Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 60 (1896)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1896)
- Date
- 1896-05-01
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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WFf^wmrnmmsM-? ~ ■< »'' V - ' l- }~y->"\, - ~ 'f '^>v Frage wohl wenig beitrugen, aber das Ehrgefühl -er gegnerischen? Parteien sehr schwer. verletzten. Diese / Ehrenfrage kam nun vor das Preßgericht, das einem „warmen Freunde der Einsegnung" eine, unverdiente Genugthuung verschaffte. — Max Szab ölest, der Herausgeber des Egyenlösäg, der einen gewissen Dr. Isidor Schwarz, der im P'esti- Hirlap das Vorgehen der Rabbiner in scharfen Worten verdammte und ihnen materielle Ziele zum Vorwurfe machte, einen „verrückten x Kanonisten" nannte, von dem es „eine Niedertracht fei, die jüdischen? Seelsorger derart zu verleumden," wurde zu einer Geldstrafe von 100 Kronen! verurtheilt. Eine zweite'Ehrenfrage, die zwischen dem Egyenlösäg und dem vom rühmlichst bekannten Dichter Josef Kiß herausgegebenen „Het" auftauchte, wurde' auf friedlichem Wege gelöst. — Eine altehrwürdige Gemeinde, die den etwas konfessionell angehauchten Namen, „Zsido" (Jude) trägt, fand es plötzlich, daß dieser Namen, den diese Gemeinde noch unter den Arpaden bekam, dem würdigen Gemeinwesen nicht wohl anstehe und petitionixte um Abänderung des ominösen Ortsnamens. Diese Umtaufe wurde nicht gestattet. Referent führte aus, daß die guten Landwirthe keinen Grund haben, sich des Namens, der einige Jahrhundertealt ist, zu schämen, denn es giebt noch heute eine stattliche Anzahl altungarischer Familien, die das Prädikat „Zstdü" führen, aber wegen des recht semitischen Anfluges in demselben noch^ keine schlaflose Nacht gehabt haben. — Sigmund Brüdy spendete für * das Adele' Brüdy-Kinderspital, dessen Errichtung durch seiiw 500,000 Kronen-Stistung ermöglicht wurde, neuerdings 140,000 Kronen. —^ In Makö starb vor einigen Tagen der greise Rabbiner A. En och Fischer. Der junge Dichter Emil Makai betrauert in ihm seinen Vater. — In Ermangelung eines Rabbiners hielt in der Synagoge zu Czäkovo an dem letzten Peßachtage ein Advo kat die Festpredigt. — Die israelitische Landeskanzlei wird in Vertretung der ungarländischen Jüdenheit der feierlichen Eröffnung der Milleniumsausstellung beiwohnen. — Die königliche Oberstaatsanwaltschaft hat gegen das. klerikale Blatt Magyar All am wegen Klage Aufreizung gegen die' jüdische Konfession'überreicht. Die inkriminirten Artikel waren' kurz nach der Verhandlung in der Garam-Kis Sallüer. Angelegenheiterschienen. Großbritannien. r B. London, 24, April. Das hiesige Waisenhaus für taubstumme jüdische Kinder veranstaltete am 19. April seine Generalversammlung,- Die 25. seit dem/Bestehen des Institutes. Sir Philipp Magnus, der Vorsitzende desselben, theilt mit, daß zur Zeit 30 Kinder 17 Knaben und 13 Mädchen in der Anstalt sind, daß eben soviel Gesuche vorliegen daß man davon denken muß das Waisenhaus zu vergrößern, ja zu verdoppeln. Diese Vergrößerung wird ca? 120 000 Mark kosten, do^ sind davon erst '60 000 Mark gesammelt und um den Rest, sowie das. ständige Defizit zu decken wird im Ball oder Zweckessen nothwendi^ werden. Von einer Seite wird zu großer Luxus in der Erziehung getadelt. Dem gegenüber hebt aber der Schatzmeister hervor, daß zwar, im allgemeinen jüdischen Waisenhaus jedes Kind nur 560 Mark, dagegen' im Taübstümmenasyl 700 Mark koste, dies aber nothwendig sei wegen des schwierigeren und theuerern Unterrichtes der taubstummen Kindes . Amerika. * New-Dort im April. -In dieser Woche ist hier der Rev. Dr. Aaron Wise, seit langen Jahren Rabbiner der GemeindeRodeph Sholom, deren Tempel an der 63. Str. und Lexington Avenue stehH plötzlich am Herzschlage gestorben. Dr. Wise hatte sich Morgens nach der Synagoge begeben, um den Fest-Gottesdienst zu halten, obwohl er über Unwohlsein klagte? und sich erst nach längerem Widerstande dazu bringen ließ,'vom Predigen übzustehen und sich nach seiner Wohnung zu,begeben. Kurz darauf kam ein Bote in die Synagoge und meldete den Tod des Dr. Wise. Die Gemeinde Rodeph Sholom, welcher Dr. Wise seit 1875 als Rabbiner Vorstand, ist. im Jahre 1842 gegründet worden. Damals war ,Dr. Merzbacher ihr Rabbiner, bis Dr. Wise sein Nachfolger wurde. Mer Verstorbene war ein geborener Ungar, .52 Jahre alt und kam vor 23 Jahren nach Amerika. Dr. Wise hinterläßtaußer seiner Wittwehrei Töchter und zwei Söhne./ Non Nah und Fern. ■ ----- Der Legations-Rath Dr. Cahn, ständiger Hilfsarbeiter im Aus--»« wärtigen Amt, hat - den Rothen Adler-Orden - dritter Klasse mit der Schleife erhalten. — Zum Bibliothekar an der königlichen Universitäts- ) bibliothek wurde Dr. phrl. Heinrich Simon ernannt. — Herr Moritz Manheimer hat der Reuterstiftung, die ihren Wohnsitz Schulgartenstraße 91—96 hat und zur Aufnahme alter bedürftiger Kaufleute bestimmt ist, ein Kapital von 10 000 Mk. zur Begründung einer.neuen Stelle in der.Stiftung überwiesen, was um so dankenswerther ist, als-bei den beschränkten Mitteln der Stiftung viele Gesuchsteller haben abgewiesen werden müssen. Außerdem hat Herr Manheimer noch 1000 Mark zur Bertheilung an hiesige Arme der Armen-Direktion zur Verfügung, gestellt. — «Anläßlich des 70. Geburtstages seiner Mutter, der Frau Kommerzienrath Ephraim in Görlitz, hat Herr Martin Ephraim dem Magistrat der Stadt Görlitz ein Stiftungskapital von 10 000 Mark überwiesen, aus dessen Zinsen daselbstwohnende Bedürftige und würdige verheiratete Wöchnerinnen ohne Unterschied der Konfession .verpflegt, und unterstützt werden sollen. Die Stiftung soll den - Namen „Henriette Ephraim-Stiftung führen. — Dem prakt.Arzte Dr^rneh. Benno Sachs inBunzlau ist der Charakter als „Sanitätsrath" verliehen worden. — In Aachen brachen Diebe in die Synagoge ein und plünderten den Opferstock mit bedeutendem Inhalt. — Ein Deutschthum-Parasit wird Dr. Friedrich Lange in der Aprilnummer des antisemitischen „Mod. Völkergeist" genannt. Er sei der „Oberrabbiner" seiner Gemeinde und jüngst habe er durch Angriffe gegen Paasch und Ahlwardt bewiesen, daß er ein richtiger „Hebräeragent" sei. — Wie Blätter melden, ist der Bataillonsadjutant Premierlieutenant Ortenan im 17. Infanterie- Regiment (Jude) zum Katholizismus übergetreten. Die „Deutsche Armee Zeitung" vom 4. April fügt hinzu: „Wir hatten bisher geglaubt, es sei. einem Juden in der baierischen Armee nur dann möglich, aktiver Offizier zu werden, wenn er sich vorher das Eintrittsbillet in die Gesellschaft" durch die Taufe gelöst habe. Zu unserer Überraschung vernehmen wir, daß dieses Billet gar nicht nöthig ist, beziehungsweise auch post festum erholt werden kann." — Der österreichische Justizminister hat den mit dem Titel und Charakter eines Landgerichtsrathes bekleideten Raths,- sekretär bei dem Landesgerichte, in Czernowitz Dr. Bernhard Barber zum Landesgerichtsrathe bei diesem Gerichtshöfe ernannt. — Fürst Ferdinand von Bulgarien hat vor seiner Abreise von Konstantinopel dem Eigentümer des dort erscheinenden deutschen Tagblattes „Osmanische Post" und der „Orientalischen Korrespondenz", Professor Dionys R osenfeld, das Ritterkreuz des bulgarischen Alexander-Ordens verliehen. Während seiner Anwesenheit empfing der Fürst auch den Oberrabbiner von Konstantinopel, der ihm-für sein Wohlwollen, gegen die bulgarischen Juden dankte, und erwiederte auf dessen Ansprache:, „Ich empfinde eine tiefe Sympathie für das jüdische Volk, getreu den Traditionen, meiner erhabenen Ahnen, der königlichen Familie der Bourbonen. Ich bin sehr befriedigt von dem Verhalten der spagnolischen Juden in. Bulgarien, die die Gesetze achten und dem Lande wichtige Dienste leisten. Der Antisemitismus kann in Bulgarien nicht Wurzel fassen, und ich bin entschlossen, diese verdammensmerthe Bewegung stets zu bekämpfen." — Petersburger Nachrichten zufolge soll die im Aufträge des Justizministeriums mit der Advokätursreform sich befassende Kommission für die Zulassung jüdischex..MeDsanwälte im Innern des Reiches mit 10 Prozentim jüdischen Ansiedelungsrayon mit 25 Prozents der Gesammtzahl sich erklärt haben. — Baronin Hirsch übergab der Pariser Stadtverwaltung ans Anlaß des Todes ihres Mannes 100,000 Fr. zur Bertheilung an die Armen.— In der Schlacht bei A dua, in der das von General Bäratieri befehligte italienische Heer von dem abysstnischen fast gänzlich aufgerieben wurde, haben auch mehrere jüdische Offiziere tapfer mitgekämpft und sind den Heldentod Mr ihr Vaterland gestorben. Dagegen entgingen folgende jüdische Offiziere glücklich dem Tode und der 'Gefangenschaft: Oberstlieutenant Sinvon^Dupino vom 3. Infanterie-Bataillon, 'Hauptmann GugUelma? EuKst-ylla vom 6. Infanterie-Bataillon,?die Artillerie- Lieutenants Ügö Luzzatti.und Guiseppe Levi und der Lieutenant Giulio Levi vom 4. einheimischen Jäger - Bataillon. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.in Berlin. . . . ... Verantwortlich fijr ^ie-ReWtion: Max Bauchwi.tz in Berlin.