Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-22 · Heft 21 (22.5.1896) · p. Seite 252

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228170--52827-3258471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»egeistert für die Wahrheit und das Recht Sind Eure Väter ihren Weg gewandelt. Doch Ihr, ein ehrvergessenes Geschlecht, Habt treulos an der Ahnen Stamm gehandelt. Der frommen Väter stolzes Heiligthum, Um das sie manch' Jahrhundert lang gestritten Und, unbesiegbar, das Martyrium Des Feuertods und Schmach und Hohn erlitten. Das sie Euch anvertraut als höchstes Gut, Habt Ihr, ein Volk gesinnungsloser Erben, Verrathen und verkauft mit kaltem Blut, Um eitel Rang und Titel zu erwerben. - - 252 - An die Abtrünnigen. - Von Adolf Frey Han. Just wie ein nichtig Ding, ein schlecht' Gewand Man von sich wirst, tp warst Ihr sonder Zagen Den Glauben weg, Jier uns mit Euch verband Und durch der Zeiten Stürme uns getragen. Euch lenkt die Scham um eig'nes Fleisch und Blut, Ihr aber nennt's das Machtgebot der Zeiten, Ihr rühmt Euch mik der Ueberzeugung Muth, Und seid zu feig', für Euer Volk zu streiten. Und seiv zu feig', mit Eurem Volk das Leid Gemeinschaftlich zu 'tragen und zu dulden. Das ihm der Bruderhaß und Wahn und Neid Von Alters her bereitet ohn' Verschulden. Und was gewännet Ihr? Der Gegner spricht Verächtlich von dem Spiel, das Ihr getrieben; - Er achtet Euch und Euer Opfer nicht. Was Ihr ihm wart, das seid Ihr ihm geblieben. - Auch seine Lehre beut der Pflichten Last, Und nun Ihr Eurem Glauben abgeschworen. So seid Ihr dort ein ungebet'ner Gast . Und Euer Glaubensheim habt Ihr verloren. Wo ist der Port, der Euer Schifflein schützt. Wenn es im Kampf mit Sturmesnoth und Wellen, Wo ist der Anker, der es hält und stützt. Droht es an felsiger Klippe zu zerschellen! Weh' über Euch, wenn mit gewalt'ger Macht > Und doch, und doch es reut Euch einst der Fehl; Des Schicksals Prüfung Euch entgegenschreitei,! Dann flüstert Eure Lippe im Vereine Und wenn des. bangen Zweifels düst're Nad^t j Mit Euren Brüdern: „Höre Israel, Die Schwingen über Eure Seele breitet. i Gott unser Herr ist einzig, ist der Eine!" Fitterarische Mittheilimgen. ' "== Urbild und Ebenbild. Lehrbuch für den Unterricht in der israelitischen Religion. Von Dr. I Goldschmidt, Großherzoglichex Rabbiner in Offenbach a. M. 1896. Selbstverlag des Verfassers. r Wenn uns der geistreiche Verfasser mit dem angezeigten Religionsbuch eine neue litterarische Produktion darbietet, so kann man sicher sein> daß sie sich nicht in ausgetretenen Bahnen bewegt. In der That, das Buch verdient als eine werthvolle Bereicherung unserer jüdischen Schulbuchlitteratur bezeichnet zu werden. Was nach meiner Ueberzeugung demsellM vor allem und vor anderen einen besonderen Reiz und Vorrang verleiht, besteht darin, daß der gelehrte Verfasser es trefflich verstanden hat, dje religiösen Ideen lediglich und immer nur im Hinblick auf das alleinige Hochziel aller sittlich-religiösen Erziehung: Vorwärtsstreben nach den höchsten Idealen der Menschheit, unaufhörliche Selbftveredlung, oder wie Herbart sich ausdrückt: Charakterstärke der Sittlichkeit, folgerichtig zu entwickeln. Dem Religionsunterricht, wie ihn sich Dr. Goldschmidt denkt, muß beständig das „die cur hie“ an der Stirn geschrieben sein.- Bei der Behandlung des Stoffes ist die Frageform gewählt, vermittelst welcher die Begriffe — und viele subtiler Art — katechetisch entwickelt werden. Natürlich soll der Stoff nicht mechanisch eingepaukt werden, sondern durch ein „Jnwendigmemoriren" auf das ganze sittliche und religiöse Leben des Kindes befruchtend wirken. Der Verfasser will gerade das freie geistige Denken fördern und nicht etwa dem Verbalrealismus Vorschub leisten. - Das Buch gliedert sich folgendermaßen: Einleitung: Die Religion und ihre Quellen. 1. Theil Der Mensch, 2. Theil Gott, 3. Theil Der Bund zwischen Gott und dem Menschen in der Geschichte, 4. Theil Pflichteplehre. Als Anfang: Gebete. Ich verweise noch ganz besonders auf das instruktive Vorwort und den darin entwickelten Lehrplan. Da das Religionsbuch sich bereits in Hessen an Gymnasien, Realschulen, Töchterschulen, Elementarschulen und Handelsschulen Äüerkennung und Eingang .verschafft hat, so bedarf es keiner weiteren Empfehlung: es empfiehlt sich selbst. Dr. M. Spanier. Sprerhsaai. Geehrter Herr Redakteur! J tährend ich früher zu den städtischen Abgaben mit meiner Diey^teinnahme als Religionslehrer nicht herangezogen worden, 'rst dies in diesem Jahre zum vollen Betrage geschehen. Auf erhobene Reklamation bekam ich folgenden Entscheid, den ich des allgemeinen Interesses wegen hiermit veröffentliche, um Kollegen, die in ähnlicher Lage mit Erfolg dagegen ausgetreten, Gelegenheit zu geben, sich hierüber zu äußern: „Lüneburg, 27. April 1896. Der gegen Ihre Veranlagung zur Gemeinde - Einkommensteuer pro 1696/97 eingelegte Einspruch wird zurückgewiesen. Nach Paragraph 1 der Königlichen Verordnung vom 23. September. 1867, betreffend die Heranziehung der Staatsdiener zu den Kommunal-, auflagen in den neuerworbenen Landestheilen, sind von allen direkten Kommunalauflagen befreit die Elementarlehrer. Für die Eigenschaft als Elementarlehrer im Sinne dieser Verordnung ist aber nach dem Erkenntnisse des Oberverwaltungsgerichts vom 10. Januar 1891 der Charakter der Schule maßgebend. Elementarschulen in jenem Sinne sind nur „die der allgemeinen Schulpflicht dienenden, gegenüber den öffentlichen Trägern der Schullast im Aufsichtswege... erzwingbaren Schulen, deren Besuch obligatorisch ist und die keinem im Schulbezirke regelmäßig sich aufhaltenden schulpflichtigen Kinde verschlossen bleiben dürfen." Als eine solche Schule kann die Ihrer Leitung unterstellte jüdische Religionsschule schon um deswillen nicht angesehen werden, weil der in derselben ertheilte Unterricht die Elementarkenntnisse nicht mitumfaßt (zu vergleichen sind die Paxggraphen 1- 4 der Schulordnung für die jüdischen Schulen vom 5. 2. 54 — hannov. Ges. S. I, 49). Der Magistrat der Stadt Lüneburg." Wie ich mündlich vernommen, hat man mich, auch nicht als Kirchendiener gelten lassen wollen, da die Synagoge sich nicht mit dem Begriffe „Kirche" decke. Lüneburg, im Mai. Theodor Philipp, Religionslehrer der Synagogen - Gemeinde. * Sehr geehrte Redaktion! K^u den Theilnehmern an der außerordentlichen Generalversammlung des Rheinischen Rabbiner - Verbands vom 19. April gehörte auch Herr Rabbiner Dr. Cohn-Bonn, dessen Name in dem vorwöchentlichen . Referat nur versehentlich übergangen ist. Mit der Bitte, hiervon freundlichst Notiz zu nehmen, ..Hochachtungsvoll Essen, 11. Mai. Dr. Samuel. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Baurbwitr in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.