Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-05-01 · Heft 18 (1.5.1896) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 18 (1.5.1896)
Date
1896-05-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228148-3228167--52777-3258418
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Geriin, 1. Mar 1896. ^'so. Mrgang. Nr. 18. ttUÖf* tl flt Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums". f Korresponderrzen und Nachrichten. / Deutschland. 22 Berlin, 30. April. „Die Krone eines guten Namens — sagen unsere Weisen — überstrahlt selbst die Krone des Priesterthums und der Gelehrsamkeit." An dieses Wort müssen wir unwillkürlich beim Niederschreiben dieser Zeilen denken, die dem segensreichen Wirken eines Mannes gelten, dessen Namen in der Geschichte unserer Gemeinde mit goldenen Lettern verzeichnet ist. Wir meinen Herrn Moritz Manheimer, der: morgen in stiller Zurückgezogenheit seinen siebzigsten Geburtsta^feie'ri^ — Der Name Moritz Manheimer bildet innerhalb unserer Gemeinde ein Programm. Seit seiner im Jahre 1855 erfolgten Verheiratung mit seiner vortrefflichen Gattin Bertha, geb. Lehweß, hat er, von dieser edlen Frau unterstützt und angeregt, sein Sinnen und Trachten in den Dienst der leidenden Menschheit, mit besonderer Berücksichtigung der Armen und Leidenden unserer Gemeinde gestellt. Zunächst galt seine Fürsorge den im Alter hilfsbedürftigen Glaubensgenossen, für die er das prächtige Gebäude in der Schönhauser Allee stiftete und am 11. .November 1883 seiner Bestimmung übergab. Aber schon nach einigen Jahren mußte die für 42 Hospitanten Raum bietende Anstalt eine Erweiterung erfahren. Herr Manheimer ließ daher 1888 den ersten und 1892 den zweiten Anbau aufführen. Jetzt beherbergt die Anstalt 93 Insassen, welche Dank der liebreichen Pflege und Wartung, die ihnen hier zu Theil wird, die Bitterniß des tälmudischen Sprichwortes: „Silberhaar ist eine,Krone von Dornen," nicht in ihrer ganzen Wahrheit erfahren. Nächst dem hilfsbedürftigen Alter widmet Herr Manheimer seit einer Reihe von Jahren seine — wir dürfen wohl sagen — väterliche Fürsorge den Kranken und Leidenden, und schon in nächster Zeit wird das von ihm gestiftete „Hospital der jüdischen Gemeinde" seiner Bestimmung übergeben werden. Denken wir ferner an seine Wirksamkeit in der Eigenschaft als Repräsentant unserer Gemeinde, als eifriges Vorstandsmitglied des Vereins Magine Röim, der Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler, als Kurator der Dina Naüen'schen Stiftung, der Alters-Versorgungs-Anstält und des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde, wie überhaupt an seine Theilnahme an jeder Wohlthätigkeitseinrichtung im öffentlichen, bürgerlichen wie im jüdischen Leben, so bekommt man ein Bild von der Herzensgüte und edlen Gesinnung dieses Mannes, auf den unsere Gemeinde mit berechtigtem Stolz blicken und vereint mit uns den Wunsch hegen darf: Gott schütze und erhalte diesen edlen Mann, diesen wahrhaft frommen Juden! £2 Berlin, 27. April. Nach den letzten Jahresberichten. der höheren Schulen Berlins waren den Religionsverhältnissen nach rund 79 v. H. aller Schüler evangelisch, 3,5 v. H. katholisch, 0,3 o. H. Dissidenten und 17,2 v. H. mosaisch. Während der Hundertsatz der katholischen und disstdentischen Schüler an den verschiedenen Anstalten ziemlich derselbe ist, weisen die königlichen Gymnasien 17,6 v. H., die Realgynmasien 18,1 v. H. und die städtischen Gymnasien 26,7 v. H. mosaische Schüler auf, die lateinlosen Realschulen dagegen nur 6,6 v. H. — Die Programme der sieben öffentlichen höheren Mädchenschulen ergeben, daß 4827 Mädchen im Schuljahr 1896/96 diese Anstalten besuchten von denen 61,1 v. H. evangelisch, 1,6 v. H. katholisch, 0,3 o. H. dissidentisch und 35 v. H. mosaisch waren. ' ... ■ -v.. V> . 22,Bexlin,23. April. Der eben versandte Jahresbericht des Jüdischen Madchenstiftes, Münzstraße 23, welches die hauswirthschaftliche Heranbildung unbemittelter jüdischer Mädchen bezweckt, stellt die erfreuliche bisherige Entwickelung der seit sechs Jahren bestehenden \ Anstalt dar. Anfangs auf nur sechs Zöglinge beschränkt, erzieht das Stift jetzt deren fünfzehn, und zwar ganz unentgeltlich. Von den bisher entlassenen Mädchen befinden sich acht als Köchinnen, sechs als Hausmädchen und zwei als Mädchen für Alles im Dienst, fast durchweg zur völligen Zufriedenheit ihrer Herrschaften. Der Vorstand ist eifrig bemüht, den immerhin noch viel zu eng gespannten Rabmen, innerhalb dessen sich die Wirksamkeit des Mädchenstistes bewegt, zu erweitern. Die Zahl der immerwährenden Mitglieder ist auf 57, die der ordentlichen Mitglieder auf 450, die Summe der Jahresbeiträge auf 4 733 Mark, das Anstaltsvermögen auf 21348,20 Mark gestiegen. Der Vorstand besteht aus Herrn Waisenhaus-Direktor Dr. A. Strelitz und Frau Julie Neumann. Ferner gehören demselben an: Fräulein Franzisea Lüpschütz, Sanitätsrath Dr.Blumenthal, Frau Geheim-Räthin Meyer-Cohn, Frau Martin Fernbach, Leopold Friedmann, Stadtverordneter Dr. I. Ginsberg, Robert Goldschmidt, Frau Pauline Mende, Frau Rudolf Mosse, Frau Louis Oppenheim, Frau Hermine Rathenau, Frau Rosa Sachs, Direktor Schayer, Frau Clara Unger, Frau Alfred Löwenberg, Frau Bendix Lewy. z. Berlin, 27. April. Der Verein Freunde der Taubstummen hielt gestern Vormittags im Saale des Brüder-Vereins seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Geheimrath Marcuse, eröffnete die Sitzung und gedachte mit warm empfundenen Worten der im verflossenen Jahre verstorbenen Herren Ph. Ginsberg und I. Blumenthal, deren Munifizenz und werkthätiger Unterstützung der Verein zum Theil seine gedeihliche Entwickelung verdankt. Hierauf berichtete Herr Reich, über die Thätigkeit des Vereins und die in der Anstalt erzielten Erfolge: Die Anzahl der taubstummen Kinder, namentlich aus den wenig bemittelten und ganz armen Familien, ist eine stetig zunehmende, wodurch die uns erwachsenden Lasten eine bedeutende Steigerung erfahren. Im verflossenen Jahre wurden in der Anstalt unterrichtet und erzogen 39 Zöglinge:' 24 Knaben und 15 Mädchen, und zwar 13 Freizöglinge, 18 Halbfreizöglinge, 7 zahlende Zöglinge und 1 nicht in der Anstalt wohnender Schüler. 3 Kinder waren aus Berlin, 23 aus dem übrigen Königreich Preußen und 13 aus den änderen deutschen Bundesstaaten. So erfreulich dieser Erfolg auch sein mag, so dürfen wir doch hiermit unsere Aufgabe nicht für erfüllt erachten. So lange wir aus finanziellen Rücksichten eine große Anzahl dringender Gesuche um Aufnahme in unsere Anstalt zurückzuweisen gezwungen sind, haben wir das uns Vorgesetzte Ziel nicht erreicht, und wir müssen uns wiederum mit der dringenden Bitte an alle unsere Glaubensgenossen wenden, sich dieser Anstalt nach besten Kräften änzunehmen, damit wir in unseren Mitteln gestärkt und in den Stand gesetzt werden, unserer Aufgabe vollkommmen zu entsprechen. Bor allem wäre es Pflicht dez Vorstände der jüdischen Gemeinden in Deutschland, auf Bewilligung'fester jährlicher Beiträge an unseren Verein hinzurvirken. Mit einem Appell an die Mitglieder des Vereins, ihn bei der Unterbringung der Zöglinge bei tüchtigen Meistern, die leider gegen taubstumme Lehrlinge noch immer ein gewisses Vorurtheil haben, kräftig zu unterstützen, schloß der Referent seinen interessanten Bericht, worauf, nach Anhörung des Berichtes der Revisoren, der Kassenverwaltung die Decharge ertheilt wurde. Der Voranschlag des Etats, 25 550 Mark für 1896, wurde ohne Debatte genehmigt. In der hierauf folgenden Ergänzungswahl des Vorstandes wurden per Akklamation an Stelle ches verstorbenen Kassirers I. Blumeythal dessen Sohn, an Stelle des Geheimrath Dr. Kristeller Geheimrath Boas, für die freigewordenen Posten der Herren Dr. Mann-Stettin und I. Läufer Frankfurt a. O. die Herren Gustav Tuch-Hamburg und Meyer Schwarzschild-FrankfÜrt a M. und Herr Bankier Köhler-Fürstenwalde wiedergewählt. Nach der Wiederwahl der Revisoren Maurermeister Straßmann und S. Leichtentritt, worauf noch verschiedene Vereins-Angelegenheiten zur Sprache kamen, schloß der Vorsitzende die Sitzung. £2 Berlin, 27. April. Der XIV. Bericht über die Lehranstalt der Wissenschaft des Judenthums ist soeben erschienen. Derselbe enthält zunächst eine Abhandlung von Professor Steinthal: „Zur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.