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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-08 · Heft 19 (8.5.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 13. Alle Beschlüsse erfolgen nach absoluter Stimmenmehrheit, doch giebt die Stimme des Vorsitzenden jbei Stimmengleichheit den Ausschlag. D. Allenstein, 1.Mai. ^Am26.v.M feierte die hiesige Chewrah Kadischa ihr 25jähriges Bestehen. Aus kleinen Anfängen hervorgegaygen, vergrößerte sich der Verein Mit dem Zuwachs der Gemeinde, erhöhte und vermehrte seine Aufgaben, Venen er zu jeder Zeit und in jeder Beziehung in selbstloser Weise gerecht > wurde. Die religiöse Weihe erhielt das Stiftungsfest durch einen besonderen Festakt in der Synagoge, wobei Herr Kantor Karo den gesanglichen Theil leitete und der Rabbiner Herr Dr. Olitzki in einer innigen und tief zu Herzen gehenden Predigt den humanen und heiligen Zweck des Vereins erläuterte. Abends vereinigten sich die Mitglieder Mit ihren Damen in-sehr großer Anzahl im „Deutschen Hause" zu einem Festessen. In der Begrüßungsrede gab der langjährige erste Vorsitzende, Herr Rudolf Raphaelsohn, einen kurzen Rückblick über die Vereinsthcitigkeit in den verflossenen 25 Jahren und gedachte ganz besonders der Verdienste der früheren Vorstandsmitglieder, des Herrn I. Baruch, jetz^ in Berlin wohnh fft, als des Gründers des Vereins, und des Stadtältesten Herrn M. G. Simon. Den Kaisertoast brachte der zweite Vereinsvbrsteher Herr Max Barczinski aus. Herr Dr. Olitzki hielt die eigentliche Tischfestrede, in der er die Gründung der Chewrahs historisch entwickelte; er toastete auf ein weiteres Blühen und Gedeihen des Vereins. Bün den anderen Toasten sei noch der des Herrn Kantors Karo aus ,W Vorstand des Vereins hervorgehoben. Kurz vor 12 Uhr Nachts wurde von allen Anwesenden zur Erinnerung an den für den Verein denkwürdigen Tag ein alle Einzelheiten der Feier schilderndes Festprotokoll, unterschrieben. In gemüthlicher Stimmung blieben die Festtheilnehnf-er noch längere Zeit beisammen. Möge der Verein weiter blühen, wachsen und gedeihen! Posen, 2 Mai. Der Jahres-Bericht des Vereins zur Förderung des Hand w e^ks unter den Juden und Israelitischen Vorschuß- Vereins pro 1895 enthält folgende Mittheilungen. Der Verein hat im Jahre 1895 insgesammt 10 790 l Mark gegen 9 430 Mark im Jahre 1894 verliehen. Für seine Lehrlinge verausgabte derselbe an Unterstützung in Baar, Bekleidung und Werkzeug an 13 Lehrlinge 1094,10 Mark gegen 1002,50 inr Jahre 1894. Die Zahl der Mitglieder betrug im Jahre 1894 478, stieg im Läuse des Jahres auf 518, während der Verein am Ende des Jahres nur 441 Mitglieder zählte. Die Einnahmen an Beiträgen betrugen im Jahre 1894 1990,10 Mark, im Jahre 1895 1 986,10 M<Mk. Bei Berathung des neuen in Kraft getretenen Statuts entstanden Meinungsverschiedenheiten, die sich auf die Förderung des Handwerks bezogen und. den Austritt von etwa 70 Mitgliedern verursachten. i Es ist dies um so schmerzlicher, als für 13 Lehrlinge insgesammt uur M. 1100 Mark verausgabt, während Darlehen in Höhe von ca. 11000 Mark gewährt wurden. Der Jahresrechnung folgt eine interessante Statistik über die Arbeiten des Vereins seit dem Jahre 1688. Das Vermögen des Vereins beträgt: 10 083,54 Mark. T—z. Jnowrazlaw, 1. (Mai. Einen tiefschmerzlichen Verlust hat unsere Stadt und Gemeinde zu beklagen. Einer ihrer besten und kenntnißreichsten Männer, Herr Hauslehrer Masur, ist nicht mehr unter den Lebenden. Er ist heute Morgen 5l/2 Uhr nach längerem schweren Leiden im 67. Lebensjahre verschieden. Unter dem Eindrücke des tiefen Schmerzes, von dem wir wegen'dieses erschütternden Ereignisses ergriffen sind, sind wir heute noch außer Stande, dem edlen Todten den wohlverdienten ausführlicheren Naurus zu widmen. Wir behalten uns indessen denselben für die nächste, Zeit vor. L Königsdorff-Jastrzettrb, 3. Mai. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb^ im Jahre 1890 gegründete israelitische Kinderheilstätte soll nunmehr zum siebenten Male am 20. Maid. I. eröffnet werden. Diese Anstalt, die bereits für viele kranke Kinder eine Quelle des Segens geworden, zeichnet sich besonders durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit jaus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt. Ihre/ Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kindes, die gegen einen, je nach den Verhältnissen bemessenen Satz Aufnahme finden. — Das humane Werk wird durch milde Beiträge erhalten und Aft der Unterstützung edler Menschenfreunde würdig. — Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt Herr Rabbiner Dr. WilhelmMHünz in Gleiwitz zu ertheilen gern bereit. F Dresden, 1. Mai. Ter Verwaltungs-Bericht und die Jahresrechnung unserer Israelitischen Religionsgemeinde auf das Jahr 1895 bietet im Ganzen ein recht erfreuliches Bild. Die Israelitische Religionsgemeinde hatte Ende 1895: 600 stimmberechtigte Mitglieder gegen 495 im Vorjahr. Ausgeschieden sind 1895: 27 (26), davon 7 (6) infolge Ablebens, 17 (20) infolge Wegzugs, 2 (0) wegen Uebertritts zur christlichen Religion, 1 (0) wegen Steuerrückstandes. Die Religionsschule (Johannesstraße 18) besuchten 1895: 259 (256) Schüler: 137 (137) Knaben und 122 (119) Mädchen. Die eingeklammerten Zahlen sind die von 1894. An dem Religions-Fortbildungsunterricht des Herrn Rabbiner Dr Winter nahmen 1895 7 (7) Schüler der oberen Klassen des Gymnasiums und der Handelsschule Theil. Konfirmirt wurden 1895: 7 (0) Mädchen. Kindergottesdienste wurden an Sonnabend-Nachmittagen 6 (4) abgehalten. Die Religionsschule hat 6 Knaben- und 6 Mädchenklassen, mit je zweijährigem Kurs für die unterste und die oberste Klasse. An ihr unterrichten Herr Rabbiner Dr. Winter als Direktor, die Herren Auerbach, Wolfsohn, Golde und Frau Wolssohn. Die Unterrichtszeit ist Sonntags 8 bis 12, Mittwoch und Sonnabend 2 bis 7. Das Schulgeld beträgt 2 Mark monatlich, bei gleichzeitigem Schulbesuch von Geschwistern für das zweite Kind 1 Mark. Für die unterste Klasse'ist kein Schulgeld zu entrichten. Freiunterricht genossen 80 i87) Kinder. Den Gemeinderath bildeten 4895 die Herren: Vorsteher: 1. Emil Lehmann, 2. Adolph Salzburg, 3. Gustav Meyer. Deputirten: 4. Max Arnhold, 5. Max Elb, 6 Oscar Lesser, 7. Georg Salamonski, 8. Eduard Salomon. 9. Adolph Schleich, 10. Adolph Swarzenski, 11. Albert Wolf, 12 Moritz Zobel. Wiederholt beschäftigte den Gemeinderath die Frage, wie es möglich sei, eine größere Theilnahme an dem Gottesdienste zu erzielen und dem gewiß in weiteren Kreisen, als in denen der verhältnißmäßig geringen Zahl regelmäßiger Synagogenbesucher vorhandenen Bedürfniß nach Befriedigung und Stärkung des religiösen Empfindens entgegenkommend bez. dasselbe zu wecken und rege zu erhallen. Ein Antrag auf versuchsweise Einführung deutschsprachlicher Sonntag- Bormittags-Andachten wurde mit 7 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, versuchsweise den Freitag-Abendgottesdienst in der Zeit vom Mai bis zum August um Uhr zu beginnen und durch deutsches Lied und Ansprache des Herrn Rabbiners feierlicher zu gestalten. Der hierbei beabsichtigte Erfolg einer größeren Heranziehung von Theilnehmern ist aber nicht in dem erwarteten Umfange erreicht worden Ein später gestellter Antrag, den Freitag-Abendgottesdienst auch im Winter in später Abendstunde abzuhalten, fand Ablehnung, weil nach rabbinischem Gutachten der Sabbathgottesdienst spätestens mit Untergang der Sonne beginnen müsse bez. auf Grund der iu den Sommermonaten gemachten Erfahrungen!! Die Anträge auf Nutzbarmachung der klassischen Kompositionen biblischer Texte von Bach, Händel, Mendelssohn n. s. w. beim Gottesdienste, sowie aus Abhaltung eines Familienabends für Angehörige der hiesigen Religionsgemeinde fanden Ablehnung. — Der Vorstand hat in diesem Jahre gegen einen hetzerischen Artikel des offiziellen „Dresdener Journal" Einspruch erhoben. Infolge dieser Vorstellung wurde dem ältesten Vorsteher vom Herrn Geheimrath von Bosse am 8. Februar amtlich eröffnet: der betreffende Artikel sei nicht amtlich geschrieben, sondern in der That Privatarbeit eines hiesigen Kreisen nicht Angehörigen, auch die Regierung finde die betreffende Stelle ungehörig, sie werde dem Redakteur ihr Bedauern über deren Ausnahme kundgeben und ihn anweisen, einen weitern in Aussicht gestellten Artikel über die Juden nicht aufzunehmen. Den neuen Oberbürgermeister Geh. Finanzrath Beutler begrüßten Rabbiner und Vorstand in Vertretung der Religionsgemeinde beglückwünschend am 1. April v. I. mit dem Ausdruck der Freude darüber, daß unsere geliebte Vaterstadt, nach dem schweren Verluste, den sie in dem Heimgange seines unvergessenen Vorgängers erlitten, in ihm ihren Leiter gefunden, von dem gleich wohlwollendes Entgegenkommen zu erhoffen sei. Herr Oberbürgermeister Beutler erwiederte darauf dankend mit der Erklärung, „er werde auch unserer Religionsgemeinschaft gegenüber für Aufrechterhaltung der guten Beziehungen eintreten, welche bisher zwischen dieser und dem Rath bestanden haben." — Der Haushaltplan für 1896 ergiebt 46 030 Mark Ausgaben (1895: Mark 44 934,30) 19 250 Mark Einnahmen (1895: Mark 50 086,85). Durch Steuern sind 29 000 Mark (im Vorjahr 25 900 Mark) aufzubringen. Im Jahre 1895 sind an Spenden gewährt worden in Summa Mark 2 793. Ans den vom Vorstand verwalteten Stiftungen wurden 1895 Mark 4 899 gewährt-

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