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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1896-04-24 · Heft 17 (24.4.1896) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
60 (1896)
Issue
Heft 17 (24.4.1896)
Date
1896-04-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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warm gehaltenes Schreiben behufs Propaganda an sämmtliche Mit^ glkeder der Gemeinde verschickt, das sicher seine Wirkung nicht verfehlenwird. Als Anhang wird eine interessante Uebersicht der bisher zur' Bertheilung an die Mitglieder gelangten Schriften, sowie der hn* Verein gehaltenen Vorträge und größeren Referate gegeben. Aus dieser- Uebersicht ist zu entnehmen, daß der Breslauer Verein besonders eifrig' gearbeitet hat. Hoffentlich findet er nun auch die Theilnahme, deren er bedarf und die er verdient.? Berlin, 21. April. Am 18. d. M. fand eine außerordentliche- Generalversammlung, der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" statt. Nach Aufnahme eines neuen^ Mitgliedes trat man in die Berathung über die Gründung eines Provinzialvereins jüdischer Lehrer für Brandenburg ein., Der Vorsitzende Herr Dr. Adler referirte darüber und legte die Motive dar, welche es dem Vorstande angezeigt erscheinen ließen, der Versammlung den korporativen Beitritt der Vereinigung zu einem zu gründenden' Verein warm zu empfehlen. In längerer Debatte wurden die finanziellen ' Nachtheile, welche der Kasse der Vereinigung aus dem Beitritt entstehen‘ würden, sowie die Frage, wie sich bei der Wahl von Delegirten zurm Lehrerverband das Stimmrecht gestalten würde, eingehend erwogen und schließlich der Beschluß gefaßt, dem Verein, falls er zu Stande komme^ dem Vorschlag des Vorstandes gemäß, beizutreten, da man um des, Wohles des Ganzen willen auch kleine Nachtheile mit in Kauf nehmen, müsse und könne. Die Annahme des vom Vorstand empfohlenen Antrages erfolgte mit allen gegen eine Stimme. Nach Erledigung der Tagesordnung kam es zu einem Meinungsaustausch über die Opportunität' der Gründung einer Darlehnskasse, und wurde der Vorsitzende' beauftragt, eine Diskussion über diese Frage auf die Tagesordnung einer' der nächsten Sitzungen zu setzen. Schließlich wurde bestimmt, im Monat' Juni eine wissenschaftliche Sitzung abzuhalten, welche sich mit denri Thema: „Die unterrichtliche Behandlung der Schöpfungsgeschichte"' beschäftigen solle. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde Kollege Remack ' zum Referenten, Kollege Falkenberg zum Korreferenten über dieses Thema bestellt. L2 Berlin, 19. April. Der hiesige Brüder-Berein zu gegen-' seitiger Unterstützung, der sich seit nunmehr 82 Jahren der Ausübung. wahrer Humanität widmet und in der Bethätigung echter Bruderliebe an hervorragender Stelle steht, hielt am 21. v. M. seine diesjährige ordentliche General-Versammlung ab. Trotz der im vergangenen Jahre an seine bedürftigen Mitglieder gezahlten Unterstützungen in der an-, sehnlichen Höhe von circa 43 000 Mark, war der Vorstand angesichts der günstigen finanziellen Situation des Vereins dennoch in der Lage, der General-Versammlung einen Antrag zu unterbreiten, der eine Erweiterung seiner segensreichen Wirksamkeit bezweckt. Nach den Satzungen war es nämlich dem Verein bisher nur möglich, solchen Hinterbliebenen Kindern, verstorbener Mitglieder seine Fürsorge angedeihen zu lassen, welche das- 18. Lebensjahr erreicht hatten. Jetzt nun sollen nach einem vom Vorstande gestellten, von der General-Versammlung einstimmig angenommenen Anträge die Statuten dahin ergänzt werden, daß auch Kindern ver-. storbener Mitglieder, welche das 18. Lebensjahr bereits überschritten haben, zu ihrem ferneren Fortkommen ansehnliche Unterstützungen gewährt werden können. Zu diesem Zweck soll aus dem Vermögens-Bestände des Vereins zunächst ein Fond in Höhe von 20 000 Mark zur Verfügung gestellt und alsdann diesem Fond alljährlich ein Betrag von 3000 Mark hinzugesügt werden. Hiermit ist der schönsten und edelsten Tugend, der Humanität, wiederum ein weites Feld eröffnet zur Ehre des Vereins und zum Segen seiner Mitglieder. 1. Frankfurt a. O., 15. April. Auf Einladung eines von den Herren Rabbinern Dr. Cohn-Potsdam, Bähr-Prenzlan, Blumenthal-; Frankfurt a. O. gebildeten Komitees traten am 8. d. Mts. in Berlin: die in der Provinz Brandenburg amtirenden Rabbiner (außer den drei Genannten noch die Herren Rabbiner Dr. Ackermann-Brandenburg a.H., Elsaß-Landsberg a. W., Hannes-Spandau, Rieger-Potsdam, Sandler- Schwedt a. O.) behufs Gründung eines Rabbinerverbandes der - Provinz Brandenburg zusammen. Herr Dr. Cohn-Potsdam begrüßte die Versammlung, dankte den Kollegen für ihr vollzähliges Erscheinen, legte in großen Zügen die Ziele dar, die der Verband anzustreben habe, und wies auf den reichen Segen hin, der den einzelnen Kollegen und den Gemeinden der Provinz aus der zielbewußten Wirksamkeit des Verbandes erwachsen werde. Nachdem auf Vorschlag des Herrn Dr. Bähr- Prenzlau Herr Dr. Cohn zum Vorsitzenden und Herr Dr. Blumenthal zum Schriftführer der konstituirenden Sitzung gewählt worden, trat die Versammlung zunächst in die Generaldiskussion über einem von Herrn Dr. Cohn vorgelegten Statutenentwurf ein; in derselben begrüßten fast alle Anwesenden den zu gründenden Verband als einen Sammelpunkt für sonst leicht zersplitterte Kräfte, als autoritative Vertretung religiöser Bestrebungen gegenüber den Gemeinde-und staatlichen Behörden, als Mittel zur Hebung des Standesbewußtseins und zur Förderung der Kollegialität. Einige formelle Aenderungen des Entwurfs wurden' einer aus den Herren Bähr, Blumenthal und Elsaß bestehenden Redaktionskommission überwiesen und, nach einer 1^/s stündigen Mittagspause, nach deren Vorschlägen angenommen. Hierauf wurde Herr Dr. Cohn- Potsdam zum Vorsitzenden, Herr Dr. Blumenthal-Frankfurt a. O. zum Schriftführer und Herr Dr. Bähr-Prenzlau zum Kassirer des Verbandes gewählt. Zum Schluffe erhoben sich die Anwesenden zu Ehren des Herrn Dr. Cohn, der trotz angegriffener Gesundheit die Verhandlungen geleitet hatte, von ihren Sitzen. So ist denn ein Rahmen für die gemeinsame Bethätigung edler Kräfte im Dienste des Judenthums innerhalb der Gemeinde unserer Provinz geschaffen. Möge der Verband blühen, wachsen und gedeihen! Lp. Aus der Provinz Posen, im April. Der israelitische Armenverein in Wreschen, der auswärtige und,dortige Arme verpflegt, für Arzt, Medizin re. seiner Armen sorgt, hat gegenwärtig 85 Mitglieder, die monatlich gegen 100 Mark Beitrag zahlen. Der Verein hat im abgelaufenen Vereinsjahre gegen 1000 Mark an Bedürftige vertheilt. — In Schulitz ist eine Spaltung der Gemeinde vorgekommen. In Folge dessen versammelten sich die Mitglieder der einen Partei zu gottesdienstlichen Zwecken im Hause eines Privatmannes. Diese Veranstaltung ist aber polizeilicherseits inhibirt worden. -- Bisher waren die Schulen in Zempelburg konfessionell. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres sind die jüdischen Schulklassen mit denen der evangelischen verschmolzen und die beiden jüdischen Lehrer an dem neuen Schulkörper angestellt worden. Hamburg, im April. Wir erhalten heute den folgenden Aufruf: Deutsche Lehrerversammlung, Hamburg 1896. An die- Kollegen im deutschen Reiche! In der Pflngstwoche findet in unserem schönen Hamburg die deutsche Lehrerversanunlung statt. Auch mancher jüdische Lehrer wird alsdann hier weilen, um sich in gemeinsamer Arbeit mit den übrigen Kollegen zu stärken zu neuem Wirken und Schaffen in Schule und Gemeinde. Es wird ihm aber auch Bedürfniß sein, sich mit seinen Spezialkollegen über Fragen zu unterhalten, die die jüdische Schule betreffen. Um den Kollegen Gelegenheit zu geben, sich kennen zu lernen und sich auszusprechen, hat der Verein „Mendelsohn" beschlossen, am Nachmittage des 26. Mai, zur Zeit des offiziellen Festmahls, die. Kollegen um sich zu sammeln. Jeder der zur Versammlung kommenden Kollegen ist dem Verein herzlich willkommen und wird gebetenseine Theilnahme an dieser Zusammenkunft sowie an dem sich anschließenden Mittagessen dem Vorsitzenden des Vereins, Herrn Mittelschullehrer Joseph Feiner in Hamburg, Grindelberg 5, bis spätestens 15. Mai zu melden. Mit kollegialem Gruß. Der Vorstand des Lehrervereins „Mendelssohn". <5£ Köln, im April. Der „Verein der jüdischen Lehrer in Rheinland und Westfalen" hat in Düsseldorf am 6. d. M. seine außerordentliche Generalversammlung abgehalten, die recht gut von ordentlichen Mitgliedern und Gästen besucht war. Nachdem das Protokoll der Neujahrsversammlung vorgelesen und genehmigt war, erstattete Herr Lehrer Sulmann-Köln, in Vertretung des Kassirers Herrn Bankier Wulf-Köln, den Kassenbericht, nach welchem derBerein von Januar 1895 bis März 1896 eine Einnahme von über 2800 Mk. hatte. Die Ausgaben für Drucksachen, Porti, Reisekosten, Unterstützuugsgelder u. s. w. betrugen 385 M., so daß der Verein gegenwärtig ein- Vermögen von 2100 Mk. besitzt. Den Geschäftsbericht erstattete der Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Lazarus, nach dessen Bericht der Verein 85 ordentliche, 300 außerordentliche und 9 Ehrenmitglieder zählt und fast jede Woche Zuwachs erhält. Eine sehr lebhafte Debatte entwickelte sich über die Beitrittssrage zum Verbände der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche, Nachdem viele Redner pro oder contra Anschluß gesprochen hatten, stellte Kollege Goldschmidt-Köln den Antrag auf bedingungslosen Beitritt, während Gut-Köln einen Antrag stellte, wonach der Verein unter der

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