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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-24 · Heft 17 (24.4.1896) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Bedingung beitreten soll, daß der Verband unter Weglassung der 1500 Ml. Beitrag, seitens des. D. I. G.-B. ein nach allen Seiten hin unabhängiger werde. Bei der Abstimmung, an der sich 23 ordentliche Mitglieder betheiligten, wurde der bedingungslose Beitritt (Antrag Goldschmidt) mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen. Nach dieser Debatte hielt der als Gast anwesende Rabbiner der Düsseldorfer Synagogengemeinde, Herr Dr. David, eine beifällig aufgenommene Ansprache, worin er versprach, die innere und äußere Lage des jüdischen Lehrerstandes, mit. bessern helfen zu wollen und auch im rheinischen Rabbinerverbande zu Gunsten des Vereins wirken zu wollen. In der Nachmittagssitzung wurde der Antrag der niederrheinischen Bezirkskonferenz berathen und angenommen, nach welchem der Verein im lausenden Jahr 500 Mark auswirft zur Unterstützung der in eine Lehrerkasse eintretenden Mitglieder und 100 Mk. zur Unterstützung bei Krankheitsfällen. Ein vom provisorischen Vorstande des jüdischen Lehrerstandes gestellter Antrag (Mittel und Grundlagen zur Herbeiführung der definitiven Anstellung des jüdischen Lehrers) wurde in eine Vorstandssitzung zurückverwiesen. Von Empfehlung einer bestimmten Krankenkasse für die Vereinsmitglieder wurde Abstand genommen. Ebenso wurde ein Antrag von 5 Mitgliedern der niederrheinischen Bezirkskonferenz, nach welchem nur 2 Vorstandsmitglieder in Köln wohnen sollen, abgelehnt. Hingegen wurde ein Antrag, von Block»Oberhausen angenommen, daß der Kassenbericht mit spezieller Anführung der Einnahmen-und Ausgaben gedruckt und jedem Mitglieds zugeschickt werden soll. Nach diesen Berathungen hielt Kollege Freytag-Bornheim einen Vortrag über die Poesie im Buche Hiob, welcher durch allgemeinen, wohlverdienten Beifall ausgezeichnet wurde. Nach dem Schlußworte des Herrn Vorsitzenden brachte Kollege Ransenberg ein dreifaches Hoch dem eifrigen Vorstande aus, in welches die Anwesenden lebhaft einstimmten. Abends fand im Hotel Frank gemüthliche Abendunterhaltung statt. Auf fröhliches Wiedersehen im Herbst! E. Gut, Schriftführer. t. Soest, 20. April. Der vor einigen Wochen in Münster, Westfalen, Heimgegangene frühere Lehrer und Kultusbeamte, Herr N. Meisler, Ihr ehemaliger Korrespondent aus der Münster-Gegend, welcher bis zu seiner Pensionirung 23 Jahre hier amtirte, hat die Soester Synagogengemeinde zur Universalerbin seines Vermögens eingesetzt, mit der Bestimmung, daß die Hinterlassenschaft zu wohlthätigen Zwecken, speziell für hiesige-verschämte und unbescholtene Arme, verwandt werde. — Am siebenten. Pessachtage.! predigte in hiesiger Synagoge der Rabbinatskandidat Julius Cohen von hier. Derselbe ist der erste Rabbiner welcher aus unserer Gemeinde hervorgeht. Bemerkenswerth ist, daß der Urgroßvater des Kandidaten ein seinerzeit als gelehrt und berühmt bekannter Rabbiner zu Geseke war. Der junge Redner sprach über das Pessachfest als Freiheitsfest und entwickelte den Begriff der wahren Freiheit. Die Gemeinde war durch den Vortrag bewegt. Man kann dem Kandidaten ein gutes Prognostikon stellen. Oesterreich-Ungarn. LI Wien, 27. April. Wie vorauszuseben, ging auch bei dieser Bürgermeisterwahl am 18. d. M. Dr. Lueger als Bürgermeister hervor; es bleibt nun abzuwarten, ob er diesmal die kaiserliche Bestätigung erhalten wird. Unterrichtete Kreise versichern, daß die Bekanntmachung der Nichtbestätigung Luegers zum Bürgermeister bald bevorsiehe. Bon den Verhandlungen der Regierung mit den Antisemiten wegen etwaiger Auskunstsmittel sei keine Rede mehr. Die Regierung werde voraussichtlich den Gemeinderath abermals auflöfen. Die Rede Luegers berührte an maßgebenden Stellen sehr peinlich. Die „N. fr. Pr." giebt dieser Stimmung Ausdruck, indem sie schreibt: „In Wien ist die Begriffsverwirrung soweit gediehen, daß der neugewählte Bürgermeister, anstatt von Angelegenheiten der Stadt, von Angelegenheiten Ungarns sprechen kann und dafür noch angejubelt wird. Indessen deutet diese Sprache an, daß Lueger selbst nicht auf seine Bestätigung rechnet." — Vor einigen Tagen ist der Grazer Nachahmer, und Freund des Dr. Lueger, Gemeinderath Feichtinger, unter der Beschuldigung der mehrfachen Veruntreuung wegen Verabredungsgefahr verhaftet worden. Feichtinger ist Herausgeber und Chefredakteur eines antisemitischen Tagblattes, namens „Extrablatt", und bei der Geldbeschaffung.für dieses Blatt soll es zu mehrfachen Unregelmäßigkeiten gekommen sein, welche das Verbrechen der Veruntreuung begründen. Die Verhaftung kam keinesfalls unerwartet. Schon seit Monaten wußte man sich in der Stadt allerlei schmutzige Geschichten von dem Manne zu erzählen, aber es kam bisher niemals zur gerichtlichen Anklage, weil die Zeugen gegen Feichtinger, der in der Partei einen großen Terrorismus ausübte, nicht aussagen wollten. Die Verhaftung ihres energischesten Wortführers hat natürlich in der antisemitischen Partei tiefe Erschütterung herbeigeführt. Man erinnert sich jetzt, daß erst vor drei Wochen Lueger in einer von Feichtinger veranstalteten Versammlung sprach, sich von Feichtinger seinen Freund nennen ließ und Ernst Schneider Feichtingers Revolverblatt als das einzige anständige Blatt von Graz lobte. — Vor einiger Zeit brachte die Vorstehung der „Vereinigten Handwerksgenossenschaft in Rzeszow" beim Verwaltungsgerichtshofe eine Beschwerde dagegen ein, daß die Administrativbehörden den von der Genossenschaft gefaßten Beschluß, wonach die Zöglinge der dortigen Hirsch'scheu Schlosser- Fachschule im Sinne des Gewerbegesetzes zu betrachten seien, sistirt habe. Diese Beschwerde vertrat Dr. Lueger, während sie von Dr. Wechsberg namens der Baron Hirsch'schen Stiftung bekämpft wurde. Nun verkündete der Senatspräsident Dr. v. Böhm-Bawerk die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofes, wonach die Beschwerde als unbegründet abgewiesen wurde. Die Genossenschaft ist nunmehr verhalten, die Zöglinge dieser Anstalt als Lehrlinge zu inkorporiren. Die Entscheidungsgründe bezeichnen die von Dr. Lueger vorgebrachten Einwünde als weder im Gewerbegesetze begründet, noch zutreffend und zum Theile ganz belanglos. g. Troppau, 21. April. Der gestrige Tag war vielleicht ein Markstein in der religiösen Entwickelung der hiesigen Kultusgemeinde. Bekanntlich ist Troppau nächst Wien die vom brutalsten Antisemitismus am meisten durchseuchte Stadt Oesterreichs. Sämmtliche Gemeinderäthe sind Antisemiten. Der Name des ehrenwerthen Abgeordneten Türk ist mit Troppau eng verknüpft. Die Folge des äußeren Druckes war innere Ermattung. Die von hier stammende akademische Jugend schloß sich der zionistischen Bewegung an, das religiöse Gemeindeleben gerieth immer mehr auf die Bahn eines gefahrvollen Jndifferentismus. Das wird vielleicht jetzt anders werden. Gestern Abend wurde hier ein jüdisch-litterarischer Verein — der erste in ganz Oesterreich- Schlesien und Mähren — begründet und eröffnet. Angesehene hiesige Mitglieder haben sich um das Werk sehr gemüht und es ist glänzend zu Stande gekommen. Der Verein soll geistige Waffen gegen den äußeren Feind liefern, soll immer religiöse Begeisterung und ein gemeinsames Band um alle Glieder der Gemeinde schlingen. Der Präses des Vereins, Advokat Dr. Salomon Eibuschütz, eröffnete mit warmen Worten den ersten Abend. Der Rabbiner unserer Kultusgemeinde Herr Dr. Blüh hielt eine kurze zu Herzen gehende Weiherede, und dann hielt den ersten populär-wissenschaftlichen Vortrag Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor. In mehr als einstündiger Rede zeichnete Herr Dr. Blumenthal die jüdische Vergangenheit und die Pflichten des Judenthums der Gegenwart. Die Worte des Redners übten eine geradezu faszinirende Wirkung und rissen das begeisterte Publikum zu minutenlangem stürmischen Beifall hin. Im Anschluß daran mahnte Herr Rabbiner Dr. Spira aus Mährisch-Ost rau in markigen Worten zur Pflege der jüdischen Wissenschaft und der hebräischen Sprache in Schule und Gotteshaus. Im Aufträge des Ratiborer Litteraturvereins überbrachte Herr Bamberg er herzliche Grüße. Namens der Wiener Studentenverbindung „Moria" sprach stud. jur. Eibuschütz und namens der „Kadima" stud. phil. Marburg begeisternde Worte. Herr Dr. Blumenthal feierte schließlich die jüdische Jugend, welcher die Zukunft gehöre. In später Nachtstunde nahm der denkwürdige Abend ein Ende, welcher uns unvergeßlich bleiben und der, wie wir fest hoffen, von segensreichen Folgen für die religiös - wissenschaftliche Entwickelung auch in anderen österreichischen Gemeinden sein wird. Großbritannien. s. London, 19.April. DieJewish Colonisation Association beabsichtigt, ihren Wirkungskreis zu erweitern und hat in ihre Statuten einen neuen Paragraphen ausgenommen, der besagt, daß Geschenke und Legate von der Gesellschaft angenommen werden auch für andere Zwecke, als sie bisher die Gesellschaft verfolgt. Die Gesellschaft wird sich der Verwaltung solcher Fonds widmen, nach den Bestimmungen der Spender, welche für irgend welche philantropischen Zwecken zu Gunste jüdischer

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