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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-01 · Heft 18 (1.5.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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r. ijjf, V VW^^^WMWWWWWWWVWW welches zu diesem Akte von dem Rabbiner Herrn Dr. Blumenthal verfaßt war, feierte eine Dame den Jubilar. Alsdann hielt der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Adolf Levin, die Festrede, in welcher er die Verdienste des Jubilars um Synagoge und Schule besonders hervor hob und die Ehrengabe der Gemeinde überreichte. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal sprach im Namen der Beamten der Synagogengemeinde, j die ebenfalls ein angemessenes Geschenk dem Jubilar gestiftet hatten. Für die gegenwärtigen Schüler des Gefeierten brachte ein etwa lOjähriges Mädchen in einem Gedichte die Glückwünsche dar. Nachdem noch Herr Max Alexander das Geschenk der früheren Schüler und Schülerinnen und Freunde des Herrn A, begleitet mit innigen Worten, überreicht hatte, dankte der letztere mit tiefbewegter Stimme all Denen, die zu seiner Ehrung beigetragen. Mit Chorgesang wurde die Feier geschloffen. - --- Braunschweig, 24. April. Am 14. Februar d. I. ist in Athen der in griechischen Militärdiensten befindlich gewesene Generalarzt Dr. Bernhard Qrnstein, nachdem er noch wenige Monate vorher an den Jubiläumsfeierlichkeiten der herzoglichen Technischen Hochschule Hierselbst Theil genommen hatte, im Alter von fast 87 Jahren, gestorben. Qrnstein ist, wie aus dem „Register der Mairie zu Schöningen Distrikts Helmstedt im Qker-Dcpartement von den Aufgebots-, Heiraths- Geburts- und Sterbeakten der jüdischen Familien daselbst vom Jahre 1809" ersichtlich ist, am 2. Mai 1809 in Schöningen (in dem jetzt vom Kaufmann Eugen Schönbrunn dort am Marktplatze bewohnten Hause) geboren. Was den Lebenslauf dieses bedeutenden Mediziners betrifft, so möge hier darüber das Folgende mitgetheilt sein: Qrnstein besuchte das Gymnasium in Helmstedt, dann das Kollegium Carolinum in Braunschweig und studirte in Berlin, Erlangen und Gießen Medizin. Hier promovirte er im Jahre 1833 und ging bald darauf nach Griechenland, wo er in dem neugebildeten Heere als Militärarzt Anstellung fand. Behufs Qrganisirung des Sanitätswesens bezog er verschiedene Garnisonen. In Nauplia überraschte ihn im Jahre 1862 die Empörung gegen den damaligen König Otto. Er schloß sich derselben nicht am sondern stellte sich vielmehr, seinem Könige treu, diesem in Athen zur Verfügung. Dafür wurde er, als der König dem Lande den Rücken kehrte, seines Amtes entsetzt und nach dem kleinen Flecken Leonidi im Peloponnes verbannt. Dort mußte er, begleitet nur von seinem jetzt in Gardelegen lebenden Sohne, fast ein Jahr zubringen. Als der jetzige König Georg den Thron bestieg, wurde Qrnstein unter Verleihung eines hohen Ordens und Erweisung anderer Ehrenbezeugungen wieder in seine Aemter eingesetzt. Bald darauf wurde er zum Chef des Sanitätswesens ernannt. 1866 gelang es ihm, die den ganzen Orient verheerende Cholera von Griechenland fern zu halten, wofür er wiederum dekorirt und zum Generalarzt ernannt wurde. Im Jahre 1867 organisirte er persönlich und aus eigenem Antriebe das Sanitätswesen der gegen das türkische Joch kämpfenden Kretenser. Nach seiner glücklichen Rückkehr nach Griechenland führte er seine Aemter noch 15 Jahre und nahm dann seinen Abschied, uni ganz seinen Studien zu leben. Er war schriftstellerisch sehr thätig und schrieb in deutscher, französischer und griechischer Sprache sehr gewandt. Das „Ausland" hat verschiedene Schriften von ihm, namentlich über die Erdbeben Griechenlands. Seine Verbindung mit Virchow veranlaßte ihn zu verschiedenen Arbeiten über Anthropologie, welche im Archiv für Anthropologie veröffentlicht wurden. Auch in der Zeitschrift für Ethnographie finden sich Aufsätze von ihm, so z. B. „Ueber die physischen Verhältnisse Griechenlands und seiner Bewohner". In den „Verhandlungen der Berliner anthropologischen Gesellschaft" schrieb er 1877 Statistisch-anthropologische Untersuchungen in Griechenland; 1875: Ueber ungewöhnliche Haarbildung; 1891: Ueber silberfarbiges Haar und über „Wilde Menschen in Trikalla" u. s. w. Daß seine wissenschaftlichen Arbeiten Anerkennung fanden, geht daraus hervor, daß er im Laufe der Jahre von nicht weniger als zehn wissenschaftlichen europäischen Körperschaften zum Ehrenmitgliede ernannt worden ist. Die in einem unterm 1. Oktober v. I. an den Bürgermeister Pappöe in Schöningen gerichteten Schreiben ausgesprochene Hoffnung, „die Scholle noch einmal zu sehen", auf der er, der „alte unverbesserliche Idealist das Licht der Welt erblickte", sollte nicht in Erfüllung gehen. Seinen Tod betrauern die Gattin, drei Söhne, zwei Töchter und fünf Enkelkinder. Von den Söhnen lebt der eine als Arzt in Chios, der andere als Arzt in Mersine, der dritte als Kaufmann in Gardelegen, und von den Töchtern lebt die eine in Bukarest, die andere WM in London. Der in Holzminden lebende Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Salomon ist ein Halbbruder des Verstorbenen. Bad Nauheim, 27. April. Die israelitische Kinderheilstätte dahier veröffentlicht soeben ihren Jahresbericht von 1895. Wir entnehmen daraus, daß die Anstalt in der Zeit vom 5. Mai bis 18. September 52 Kinder, wovon 27 Knaben und 25 Mädchen, verpstegte. Der Heimath nach waren 28 aus Frankfurt a. M, 9 aus Köln, 8 aus Straßburg, 2 aus Rotenburg an der Fulda, 2 aus Kassel, 1 aus Kastel, 1 aus Nordenstadt bei Wiesbaden. Die Kinder, von denen 21 an Skrophulose, 16 an Blutarmuth, 4 an Rachitis, 3 an Caries der Knochen, 3 an Herzkrankheiten. 1 an Rheumatismus litten und 5 Rekonvaleszenten waren, erhielten zusammen in 1294 Verpflegungstagen 983 Bäder. Die Heilerfolge waren fast ausnahmslos günstig. Aussehen und Appetit der Kinder besserten sich sichtlich während der Kur, die Gewichtszunahme betrug im Durchschnitt 3 Pfund. Der sehnliche Wunsch, ein eigenes Heim zu besitzen, wird in diesem Jahre in Erfüllung gebracht, da der Plan zu dem neuen großen Hospital entworfen und alles vorbereitet ist, so daß der Bau im Sommer beginnen kann. Das Haus ist mit 56 Betten vorgesehen und mit allem hygienischen Komfort eingerichtet. Die dadurch gesteigerten Bedürfnisse erfordern natürlich auch größere und reichlichere Mittel, und es ist zu hoffen, daß die seitherigen Freunde und Gönner der Anstalt, sowie auch alle edlen Menschenfreunde zu dem humanen Werk beisteuern Das Bewußtsein, den armen Kindern, die die Armuth schwer fühlen, weil sie krank sind, und die an der Krankheit schwerer tragen, weil sie arm sind, eine Wohlthat erwiesen zu haben, ihnen die Schwere des Schicksals erleichtert zu haben, ist eine frohe Genugthuung für jedes Opfer. Die Verwaltung der unter der ärztlichen Leitung des Dr. Hirsch in Bad Nauheim stehenden Anstalt befindet sich in Frankfurt a. M. Adresse: M. M. Mainz. Börnestraße 52, I. Oesterreich-Ungarn. LH Wien, 27. April. In unserer Bürgermeisterfrage ist eine überraschende Wendung eingetreten. Dr. Lueger wurde heute vom Kaiser in einer Audienz von vier Minuten empfangen. Der Kaiser erklärte, er könne dermalen Lueger nicht bestätigen und appellirte an dessen Patriotismus, er möge der geordneten autonomen Verwaltung Wiens durch seine Person kein Hinderniß bereiten. Dr. Lueger wiederte, der Wunsch des Kaisers sei ihm Befehl. Er begab sich nach der Audienz sofort in das Rathhaus und überreichte dem Bezirks hauptmann v. Friebeis die Verzichtleistung auf das ihm durch die Wahl übertragene Bürgermeister-Amt. Da vorher Abmachungen zwischen Lueger und dem Grafen Badeni stattgesuuden haben, so bedeutet dieser ganze Vorgang nichts als einen traurigen Rückzug der Regierung. Lueger wird jetzt einstimmig zum Vizebürgermeister und nach einem halben Jahre „Wohlverhaltens" zum ersten Bürgermeister gewählt werden. Die Entrüstung ist in liberalen Kreisen eine allgemeine. — Trotz der ungewöhnlich leidenschaftlichen Agitation der Antisemiten hat der Gemeinderath von Stanislau den bisherigen Vize-Bürgermeister, Dr. Arthur Nimhin, der sich als ein bedeutendes Verwaltungstalent bewährt hat, nahezu einstimmig zum Bürgermeister der Stadt Stanislau gewählt.— Ein empörender Vorfall ereignete sich kürzlich in der Leopoldstadt. Zwei Burschen schimpften und lärmten auf offener Straße gegen einen Juden. Der Pferdehändler Glaser, der zufällig vorbeikam, ermahnte die Burschen zur Ruhe. Darauf versetzte einer derselben Glaser einen so wuchtigen Hieb auf den Kopf, daß dieser blutüberströmt zusammenstürzte und während der Ueberführung ins Spital starb. — Die berühmte hebräische Bibliothek des bekannten Bibliographen Herrn S. I. Halber st am in Bielitz, eine reichhaltige Sammlung seltener hebräischer Werke, wurde von dem Kultusvorsteher Herrn Salo Cohn in Wien um den Preis von 5000 fl. angekaust. Herr Salo Cohn gedenkt, diese schöne und herrliche Büchersammlung in den Räumen der Bibliothek der israelitischen Kultusgemeinde in Wien aufstellen zu lassen, eventuell der israelitischen Kultusgemeinde zu schenken. B. Budapest, 26. April. Die Frage der von Dr. Rosenberg-Arad aufgeworfenen kirlichen Einsegnung der zwischen Juden und Christen geschloffenen Ehen, gegen welche die Rabbinerkonserenz Stellung nahm führte zu einem Federkrieg, der in der Hitze des Gefechtes arg ausartete. Es fielen auf beiden Seiten schwere Worte, die zur Lösung der strittigen

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