Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-01 · Heft 18 (1.5.1896) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228167--52778-3258419
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

2 psychologischen Grundlage der Unterrichts-Lehre", zu deren Lob auch nur ein Wort zu sagen wohl als überflüssig erscheinen dürfte; ferner die wahrhaft beherzigenswerthe Trauerrede, welche Herr Rabbiner Dr. May bäum an der Bahre des verewigten Dozenten Dr. Joel Müller gehalten. 'Dem Bericht des Kuratoriums entnehmen wir folgende Mittheilungen: In der ordentlichen Generalversammlung für das Jahr 1695 find in statutenmäßiger Wahl für das Kuratorium die nach' dem Turnus ausscheidenden Mitglieder Professor Dr. M. Lazarus, Kommerzienrath C. B. Simon und Dr. Paul Meyer wiedergewählt worden. Herr Dr. M. Kirsch stein, Dirigent der ersten Religionsschule der jüdischen Gemeinde, hat am 24. Tebeth 6656 (10. Januar 1896) feinen 70. Geburtstag gefeiert. Der Jubilar hat die Ehrengabe von 3520 Mark, welche ihm an diesem Tage von Freunden und Verehrern dargeboten worden, der Lehranstalt zur Begründung einer Preisstiftung für die Hörer der Anstalt gewidmet. Dank der Kirschsteinstiftung wird von jetzt ab die Preisbewerbung eine dauernde unß regelmäßige Einrichtung der Lehranstalt bilden. Die Zahl der Hörer hat betragen: Im Sommersemester 1895: 29, im Wintersemester 1895/96: 31. Sämrntliche Hörer, Inländer wie Ausländer, waren Maturi. Von den derzeitigen Hörern gehören der Lehranstalt an seit dem Jahre: 1888 3 Hörer; 1889 2 Hörer; 1890 2 Hörer; 1691 4 Hörer; 1892 3 Hörer; 1893 3 Hörer; 1894 9 Hörer; 1895 5 Hörer. Außerdem wird die Anstalt von 7 Hospitanten (Reichsausländern) besucht. In diesem Jahre hat an der Anstalt der Hörer Herr Dr. Samuel Poznanski die Rabbinatsprüfung abgelegt. Von den Hörern der Lehranstalt sind noch vor Ablegung des Rabbinatsexamens berufen worden: Herr Dr. M. Dienstfertig als Prediger und Religionslehrer vom Auerbachschen Waisenhause, hier, Herr Dr. L. Hannes von der Synagogengemeinde Spandau, Herr Dr. H. Vogelstein von der Synagogengemeinde Oppeln, Herr Dr. P. Rieger von der Synagogengemeinde Potsdam und Herr Dr. A. Morgenstern von der Kultusgemeinde Jamnitz in Mähren. Der Preis der Moritz-Meyer-Stiftung ist am Todestage des seligen Herrn Stadtrath Moritz Meyer vom Lehrerkollegium dem Hörer Gustav Weiner zugesprochen worden. Einem anderen Hörer der Anstalt, dem stud. phil. Felix Coblenz, ist von der theologischen Fakultät der hiesigen Universität (im August 1895) für die Arbeit betreffend „Das betende Ich in den Psalmen" der Preis zuerkannt worden. Herr Dr. Coblenz bekleidet jetzt das Prediger- und Lehreramt in der Synagogengemeinde Bielefeld. Dem eisernen Fonds sind zugefloffen: 6900 Mark. Für laufende Ausgaben sind eingegangen: Von dem Vorstand der jüdischen Gemeinde hier 5559 Mark. Aus den Montags- Vorlesungen sind der Stipendienkaffe in diesem Jahr zugeflossen 1680.85 Mark. Im Jahre 1895 hat die Anzahl der Stipendiaten 16 betragen. Die David Herzog'sche Freitisch - Stiftung hat an durchschnittlich 12 Hörer insgesammt 2825 Tischmarken vertheilt und hat hierfür 2118,75 Mark ausgegeben. Die Einnahmen betrugen 30124.85 Mark, die Ausgaben 16188,85 Mark. Die Einnahmen der Stipendienkasse betrugen 6266,60 Mark, die Ausgaben 3525 Mark. An der Lehranstalt werden im Sommer-Semester 1896 folgende Vorlesungen gehalten werden: Herr Dr. May bäum wird lesen: I. Methodik des jüdischen Religionsunterrichts, 1 Stunde, Dienstags 8—9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8-10 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: 1. Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags 11—1 Uhr. 2. Die 12 kleinen Propheten, 2 Stunden, Sonntags 10-11 und Dienstags 11-12 Uhr. 3. Das Buch der Proverbien, Montags 8—9 Uhr. 4. Geschichte der jüdischen Religionsphilosophie, 1 Stunde, Donnerstags 9 — 10 Uhr. 5. Lektüre des More Nebuchim d.es Maimonides, 2 Stunden, Mittwochs 10—12 Uhr. 6. Mischna, Baba Kamma, 1 Stunde, Dienstags 12—1 Uhr. 7. Geschichte der Juden, 2 Stunden, Montags 9 — 10 und Donnerstags 8—9 Uhr. Herr Professor Dr. Steinthal wird lesen: Ethik, Jdeenlehre, 1 Stunde, in einer noch zu bestimmenden Stunde. Herr Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud stat: Baba Batra III, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 10—12 Uhr. 2 Talmud curs. Chullin III, 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8-10 Uhr. 3. Jore Dea, Kapitel 100-110, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 12—1 Uhr. 4. Eben Ha-Ezer § 17, 1 Stunde, Dienstags 9—10 Uhr. 5. Maimün!, Mischne Tora II. Buch, 1 Stunde, Dienstags 10—11 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud, 1 Stunde, Freitags 10-11 Uhr. r. Breslau, 20. April. Am 21. v. M. Vormittag verschied nach längerem schweren Leiden Herr Hermann Hainauer im Alter von 76^2 Jahren. Der Verstorbene, der wegen seines milden wohlthätigen Sinnes sich in weiten Kreisen der Bevölkerung großer Hochachtung erfreut, hat sich namentlich um den Asylverein für Obdachlose hoch verdient gemacht, den er vor 25 Jahren zusammen mit dem Verein „Breslauer Presse" begründet hatte- Wenn der Asyloerein, dessen General-Bevollmächtigter der Verstorbene seit seiner Begründung gewesen war und den er viele Jahre hindurch als Vorsitzender geleitet hatte, und die mit dem Verein verbundene Volksküche sich zu einer Musteranstalt herausbildete, die manches Leid gestillt, manche Thräne getrocknet hatte, so war dies vor allem dem rastlosen Wirken des Verstorbenen zu verdanken, der unermüdlich und selbstlos seine ganze Kraft dem Verein gewidmet hatte. Viele Tausende gerade unter den Aermsten der Armen werden ihm daher ein dauerndes Andenken bewahren. Die Beisetzung des Verstorbenen fand unter sehr großer Betheiligung Montag Nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes aus statt. (D Gr.-Glogau, 26. April. Jüngst starb in Berlin ein hochbetagter reicher Herr, Johann Gottlieb Sucker, der vor 70 Jahren seinen Geburtsort, ein schlesisches Dorf Priedemost bei Glogau, verlassen hat; er ist arm aus seiner Heimath gezogen und in Berlin zu großem Vermögen gekommen; er ist evangelischer Christ und hat, da alle ihm Nahestehenden vor ihm weggestorben sind, die evangelische Gemeinde zu Priedemost zur Erbin eingesetzt. Hauptsächlich lagen ihm Bildungszwecke am Herzen. Zum Kuratorium der Stiftung hat er den Superintendenten, den Lehrer und den Schulzen von Priedemost eingesetzt. Die Revision aber über die Verwaltung überträgt er dem jüdischen Gemeindevorftande in Glogau, dafür soll die jüdische Gemeinde in Glogau 400 Mark jährlich zu Unterrichtszwecken erhalten. Sollte die Stiftung die landesherrliche Genehmigung nicht erhalten, so ist das Vermögen zwischen der evangelischen und der jüdischen Gemeinde in Glogau zu theilen. Dieses Zeichen des Vertrauens ist um so bemerkenswerther, als es von einem strengen Protestanten den Juden gewährt wird. — Zum hundertjährigen Bestehen des Vereins „Haspokas Avelim" (Versorgung der Leidtragenden) hat hier am 23. d. M. ein feierlicher Fest-Gottesdienst stattgefunden, bei dem Herr Rabbiner Dr. Rippner die Rede hielt. Der Bericht erhebt sich weit über das Niveau derartiger Rechenschaftsberichte. Er ist ein interessantes Stück Geschichte dieser alten und angesehenen Gemeinde- und auch die Spezialgeschichte des Vereins, die er ausführlich erzählt, ist nicht weniger von allgemeinem Interesse. Die Tendenz des Vereins besteht darin: jedem Leidtragenden in der Gemeinde, er sei nun reich oder arm, er sei Mitglied unseres Vereins oder nicht, eine Summe zuzuschicken, die der Höhe des Familienstandes entspricht; Jeder hat über den Empfang Quittung zu leisten, sodann werden Vereinsbüchsen ins Trauerhaus gesandt, die dort aufgestellt werden und in die wohl auch diejenigen, welche die Beileidsbesuche abstatten, ihr Scherflein hineinwerfen. Es bleibt natürlich dem Haupte der in Trauer versetzten Familie unbenommen, den empfangenen Betrag in die Büchse zu werfen, aber da eine Oeffnung der Büchsen erst nach längeren Zwischenräumen stattfindet, so ist es kaum festzustellen, wer den Betrag für sich verwendet oder als Spende dem Verein wieder zugeführt hat. Gegenwärtig, im Jahre des hundertjährigen Bestehens, führen Herr Felix Moses, Herr Isidor Badt, Herr Adolph Cohn die Geschäfte des Vereins; der erste Stellvertreter ist Herr Richard Lubowski, der zweite Herr Theodor Preuß. Neuerdings wurde der Beschluß gefaßt, dem Central-Hilfsverein jährlich mindestens dreißig Mark aus den Ueberschüssen zu gewähren. Der Gemeindevorstand als die aufsichtssührende Behörde besteht zur Zeit aus den Herren Jmanuel Landsberger, Siegismund Mathias, Emil Friedländer, Justizrath Isidor Friedmann und Dr. med. Moritz Pollak. Der Verein zählt 155 Mitglieder. Er hat Fonds, eine stattliche Anzahl von Mitgliedern und edle Ziele, ist sonach durchaus lebensfähig. Möge er noch lange leben! i. Frankfurt a. O., 24. April. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich das 25 jährige Jubiläum unseres Kantors und Religionslehrers, Eduard Abraham, am 19. d. Mts. In dem festlich dekorirten Sitzungssaals der Synagogengemeinde hatten sich die Mitglieder zahlreich eingefunden. Gegen HM/* Uhr wurde der Jubilar und feine Gattin von zwei Mitgliedern des Festkomitees in den Saal geleitet und durch Chorgesang mit Harmonium begrüßt. In einem schwungvollen Gedichte,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.