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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-08 · Heft 19 (8.5.1896) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 19 (8.5.1896)
Date
1896-05-08
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
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Literarische Mittheilungen. --- Die Festschrift zum 80. Geburtstage Moritz Steinschneiders liegt uns in einem stattlichen Bande vor, der bei O^to Harrassowitz in Leipzig erschienen ist. Derselbe enthält zunächst eine vollständige Bibliographie aller Schriften Steinschneiders von George A. Kohut in New-Pork, 39 Seiten umfassend, sodann aber eine Reihe von 30 Arbeiten in deutscher, englischer, französischer, italienischer und hebräischer Sprache, zum Theil von großem wissenschaftlichen Werth. In dieser Beziehung sind zu nennen: Eine eingehend wissenschaftliche Untersuchung von Oberrabbiner Dr. Güdemannin Wien über die superstitiöse Bedeutung des Eigennamens im vormosaischen Israel, die Beiträge zur Erklärung der Mechilta und des Siffre von Professor Dr. Blau, eine interessante Studie über Amos nach der Strophentheorie und Chorhypothese seines großen Aufsehen erregenden Werkes von Professor Dr. Müller, eine gründliche, zu wichtigen Resultaten gelangende Untersuchung über die priesterlichen Zehnten und die römischen Steuern in den Erlässen Cäsars von Professor Büchler, ein größerer Aufsatz über den sogenannten Talmudkommentar des R. Gerschom von A. Epstein, — scharfsinnig und geistreich wie immer — in dem mit unwiderleglichen Argumenten nachgewiesen wird, daß jener Kommentar unmöglich von Gerschom herrühren könne. Ferner eine Studie über den Proselyten Akylas von Professor Kraus, eine geometrische Studie von Gustavo Sacerdote, eine werthvolle bibliographische Untersuchung über die Qirqisani-Handschristen im British Museum von S. Posnanski, einen dankenswerten Beitrag von Professor Bacher in Budapest zu dem religions-philosophischen Werke von Saadja und endlich — last not least — eine sehr wichtige historische Ausgrabung von Professor Kaufmann, interessant und lichtvoll, wie Alles aus der Feder dieses Autors. Daneben noch kleinere wissenschaftliche Arbeiten, Exzerpte, Veröffentlichungen alter Drucke. In dieser Beziehung ist besonders der hebräische Theil des Buches von bleibendem Werthe. Er enthält Beiträge von Halberstam, Harkavy, Buber, Brody, M. Friedländer, M. Friedmann, David v. Günzburg, Hartwig Hirschseld, Israel Levi, H. I. Mathews, Hermann Adler und Adolf Neubauer. Man sieht schon aus dieser Nomenklatur, daß in diesem Werke zu Ehren des großen Bibliographen sich die geistige Elite unserer Wissenschaft zusammengefunden hat. Trotzdem haben wir, wie jener alte Lehrer, Biele gesehen, die nicht da sind. In jedem Falle ist diese Publikation der Ausdruck gerechter Anerkennung und herzlicher Dankbarkeit für die Leistungen des Mannes, dem zu Ehren sie unternommen wurde. Darüber hinaus aber enthält sie eine große Reihe wichtiger und werthvoller Untersuchungen zur Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Sprertzsaclt. ^/^Vbwohl schon seit fünf Jahrzehnten mit allem Nachdruck gegen die gewerbsmäßige Bettelei von Jerusalem energisch Front gemacht worden ist, kann man nicht nur bisher keinerlei Abnahme bemerken, vielmehr ist sie noch immer in dauernder und ständiger Zunahme begriffenso daß man jetzt geradezu schon mit einer Zunft gewerbsmäßiger Schnorrer zu thun hat. Während größerer Reisen, die ich soeben im größeren Theile des nördlichen und östlichen Deutschlands gemacht habe, mußte ich nun leider die Bemerkung machen, daß noch immer Tausende unserer Brüder diesen Erzbettlern, die alles andere, nur nicht bedürftig sind, auf den Leim gehen. Bon den ständigen Bettlern will ich für heute nur den einen hervorheben, der mit seiner Bettelkorrespondenz derartig die österreichische Levantepost bereichert, daß von dem Porto, das seine Bettelei im Laufe eines Vierteljahres kostet, eine Familie mindestens ein Jahr lang in Berlin ein anständiges Auskommen hätte. Dieser edle Herr, der sich Joseph Rabinowitz, Drechsler nennt, überschwemmt Alles mit seinen unverschämten Bettelbriefen, indem er zugleich mit einem frommen Briefchen eine Olivenholzschnitzerei oder dergleichen einsendet. So habe ich zum Beispiel von diesem Rabinowitz nicht weniger als sieben Betteleien im Original vor miv liegen, die er an einige Herren im Laufe von zwei Monaten gerichtet hat, bei denen das Briefporto allein 1 Mark beträgt. Ebenso werden Tausende anderer von ihm in gleicher Weise mit diesen Bettelsendungen überschüttet. Der Biedermann hat gedruckte Formulare der verschiedensten Art, - zum Theil mit geschnittenen Vignetten, sowie farbig und goldgedruckte Neujahrsgratulationen, deren Herstellung, nur in europäischen Druckereien und auch dort nur zu guten Preisen möglich ist. Außerdem schreibt ihm ein Sekretär Briefe, die stets etwa mit folgendem. Wortlaut beginnen: „Bevor mein schreiben bitte ich um Verzeihung das ich Ihnen belästige, vor das mir Ihr geehrter Namen und Ihr edles Gewissen bekannt ist, das Sie für das heilige Land Gnade erweisen und meine drängende Lage brachte mich dazu, das ich..." Von derselben Handschrift und in derselben Sprache, sowie im gleichen Stile liegen freilich zu gleicher Zeit außer von. Rabinowitz noch Bettelbriefe folgender Personen vor mir : Joseph Leiser Rokeach, Samuel Kirschenbaum und Frau Ester Löbl, so daß wir es hier also mit einem recht flotten Kompagniegeschäft zu thun zu haben scheinen, das sich ein eigenes Sekretariat hält. Herr Rokeach schützt Thorastudium vor, Frau Ester schwärmt von den Verdiensten ihres seligen Mannes, Kirschenbaum ist ein Enkel vom seligen Rabbiner Asulai, und der Bettler von Profession endlich bittet um Unterstützung seiner Profession... als Drechsler. Es ist aber eine Schmach und eine Schande, wie diese Gesellschaft dabei jene Worte anführt, die der am traditionellen Judenthume noch festhaltende Stammesgenosse zu seinen heiligsten Erinnerungen. zählt. Ein Geschäft, das nun mit so großem Kapital und so großen Spesen betrieben wird, muß doch ' wahrlich noch seinen Mann mähren. Auf diese Weise werden nun viele Tausende von Thalern alljährlich an ganz unwürdige Bettler verschenkt, während es der arbeitsamen und fleißigen jüdischen Bevölkerung der Heiligen Stadt am Allernothwendigsten fehlt. Wer daher wirklich noch Interesse und aufrichtige Liebe für das Land unserer Väter und unserer großen historischen Vergangenheit hat, der kann diesem seinem Ideale keinen besseren Dienst erweisen, als daß er ohne jedes Mitleid, denn ein solches wäre durchaus hier am falschen Orte, alle Sendungen jeder Art von gewerbsmäßigem Bettlergesindel unberücksichtigt läßt und sich auch wohl hütet, die nicht verlangten Sachen zurückzuschicken, sondern sie einfach fortwirft. Ich habe in meinen Händen ein geradezu unerschöpfliches Material, und werde demgemäß auch über einige andere Firmen dieses edlen Geschäftszweiges dem interesstrten Publikum (es zählt in Deutschland allein noch Zehntausenden) die Augen öffnen, wie ich es heute über Josef Rabinowitz und seine nächsten Geschäftsfreunde that. Ich hoffe dabei auf die tatkräftigste Unterstützung aller ehrlichen Elemente ohne Rücksicht der Anschauung, und weiß, daß ich mit diesem Vorgehen dem mir theuren heiligen Lande und der heiligen Stadt einen wirklichen Dienst erweise. Dr. Heinrich Loewe, Redakteur des „Zion", Berlin 6. 22. * Geehrter Herr Redakteur! Mch lege Ihnen das umstehende Schreiben mit dem Bemerken vor, <3) daß ihm ein mit der gedruckten Adresse: Monsieur A. Huisman, Dentiste Rue Chisaere 1, Mons. versehenes Kuvert beigegeben war. Vielleicht sind Sie mit mir der Meinung, daß die Frechheit, die deutschen Rabbiner (der Mann schreibt an die Rabbinate „Mr. le Rabin du culte juive“) als berufsmäßige Heiratsvermittler anzuschreiben, es verdient, öffentlich bekannt gemacht zu werden. Hochachtungsvoll Freiburg i. B. Rabbiner Dr. Lewin. Mons, le 29. Avril 1896. Monsieur le Rabin! Je vous prie de m’excuser si la presonte ne porte pas votre nom. Yoici le but de ma lettre je suis dentiste veuf 86 ans, j’ai une fille de 13 ans qui est en pension; je suis bien installe dans une ville pres de Bruxelles. Le chiffre de mes affaires, je monte de 9 a 10 mille marks pour an. Je voudrai me remarcer avec une demoiselle ou jeune veuve sans enfants de 26 a 80 ans et ayont de 20 a 30 mille marks. Esperont un mot de reponse je vous prie d’agree Monsieur mes salutations distinguers. A. Huisman, Dentiste. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin.

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