerzienrath Berolzheimer, Rabbiner Dr. -Ziemlich Bei dem Besuche des Prinzregenten in der Synagoge sprach sich derselbe wiederholt außerordentlich anerkennend über die Leistungen des unter Leitung des Herrn Musikdirektors Ringler stehenden Synagogenchors aus. Es kam zum Vorträge: Psalm 24 von Lewandowski. — Der Redakteur der antisemitischen Zeitung „Das deutsche Blatt" in Hamburg, Golle, wurde wegen Beleidigung des Rechtsanwalts Goldfeld zu einem Monat Gefängniß verurtheilt. — Der ungarische Kultusminister Julius Wlassics hat an den Präsidenten-Stellvertreter der orthodoxen israelitischen Centralkanzlei Leopold Lipsicz folgendes Schreiben gerichtet: „Geehrter Herr Präsident! Aus Anlaß des'Ablebens des Präsidenten der ungarländischen autonomen orthodoxen israelitischen Konfession Ignaz Reich bitte ich Sie, vor der Kommission mein Beileid zu verdolmetschen." — Herr Dr. S. Funk, Zögling des Rabbiner-Seminars in Berlin, wurde zum Rabbiner in Sissek und S. Adler, früher Rabbiner in Kun-Felegyhaza, zum Oberrabbiner in .Altofen gewählt. — Mar ti n Furt h, Privatsekretär des Fürsten von Bulgarien, ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. — Julius Weil in Mafeking, ist die Ehre zu Theil worden, die Stadt Mafeking im Parlament der Kap - Kolonie (Gap Legislative Assembly) zu vertreten. Derselbe Herr Weil hat. vor einiger Zeit aus, Bulawayo alle diejenigen Frauen und Kinder-^Eche das belagerte Stadtgebiet verlassen.wollten, kostenfrei an einen sicheren Ort bringen lassen. - - Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. -? , Verantworllich für die Redaktion- Max Bauchwitz in Berlin.

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