Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1896)
- Date
- 1896-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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60. Jahrgang. Ar. 21 Äerlin. 22.Mai ,SS6. Weikage zur „Allgemeinen Heilung öes Zuöenthums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin^ 20. Mai. Zu den zahlreichen Vereinigungen, die in den Psingsttagen in Berlin ihre Versammlungen abhalten werden, gehört auch der neubegründete Provinzialverein jüdischer Lehrer in der Provinz Brandenburg, der Montag, den 25. d. Mts. Vormittags 11 Uhr in dem Saale des Hotels Münchener Hof, Spandauerstraße 11—13, sich endgiltig durch Wahl des Vorstands und Berathung seiner Satzungen konstituiren wird. Bei dem überaus regen Interesse, das sich für den Verein in den jüdischen Lehrerkreisen der Provinz kundgiebt (schon jetzt zählt der Verein ca. 50 Mitglieder), und bei der hohen Wichtigkeit des Zusammenschlusses aller jüdischen Lehrer angesichts der bedeutungsvollen Fragen, deren Behandlung in der nächsten Zeit den Lehrervereinen obliegt, werden sicherlich alle Lehrer, denen das eigene Wohl und die soziale und materielle Hebung des jüdischen Lehrerstandes am Herzen liegt, pünktlich zu der Versammlung erscheinen, und falls sie dem Verein noch nicht angehörcn, ihren Beitritt dem Vorsitzenden des provisorischen Komitee's, Herrn Rektor Dr. Adler in Berlin, Oranienburgerstraße 29, oder dessen Stellvertreter, Herrn Lehrer I. Cohn in Küstrin, anzeigen 22 Berlin, 15. Mai. Ohne Zweifel wird es für unsere Leser von Interesse sein, den Wortlaut der Adresse kennen zu lernen, welche der Vorstand der jüdischen Gemeinde Herrn Moritz Man heim er zum siebzigsten Geburtstage übersandt hat. Dieselbe lautet: „Hochgeehrter Herr! Zu dem festlichen Tage der Vollendung Ihres siebzigsten Lebensjahres sprechen wir Ihnen im Namen der hiesigen jüdischen Gemeinde herzliche Glückwünsche aus. Uns veranlaßt hierzu nicht allein das Gefühl aufrichtiger Dankbarkeit gegen den treuen Mitarbeiter, der seit Jahrzehnten mit unermüdlichem Eifer den Interessen unserer Gemeinde dient, es bewegt uns auch die Pflicht, ehrende Anerkennung dem Manne zn zollen, welcher durch hervorragende gemeinnützige Thaten ein glänzendes Beispiel edler Mildthätigkeit gegeben hat. Getreu dem Spruche unserer Weisen, daß Wohlthun das Höchste der Gebote sei, haben Sie, Hochverehrter Herr, die Pflege edler Humanität' zu Ihrer vornehmsten Pflicht erkoren. Es war Ihnen nicht genug, aus voller Hand reiche Gaben zu spenden — in liebevoller Hingebung haben Sie auch, unterstützt von Ihrer hochherzigen Gattin, jederzeit Ihre persönliche Thatkraft eingesetzt, um Ihre Bestrebungen für die Wohlfahrt der Glaubensbrüder zu verwirklichen. Darum wird Ihr Name mit Dank genannt. Das Obdach der Greise, das Heim der Gebrechlichen werden das Andenken an Ihre Wohlthaten späten Geschlechtern rühmend verkünden. Möge der Allgütige Ihnen Seinen Beistand schenken, daß Sie an der Seite Ihrer liebevollen Gattin noch lange Jahre hindurch die Früchte Ihres segensreichen^ Thuns schauen, daß Sie wie bisher wirken zum Segen und zum Stolze unserer Gemeinde! Berlin,zum1. Mai 1896. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde." A Berlin, 20. Mai. Am 20. Mai öffnet eine neue Abtheilung der Berliner Gewerbe-Ausstellung ihre Pforten. In der Spezial-Ausstellung Kairo, also in einer orientalischen Umgebung hat eine Ausstellung der jüdischen Kolonien in Palästina ihren Platz gefunden. In einer Weinstube kann man den Wein, den jüdische Bauern im heiligen "Lande gebaut und gekeltert haben, kosten und sich davon überzeugen, daß Rothwein wie Weißwein, süßer Wein und ganz besonders Cognac den entsprechenden Sorten am Rhein oder Bordeaux^Weinen rc. vollständig gleichwerthig sind', sie zum Theil an Güte, fast immer au Wohlfeilheit übertreffen. In einem Ausstellungsraum findet dann der. Besucher die anderen Produkte des heiligen Landes aufgestellt, Weizen, Gerste, Sesam und andere Getreidearten, Honig, Oel, Seide in Cocons und im Faden, allerlei wohlriechende Essenzen und Oele, sogar dort fabrizirtes Gau de Cologne. Außerdem sind die Erzeugnisse jüdischer Handwerker in Jerusalem, Schnitzereien in Olivenholz und S Leinarbeiten zum Verkaufe ausgestellt, und eine Menge Photographien aus dem heiligen Lande zeigen uns die denkwürdigen Stätten ruhmreicher Vergängenheit wie die Plätze, auf denen die heutigen Juden wieder den Boden ihrer Väter bebauen. Sicher ist diese Ausstellung für Jedermann, ganz besonders aber für jeden Juden hochinteressant, und wer zur Ausstellung nach Berlin kommt, wird nicht verfehlen, sie aufzusuchen. ex» Berlin, 15. Mai. Aus den Litteraturvereinen. Im hiesigen akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur sprach am 12. d. Mts Dr. Joachim über „Anklänge der zehn Gebote an die ägyptische Litteratur". — In Essen hielt am 30. v. Mts. Rechtsanwalt Wallach einen Vortrag über „Lessing in seiner Bedeutung für das Judenthum". — Am 12. April sprach in Osterode Herr Dr. Ritter-band über den ersten Kreuzig und sein Leiden für die Juden Deutschlands, zur Erinnerung an die 800 jährige Wiederkehr dieser Zeit: Mit diesem Abende wurde das Vereinsjahr geschlossen und der Vorsitzende, Herr Sturmann, gab die übliche Uebersicht über die Thätigkeit in der abgelaufenen Wintersaison. — In Königsberg sprach Rabb. Dr. Rülf aus Memel über den philosophischen Einheitsgedanken im Judenthum. — In Samter Hielt am 19. v. M. Dr. med. Peyser aus Schwersenz einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über „Die jüdischen Aerzte im Mittelalter"; am 3. d. M. Rabbiner Dr. M. Schlesinger aus Pinne öör einem sehr zahlreichen Publikum einen lebhaft interesstrenden Vorträg über: „Jomtob Lipmann Heller, sein Schaffen und Leben." In Friedeberg i. H. hat der Verein ebenfalls eine gedeihliche Wirksamkeit entfaltet. Zuletzt hielt der Gerichtsaccessist D. Stahl Men sehr interessanten und belehrenden Vortrag über die staatliche Organisation der Juden in Deutschland. Außerdem , sprachen Lehrer Ehrmann über das Schulwesen bei den Juden Friedbergs vom 16. Jahrhundert bis auf die Gegenwart, Rabbiner Dr. Hirschfeld aus Gießen über Humor in Bibel und Talmud, Rechtsanwalt Stahl überden Zionismus und Lehrer Kraemer überdie Frau in der. jüdischen Litteratur. - In Mülhausen i. E. unterrichten die Herren Rabbiner Schüler und Seminardirektor Dr. Wolf - Colmar wöchentlich zweimal in der Woche im Litteratur verein Hebräisch. Monatlich werden im Verein auch Vorträge für das größere Publikum abgehalten. Vergangenen Mittwoch hielt einen solchen Herr Kirchenrath Dr. Kroner- Stuttgart über die Erziehungsprinzipien des Talmuds. W. Berlin, 17. Mai. Vorgestern wurde der am 11. d. hier verstorbene Stadtrath a. D. und Stadtältester Dr. jur. Maximilian Samter unter großer Betheiligung auf dem Friedhofe in Weißensee beerdigt. Herr Rabbiner Dr. Maybaum hielt die Trauerrede, in welcher er in beredten Worten das Leben und die Verdienste des Heimgegangenen schilderte. 37 Jahre hat dieser im öffentlichen Leben gestanden und zwar 12 Jahre als besoldeter Stadtrath in Posen, in welcher Stellung er die Finanz- und Rechtsangelegenheiten der Stadt geleitet hat; vom Jahre 1871-1673 war derselbe juristisches Mitglied des Vorstandes der Ostdeutschen Bank in Posen. Zum besoldeten Stadtrath in Danzig wurde er im Jahre 1875 gewählt, und nach Ablauf der Wahlzeit erfolgte seine Wiederwahl im Jahre 1885 einstimmig/ Seit längerer Zeit leidend, hat er im vorigen Jahre seine Pensionirung nachgesucht, welche ihm von den städtischen Behörden, unter Anerkennung der der Stadt geleisteten ersprießlichen Dienste mit dem Höchstbetrage der gesetzlichen Pension und unter Verleihung des Titels'als Stadtältester gewährt wurde. Wie der Magistrat zu Danzig in seinem Jahresberichte pro 1896/96 hervorhebt, hat der Verstorbene während der 20 Jahre, in.denen er der Stadtverwaltung angehörte, die Rechtsangelegenheiten derselben und außerdem namentlich das Stistungswesen in verdienstvoller Weise bereitet. Alle die großen Unternehmungen dieser Epoche sind mit seinem rechtskundigen Beirath ins- Leben gerufen worden.- Das, was